Wer politische Doppelmoral an den Tag legt, verliert. Egal, ob konservativ oder links.

Sowohl Linke als auch Konservative glänzen in Doppelmoral. Ein Plädoyer gegen politische Scheinheiligkeit anlässlich der Krawalle in Hamburg.

Vorweg gesagt: Das, was folgt, ist keine Gleichsetzung der linksextremen Gewaltexzesse mit Fehlverhalten im konservativen Lager. Wirklich null. Es geht mir einzig und allein um Mechanismen, die man in der Psychologie "confirmation bias" nennt. Es sind Mechanismen, die überhaupt erst zu meiner kritischen Auseinandersetzung mit konservativen und später dann mit rechtskatholischen Milieus geführt haben. Die meine Irritation hervorgerufen haben. Und die ich nun wieder am Zuge sehe, dieses Mal aber von links und in hundertfach verwerflicherer Weise, denn dieses Mal geht es um nackte Gewalt.

Die Mär von der „linken Hetzjagd“ auf Guttenberg

Alles begann 2011. Mit Karl Theodor zu Guttenberg. Fast ab Tag 1 wurde er, als Näheres zu seiner Dissertation bekannt wurde, in genau jenen konservativen Milieus, denen ich damals angehörte, zum Opfer einer "Hetzjagd der Linken" erklärt. Über das Ausmaß der Berichterstattung darf man gerne streiten, aber im Kern war es doch nun einmal er, der abgeschrieben hatte und dreist versuchte, sich herauszulügen. Ausgerechnet ein großer Teil der sich sonst so moralisch-anständig gebenden Konservativen wollte davon nichts, aber auch gar nichts wissen. Guttenberg war für sie ein Opfer. Die bizarrsten Ablenkungsmanöver tauchten auf, etwa das, wonach der Doktorvater schuld sei, weil er die Plagiate nicht erkannt habe. Ich war, gelinde gesagt, entsetzt von so viel Scheinheiligkeit der "Anständigen". Zumal Guttenbergs Einlassungen für mich als jemanden, der selbst promoviert hat, nichts anderes als groteske Schutzbehauptungen waren. Interessierte aber in Unionskreisen vielfach nicht, denn er war ja ein "Konservativer", "einer von uns". Die Bereitschaft, das Fehlverhalten und die Lügen beim Namen zu nennen, lag in diesen Kreisen fast bei null. Schuld waren nur die anderen.

Die Verklärung des verschwenderischen Bischofs Tebartz-van Elsts als Opfer und „Märtyrer“

Zwei Jahre später. Anno 2013. Die causa Tebartz-van Elst. Die nächste Erschütterung meines Bildes "konservativer", tatsächlich meistens aber ziemlich rechter Katholiken. Nichts hatte der Bischof in ihren Augen falsch gemacht. Er war vielmehr ein Opfer. Schuld an seinem Fehlverhalten waren alle Möglichen, nur nicht er selbst. Er war sakrosankt. Manche bezeichneten ihn gar als "Märtyrer". Und als Opfer der "Hetzjagd der Medien". Oder des "Domkapitels". Oder der Mitarbeiter. Kostenexplosion? Vernarrtheit in Luxus, während im Bistum Geld für eine Rollstuhlrampe gesammelt werden musste? Egal. Völlig egal. Diverse Leute wollten nicht einmal den abschließenden Prüfungsbericht der "Deutschen Bischofskonferenz" lesen. Warum auch? "Zeitgeistige", verlotterte Bischöfe seien das, so die Legende, die dem armen, konservativen Tebartz schaden wollten. Dass er Peter Wensierski, den Spiegel-Redakteur, in Sachen Flugupgrade angelogen hatte ("Business Class sind wir geflogen"), interessierte auch nicht. Wensierski hatte Tebartz in den Augen dieser Leute vielmehr "in eine Falle gelockt". Der Großteil der bekannten Tebartz-Apologeten ist heute übrigens AfD-affin. Und viele arbeiten sich seit Jahren am Fehlverhalten von Linken ab. Doppelmoral par excellence.

Mit meiner Kritik an diesen Vorgängen erhielt ich wiederum viel Applaus von Linken. Und zwar vielfach von genau jenen Linken, von denen der nächste Absatz handelt.

