Der Twitterer im Trump Tower 

Viele hoffen, dass der zukünftige Präsident der USA sich zukünftig staatsmännischer und vernünftiger geben wird. Sein Twitter Account sollte jeden vom Gegenteil überzeugen. Wut und Lügen sind immer noch sein Antrieb. Eine Bilanz nach 112 Tweets. 

Vor fast vier Wochen wurde Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA gewählt, nach dem mit Abstand schmutzigsten Wahlkampf in der Geschichte des Landes. Seine Ausfälle gegenüber Muslimen und mexikanischen Einwanderern erschütterten ebenso wie seine sexistische Prahlerei, seine zahlreichen Lügen und Angriffe auf Medien, die kritisch über ihn berichteten.

Verblüffenderweise versteigen sich gleichwohl nicht wenige Politiker wie Journalisten dies- und jenseits des Atlantiks in die Hoffnung, Trump werde sich nun mäßigen. Wie naiv diese Vorstellung war, zeigt sein Twitter Account. Zwischen dem 9. November* und dem 4. Dezember hat er dort 112 Tweets abgesetzt. Sonderlich staatsmännisch sehen diese meistens nicht aus; immer wieder gehen die Emotionen mit dem Mann im Trump Tower durch.

Ein Mann gegen die etablierten Medien

Dies zeigt sich vor allem in der thematischen Schwerpunktsetzung. Die meisten Tweets, nämlich insgesamt 24, also mehr als ein Fünftel, beschäftigen sich mit den etablierten Medien. Derzeitiges Lieblingsziel ist der Sender „CNN“. Auch die „New York Times“ war, bevor es am 23. November zu einer Aussprache im Trump-Tower kam, Ziel von Tweet-Attacken. Trump bezeichnete sie wiederholt als „versagend“ („failing“), behauptete, sie würde inakkurat und mit einem bösartigen („nasty“) Unterton über ihn berichten und habe sich dafür bereits bei ihren Lesern per Brief entschuldigt, weil sie deshalb tausende  Käufer verloren habe. Die Zeitung dementierte das.

Ein weiterer Auslöser für Trumps Ärger über die „New York Times“ war der Umstand, dass diese aus seiner Sicht die „vielen“ Glückwunschanrufe ausländischer Staatschefs ihm gegenüber nicht ausreichend erwähnt habe. Gleich drei Tweets setze er dazu am 16. November ab. Die Zeitung, so Trump, verhalte sich so, weil sie sauer („upset“), sei, habe sie doch wie ein Narr („fool“) in der Berichterstattung über ihn ausgesehen. Die betreffenden Länder, aus denen die Anrufe kamen, zählte er gleich mit auf: Russland, das Vereinigte Königreich, China, Saudi-Arabien, Japan, Australien, Neuseeland und „viele mehr“.

Ein peinliches „Wie Du mir, so ich Dir”

Auch verlaufe, so las man ebenfalls am 16. November, der Übergangsprozess entgegen eines Berichts der Zeitung reibungslos („smoothly“). Das kann man mittlerweile, jedenfalls was den diplomatischen Umgang mit ausländischen Staats- und Regierungschefs betrifft, nicht mehr bedingungslos sagen. Mehr als 50 Telefonanrufe sollen Trump und sein designierter Vizepräsident Mike Pence inzwischen ohne jede vorherige Absprache mit dem Außenministerium getätigt haben. Vorläufiger Tiefpunkt in dieser Hinsicht war das Telefonat Donald Trumps mit der Präsidentin Taiwans, einem Land zu dem die USA seit 1979 keine diplomatischen Beziehungen mehr unterhalten. Prompt folgte die unmissverständliche Aufforderung seitens des chinesischen Außenministeriums, auch weiter dem Prinzip der „Ein-China-Politik“ zu folgen.

Anstatt nun mit einem offiziellen Statement zurückzurudern, zuckte Trump erneut der Twitter-Finger. Am 2. Dezember schrieb er in Großbuchstaben, die taiwanesische Präsidentin habe ihn angerufen („CALLED ME“) und fügte ein „Thank you“ hinzu. Kurz darauf folgte ein weiterer uneinsichtiger Tweet. Trump fand es „interessant“, dass die USA militärisches Gerät in Milliardenhöhe an Taiwan veräußern, er aber keinen Glückwunschanruf entgegennehmen solle. Als habe er damit nicht schon genug außenpolitisches Porzellan „zertrumpelt“, legte er am 4. Dezember nochmals nach und fragte in zwei Tweets: „Hat China uns gefragt, ob es okay ist, ihre Währung abzuwerten (um unseren Unternehmen den Wettbewerb zu erschweren), hohe Steuern auf unsere Produkte in ihrem Land zu erlassen (die USA erhebt von ihnen keine Steuer) oder einen massiven Militärkomplex im Südchinesischen Meer zu bauen? Ich denke nicht!“. Ein peinliches „Wie Du mir, so ich Dir”. Wo leise Diplomatie angesagt wäre, verhält sich Trump wie ein erzürnter Mann, der am Gartenzaun den Nachbarn beschimpft, weil jener seine Hecke hochwachsen lässt. Erschwerend kommt hinzu, dass Trumps Behauptungen so auch nicht komplett richtig sind. Bekanntlich nicht zum ersten Mal.

