Radikal rechte Gesamtbewegung

Die Annäherungen zwischen AfD und Pegida beweisen, welchen politischen Kurs die Partei einschlägt. Den Rechtspopulisten geht es eher um radikale als um bürgerliche Wählerschichten. 

Nun hat die AfD also eine weitere Staustufe auf ihrer abschüssigen Fahrt rechtsstromabwärts durchlaufen. Beziehungsweise fast. Die beiden Co-Vorsitzenden der Partei, Jörg Meuthen und Alexander Gauland, haben sich für eine Annäherung an die Dresdner Pegida-Bewegung ausgesprochen, müssen diese aber im Bundesvorstand noch durchsetzen. Mit noch radikaleren „Gida“-Organisationen außerhalb von Dresden will man hingegen nichts zu tun haben.

Meuthen sagte der FAZ, „man sollte das Kooperationsverbot, das wir haben, aufheben“. Damit gemeint ist eine maßgeblich von der damaligen AfD-Co-Vorsitzenden Frauke Petry 2016 verabschiedete Regelung, wonach „AfD-Mitglieder weder als Redner noch mit Parteisymbolen der AfD bei Pegida-Veranstaltungen auftreten“ dürfen. Kurz vor Meuthen hatte sich Gauland gegenüber dem Magazin „Stern“ ähnlich eingelassen. Das klang so: „Eine Annäherung halte ich für möglich“. Mit Pegida-Chef Lutz Bachmann allerdings wollen beide aufgrund dessen krimineller Vergangenheit nichts zu tun haben. Gauland sorgt sich darum, mit ihm bürgerliche Wähler zu verlieren.

Nach Informationen der FAZ führte eine Abstimmung im Bundesvorstand über die Aufhebung des Kooperationsverbots Freitag vor einer Woche noch zu einem Remis. Allerdings gelte „eine abermalige Abstimmung in Parteikreisen als wahrscheinlich“. Kein Wunder, wenn die beiden Vorsitzenden derart öffentlich vorpreschen. Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis AfD-Politiker ohne jede innerparteilichen Restriktionen auf Pegida-Bühnen in Dresden stehen werden. Vor Ort gibt es schon länger Lockerungsübungen. So hielten sowohl Pegida als auch die AfD im Mai 2017 jeweils eine Demo auf dem Dresdner Neumarkt ab, laut MDR zwar vor „zwei verschiedenen, nebeneinander stehenden Tribünen - aber vor gleichem Publikum“.

Nicht in Richtung Pegida abgedriftet, sondern bewusst hingerudert

Die Person Bachmann als einziges Hindernis auszumachen, welches bürgerliche Wähler an einer Zusammenarbeit mit der AfD abschrecken könnte, sagt viel darüber aus, wohin der Wirtschaftsprofessor Jörg Meuthen und der ehemals auch außerhalb des konservativen Milieus angesehene Publizist Alexander Gauland inzwischen nicht nur irgendwie hingedriftet, sondern ganz bewusst und aus eigenem Antrieb hingerudert sind. Der FAZ-Redakteur Justus-Bender fasst dazu in einem am vergangenen Donnerstag erschienenen Kommentar zusammen, was „auf Pegida-Demonstrationen in Dresden“ für ein „üppiges Panoptikum an unheilvollen Positionen (gezeigt wird)“: „Bei Pegida wird der Autokrat Putin verehrt, demokratisch gewählte Politiker werden als Volksverräter gebrandmarkt, seriöse Journalisten werden diffamiert, Muslime werden kategorisch als Bedrohung und männliche Flüchtlinge ebenso kategorisch als Vergewaltiger dargestellt.“

Alles offenbar kein Problem für die beiden Herren mit politisch spät begonnener Abgeordnetenkarriere. Umgekehrt ist es nicht anders. Während die zunehmende Radikalisierung der AfD selbst einem Teil des rechten Milieus wie namentlich der „Jungen Freiheit“ schön länger zu weit geht, ist bei Pegida das Gegenteil der Fall. Der radikale Kurs der AfD wird explizit gutgeheißen. Justus Bender hat also recht, wenn er in seinem erwähnten Kommentar schreibt, dass „sich Gleich und Gleich gesellt“. Davon zeugt namentlich die Pegida-Demonstration am 19. Februar diesen Jahres. Sie fand vor dem Dresdner Hauptbahnhof statt. Auf „Youtube“ kann man sich einen Mitschnitt der dort gehaltenen Reden anschauen.

