Wie wird das Kulturforum zum Forum? Letzte Chance für mehr Lebendigkeit!

Bild von Antje Kapek
Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Stadtentwicklung Bündnis 90/Die Grünen

Expertise:

Antje Kapek ist Fraktionsvorsitzende der Grünen in Berlin und Sprecherin für Stadtentwicklung.

Am Berliner Kulturforum könnte etwas Einzigartiges entstehen: eine zweite Museumsinsel mit internationaler Strahlkraft. Aber dafür müssen jetzt entscheidende Veränderungen angegangen werden.

Wer heute das Berliner Kulturforum nahe des Potsdamer Platzes besucht, trifft auf einen unwirklichen Ort. Hier herrscht vor allem eines: gähnende Leere, die Aufenthaltsqualität geht gegen Null. Über die städtebaulichen Mängel diskutiert Berlin nun seit rund 50 Jahren. Dabei ist das Kulturforum eigentlich ein kultureller wie architektonischer Höhepunkt in Berlins Mitte. Hier steht Weltklasse-Architektur – wie die Neue Nationalgalerie von Mies van der Rohe, die Berliner Philharmonie von Hans Scharoun sowie der Wiederaufbau der Matthäikirche von August Stüler. Doch es sind nur Solitäre, zwischen denen eine traurig stimmende Brachlandschaft liegt.

Von der Idee eines Forums sind wir weit entfernt.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Kein Wunder, dass die Berlinerinnen und Berliner wie auch Gäste aus aller Welt nicht das Kulturforum, sondern lediglich Konzerte oder Ausstellungen in den einzelnen Häusern besuchen. Von der Idee eines „Forums“ sind wir weit entfernt.

Doch es tut sich etwas. Denn zwischen Neuer Nationalgalerie und Berliner Philharmonie soll das Museum des 20. Jahrhunderts entstehen. Unerwartet stellt die Bundesregierung für den Museumsneubau 200 Millionen Euro zur Verfügung. Eine historische Chance, das Kulturforum stimmig weiter zu entwickeln und diesem Ort endlich Leben einzuhauchen. Bislang fehlen hier nicht nur Cafés, Restaurants und Sitzgelegenheiten. Das Kulturforum wird von gewaltigen Verkehrsschneisen der 60er-Jahre Autostadtplanung umrahmt und durchschnitten. Verkehrslärm, Abgase und die zugige Weitläufigkeit des Geländes verhindern, dass man sich auf dem Platz gerne aufhält.

Das neue Museum kann eine Tür zur Neugestaltung des Forums öffnen.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Völlig falsch wäre es, jetzt einen weiteren Museumsbau nur als Ufo auf dem Forum landen zu lassen. Vielmehr kann das Museum des 20. Jahrhunderts eine Tür zur Neugestaltung des Kulturforums öffnen. Diese Gelegenheit für ein geschlossenes, stimmiges Ensemble sollte sich Berlin nicht entgehen lassen.

Bei der Planung des Museums muss deshalb von Anfang an ein neues Gesamtkonzept mitgedacht werden. Wir Grüne haben deshalb einen „offenen“ Ideenwettbewerb vorgeschlagen, der keinen finalen Standort vorgibt und die Einbeziehung der städtebaulichen Dimension des gesamten Kulturforums vorsieht. Leider haben Bund, Senat und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz diese Chance größtenteils verspielt. Trotz heftiger Kritik von Experten wurde der Standort bereits im Ideenwettbewerb festgelegt. In genau diesem Wettbewerb spielte das Kulturforum als Ganzes dann überhaupt keine Rolle mehr. Die zehn am Ende prämierten Entwürfe des Ideenwettbewerbs bestätigen unsere Befürchtungen, dass die städtebaulichen Probleme des Kulturforums nicht gelöst werden.

Es geht nicht darum, nur noch eine Architektur-Ikone an den Standort Kulturforum zu bauen.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Zumindest eines scheint aber noch möglich: Architekten aus aller Welt stehen in den Startlöchern, um am finalen Realisierungswettbewerb teilzunehmen. Das ist die letzte Chance für einen Entwurf eines innovativen Museums, das das Kulturforum zumindest sinnvoll ergänzt. Dabei können wir letztlich aber nicht stehen bleiben: Es geht eben nicht nur darum, eine weitere Architektur-Ikone zu bauen, sondern diese in Bezug zu den vorhandenen Gebäuden zu stellen – und so ein echtes Forum als verbindenden Ort an zu denken.

Dazu reicht das geplante Freiraumkonzept in der Umgebung der Philharmonie nicht aus. Zudem ist es geradezu absurd, während des laufenden Realisierungswettbewerbs für das Museum der Moderne den Bebauungsplan für das restliche Kulturforum abzukoppeln und die Planung für die Gestaltung der übrigen Flächen – rund um die Philharmonie und die Matthäikirche – völlig unverändert zu verabschieden. Denn die Wirkung und die Anforderungen an das neue Museum enden nicht abrupt an den willkürlich im Bebauungsplan gezogenen Grenzen. Der vorherige Ideenwettbewerb hat schließlich gezeigt, wie unterschiedlich die städtebaulichen Ideen zur Gestaltung des Museums sein können. Die Freiraumgestaltung muss darauf selbstverständlich Bezug nehmen.

Es fehlen klare Kompetenzen und kritische Architekten.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Erwähnt sei hier nur der Entwurf von Volkwin Marg, der für eine komplette Neugestaltung eintrat. Der renommierte Hamburger Architekt hat recht, wenn er weniger „Kompetenzwirrwarr und mehr Bauherrenprofessionalität“ anmahnt. Ebenso stimmt auch seine Kritik, dass sich das Gros der Architekten, die am Ideenwettbewerb teilgenommen haben, relativ unkritisch an die Vorgaben gehalten und deren Sinnhaftigkeit nicht hinterfragt haben.

Die Umsetzung der Freiraumgestaltung zieht sich nun schon seit Jahren – aber mit welchem Resultat? Wir Grüne sagen deutlich: Die Teilung des Bebauungsplans für das Kulturforum muss zurückgenommen und der Beschluss des ersten Bebauungsplans verschoben werden. Ein Beschluss ist erst dann sinnvoll, wenn die Pläne an die Ergebnisse des Realisierungswettbewerbs für das Museum der Moderne so angepasst werden, dass das Museum mit seiner Umgebung in einen Dialog tritt. Berlin braucht nicht noch mehr Stückelwerk.

Der alte Masterplan muss überarbeitet werden!

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Wir müssen dafür im Anschluss an den Realisierungswettbewerb den alten Masterplan und die Freiraumgestaltung überarbeiten. Die kleinteiligen Maßnahmen rund um die Philharmonie reichen nicht aus, um die bestehenden Probleme zu lösen. Berlin muss mit dem Bund über einen Rückbau der Piazzetta verhandeln und Lösungen für eine Umgestaltung der Potsdamer Straße erarbeiten.

Kurzfristig könnten temporäre Zwischennutzungen die Aufenthaltsqualität zudem bereits erheblich verbessern. Ziel sollte ein Ort sein, an dem sich Berlinerinnen wie Besucher gerne aufhalten. Egal ob durch einen Stadtgarten, einen Park oder andere kreative Vorschläge. Aus dem Berliner Kulturforum könnte etwas Einzigartiges entstehen: eine zweite Museumsinsel für Berlin mit internationaler Strahlkraft. 

Diese Chance muss Berlin jetzt nutzen.

- Lesen Sie hier die Debatte.

- Außerdem auf Causa: Warum ist Sachsen so rechts?

Sie können an dieser Stelle derzeit keinen Kommentar schreiben.