Die Scheinheiligkeit vieler Linken im Lichte der linksextremistischen Gewalt in Hamburg

Letztes Wochenende wurde Hamburg von Linksextremisten terrorisiert. Ich habe mir die "Welcome to hell"-Demo Donnerstag Abend angesehen und hatte schon da ernsthaft Angst. Vor meinen Augen haben sich Menschen vermummt, vor mir flogen Rauchbomben, neben mir fuhr der Wagen der Veranstalter. Der Redner auf diesem schrie "Schweinesystem" ins Mikro, rief zum "unversöhnlichen Zeichen des Widerstands" auf. Mich schauderte, mir war klar, dass das nicht gut ausgehen würde. Das Ausmaß, was dann folgte, hat mich dennoch geschockt. Marodierende Linksextremisten des "Schwarzen Blocks" in Hamburg. Videos, in denen sie Autos anzünden, Geschäfte plündern. Rohe, nackte Gewalt. Ich dachte, ebenso naiv wie damals in anderen Kontexten, dass nun doch die Linke insgesamt so entsetzt sei, dass sie gewiss thematisieren werde, was da eigentlich schief läuft in einem Teil ihres Denkmilieus. Dass sie sich davon ebenso abgrenzen werden wie ich und viele andere das seit Jahren gegenüber Rechtsradikalen, also selbst Leuten unterhalb der Extremismusschwelle, tun. Und wenn schon nicht das, dass sie doch nicht irgendwelche Ablenkungsmanöver starten werden. Ich wurde massiv eines Besseren belehrt und das wiegt umso schwerer, als es dieses Mal eben nicht um eine Doktorarbeit oder Verschwendungssucht eines Bischofs, sondern um brutale Gewalt geht.

Die Legende vom „Linkenbashing“ im Zuge von „Hamburg“

Klare Statements von Linken gegen dem linken Terror in Hamburg sind bis heute in der Minderzahl, auch wenn sie erfreulicherweise zunehmen. Lieber lenkt man die Aufmerksamkeit auf das angebliche Fehlverhalten der Polizei, das es im Einzelfall sicherlich gegeben haben mag, aber doch nicht flächendeckend. Und schon gar nicht kann ein solches die Gewalt rechtfertigen, die sich gegen Autos und Läden richtete und sicherlich nicht wenige Menschen in finanzielle Nöte gestürzt hat. Aber das wird nahezu ausgeblendet. Schuld ist für viele Linke stattdessen vornehmlich die Polizei oder der Umstand, dass G20 in Hamburg stattfand. Oder es wird das Augenmerk auf die wenigen Rechtsextremen gelenkt, die sich in die Schar der linken Gewalttäter eingereiht hatten. Oder man richtet den Fokus auf die in der Tat harte Fragen aufwerfende Einschränkung der Pressefreiheit beim G20-Gipfel. Das Bittere daran ist, dass all das genau viele derjenigen Leute machen, die in Sachen Guttenberg und Tebartz Tacheles sprachen. Ihr Verhalten erinnert, das wollen sie sicherlich nicht hören, an die Scheinheiligkeit der Rechtskatholiken, die gerne linkes Fehlverhalten ansprechen, bei denen man aber nur ganz wenige empörte Äußerungen zum gewalttätigen Mob in Heidenau, Freital und Meißen findet.

Wer die Demokratie verteidigen will, muss Äquidistanz zeigen

Vielleicht gibt es tatsächlich so etwas wie einen roten Faden in meiner Publizistik: die Aversion gegenüber politischer Doppelmoral, gleich jedweder Couleur. Das bringt einem nicht unbedingt viele Freunde ein. Das führt auch persönlich zu ganz vielen Enttäuschungen, weil man zunehmend merkt, dass es leider viel zu wenige sind, die Äquidistanz leben.

Mich haben x Leute, die eher links sind, in den letzten Tagen entfolgt und entfreundet. So wie früher rechte Christen. Das ist mir inzwischen egal. Ich bin, nachdem ich das Lagerdenken und das Messen mit zweierlei Maß über Jahre so massiv erlebt habe, nicht mehr bereit, dieses zu tolerieren. Wer die Gewalt in Hamburg dahingehend relativiert, dass diese ja nicht "links" gewesen sei und die empörten Reaktionen nun als "Linkenbashing" denunziert, hat für mich seine Glaubwürdigkeit in der Haltung "gegen rechts" verloren und ist für mich kein Mitstreiter mehr.

Gott sei Dank gibt es aber auch in allen Milieus viele Menschen, die von Doppelmoral nichts wissen wollen und diese auch nicht leben. Viele redliche Linke zeigen das in diesen Tagen, die eines so genau lehren: Die Unterscheidung der Geister.