Aufschlussreich sind vor allem die Begrüßungsworte von Pegida-Versammlungsleiter Wolfgang Taufkirch. Er nannte Dresden gleich zu Beginn „die Hauptstadt des Widerstands“. Und er kam auf den politischen Aschermittwoch der AfD in Nentmannsdorf in der Sächsischen Schweiz zu sprechen, der in der Vorwoche, sprich am 14. Februar, stattgefunden hatte. Dort hatte sich André Poggenburg, der Fraktionsvorsitzende der AfD Sachsen-Anhalt, über die Kritik der „Türkischen Gemeinde in Deutschland“ (TGD) an der von Union und SPD angestrebten Schaffung eines Heimatministeriums echauffiert und die TGD wie folgt diffamiert: „Diese Kümmelhändler haben selbst einen Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern am Arsch, für den sie bis heute keine Verantwortung übernehmen. Und die wollen irgendetwas über Geschichte und Heimat erzählen? Die spinnen wohl! Diese Kameltreiber sollen sich dorthin scheren, wo sie hingehören. Weit, weit, weit hinter den Bosporus, zu ihren Lehmhütten und Vielweibern. Hier haben sie nichts zu suchen und nichts zu melden. Punkt.“ Außerdem hatte er kundgetan, dass die doppelte Staatsbürgerschaft „heimat- und vaterlandsloses Gesindel“ hervorbringe.

In der breiten Öffentlichkeit lösten Poggenburgs Worte Entsetzen aus. Auch die rechte „Junge Freiheit“ übt scharfe Kritik. In ihrer aktuellen Ausgabe fragt sie, ob die AfD „überdreht“ und hakt im Interview mit Poggenburg immer wieder kritisch nach. Nicht so Pegida-Dresden, nicht so Wolfgang Taufkirch. Für ihn hat der politische Aschermittwoch in Nentmannsdorf „ein klares Signal gegeben“: „Mitteldeutschland steht, hier wird kein Millimeter Heimaterde mehr preisgegeben“. Der Spruch gefällt ihm augenscheinlich so gut, dass er ihn gleich zwei Mal in seiner Rede brachte. Auch Gauland hat sich hinter Poggenburg gestellt. Gegenüber dem „Stern“ ließ er sich wie folgt ein: „Das bewegt mich nicht“; „ich sehe da keinen Bedarf für eine innerparteiliche Debatte“ und: „Das ist kein Rassismus, wenn ich sage: 'Die Türken gehören nicht zu uns'.“ Der AfD-Bundesvorstand sah das Ganze zwar kritischer und hat Poggenburg wegen seiner Äußerungen abgemahnt, aber weiter wichtig zu nehmen ist das nicht, weil damit keine Konsequenzen für Poggenburg einhergehen.

Pegida-Bewegung als "Fundament"

Pegida-Mann Taufkirch und auch die Teilnehmer der Dresdner Demo ließen keinen Zweifel daran, wie sehr sie die AfD und sich selbst als inhaltlich miteinander verzahnt ansehen. Immer wieder skandierten Letztere „AfD, AfD“. Taufkirch wiederum hob hervor, dass „Pegida hier ein Fundament in die Erde gerammt“ habe, „auf das fähige Politiker wieder aufbauen können“. In Nentmannsdorf habe er eine „Aufbruchstimmung“ gespürt. Mittlerweile sei es „völlig egal, ob jetzt eine GroKo in Form von das große Kotzen“ komme. Auch Machtphantasien ließ er freien Lauf: „Wir auf der Straße haben die Macht, das System zu kippen. Schmeißen wir die Deutschlandhasser, die Grenzöffner und die Volksverräter aus dem Reichstag.“

Auch das passt ganz gut zu Gauland, der bekanntlich die bisherige Staatsministerin für Integration, Aydan Özoğuz, gleich ganz in Anatolien „entsorgen“ möchte. Das Publikum rief Taufkirch begeistert „ausmisten, ausmisten“ zu. Ein Vokabular, welches schon lange in der AfD kursiert. Markus Frohnmaier, 27 Jahre alt und inzwischen Bundestagsabgeordneter der Partei aus Baden-Württemberg, schmetterte bereits 2015 als Vorredner von Björn Höcke bei einer AfD-Demonstration in Erfurt Folgendes ins Mikrofon: „Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht - denn wir sind das Volk, liebe Freunde."

