Donald, der Überfeminist 

Donald Trump hat das Thema Gleichberechtigung für sich entdeckt. Tochter Ivanka soll ihm jetzt dabei helfen, diese umzusetzen. Ob das gut gehen kann? 

Die schlechte Nachricht lautet: Donald Trump ist immer noch US-Präsident. Die gute Nachricht ist: Donald Trump hat nun das Thema Gleichberechtigung für sich entdeckt. Dafür brauchte es nicht mehr als den Besuch des kanadischen Premierministers, der, wie wir alle wissen, in Wahrheit ein von der Leinwand herabgestiegener Disney-Prinz ist. Ein Prinz, der dort reüssierte, wo zuvor zahlreiche andere Politiker-Kollegen scheiterten: Sich dem gefürchteten trumpschen Handshake – bei dem Trump die Hand seines Gegenübers fest packt und mit stählernem Griff zu sich heranholt – zu entziehen. Bien fait, Justin!

Trump: der unermüdliche Kämpfer für die Gleichberechtigung?

Auch an anderer Stelle war Trudeaus USA-Ausflug von Erfolg gekrönt: Dank ihm hat The Donald endlich gemerkt, wie sehr ihm das Thema Gleichberechtigung am Herzen liegt. Wenn einer ihn zu dieser Einsicht bewegen kann, dann natürlich Trudeau, dessen Kabinett zu fast gleichen Teilen aus Frauen und Männern besteht („Because it’s 2015“) und der sich selbst als Feminist bezeichnet. Jede Menge Gemeinsamkeiten mit Donald Trump also, der nicht nur laut Tochter Ivanka „hundert Prozent an die Gleichberechtigung der Geschlechter“ glaubt. Nein, mit der Nominierung von Kellyanne Conway als präsidiale Beraterin beweist er auch, dass wahre Gleichberechtigung tatsächlich dann erreicht ist, wenn Frauen in Führungspositionen ihren Job ungestraft genauso schlecht machen können wie Männer – oder sind das nur alternative Fakten?

Egal. Fest steht: Donald Trump ist ein engagierter Vorkämpfer der Gleichberechtigung. Schon immer gewesen, klar. Die ganze „Grab them by the pussy“-Chose gehört nämlich auch zu den alternativen Fakten. Nun also der kanadisch-amerikanische Kampf für mehr Gleichberechtigung von Frauen im Arbeitsleben. Eine gemeinsame Initiative wurde dafür bereits gegründet. Ivanka Trump soll bei der Umsetzung helfen. Auf den ersten Blick passt das gut: Ivanka ist selber Unternehmerin, hat im Wahlkampf zum Thema Gleichstellung am Arbeitsplatz gesprochen und auch noch ein eigenes Buch geschrieben (The Trump Card: Playing to Win in Work and Life) – letzteres, so beweist Donald Trump selbst, reicht als Qualifikation für politische Ämter allemal. Allerdings scheint Ivanka Berichten zufolge es in ihrem eigenen Unternehmen mit Mutterschutz selbst nicht so genau zu nehmen und was sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist, hat sie ebenfalls noch nicht so richtig durchschaut.

Ivankas dümmste Business-Entscheidung 

Justin Trudeau kann da sicher Abhilfe leisten, schließlich werden er und Ivanka demnächst Seite an Seite mit Unternehmerinnen diskutieren und Gleichstellungsmaßnahmen entwickeln. Der Job kommt zur richtigen Zeit, denn für die Unternehmerin Ivanka läuft es gerade nicht besonders gut: Seit ihr feministischer Vater US-Präsident wurde, möchte niemand mehr so recht ihre Klamotten für die moderne Business-Frau von heute kaufen, die Bleistiftröcke und Kleider landen auf dem Grabbeltisch. Trudeau hin, Trudeau her, an einer Sache kann auch der feministische Prince Charming nichts ändern: Dass die Entscheidung, ihren Vater US-Präsident werden zu lassen, Ivankas vermutlich dümmste Business-Entscheidung war. Aber ist die abnehmende Popularität der eigenen Marke nicht ein kleiner Preis dafür, dass Überfeminist Donald Trump seine feministischen Überzeugungen nun auch endlich politisch lebt? 

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