17 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
Bitte melden Sie sich zunächst an, um die Kommentarfunktion nutzen zu können.
  1. von Andreas Rabe
    Ich denke, alles stimmt, aber wer das Wort "Doppelmoral" suggeriert selbst davon frei zu sein. Wo ist denn die eigene Liberalität, wenn zwischen denunziantischen linksextremen Zeloten gegen rechts und die eigene Meinung nichts mehr passt? Stimmt das mit der liberalen-Bürgerlichkeit? Was ist daran liberal in Zeiten einer übergroßen Koalition gegen politische Minderheiten zu agitieren, die so drauf sind wie die Basis der eigenen Partei von 25 Jahren?

    Im Fall zu Guttenberg wusst jeder schon nach dem ersten FAZ-Artikel bescheid: Den Titel ist er los, weil Volltextübernahmen in diesem Umfang unzulässig sind. Rücktritt war obligat wgn. Ressortverantwortung für BW-Unis. Was wir also sahen, war nur Machttaktik. Keiner will der Königsmörder sein. So gesehen war das Schulterklopfen von Merkel noch perfider als die linke Opposition. Schlimmer dagegen, wie die öffentlich-rechtlichen Medien die Sache spielten. Ich denke nicht, dass Journalisten lügen, aber damals haben es viele, indem sie keine Aufklärung geleistet haben. Alles so perfide wie einem Todkranken auf eine Reise nach der Genesung einzuladen.
  2. von Fred Groeger
    Und jetzt noch man ernsthaft:
    Die Autorin behauptet einfach, dass "Linke" nicht genug "klare Statements" zu den Krawallen in Hamburg abgegeben hätten.
    Das stimmt bloß nicht und lässt sich nicht nachweisen.
    Eigentlich verleumdet Frau Bednarz mit dieser Behauptung diverse Menschen.
    Das fängt eben schon damit an, dass sie jeden, der die massiven Rechtsverstösse der Polizei -und Polizeiführung beschuldigt, die Ausschreitungen und damit verbundene sinnlose Zerstörung zu "relativieren".
    Man kann auch sowohl zerstörungswütige Randalierer, als auch eine massive Polizeigewalt kritisieren, ohne dass das eine das andere verharmlost.
    Und es tut mir sehr leid, aber von linken Denkmilieus hat Frau Bednarz überhaupt keine Ahnung.
    Die meisten Leute denen Sie vorwirft, sie hätten sie wegen ihrer "Kritik am Linksextremismus" entfolgt oder entfreundet, waren einfach bloß genervt von der Arroganz, mit der sie ständig alle Leute in einen Topf wirft und von ihren Statements gegen Randalierer fordert, mit denen diese Leute gar nichts zu tun haben.
    Und dieses "Leute, die eher links sind" fängt bei ihr im Grunde bereits bei Liberalen und Linksliberalen (wie mir) an.
    Und da ist eben auch das größere Problem ihrer "Äquidistanz"-Forderung:
    Linksliberale, Sozialdemokraten, demokratische Sozialisten usw. sind NICHT zwingend im gleichen Denkmillieu wie gewaltbereite "Autonome" oder mit ihnen "ideologisch verbunden". Selbst im linksradikalen Spektrum, zu denen "Autonome" gehören, sind die Fragen von Sachbeschädigung und Gewaltanwendung äußerst umstritten und man distanziert sich oft und offen voneinander.
    Es gibt dort auch keine feste Struktur, die Ideologie von Linksradikalen ist meist durch die "Anarcho"-Vorsilbe sehr antiautoritär und libertär, es gibt kein Kollektiv oder eine gemeinsame "Führung".
    Auch Linksradikale sind nicht "im gleichen Topf".
    Und es ist nichtmal geklärt, wie "politisch motiviert" die Randale insgesamt überhaupt waren.
  3. von Fred Groeger
    Frage: Wie kommt eigentlich der theatralisch aufgeblähte Text zustande, in dem Frau Bednarz behauptet, dass sie sich "am Donnerstagabend" die "Welcome2Hell"-Demo angesehen haben will, obwohl sie laut ihrer eigenen Aussage bereits ab 13:22 nicht mehr "vor Ort" war?

    https://twitter.com/Fred_Groeger/status/885731349608497154
    1. von Anna Sauerbrey
      Antwort auf den Beitrag von Fred Groeger 14.07.2017, 07:59:03
      Frau Bednarz hält fest, dass sie am Donnerstagabend auf der Demonstration war. Das geht übrigens auch aus den Zeitstempeln in ihrem Facebook-Account hervor. In der Facebook-Timeline finden sich, wie auf ihrem Twitter-Account auch, zahlreiche Abendbilder von der Demonstration. Der Zeitstempel des Twitter-Accounts ist fehlerhaft - Die Causa-Redaktion
    2. von Fred Groeger
      Antwort auf den Beitrag von Anna Sauerbrey 14.07.2017, 12:20:41
      Punkt 1: Der Zeitstempel von Twitter ist definitv nicht fehlerhaft.