In Dresden trat am 19. Februar auch der seit Jahren im rechten Umfeld aktive Michael Stürzenberger auf, welcher früher Bundesvorsitzender der islamfeindlichen Kleinstpartei „Die Freiheit“ war und regelmäßiger Autor des ebenfalls islamfeindlichen Blogs „Politically Incorrect“ ist. Auch mit ihm haben Meuthen und Gauland, die ja nur mit Lutz Bachmann nichts zu tun haben wollen, also keine Berührungsängste. Die Achse AfD-Pegida ist für Stürzenberger ein zentrales Anliegen, wie dieser Teil seiner Rede belegt: „Die AfD wird immer stärker und sie bekennt sich dazu, dass Pegida-Dresden als starke Bürgerbewegung ein Standbein ist, auf das sie baut“. Das, wohlgemerkt, sagte Stürzenberger am montäglichen 19. Januar, also noch bevor sich Gauland und Meuthen wenige Tage später gegenüber der Presse für eine Zusammenarbeit mit Pegida Dresden starkmachen sollten.

Keine Wahlalternative für enttäuschte Konservative

Ihm selbst kommt in diesem Prozess offenbar die Rolle eines Brückenbauers zu. Wie selbstverständlich berichtete er vor dem Hauptbahnhof davon, wie er gerade erst, nämlich in der Vorwoche, zusammen mit „Lutz“, also Bachmann, und „Siggi“, sprich Pegida-Mitgründer Siegfrid Däbritz, bei Infoveranstaltungen der AfD zu Pegida-Dresden in den mecklenburg-vorpommerischen Städten Neubrandenburg und Schwerin Fragen beantwortet habe. „AfD und Pegida gemeinsam für Deutschland“ lautet sein Fazit. In Mecklenburg-Vorpommern bereitet die AfD den Weg dafür fraglos vor. Wer als von der CDU enttäuschter Konservativer immer noch meint, die AfD sei eine wählbare Alternative, sollte wissen, was und wen er damit inzwischen mindestens de facto auch unterstützt. Bürgerlich ist eine solche radikal rechte Gesamtbewegung jedenfalls nicht. Peter Huth, der Chefredakteur der „Welt am Sonntag“, wies unlängst zutreffend darauf hin, dass auch Protestwähler Verantwortung tragen.

10 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
Bitte melden Sie sich zunächst an, um die Kommentarfunktion nutzen zu können.
  1. von Martin Wehlan
    Was soll die Überschrift "radikal rechte Gesamtbewegung" eigentlich suggerieren ? Eine "rechte Gesamtbewegung" wäre ja wenig anstößig - genauso wenig wie eine "linke Gesamtbewegung". Andererseits ist eine "radikal rechte Gesamtbewegung" etwas anderes als eine "rechtsradikale Gesamtbewegung". Was aber ist an PEGIDA oder der AfD radikal ? Noch nie hat irgend ein Sprecher bei PEGIDA oder der AfD zu Gewalt aufgerufen. Im Gegensatz zu den Gegendemonstrationen verlaufen PEGIDA-Demos gewaltfrei. Bei AfD-Demos danken die Teilnehmer der Polizei, die sie vor den hasserfüllten (radikal linken) Schreihälsen der ANTIFA schützt. Also kann der Begriff "radikal" sich nur auf den Inhalt der Wortbeiträge beziehen. Nun werden aber im Artikel von Frau Bednarz nur ausgewählte Wortbeiträge aufgeführt, die keinesfalls für die gesamte AfD stehen - und wie der Beitrag von Frohnmaier - auch schon einige Jahre alt sind. Der größte Teil der AfD ist und bleibt bürgerlich - und nur dort werden die Wahlen gewonnen. Wer radikale Sprüche klopft wie Poggenburg, kann bestenfalls lokal punkten. Warum wird eigentlich immer nur über die Aschermittwochs-Veranstaltung in Sachsen berichtet ? Warum nicht über die Veranstaltung in Niederbayern, wo Meuthen und und ein FPÖ-Mann die Redner waren - und nicht radikal aufgetreten sind ? Man wird den Eindruck nicht los, dass die Autorin die AfD in die Radikalität hinein schreiben will, so wie deutsche Journalisten 2011 versucht haben, die Strahlentoten von Fukushima herbeizuschreiben. Natürlich wird sowohl bei PEGIDA als auch bei der AfD viel Unsinn erzählt, aber eben nicht nur Unsinn, sondern vieles, was durchaus diskutierbar ist - und jeder sollte sich sein eigenes Bild davon machen und braucht die linken "Erklär-Bären" dafür nicht, die ohnehin nur einen ungerechten "Igittigitt-Effekt" bei den oberflächlich gebildeten Bürgern gegenüber AfD und PEGIDA erzeugen wollen.
  2. von Wolfgang Jaschke
    Die AfD konzentriert sich zur Zeit eben auf die Bad-
    und die Turmstrasse: Nicht schön aber billig. Wo fände man sonst eine Zielgruppe die sich mit ein paar Träumen von Macht und Größe und einer Laiendarstellung des gemeuchelten Siegfrieds abspeisen könnte? Sie selbst postulieren ja mit Ihrer Kritik einen Anspruch der auf Arbeit hinaus laufen könnte...
  3. von Lilo Start
    Ich teile ihre Beunruhigung. Ich möchte aber die Verantwortung von Protestwählern zurück an das tagtägliche Versagen der Politik zurückgeben und auch an Sie als Liberal-Konservative!

