Eine schrecklich nette Familie 

Der Trump-Clan zeigt exemplarisch wofür der neue Präsident steht: Ausgrenzung und Diskriminierung. Junge Amerikanerinnen und Amerikaner müssen nun mit den Konsequenzen leben.

Familie ist in der amerikanischen Politik wichtig. Kaum ein Wahlkampfauftritt, der ohne Verweis auf die lieben Verwandten auskommt. Michelle Obama sprach darüber, ihre Töchter in einem Haus – dem Weißen nämlich – aufwachsen zu sehen, das von schwarzen Sklaven erbaut wurde. Hillary Clinton freute sich 2014 öffentlich darüber, zum ersten Mal Großmutter geworden zu sein. Barack Obama betonte, dank seiner Töchter Feminist zu sein. Und Donald Trump? Der findet seine Tochter Ivanka so dermaßen attraktiv, dass er gleich mit ihr ins Bett gehen würde wenn sie, nun ja, nicht seine Tochter wäre. Verflixte Gene.

Frauen wählten Trump trotz dessen Sexismus

Es geht also immer viel um Töchter und manchmal auch Söhne und darum, in welchem Amerika sie aufwachsen. Nach der Wahl ist nun klar: Sie wachsen in einem Amerika auf, das sich nicht viel um Menschenrechte schert. Das einen Mann zum Präsidenten gewählt hat, der rassistisch, sexistisch und homophob ist. Der am liebsten eine Mauer an der amerikanisch-mexikanischen Grenze bauen und massenweise Menschen aus den USA ausweisen würde. Der zahlreiche Frauen belästigt (so die Vorwürfe) und beleidigt (so die Fakten) hat. Der öffentlich Gesetzesvorhaben unterstützt, die LGBTQ diskriminieren und ausgrenzen. Junge Amerikanerinnen und Amerikaner werden in einem Land aufwachsen, in dem man mit solchen Positionen Erfolg hat. In dem die Rechte von Frauen und Minderheiten nichts wert sind und allein die Rechte weißer Männer zählen. In dem sich der durchsetzt, der am lautesten, am pöbelndsten, am ätzendsten ist. In dem gefühlte Wahrheiten, sogenannte truthisms, mehr zählen als Fakten.

Hillary Clinton war in vielerlei Hinsicht keine perfekte Kandidatin. Trotzdem war sie eine gute Kandidatin und sie als kleineres von zwei Übeln zu präsentieren wird ihr nicht gerecht. Viele Amerikanerinnen und Amerikaner haben aber offenbar lieber für einen orangegesichtigen, größenwahnsinnigen Möchtegern-Politiker gestimmt als für eine qualifizierte, erfahrene Politikerin. Inwiefern die Tatsache, dass Hillary Clinton nun einmal eine Frau ist, für die Wählerinnen und Wähler ausschlaggebend war, wird sich in Nachwahl-Analysen noch herausstellen. Fest steht schon jetzt: Wie erwartet haben mehr Frauen für Clinton gestimmt – aber längst nicht so viele wie vorhergesagt. Bedeutet: Trump war für viele Frauen trotz „Umkleiden-Gerede“, sexistischer Bemerkungen und Vorwürfen sexueller Belästigung wählbar. Vielleicht, weil Angrabschen für sie ein Kompliment ist?

Onkel Recep und Onkel Wladimir

Junge Amerikanerinnen und Amerikaner wachsen also in einem Land auf, in dem Hass triumphiert. In dem sexueller Belästigung nur mit einem Schulterzucken begegnet wird: Boys will be boys. In dem nach den Obamas die Trumps ins Weiße Haus einziehen. Eine Familie, in der die Söhne ihren Vater für ein großartiges Vorbild halten, die Töchter ihn als Feministen verkaufen – und die Ehefrau sich in Schweigen hüllt. Vielleicht kommen ja bald mal Onkel Recep und Onkel Wladimir vorbei. Mit denen wird Daddy sich nämlich aller Voraussicht nach hervorragend verstehen. Es stehen an: gemeinsame Jagdausflüge, jede Menge „Umkleiden-Gerede“ sowie die Planung des nächsten Atomkriegs. Ach ja, die lieben Verwandten. 

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