      Punkt 2: Weder auf Facebook, noch auf ihrem Twitteraccount befinden sich Fotos von der "Welcome2Hell"-Demo, auf der sie wohl auch nur bis 13:22 Uhr war.

      Merkwürdig, oder?
    3. von Fred Groeger
      Antwort auf den Beitrag von Anna Sauerbrey 14.07.2017, 12:20:41
      Oder meint Frau Bednarz Fotos, die sie vom Fernseher abfotografierte, wie dieses? https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10155397140209223&set=a.10150442219029223.377620.539554222&type=3&theater
    4. von Liane Bednarz
      Antwort auf den Beitrag von Anna Sauerbrey 14.07.2017, 12:20:41
      Da Herr Groeger hier weiter Desinformation betreibt, anbei die Links zu meinen Fotos und FB-Threads live von der "Welcome to hell"-Demo am Donnerstag, 6. Juli, die er bezeichnenderweise nicht verlinkt hat. Stattdessen behauptet er hier wahrheitswidrig, dass es diese nicht gibt. Hier nun in chronologischer Reihenfolge meine FB-Threads von der "Welcome to hell"-Demo am 6. Juli:


      https://www.facebook.com/liane.bednarz/posts/10155392876369223

      https://www.facebook.com/liane.bednarz?lst=539554222%3A539554222%3A1500039474

      https://www.facebook.com/liane.bednarz?lst=539554222%3A539554222%3A1500039474

      Haus in der Hafenstraße am 6. Juli während der Demo: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10155392996009223&set=a.10150442219029223.377620.539554222&type=3













    5. von Fred Groeger
      Antwort auf den Beitrag von Liane Bednarz 14.07.2017, 15:51:36
      Wie merkwürdig...die angeblichen Fotos von der Demo sind alle vom Fischmarkt und deutlich nicht vom Abend?

      Das böse Haus mit den bösen Spruchbändern hatte Frau Bednarz ebenfalls bereits morgens getwittert.

      Irgendwie deckt sich das alles nicht mit ihren großen theatralischen Schilderungen, oder?
    6. von Fred Groeger
      Antwort auf den Beitrag von Fred Groeger 14.07.2017, 16:12:42
      Ist es möglich dass ihre Schilderungen deshalb von anderen Journalisten abweichen, weil Frau Bednarz doch sehr weit weg vom Geschehen stand?
    7. von Wolfgang Reiß
      Antwort auf den Beitrag von Liane Bednarz 14.07.2017, 15:51:36
      Bitte unterlassen Sie persönliche Angriffe auf unsere Autorin.
    8. von Fred Groeger
      Antwort auf den Beitrag von Wolfgang Reiß 14.07.2017, 17:20:02
      Ist mir doch egal was Sie verfolgen, Wolfgang Reiß. Dass der Zeitstempel defekt war stimmt, das habe ich zugegeben. Dass Frau Bednarz allerdings behauptet sie wäre "so dicht dran" gewesen, stimmt wohl eher nicht. Sonst wäre sie nämlich tatsächlich in Gefahr gewesen. Jedoch nicht durch die Demonstranten oder den Schwarzen Block, sondern durch den ziemlich dummen Einsatz von Wasserwerfern durch die Polizei.

      Frau Bednarz Schilderungen empören sich ja bereits über "böse antikapitalistische Parolen" und Spruchbänder. Was tatsächlich an der Spitze der Demo geschah können wohl eher andere Journalisten beurteilen, die tatsächlich "vorne" waren.

      http://www.spiegel.de/video/hamburg-polizei-setzt-wasserwerfer-gegen-demo-ein-video-1780597.html
    9. von Fred Groeger
      Antwort auf den Beitrag von Liane Bednarz 14.07.2017, 15:51:36
      Übrigens könnte Frau Bednarz doch mal bei der Hamburger Polizei nachfragen, warum man der "Welcome2Hell"-Demo bei der Anmeldung keinerlei Auflagen gemacht hat?

      Wenn sie sich etwas mit Demonstrationen auskennen würde, wüsste sie, dass eine Demonstration mit so vielen erwarteten "Autonomen" eigentlich von der Polizei Auflagen zur Gefahrenabwehr erhält.