    Seit Jahren enttarnt sich Woche für Woche in Äußerungen, Fehl-Entscheidungen, Statistiken und Vorfällen, die einer westlich zivilisierten Gesellschaft nicht würdig sind, die Entwicklung, in die diese übrigens ganz und garnicht konservativ-liberale Politik sie führt.
    Wer trägt dafür Verantwortung?

    Was ist der Sinn, Fr. Bednarz, das vermeintlich Sichtbare nun auch noch einmal zu beweisen und einzuordnen?

    Liegt der Sinn darin, sich selber den "Guten" noch einmal zu zu ordnen?

    Das liegt nahe, denn, wer nicht im Verein klatscht wird egal, wieviel Fakten auf den Tisch kommen, bespuckt!

    Ich hoffe Sie haben auch auf unsere europäischen Nachbarn geschaut.
    Die wenden sich mehrheitlich ab vom Merkel-Deutschland! Grenzen wurden und werden hochgezogen! Warum?
    Eine Analyse fehlt hier!

    Eine tiefergehende Analyse des Sichtbaren, Europas gesellschaftliche Bedürfnisse, bzw und die darin liegenden Chancen fehlen! Staatsmänner, wie Sebastian Kurz und Emanuell Macron versuchen jeder auf seine Art im neuen Kurs mitzulenken.

    Ihre Darstellung wirkt deshalb so seltsam rückwärtsgewandt und verantwortungslos in ihrem: "Ich will das hier noch einmal sagen, wie böse 14 Prozent der der Wähler sind."

    Ich fordere eine tiefgehende Analyse des Zustandes konservativer Politik. Analyse! Selbstkritik!

    Hier jedoch stellen auch Sie sich im Grunde genommen in die Reihe der Schläger und Schrei-Garde des 21. Jahrhunderts. Vorne die schwarz Vermummten, hinten die bunten Regenschirme und zwischen Kirchen und Gewerkschaften, mittendrin die Abteilung der bürgerlich formulierenden konservativ wirkenden Akademiker! Die sind alle gegen was! Gegen den sich drehenden Zeitgeist! Gegen die europäischen Nachbarn und gegen Selbstkritik!

    Das ist ehrlich gesagt kontraproduktiv!
  4. von Manfred Tauber
    Einfach schade, dass dieser Beitrag, so wenig Objektivität vermittelt.
    Pegida ist RADIKAL?
    Wie stellt man diese fest?
    Radikal sind die Antifa und gleichgesinnte Strömungen.
    Bei Pegida sind Leute, die mit den Zuständen unzufrieden sind.
    Dort geht ALLES ruhig und ohne körperliche Gewalt zu.
    Für MICH kein wirklicher Grund, teilzunehmen, weil einfach ein Ziel fehlt, welches konkret erreicht werden soll.
    Die AfD besteht vornehmlich aus Personen, welche früher in
    anderen Parteien tätig waren und ihre Vorstellungen in diesen
    nicht mehr finden können.
    Auch diese Partei hat seine 100%ige Berechtigung und wäre ohne den ideologischen Rot-Waschgang durch Frau Merkel überhaupt nicht vorhanden.
  5. von K. Winkelmann
    Ob die mutmaßlich linksextremistische Verfasserin des "Artikels" jemals das Programm von PEGIDA gelesen hat und mit ihrer offensichtlich äußerst eingeschränkten kognitiven Fähigkeit realisiert, dass die angeblich "radikalen Forderungen" von PEGIDA mittlerweile zu 98% in Wahl-/Parteiprogrammen der sogenannten "Etablierten" stehen beziehungsweise bereits Gesetz geworden oder beantragt sind?