Gratulationen sind Trump sehr wichtig 

Überhaupt sind Gratulationen für den designierten US-Präsidenten offenbar sehr wichtig. Wer Trump auf Twitter folgt, konnte am 13. November in insgesamt drei Tweets sehen, dass ihm der Gouverneur John Karish des „GREAT, GREAT, GREAT State of Ohio”, Jeb Bush, die ehemaligen Präsidenten George W. Bush und George H.W. Bush sowie Mitt Romney zum Zweck der Gratulation angerufen hatten. Die Glückwünsche von Romney, der ein scharfer Kritiker Trumps im Wahlkampf war, kommentierte Letzterer mit den Worten „very nice“. Derartige kurze bewertende Ein-bzw. Zwei-Wort-Kommentare, zu denen auch „sad“ zählt, finden sich häufig in den Trump’schen Tweets.

Bisweilen erfährt man auch, wen der designierte neue Mann im Weißen Haus und die künftige First Lady persönlich nett finden. So twitterte Trump nach dem Treffen mit dem noch amtierenden Präsidenten Barack Obama und dessen Frau am 11. November, die Chemie sei „großartig“ gewesen, Gattin Melania möge „Mrs. O“ sehr. Trump wiederum schätzt besonders Nigel Farage, den ehemaligen Vorsitzenden der britischen UKIP-Partei. Am 22. November ließ er die Öffentlichkeit per Twitter wissen, dass „viele Leute“ Nigel Farage gerne als neuen britischen Botschafter in den USA sehen würden. Die Zurückweisung dieses Ansinnens seitens der Briten folgte prompt. Trump wusste offenbar nicht oder ignorierte die Tatsache, dass die Position nicht vakant ist.

#corruptHillary und der „Möchtegern-Teilzeitjournalist“

Ein besonderes Ärgernis war und ist für Trump der Umstand, dass Hillary Clinton insgesamt deutlich mehr Stimmen als er erhalten hat – nach derzeitigem Auszählungsstand sind es rund 2,5 Millionen - auch wenn dies im Wahlsystem der USA keine Bedeutung hat. Am 15. und. 27. November setzte er satte drei Tweets zu diesem Thema ab, in denen er behauptete, er hätte noch „größer und sogar noch einfacher“ gewinnen können, wenn das Wahlsystem auf die Gesamtzahl der Stimmen abstellen würde, weil er dann nur in drei oder vier statt in fünfzehn Staaten hätte Wahlkampf führen müssen. Außerdem, so las man ebenfalls am 27. November, habe er neben dem „erdrutschartigen” Gewinn der Wahlmännerstimmen auch die Gesamtzahl aller Stimmen errungen. Nämlich dann, wenn man die “Millionen von Menschen” abziehen würde, die „illegal gewählt” haben. Diese ohne jeden Beleg geäußerte Verschwörungstheorie eines millionenfachen Wahlbetrugs bekräftigte er am 28. November in einem weiteren Tweet, in dem er Virginia, New Hampshire und Kalifornien als vermeintlich betroffene Staaten ausmachte. Anklagend  fragte er, warum die Medien nicht darüber berichten.

Zwei Tage später, also am 29. November, griff er den Sender „CNN“ in gleich sechs Tweets an, weil dieser diese Verschwörungstheorie zurückgewiesen hatte. Das sei armselig („pathetic“). Trump twitterte sich derart in Rage, dass ein diffamierender Hashtag und wieder Großbuchstaben herhalten mussten. Es stehe „AUSSER FRAGE“ dass es einen Wahlbetrug zugunsten der „#corruptHillary“ gegeben habe. Einen der CNN-Redakteure beschimpfte Trump als „schlechten Reporter“ und „Möchtegern-Teilzeitjournalisten“.

Ein besonderer Dorn im Auge Trumps ist überdies die NBC-Sendung „Saturday Night Live“, in der er regelmäßig von dem Schauspieler Alec Baldwin parodiert wird. Diese Show, so twitterte Trump am 20. November, sei eine „total einseitige, voreingenommene und völlig unlustige“ Angelegenheit. Am 4. Dezember erfuhren die Twitter-Follower erneut, dass die Show „total voreingenommen und nicht lustig sei“. Die Baldwin-Verkörperung seiner Person könne „nicht schlimmer werden“, so Trump. Als Ein-Wort-Satz schloss sich „traurig“ („sad“) an.

