Sind Universitäten unregierbar? Geniehaft? Das wird bei Unipräsidenten nicht gebraucht

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Professor für Festkörperphysik Technische Universität Berlin

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Präsident der Technischen Universität Berlin

Aufgabe der Uni-Leitung ist es, ein möglichst gutes Auftreten der Universität als Ganzes sicherzustellen. Besonders wichtig ist ein gutes Team im Präsidium, sagt TU-Präsident Christian Thomsen.

Die Frage nach „Regierbarkeit von Universitäten“ trifft die Wirklichkeit nicht. Universitäten haben eine Präsidentin oder einen Präsidenten, die oder der sie leitet. Leitung wiederum bedeutet die Verantwortung für den akademischen und personellen und finanziellen Gesamtbetrieb, inhaltliche und strukturelle Neuerungen und Umsetzung dessen, was die Gesellschaft von der Universität erwartet. Dazu gehört zuvorderst das Setzen der richtigen Rahmenbedingungen für exzellente Forschung und herausragende Lehre, damit die Fakultäten ihren originären Aufgaben gerecht werden können, alle Mitglieder der Universität möglichst viel Erfüllung in ihrer Berufsausübung erleben und die Studierenden inhaltlich gut auf ihre Zukunft nach der Universität vorbereitet werden. In anderen Worten: Aufgabe der Leitung ist ein möglichst gutes Auftreten der Universität als Ganzes sicherzustellen.

Das Geniehafte sollte aus einer Leitungsposition wie der eines Unipräsidenten herausbleiben

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Das Geniehafte sollte aus einer solchen Leitungsposition herausbleiben. Wichtiger sind zuvorderst international anerkannte wissenschaftliche Kompetenz, eine Bodenhaftung gegenüber der Wirklichkeit in Forschung und Lehre und ein gutes Gespür für Wichtiges und Unwichtiges. Die Auswahl der Menschen im engsten beruflichen Umfeld ist ebenso wichtig wie Delegationsfähigkeit, Vertrauen in alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, besonders in die der Leitungsfunktionen auf zweiter Ebene. Da sitzen auch die Finanzer, die eine Universität finanziell ausbalancieren und die anderen Verwaltungsexperten, die den geregelten Ablauf eines großen Betriebs garantieren. Die von den Mitgliedern der Fakultäten gewählten Dekaninnen und Dekane sind verantwortlich für den akademischen Betrieb an der Universität und haben damit eine nicht minder wichtige Rolle. Eine gute Portion Management- und Kommunikationskompetenz seitens der Präsidentin oder des Präsidenten ist natürlich nötig und hilfreich.  

Die Wahl des Präsidenten durch die mit Unimitglieder besetzten Gremien ist der durch externe Hochschulräte vorzuziehen

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Hochschulen werden nach verschiedenen Modellen geleitet, die ihre jeweiligen Vorteile und Eigenschaften haben. Die Technische Universität zum Beispiel ist stärker gremienorientiert als manch andere Universität in Deutschland. Das erfordert viel Überzeugungsarbeit seitens der Leitung und macht das Verfolgen einer klaren Linie schwieriger als in einer hierarchischer organisierten Einrichtung. Manchmal sind wegen der zahlreichen Gremien die Zeiträume bis zu endgültigen Entscheidungen recht groß. Manche Universitätsmitglieder klagen, dass ihr zeitlicher Aufwand für die Gremienarbeit zu groß sei. Aber dafür werden Richtungsentscheidungen auch von einem größeren Teil der Universität mitgetragen. Das gilt zum Beispiel für die Wahl der Präsidentin oder des Präsidenten, die, wenn sie von Hochschulräten getroffen wird, überwiegend von außen bestimmt wird, während sie in Berlin durch die ausschließlich mit Mitgliedern der Hochschule besetzten Gremien durchgeführt wird. Letzteres ziehe ich persönlich vor.  

Beim Präsidium kommt es nicht auf die Macht einzelner Personen an, sondern auf deren Kompetenzen und das Teamspiel

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Beim Präsidium kommt es meines Erachtens nicht so sehr auf die Macht einzelner Personen an, sondern auf deren Kompetenzen und gute Zusammenarbeit. Ein als gutes Team aufgestelltes Präsidium ist von vorne herein beweglicher, einflussreicher und auch länger erfolgreich als Individuen, die eine große Einrichtung wie eine Universität auf sich zuzuschneiden versuchen. Das Kanzlermodell hat sich in Deutschland lange an vielen Universitäten bewährt, da es die Kompetenzen und Verantwortlichkeiten für den akademischen Betrieb und die Verwaltung klar definiert und trennt. Das bildet sich auch in den verschiedenen Amtszeiten ab, für gewöhnlich haben Kanzlerinnen oder Kanzler eine längere Amtszeit als Präsidentinnen oder Präsidenten. Die Richtlinienkompetenz für die Universität aber liegt bei der Präsidentin oder dem Präsidenten. 

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