    Nun, ich will von solchen systemgesteuerten Antidemokraten nicht zu viel verlangen und lassen den vor Hetze und Dummheit strotzenden, dümmlichen Hass-Artikel einfach mal auf mich wirken!
    Daran muss auch der letzte merken, wer die "Journalisten" steuert, oder! Danke also für diesen Artikel. Die Wähler für die AfD wird es freuen.
    1. von Wolfgang Jaschke
      Antwort auf den Beitrag von K. Winkelmann 27.02.2018, 17:53:07
      Wenn Sie noch mehr davon brauchen, schauen Sie einfach etwas weiter oben nach...
  6. von X Violett
    Das ist doch evident: ohne die Pegiden hätte es niemals die AfD gegeben: auf das von den Pegiden bereit gestellte politische Potenzial haben sich einige recht gewitzte Politiker als Leitfiguren geschwungen, und fertig war die AfD.

    Einen Schritt zurück: ohne dass sich die Schere zwischen arm und reich immer weiter geöffnet hat, ohne dass also inzwischen nahezu zwei Drittel unserer Bürger wirtschaftlich, hinsichtlich Einkommen, Ausbildungsmöglichkeiten, erst recht Vermögen, Alters- und Kindesarmut abgehängt sind, wäre es niemals zu den Pegiden gekommen.

    Und zu den Ursachen dieses Abgehängtseins: die herrschenden Koalitionen aus CDU/CSU und SPD haben in voller Kenntnis der krassen Unterschiede in unserer Republik nicht nur nichts zur Behebung getan, sondern alles, um das große Geld zu Lasten der großen Masse der Bevölkerung immer noch weiter zu vermehren.

    Das sind Zustände, wie sie in jeder Bananen-'Republik', in jeder Diktatur, in jedem Sultanat nicht schlimmer sein können.

