Was macht einen Vater zu einem guten Feministen?

Väter und Feminismus - das ist nicht immer die einfachste Kombination. Barack Obama zeigt, wie man den Spagat meistert. Bei Donald Trump sieht das anders aus. 

Barack Obama weiß, wie man feiert: Anlässlich seines 55. Geburtstags veröffentlichte er einen feministischen Essay in der Glamour. Ein feministischer Essay. Von Barack Obama. In der Glamour. Ich kann mich nicht entscheiden, was daran ich am besten finde: Dass ein amerikanischer Präsident nicht nur über Gleichberechtigung schreibt, sondern explizit über Feminismus; oder dass er dies in der Glamour tut, einem sogenannten Frauenmagazin – nicht in der New York Times, nicht im New Yorker oder einem anderen Magazin mit intellektuellen Nimbus. Sondern in der Glamour.

Barack Obama, das lernen wir aus seinem Essay, findet Feminismus super. Vermutlich würde er auch ein „This is what a feminist looks like“-Shirt tragen (dazu könnte er dann Joe Bidens Freundschaftsbändchen kombinieren). Dass Obama Feminist ist, wissen wir natürlich schon seit Juni: Da erklärte er sich auf der Veranstaltung United States of Women im Weißen Haus zu einem solchen. Barack Obama, das lernen wir ebenfalls aus dem Essay, ist vor allem wegen seiner Töchter Feminist: Malia und Natasha würden das von ihm wie von anderen Männern erwarten. Außer von Donald Trump vielleicht – dabei ist der ebenfalls ein Vorkämpfer der Gleichberechtigung! Sagt zumindest seine Tochter Ivanka. Danach gefragt, ob ihr Vater ein Feminist sei, antwortete Ivanka: „Er glaubt hundert Prozent an die Gleichberechtigung der Geschlechter, also, ja, absolut – gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich.“ Vielleicht hat die gute Ivanka einfach nicht mitbekommen, wie ihr feministischer Vater Frauen wahlweise als „Schlampen“, „hässlich“ oder als „nur aufs Geld aus“ bezeichnete.

Ob Obama oder Trump: Feministische Väter sind gerade schwer angesagt. Im amerikanischen Englisch existiert dafür sogar ein eigener Begriff: Dad Feminism. Wenn alles gut geht, sieht der aus wie bei Barack Obama: Der Präsident schreibt über die besonderen Herausforderungen, denen Frauen begegnen. Er erinnert sich an seine alleinerziehende Mutter und an seine Frau Michelle: „Das ist es, was meinen eigenen Feminismus geprägt hat.“ Zwei Töchter zu haben hätte ihm dann aber noch einmal deutlicher gemacht, wie Geschlechterstereotype die Gesellschaft durchdringen: „Menschen dazu zu zwingen, an altmodischen, starren Vorstellungen von Identität festzuhalten, ist für keinen gut – Männer, Frauen, Homosexuelle, Heterosexuelle, Transgender oder sonstige.“ An dieser Stelle sei daran erinnert, dass Obama der erste amerikanische Präsident war, der die Begriffe „transgender“ und „bisexuell“ in einer State of the Union-Rede benutzte (im Januar 2015).

Vielleicht schlummert in Trump ungeahntes feministisches Potential

Neben Obama gibt es aber noch einen anderen Typen des väterlichen Feministen. Er hat sich noch nie mit dem Thema Gleichberechtigung beschäftigt. Im Gegenteil: Sexismus fand er bisher nicht so problematisch. Und dann: Boom, er bekommt eine Tochter und alles ändert sich. Plötzlich muss er feststellen, dass es auf der Welt weibliche Wesen gibt und dass diese diskriminiert werden! Das geht natürlich nicht an: Mädchen und Frauen sind schutzlose Wesen, die von starken Männern gerettet werden müssen. Solche Männer stecken ihre Töchter in Shirts mit der Aufschrift „Daddy’s little princess“ und geben Phrasen von sich wie „Männer wurden geboren, um zu beschützen“. Wie immer fällt Donald Trump aber auch hier in eine ganz eigene Kategorie: Danach gefragt, wie er reagierten würde, wenn Ivanka am Arbeitsplatz sexuell belästigt würde, lautete Trumps Empfehlung, seine Tochter solle sich dann doch am besten einen anderen Job suchen. Was die Frage aufwirft, ob Trump ein schlechterer Vater ist oder ein schlechterer Feminist. Vermutlich lautet die Antwort schlicht: gar kein Feminist.

Väterlicher Feminismus ist also nicht ganz unkompliziert – ganz im Gegensatz zu Feminismus im Allgemeinen, natürlich. Aber wenn einer das in Perfektion hinbekommt, dann doch Barack Obama: Amerikas First Dad, der „Obama out“ sagen kann (inklusive mic drop!), ohne lächerlich zu wirken und in einem Sketch auf Hillary Clintons Halloween-Party als er selbst auftaucht („Ich habe nichts zu verbergen“). So ein Mann schaukelt natürlich auch das mit dem Dad Feminism. Aber wer weiß: Vielleicht schlummert in Donald Trump ungeahntes feministisches Potenzial – und wir können bald einen Essay von ihm in der Glamour lesen. Seine Frau Melania hätte sicher ein paar Tipps, wie er die besten Stellen des Obama-Essays in seinen eigenen einbauen kann.

Sie können an dieser Stelle derzeit keinen Kommentar schreiben.