Das Forum verdichten! Dem Kulturforum fehlt die Aufenthaltsqualität

Bild von Wilfried Wang
Architekt und Publizist University of Texas

Expertise:

Wilfried Wang, Hoidn Wang Partner, Berlin; O'Neil Ford Centennial Professor in Architecture, The University of Texas at Austin; Kurator der derzeitigen Ausstellung DEMO:POLIS–Das Recht auf Öffentlichen Raum, Akademie der Künste. Vorstandsvorsitzender der Schelling-Architekturstiftung; Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Künste; Ehrendoktor der Königlich Technischen Hochschule, Stockholm; Stellvertretender Direktor der Sektion Baukunst, Akademie der Künste Berlin; Ehrenmitglied des BDA und der Portugiesischen Architektenkammer.

Das Kulturforum schreckt vor allem durch seinen öden, anti-urbanen Charakter ab. Was fehlt, ist die Einladung an die Menschen, sich zu nähern. Das erreicht man eher mit vielen kleinen Cafés und Läden als mit einem weiteren Museumsbau.

Was ist ein Forum? Ist es ein Versammlungsort? Ein Ort wo man sich trifft, wo man verweilt, wo man sich aufhält? Ist ein Forum ein öffentlicher Raum, ein Außenraum, in dem verschiedene Aktivitäten stattfinden können und dürfen? Was sollte ein zeitgemäßes Forum bieten? Kulturelle Angebote sowie Geschäfte, Cafés, Bars und Gaststätten? Oder ist ein Forum ein introvertierter Innenraum, wie eine Einkaufspassage? Sollte ein Forum einen urbanen Charakter haben? Oder kann ein Forum auch eine beziehungslose, suburbane oder gar anti-urbane Ansammlung von baulichen und landschaftsgestalterischen Elementen sein: hier ein paar Bäume, da eine Kiesfläche, dort ein paar Skulpturen, unterbrochen von diversen großen Bauten mit reichlich Außenwänden und ein paar Fenstern im Erdgeschossbereich, drum herum schlängelnde Straßen und viel "ruhendem" Verkehr?

Das Problem: 19 Eingänge und kein direkter Weg zu einem Café, Restaurant oder Laden.

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Derzeit befinden sich im Bereich des Kulturforums auf einer Fläche von 235.000 Quadratmetern zehn Kultureinrichtungen, sowie einige wissenschaftliche Institute und ein Wohngebäude. Die zehn Kultureinrichtungen verfügen über insgesamt ganze elf Eingänge. Zählt man die anderen Bauten auf dem Areal dazu dann findet man 19 Eingänge. Keiner dieser Eingänge führt zu einem Café, Restaurant oder Laden, obwohl es diese im Inneren der verschiedenen Einrichtungen gibt; man muss nur tief in sie hineindringen. Manchen Eingängen sind lange Rampen, geneigte Freiflächen vorgelagert, mit anderen Worten, nicht gerade "niedrigschwellige" Zugänge.

Das Areal des Kulturforums hat in etwa einen Durchmesser von 500 m. Man vergleiche diese Fläche mit jener um die Hackeschen Höfe: 500 m Durchmesser umfassen in etwa ein Stadtquartier vom Monbijoupark bis zur Weinmeisterstraße, und von der S-Bahn Hackescher Markt bis zur Auguststraße. Welch' Unterschied im Stadtgefühl.

Das Forum könnte mit zusätzlichen Geschäften und Gaststätten verdichtet werden.

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Nun wird das Kulturforum aufgrund seiner baulichen Struktur nicht zu einem klassischen Innenstadtbereich werden, aber eine Neuorientierung der vorhandenen öffentlichen Einrichtungen an die Außenseiten der Kulturbauten täte dem Forum insgesamt gut. Mit einer Neugestaltung der Piazzetta, einer Verdichtung des gesamten Kulturforums mittels kleineren Bauten und Pavillons, einschließlich des Beitrags eines neuen Museums, könnte das Kulturforum zusätzliche, niedrigschwellige Geschäfte und Gaststätten erhalten und dadurch seine Aufenthaltsqualität erhöhen.

Dafür bräuchte es aber eine sorgfältige städtebauliche Analyse sowie ein Bewusstsein seitens der Entscheidungsträger hinsichtlich der Frage, wie die Aufenthaltsqualität des Kulturforums gesteigert werden kann.

Noch ein Museum an der Stelle verstärkt vor allem den anti-urbanen Charakter.

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Ein neues Museum, dessen verschlossene Außenwände genauso wenig einladend sind wie die des Sockelgeschosses der Neuen Nationalgalerie, oder die der Staatsbibliothek oder die der Gemäldegalerie, würde langfristig den anti-urbanen Charakter des Kulturforums zementieren.

Ein Anhäufung von Kistenbauten erzeugt keine Aufenthaltsqualität.

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Wenn das Kulturforum nicht insgesamt neu gedeutet, wenn es im nächsten Wettbewerb für das neue Museum kein großräumliches Denken im Gesamtkontext geben wird, erhält Berlin, erhält Deutschland sehenden Auges ein weiteres städtebauliches und architektonisches Desaster. So wie es aussieht, wird das Kulturforum wohl mit einem weiteren, introvertierten Museum bestückt werden. Nur, eine introvertierte Zusammenhäufung von noch so kleinteiligen Kisten, selbst wenn es zu einem leicht vergrößerten Pendant zu den Mahnmal-Stelen gerät, erzeugt keine Aufenthaltsqualität. Die Entscheidungsträger können sich das Ergebnis noch so schön reden; allein, es wird den normalen Menschen nicht überzeugen: ohne vielfältiges, kleinteiliges, gemischtes Angebot mit eigenen Eingängen im Erdgeschossbereich über die gesamte Kulturforumsfläche bleibt anti-urbane Ödnis nun einmal anti-urbane Ödnis.

--- Wie wird das Kulturforum zum Forum? Lesen Sie hier alle Debattenbeiträge

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