Viele Tweets erinnern an die Casting-Show „The Apprentice“

Auch die Auswahl und Kür der künftigen Regierungsmitarbeiter ist Trump viele Tweets wert, ganze 16 an der Zahl. Diese erinnern nicht selten an die Casting-Show „The Apprentice“, in der Trump mit klaren „Hire and Fire“-Ansagen zum TV-Star avancierte. So erfährt man zum Beispiel am 28. November, dass er General Petraeus getroffen habe und „sehr beeindruckt“ sei. Am 22. November stand dort, dass an jenem Tag „großartige Treffen“ im Trump Tower zur Aufstellung der Leute stattfinden, die das Land die nächsten „acht Jahre“ regieren sollen. Die Notwendigkeit der Wiederwahl nach vier Jahren kommt in Trumps Kosmos offenbar nicht vor. Am 17. November wiederum twitterte er, dass sein Übergangsteam einen „fantastischen Job“ mache und sich „viele großartige Kandidaten“ ansehe. Allerdings, so ein Tweet vom 16. November, wisse nur er, wer die „Finalisten“ seien.

Gerne inszeniert Trump sich überdies auf Twitter als Retter der amerikanischen Wirtschaft und berichtet davon, welchem Unternehmen er gerade erfolgreich ausgeredet hat, Geschäftsbereiche ins Ausland zu verlagern. Neuerdings kündigt er dort überdies hohe Strafzölle für US-Unternehmen an, die sich anders verhalten. Ganze 16 der 112 Tweets zeugen von diesem Themenkomplex.

Donald Trump schadet schon jetzt der Demokratie

Schließlich findet sich neben massivem Zorn über die Kritik am designierten Vizepräsidenten Mike Pence durch Schauspieler des Stücks „Hamilton“ am New Yorker Broadway (drei Tweets), der Drohung mit Entzug der Staatsangehörigkeit und Haft gegenüber Menschen, die die US-Flagge verbrennen, auch Ärger über „professionelle Demonstranten“ unter den Tweets, der aber tags drauf darauf wieder verpufft war.

Fast mit Erleichterung nimmt man Statements auf, in denen Trump sich über das Comeback Tiger Woods freut, den Opfern eines Busunglücks kondoliert oder amerikanische Feiertage würdigt. Diese Ausnahmen ändern indes nichts an der Unberechenbarkeit, der fehlenden Diplomatie, der Verachtung gegenüber Medien und allen weiteren Menschen, die ihn kritisieren, die man in so vielen Tweets sieht. Sebastian Christ hat also recht damit, dass Trump bereits begonnen hat, der Demokratie zu schaden. Der Twitter-Account zeugt davon.

*Die Datumsangaben beziehen sich auf die Ansicht der Tweets von einem deutschen Account aus.

2 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Uwe Mohrmann
    Fr.Bednarz,
    ob der diesen Schrott, der zum großen Teil, wirklich von ihm selbst getippt wird? :-))
  2. von Torsten Matzak
    Ehrlich gesagt ist dies einer der Artikel, die nicht fuer die Qualitaet des Journalismus im Allgemeinen und den Tagesspiegel im Besonderen stehen. Es ist ein Artikel einer Ansammlung von An- und Vorwuerfen, die letztlich durch nichts belegt ist.
    Das beste Beispiel ist der letzte Absatz unter der Ueberschrift "Donald Trump schadet schon jetzt der Demokratie" - als Begruendung dient der Verweis auf einen anderen, ebenso armseeligen Artikel. Danach schadet Trump vor allem deshab der Demokratie, weil er nicht durch die Medien spricht und diese auch kritisiert - offenbar hat der Journalismus immer noch nicht verstanden, dass er sein Meinungsbildungsmonopol verloren hat und die durch niemand legitimierte Vierte Gewalt immer mehr zur Chimaere wird.

    Richtig ist: Trump verhaelt sich seit seiner Wahl nicht immer gluecklich, insbesondere was die Nachzaehlantraege betrifft. Wenn man Trump allerdings dafuer kritisiert, dass er Treffen mit anderen Politikern und Kandidaten veroeffentlicht, so ist dies eher armseelig. Dies ist momentan sein Business, er muss nunmehr die Regierung zusammenstellen und gerade Journlisten wollen aus Personalentscheidungen immer auch Richtungsentscheidungen ablesen.
    Man kann auch sagen: Egal was Trump macht, es ist fuer die mediale Darstellung falsch.

    Was Liane Bednarz und ihre Kollegen offenbar nicht begreifen wollen, dass sie es sind, die mit einem solchen Verhalten der Demokratie Schaden zufuegen. Sie wollen ein demokratisches Wahlergebnis nicht anerkennen und hoffen, dass die Wahlmaenner dieses noch umdrehen. Es ist ein Ergebnis, was ich nicht erhofft habe - und die Journalie niederschrieben wollte. Aber nunmehr sollte man die demokratische Wahl der US-Buerger akzeptieren und nicht ueber die naechsten vier oder acht Jahre dies fortsetzen, was bereits unter Bush jun. und im Wahlkampf zu beobachten war.