    10. von Fred Groeger
      Antwort auf den Beitrag von Anna Sauerbrey 14.07.2017, 12:20:41
      Das mit dem Zeitstempel habe ich nochmals geprüft, er scheint tatsächlich "defekt". Dennoch sind sämtliche Fotos aus großer Distanz zum "Eskalationspunkt" geschossen und selbst das Bild mit der "Rauchschwade" zeigt wie weit weg sie gewesen sein muss. Sie war also in einer Zone am Fischmarkt von der aus sie nur wenig Einblick in die Situation hatte.
  4. von Helmut Michel
    Doppelmoral in der linken oder rechten politischen Ecke hin oder her ist nicht die entscheidende, wichtigste Frage die zu beantworten ist, sondern, wo kann eine solche Gewaltbereitschaft entstehen und wie gehen wir mit den Tätern um.
    Können wir es weiter hinnehmen, das solche Kriegsähnliche Zustände unter Demonstrationsfreiheit geduldet und hingenommen wird?
    Welche Maßnamen gegenüber den Täter müssen wir einfordern, um unseren friedlichen Demonstranten auch weiterhin die Möglichkeit zu geben, Ihre
    Anliegen zum Ausdruck bringen zu können. Eine Diskussion über diese Fragen ist wichtig, damit unsere Politiker nicht mit dem Problem alleingelassen werden.
  5. von Detlef Wulff
    Die Beispiele, die Frau Bednarz in dem Artikel beschrieben hat, haben nach meiner Meinung nichts mit "Doppelmoral" zu tun.
    Zunächst sind es die Medien, wenn man so will, die Meinungsmacher, nicht nur Berichten, sondern auch noch ihre Meinung dazu geben. So hat das "Neue Deutschland" anders auf die Gewalt in Zusammenhang mit G20 reagiert, als "BILD". Jede Zeitung hat ihren roten Faden und da sehe ich keine Doppelmoral.
    Und auch der Abonnent kennt den roten Faden seiner Zeitung und liest ihn gerade deswegen. Gewalt von Linken mag der Leser des "Neuen Deutschland" anders beurteilen als der Leser der "Jungen Freiheit" und entsprechend umgekehrt.
    Das hat mit eigenen, vorgefassten Meinungen, Filtern, Vorurteilen zu tun, die in erster Linie mit der Sozialisation zu tun hat. Es ist logisch, dass keiner die Sachverhalte "objektiv" beurteilen kann, zudem die menschliche Wahrnehmung nicht dazu geeignet ist "alles" zu erfassen. Menschliche Wahrnehmung ist selektiv und darin steckt bereits die Bewertung. Zeugen machen auch deshalb unterschiedliche Aussagen, die alle richtig sein können, weil sie von unterschiedlichen Standpunkten, sowohl örtlich als auch von ihrem Inneren, die Situationen wahrnehmen. Zudem bewertet man Verhalten bei Personen anders, wenn man sie kennt und vertraut mit ihnen ist. Da ist man differenzierter, wobei man bei Personen, die man nicht kennt eher geneigt ist sie im Denken in Schubladen zu stecken.
    Der Begriff "Doppelmoral" ist da nicht passend und liest sich wie etwas, was man vorsätzlich gemacht hat. Allein schön mit dem Begriff "Moral" kann ich wenig anfangen. Er verlangt nach der einen gültigen Moral nach dem Motto: Und die Moral von der Geschichte. Nur dass diese Geschichte konstruiert ist und alle Geschichten ihrer Eigenart haben.
    1. von Berthold Grabe
      Antwort auf den Beitrag von Detlef Wulff 12.07.2017, 18:58:12
      Vielen Dank für den sehr guten Kommentar...
      ergänzend möchte ich darauf hinweisen,das guter Journalismus sich um Distanz bemüht, seinem eigene Urteil nicht traut und dem nachgeht.
      Diese Qualität hat in Deutschland extrem nachgelassen. Weshalb die Positionen von rechts nach links in der Breite immer unvereinbarer werden obwohl die Masse sich eigentlich viel näher ist. und das alles weil den Missbräuchen in den eigenen Lagern viel zu viel Freiheit zugestanden wird.
      Auch deshalb gibt es Autonome und deshalb gibt es wieder mehr rechtsradikale
  6. von George Müller
    Das, was Sie hier in Ihrem Artikel beschreiben, hat mich an Milieus jedweder Art stets irritiert, und mich zuweilen gar verzweifeln lassen. Sei es in der Familie, unter Kollegen, in Vereinen oder sonstigen "Gemeinschafen". Zu oft begegnet man in Kollektiven Doppelmoralisten, Schein-Heiligkeiten. Welche im "Schatten der Masse" ihren eigenen puren Egoismus zu vertuschen versuchen.
    Menschen ohne Rückgrat gibt es unter uns Menschen leider viel zu viel!

    George Müller
    Berlin