    Das Staatsgebilde dann noch 'Demokratie', womöglich noch mit Gleichberechtigung, Gewaltenteilung und funktionierender unabhängiger Rechtsprechung zu nennen, ist objektiv längst nicht mehr möglich.
    1. von Markus Berinig
      Antwort auf den Beitrag von X Violett 26.02.2018, 14:39:05
      X Violett, zum Thema Pegida: Pegida war und bleibt ein ostdeutsches Phänomen, in dem sich eine Abneigung gegen bürgerlichen Parlamentarismus, das Gefühl, von Wessis kulturell und politisch okkupiert zu sein (und Gabriel lieferte mit seinem "Pack" den wie die Faust aufs Auge passenden Sound dazu), der Empörung über die damals schon umstrittene Zuwanderungspolitik, der Verneigung der westdeutschen Eliten vor dem Islam (u.a. Wulffs Rede) mit einer aus der Revolution von 1989 gebliebenen Widerständigkeit bündelte, eine Mischung, die es im Westen so nicht gibt. Der Furor, der aus dem Westen über Sachsen fuhr (und weiter fährt) hat zusätzliches Solidarisierungspotential geweckt. Dazu kommt noch ein weiterer Unterschied zwischen Ost und West: Im Westen gehört die Straße der Linken, ein Privileg, das sie ggf. mit harter Gewalt verteidigt, so zuletzt in Hamburg (Ogilvie-Demo) oder bei der Frauendemo der AfD neulich hier in Berlin. Diese Hoheit hat sie im Osten nicht. Daher scheiterten umgekehrt auch alle Versuche, Pegida im Westen zu etablieren. Pegida ist ostdeutsch so wie die Grünen westdeutsch sind. Denn das für die Grünen notwendige Milieu und seine typische Sozialisation aus 1968 ff. heraus gibt es im Osten nicht - und das Milieu für Pegida im Westen auch nicht. "Abgehängt" sind jedoch weder Pegida-Sympathisanten noch AfD-Wähler und es wäre zu klären, von was sie denn "abgehängt" seien. Arm sind sie nicht, ich habe auf den Pegidaaufzügen, die ich besucht haben nie Alkoholiker oder typische Arbeitslose gesehen. Wer sich darauf zurückzieht, versucht der Bewegung letztendlich sich aus einer gönnerhaft-paternatistischen Attitüde aus zu nähern, was aber nur eigene Vorurteile bestätigt. ich denke, der Bruch der Pegider mit dem linksliberalen System heutiger Prägung ist schon ziemlich endgültig.
    2. von Markus Berinig
      Antwort auf den Beitrag von X Violett 26.02.2018, 14:39:05
      X Violett, zum Thema AfD: Die AfD wurde 2013 von sehr bürgerlichen, sehr westdeutschen Liberalkonservativen (Lucke, Adam u.a.) und Ordoliberalen (Olaf Henkel z.B.) gegründet, die damit, grob gesagt, eine weniger europa-euphorische FDP im Sinn hatten. Sie war nicht einmal so sehr Reaktion auf die Linksdrift der Union oder der bürgerlichen Mittelschicht, sondern auf die ideologische Implosion der Westerwelle-FDP. Daß Westerwelle dann in seinen letzten Jahren plötzlich, so als habe es seine Philippika gegen "spätrömische Dekadenz" nie gegeben, politisch ultrakorrekt wurde und die Grünen nahezu links überholte, hat das noch beschleunigt. DIESE AfD allerdings hat niemand außer ihren Gründern gebraucht, und daher verschwand sie auch recht bald wieder in der Versenkung, Lucke trat aus und hat bis 2019 noch ein gutes Auskommen als Abgeordneter im Europaparlament. Die AfD erfand sich neu und man kann aber auch sagen, auch wenn es eine Platitüde ist, nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Daher wird auch jede weitere Parteigründung zwischen Union und AfD scheitern. Die AfD ist für die Rechte das, was die Linkspartei und Grünen zusammen für die Linke sind. Sie wird also weder verschwinden noch zerfallen. Aber vor 40 % AfD muß auch niemand Angst haben. Dennoch zeigen gerade die Grünen, wie man mit 10 % ein Land heimlich regiert - oder offiziell mit 18 %, wie die SPD.
  7. von Markus Berinig
    Ich halte es generell für problematisch, wenn Akteure, die sich einem bestimmten politischen Lager zuordnen, den Versuch unternehmen, das Gegenlager definieren oder beschreiben zu wollen. Am Ende kommt doch nur wieder ein "Ich kann Euch nicht leiden" oder "Geht weg" dabei heraus. Auch mir - als Rechtem - fehlt jedes Verständnis dafür, wie man muslimische Masseneinwanderung gutheißen kann oder Abtreibung zur Familienplanung als Befreiung oder Fortschritt betrachtet. Dennoch muß ich zur Kenntnis nehmen, daß zahlreiche Mitmenschen so denken. Es macht mich fassungslos, was in der Politik seit 1998 passiert - und doch passiert es.
    Umgekehrt scheitert Frau Bednarz beim Versuch, die AfD ein weiteres mal zu skandalisieren , auch daran, daß sie nicht versteht, daß ihre Definition von dem, was sein darf und was nicht, eben nur für sie und ihr Milieu gilt. Sie spürt es frustriert ja selbst: Wo sie bei den eigenen Leuten begeistertes Kopfnicken erntet, kommt von rechts nur noch ein sarkastisches "na und?" und keine gestammelten Entschuldigungen und Relativierungen mehr. Oder um mit einem alten Märchen zu sprechen: Der Geist ist aus der Flasche, und bekanntlich bekommt man den nie wieder hinein.
    Das neue und wirklich andere bei der AfD, im Vergleich zu früheren Versuchen, eine Partei rechts der Mitte zu etablieren, denken wir an die Republikaner in den 1990ern, ist, daß sich die Anhängerschaft nicht mehr mit Phrasen wie "Nazi", "rechts", "völkisch" oder "gestrig" disziplinieren läßt. Denn in Wahrheit hat es ja "rechte" Menschen immer gegeben, es gelang freilich, nach dem Untergang von Parteien wie der DP in den 1950ern, sie so ins Abseits zu stellen, ihnen einzureden, sie seien böse, unanständig, gar nicht da, daß sie es selbst zu glauben begannen. Die ganzen Wahlsiege der CDU, von Adenauer über Kohl und sogar der Merkels 2005 basierten darauf, denn nur so konnte die an sich antinationale, sehr sozialdemokratische Partei CDU rechte Wähler so lange binden.