Hassbotschaften: Wie repariert man die Debatte im Netz? Die Tastatur (und das Meer) sind die besten Psychiater

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Mitglied der Tagesspiegel-Community

Expertise:

Bolko Bartsch ist seit vielen Jahren aktives Mitglied der Tagesspiegel Community. Community-Manager schätzen ihn für seinen Diskussionsstil.

Bolko Bartsch verbringt viel Zeit damit, mit anderen Lesern auf Tagesspiegel.de zu diskutieren. Er sagt: Eine virtuelle Eskalation ist unangenehm, aber weniger gefährlich als eine persönliche. Sie kann sogar einen positiven psychologischen Effekt haben.

1. Warum eskaliert an manchen Orten im Netz die Debatte?

Eine virtuelle Eskalation ist weniger gefährlich als eine persönliche: Die Tastatur (und das Meer) sind gute Psychiater.

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Da ich mich nicht an vielen unterschiedlichen Online-Orten beteilige, da mir einfach die Zeit dafür fehlt, besitze ich nicht ausreichende Kenntnisse, um das beurteilen zu können. Eine virtuelle Eskalation ist weniger gefährlich als eine persönliche. Es gibt keine körperlichen Verletzungen. Schriftliche Ergüsse regen ab: Der beste Psychiater ist die Tastatur (und das Meer), beides hört zu. Ich glaube aber schon, dass auch eine eskalierte Online-Debatte recht gut aufzeigt, wessen Geistes Kind wir in Deutschland sind. 

2. Was kann man tun, um Debatten im Netz zu kultivieren?

Um die Debatte im Netz zu kultivieren, hilft es, mit gutem Beispiel voranzugehen.

Mit gutem Beispiel vorangehen. Ein kultiviertes Miteinander erhöht den Wert der Online-Plattform. 

3. Welche Verantwortung tragen die Plattformbetreiber? Welche trägt die Community selbst? Welche die Medienverantwortlichen?

Rechtlich können das Juristen am besten beurteilen (bin selber kein Jurist). Ich würde davon ausgehen, dass es schon heute ausreichende Gesetze in Deutschland gibt, mit denen die Grenzen für Plattformbesitzer, Community-Mitglieder und Medienverantwortliche festgeschrieben sind. 

4. Welche Art der Moderation trägt zur gepflegten Debatte bei (vorher, nachher?)

Eine Moderation durch den Plattformbetreiber oder die Medienverantwortlichen trägt zur Debattenkultur bei.

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Eine Moderation sollte es sicher in jedem Fall geben, wobei die Kosten für Plattformbetreiber und Medienverantwortliche ein Problem sein dürften. Mich würde interessieren, wie viele Mitarbeiter das im Tagesspiegel erledigen. Gibt es eine Statistik? Manches Mal würde ich mir mehr Moderation durch den Tagesspiegel, insbesondere durch den in der diskutierten Sache tätigen Journalisten wünschen, entsprechend der Dynamik zu einem bestimmten Thema, bei offensichtlichen Unklarheiten oder entscheidenden Irrtümern. 

5. Würde eine Klarnamenspflicht helfen?

Mit einem Pseudonym maskiert man sich. Und maskiert erlaubt man sich einfach mehr. Persönlich würde ich mich mit und ohne Maske gleichermaßen mit bestem Wissen und Gewissen an den Debatten beteiligen. Aus Sicherheitsgründen würde ich ein Pseudonym vorziehen, mir aber sehr wohl bewusst bin, dass auch ein Pseudonym im world-wide-web entschlüsselt werden kann.  

6. Gibt es Vorbilder? Welche?

In Communities entstehen virtuelle Freundschaften und ein virtuelles Zuhause.

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Im Tagesspiegel Online fühle ich mich zuhause. Das liegt daran, dass ich sie für eine gute Zeitung halte. Ein online-Forum sollte nicht nur mit "Sprechblasen"  gefüttert werden, sondern schon mit vollständigen Sätzen und Gedanken. Ich lese oft die online-Kommentare im "Der Spiegel", beteilige mich aber dort nicht an den Diskussionen, da ich mich dort nicht so zuhause fühle. Das liegt sicher daran, dass es im Tagesspiegel "virtuelle Freunde" gibt. 

7. Gibt es politischen Handlungsbedarf?

Etwaige Gesetzesverschärfungen dürfen nicht dazu führen, dass die Diskussion im Netz eingeschränkt wird.

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Ich frage mich nicht selten, ob die Online-Diskussionsplattformen etwas bewirken. Lesen das Politiker und hat das Wirkung auf Handlungen von Politikern? Keinesfalls sollten sich Politiker bemüßigt fühlen, mit weiteren Gesetzen diese Diskussionen zu knebeln. 

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Hass im Netz: Wie sich die Debattenkultur verbessern lässt.

Dieser Text ist Teil der Dokumentation eines Redaktionsworkshops, zu dem Tagesspiegel Causa, das Online-Debattenmagazin des Tagesspiegels, im Mai 2015 eingeladen hat. Alle Beiträge unter anderem von Ingrid Brodnig (Autorin von "Hass im Netz"), Gerd Billen (Bundesjustizministerium) und Winfried Wenzel (Polizei Berlin) sowie eine grafische Übersicht über die wichtigsten Argumente finden Sie hier.

Außerdem aktuell debattiert auf Tagesspiegel Causa: Referenden in der EU: Machen die Bürger Europa kaputt?

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