Was uns Fernsehduelle lehren 

Auch 50 Jahre nach dem ersten TV-Duell lockt der mediale Schlagabtausch beider US-Präsidentschaftskandidaten immer noch Millionen Zuschauer vor den Fernseher. Fazit des ersten Duells: Debatte kommt gut an; Trump nicht. 

Die erste Fernsehdebatte zwischen Hillary Clinton und Donald Trump vergangene Woche hat wieder einmal vieles bestätigt, was dieses Wahlkampfformat ausmacht. Einige „Learnings“ aus Wahlforscher-Sicht:  

Erstens: Debatten kommen an. Mit weit über 80 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern in den USA war diese Debatte die reichweitenstärkste in der US-Wahlkampfgeschichte. Offenkundig funktioniert das Format auch über 50 Jahre nachdem Richard Nixon und John F. Kennedy sich erstmals im TV duellierten, immer noch hervorragend. Die Wählerinnen und Wähler schätzen dieses kompakte Format, das ihnen einen Wahlkampf im Miniaturformat liefert. Und das sollte man ihnen auch nicht dadurch madig machen, dass man auf die vermeintliche Überholtheit oder Inhaltslosigkeit verweist, wie es zuweilen passiert. Voters are no fools – sie wissen sehr wohl, was ihnen hilft und was nicht. Und die Debatten tun es offensichtlich. Das zeigen auch Studien: Zuschauer lernen eine Menge in diesen Debatten – über Personen wie Positionen.

Bei Wahlumfragen ist Vorsicht geboten 

Zweitens: Debatten haben ein Nachspiel –  und diese Nachberichterstattung ist mindestens so wichtig wie die Debatte selbst. Wer hat denn nun gewonnen? Wer hat Treffer landen können, wer musste welche einstecken? Umfragen sollen diese Fragen beantworten. Bemerkenswert war bei diesem Duell, mit welcher Selbstverständlichkeit Donald Trump und sein Kampagnen-Team (und auch ihm nahestehende Sender) dazu auf Umfragen zurückgegriffen haben, die keinerlei Aussagekraft haben, denn manche Umfragen sind mit größter Vorsicht zu genießen. An vielen Stellen im Netz gab es nach der Debatte offene Internet-Umfragen, an denen jeder so oft er wollte teilnehmen konnte. Und tatsächlich lag Trump in diesen Umfragen teils weit vorne. Aber auch wenn Hunderttausende Klicks dort verzeichnet wurden: Solche Umfragen zeigen allenfalls, dass Trump entweder seine Truppen mobilisieren und zur Teilnahme an solchen offenen Umfragen motivieren kann. Oder aber, dass er gute Programmierer in seinem Team hat, die solche Umfragen automatisiert zu seinen Gunsten ausfüllen. Wie die Ergebnisse auch zu Stande gekommen sein mögen: Sie sagen nichts über die Bevölkerung oder auch die Zuschauerinnen und Zuschauer des Duells und ihre Wahrnehmung aus. Generalisierungen über die (unbekannte) Menge der Umfrageklicker hinaus sind nicht möglich.

Trump stößt immer noch auf viel Kritik innerhalb der eigenen Partei 

Drittens: Die Debatte war für Trump ein Desaster. Die repräsentativen Umfragen nach der Debatte sahen Hillary Clinton deutlich vorn. Bei CNN war es ein Zahlenverhältnis von 62 zu 27 Prozent. Wie ist das zu bewerten? Als Desaster für Trump. Wir wissen, dass die Wahrnehmung von Debatten in erheblichem Maße von Prozessen selektiver Wahrnehmung gesteuert wird: Ein glühender Anhänger wird „seine/n“ Kandidaten/in immer und automatisch in einem positiveren Licht sehen als einer der berühmt-berüchtigten „unabhängigen“ Wähler. Dass Trump trotzdem nur auf 27 Prozent Unterstützung in solchen Umfragen gekommen ist, muss bei ihm und seinen Beratern alle Alarmglocken schrillen lassen. Entweder war er so schlecht, dass selbst Prozesse selektiver Wahrnehmung ihm nicht mehr helfen konnten. Dann bestünde für ihn immerhin noch ein Fünkchen Hoffnung für die noch kommenden Debatten auf eine bessere Performance. Oder aber der Graben zwischen Trump und Teilen der republikanischen Anhängerschaft ist doch noch immer größer als man vielleicht zum jetzigen Zeitpunkt des Rennens gedacht hätte und Prozesse selektiver Wahrnehmung greifen bei ihm einfach nicht. Die Republikaner sehen ihn noch immer nicht wirklich als „ihren“ Kandidaten - das wäre mit Blick auf den Wahltag im November vermutlich die noch schlechtere Botschaft.

Ein positiveres „Nachspiel“ hatte die Debatte indes für das demokratische Lager: Hillary Clinton hat in den Umfragen mit Blick auf den Wahltag im November wieder zulegen können. Debates matter.

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