Kultur Wie soll Berlin wohnen? Wohnungsbau zwischen Ästhetik und Profit

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Moderatorin der Debatte Barbara Nolte Reporterin

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Barbara Nolte ist Reporterin beim Tagesspiegel. Sie berichtet regelmäßig über Architektur und Städtebau.

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Stand der Debatte

Berlin wächst. Bis zum Jahr 2020 werden mindestens weitere 60 000 Wohnungen gebraucht. Eine Zahl, die ständig nach oben korrigiert wird. Jede innerstädtische Brache wird gefüllt, am Stadtrand werden Siedlungen gebaut. Mit Edelbauten wie „The Wilhelm“ oder den „Kronprinzengärten“, die zurzeit an zentralen Orten der Stadt im Bau oder in Planung sind, wird die preußische Tradition heraufbeschworen. Andere Wohnkomplexe, die „Oxford Living“ oder „La Provence“ heißen, sollen das Lebensgefühl ferner Landstriche evozieren. Aus den Ornamenten verschiedenster Epochen taucht auf, was gefühlig wirkt und repräsentativ. Zugleich sollen die Häuser in ihrer nagelneuen Anmutung als solide Geldanlagen etwas Grundvernünftiges ausstrahlen. Ein internationaler Fantasiestil schreibt sich in Berlins Stadtzentum ein. Dagegen sollen Gebäuderiegel, die die Wohnungsbaugesellschaften am Stadtrand bauen, voll allem preiswert sein. Deshalb dürfen die Fenster nicht zu groß und die Decken nicht zu hoch sein. Standardisierungen, die verhindern, dass besondere Architektur entstehen kann. Wie könnten Wohnhäuser aussehen, in der Menschen auch in den nächsten Generationen noch gerne wohnen? Wie kann man verhindern, dass Berlins Stadtbild von ausschließlich renditeorientierten Investoren geprägt wird? Eine Debatte in Zusammenarbeit mit Mehr Berlin - Vier Seiten Kunst, Politik und Stadtgefühl im gedruckten Tagesspiegel am Sonnabend.

  • 7 Autoren
  • 16 Argumente
  • 174 Abstimmungen

Alle Argumente der Debatte im Panorama:

Jedes Haus sollte eine Identifikation des Einzelnen mit seinem Wohnort stiften.

Benedict Tonon, Architekt

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Die Immobilienspekulation floriert, weil durch Finanzkonstrukte die Grunderwerbsteuer umgangen werden kann.

Lisa Paus, MdB Bündnis 90/Die Grünen

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Der Immobilienboom in Berlin ist keine Folge von Angebot und Nachfrage, sondern von Immobilienspekulation.

Lisa Paus, MdB Bündnis 90/Die Grünen

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Für Käufer von mehr als 50 Wohneinheiten muss die Grunderwerbsteuer erhöht werden.

Lisa Paus, MdB Bündnis 90/Die Grünen

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Um langfristig Immobilienspekulation zu verhindern, ist es wichtig, dauerhaft günstige Wohnung zu errichten.

Lisa Paus, MdB Bündnis 90/Die Grünen

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7 von 16
Damit bezahlbarer Wohnraum entsteht, muss zum Teil  industriell gebaut werden

Reinier de Graaf, Architekt

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8 von 16
Die Sozialbauten der 70er sind zu Unrecht verunglimpft

Reinier de Graaf, Architekt

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Wer günstige Mieten will, muss billiger bauen

Arno Brandlhuber, Architekt

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Hochhäuser an einem Ort zu konzentrieren ist falsch.

Daniel Libeskind, Architekt

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Die Berliner Blockrandbebauung sollte weiterentwickelt werden - mit viel Glas und doppelt so hoch.

Jean-Philippe Vassal, Architekt

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Neue Wohnungen sollten innerhalb der städtischen Bebauung entstehen und nicht an den Rändern.

Regula Lüscher, Senatsbaudirektorin

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Berlin braucht kühne, hohe Häuser, die moderne Technologie repräsentieren.

Daniel Libeskind, Architekt

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7 Beiträge in dieser Debatte
  1. Bild von Lisa Paus}

    Immobilienboom in Berlin  Spekulationen müssen unterbunden werden

    von Lisa Paus - MdB Bündnis 90/Die Grünen

    Der Berliner Wohnungsmarkt wird von Investoren bestimmt, die durch ihr Verhalten die Mieten und Kaufpreise nach oben treiben. Deshalb ist es wichtig, das gesetzlich zu unterbinden und dauerhaft günstige Wohnungen zu errichten.  mehr lesen

  2. Bild von Jean-Philippe Vassal}

    Architektur und Städtebau in Berlin Wohnregale statt neue Einfamilienhausstraßen

    von Jean-Philippe Vassal - Architekt

    Mir schwebt eine Kombination aus dem Berliner Block mit Hochhäusern wie in Buenos Aires vor  - und dem partizipatorischen Prinzip, das Frei Otto bei seinen Öko-Häusern im Tiergarten schon einmal durchspielte. mehr lesen

  3. Bild von Daniel Libeskind}

    Architektur und Wohnungsbau in Berlin Mehr Hochhäuser für Berlin!

    von Daniel Libeskind - Architekt

    Berlin gilt zurzeit als eine der aufregendsten Städte der Welt. Warum schneidert man sich dann dieses nostalgische Kostüm? Wir leben im 21. Jahrhundert, es gibt Computer und Gentechnologie, und die Architektur hier tut so, als hätten wir noch einen Kaiser! Mein Vorschlag: Hochhäuser  mehr lesen

  4. Bild von Regula Lüscher}

    Architektur und Wohnungsbau in Berlin Nüchternheit ist ein Merkmal von Berlins Kultur

    von Regula Lüscher - Senatsbaudirektorin

    Wir brauchen schnell viele Wohnungen. Dabei kann es nötig sein, auch über Standards zu sprechen, sagt die Senatsbaudirektorin von Berlin, Regula Lüscher. mehr lesen

  5. Bild von Benedict Tonon}

    Architektur und Wohnungsbau in Berlin Moralische Appelle für preiswerten Wohnungsbau sind ein Fehler

    von Benedict Tonon - Architekt

    Die Appelle an das preiswerte Wohnen sind falsch. Ästhetik ist mehr als eine Profitstrategie. Wir Architekten müssen durch unsere Gestaltung dafür sorgen, dass sich die Menschen in ihren Wohnhäusern auch beheimatet fühlen, sagt Benedict Tonon. mehr lesen

  6. Bild von Arno Brandlhuber}

    Architektur und Wohnungsbau in Berlin Wir brauchen wieder Typenhäuser - wie in der guten alten DDR

    von Arno Brandlhuber - Architekt

    Die Frage, die mich umtreibt, lautet nicht: Wie soll Berlin aussehen? Sondern: Für wen soll die Stadt zugänglich sein? Es handelt sich nicht um ein ästhetisches Thema, sondern um ein politisches: Lassen wir Vielfalt zu, oder igeln wir uns ein? mehr lesen

  7. Bild von Reinier de Graaf}

    Architektur und Wohnungsbau in Berlin Gegen die Wohnungsnot: Rehabilitiert die Plattenbauten!

    von Reinier de Graaf - Architekt

    Die europäische Stadt ist fixiert auf ihr historisches Zentrum. Das ist gefährlich. Berlins Wohnungsnot kann nur beseitigt werden durch eine Emanzipation der Peripherie, die einher geht mit einer Emanzipation der Menschen, die sich die Mitte nicht mehr leisten können. mehr lesen