Brauchen wir einen Islamophobiebeauftragten?

Islamfeindlicher Terrorismus ist ein Versuch, unsere Gesellschaft zu spalten - wehren wir ihn entschieden ab!

Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland – Deutscher Islam?” sowie „nach-richten: Muslime in den Medien”.

Die hinterhältigen Anschläge auf Muslime und ihre Gotteshäuser in Christchurch/Neuseeland rufen weltweit tiefe Bestürzung hervor. Dieser rassistische Massenmord, diese islamfeindliche Schandtat, die weder im Namen einer politischen Ideologie noch in der christlichen Religion begründet sein kann, wie von den Tätern intendiert, ist ekelerregend und klar zu verurteilen. Terrorismus widerspricht allen religiösen Lehren. Und Politik sollte ebenso eine Umgangsform sein, sich verbal auseinanderzusetzen.

Die Hetze gegen Muslime ist verbreitet 

Dieses Massaker ist nicht nur gegen Muslime gerichtet, sondern trifft neben der neuseeländischen Demokratie auch das friedliche und gemeinsame Zusammenleben aller Menschen. Die Tat beabsichtigt, Zwietracht zu schüren, die offene sowie tolerante Gesellschaft zu spalten und die Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Die Tat bezweckt ferner, den Frieden in der Welt zu schänden und Hass zu säen. Und diese Tat verfolgt nicht zuletzt, unsere gemeinsamen Werte zu zerstören.

Politik, Medien und zivilgesellschaftliche Organisationen sind mehr denn je gefordert, sich entschlossener gegen Rassismus, Islamfeindlichkeit und Diskriminierung zu erheben. Die hetzerische Stimmung gegenüber manchen gesellschaftlichen Gruppen nimmt in den letzten Jahren – auch und insbesondere in Europa – weiter zu. Die Etablierung rechtspopulistischer und rassistischer Parteien, islamfeindlicher Mainstream-Akteure sowie sogenannter islamkritischer Journalisten, die immer mehr Platz in der gesellschaftlichen Mitte finden, weist leider nicht in eine hoffnungsvolle Zukunft.

Zugleich sind unsere Behörden mehr denn je gefordert, Sicherheit und Vertrauen herzustellen. Denn nicht zuletzt die rechtsterroristischen Morde des sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) in Deutschland oder sehr dubiose V-Leute bzw. Kontaktpersonen im Umfeld sogenannter „islamistischer“ Täter zeigen immer wieder, dass auf diesem Feld noch viele Fragen unbeantwortet sind.

Müssen Moscheen wie Synagogen geschützt werden?

Überdies ist es beunruhigend, dass trotz steigender Übergriffe auf Moscheen und muslimische Mitbürger immer noch keine ausreichenden Konzepte dagegen existieren. Wie wäre es zum Beispiel, dass es neben dem jetzigen Beauftragten für Antisemitismus auch das Amt eines Beauftragten der Bundesregierung für Islamfeindlichkeit (Islamophobiebeauftragten) zu schaffen? Außerdem muss schließlich die Frage öffentlich erörtert werden, ob Moscheen genauso wie Synagogen besonders durch unsere Polizei geschützt werden müssen. Der Zeitpunkt für einen flächendeckenden Objektschutz von Moscheen scheint sogar überschritten und somit dringend erforderlich.  

Jede Art von Gewalt muss aufs Schärfste verurteilt und mit allen rechtsstaatlichen Mitteln geahndet werden. Dieser Massenmord und deren Hintergründe mit all ihren verzweigten Netzwerkstrukturen müssen dringend lückenlos aufgeklärt werden. Das ist man nicht nur den Opfern und deren Hinterbliebenen schuldig. Das ist auch im Sinne unserer offenen und toleranten Gesellschaft und unserer Demokratie überaus bedeutend.

3 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
Bitte melden Sie sich zunächst an, um die Kommentarfunktion nutzen zu können.
  1. Bild von Bolko Bartsch
    Autor
    Bolko Bartsch, Bolko Bartsch ist seit vielen Jahren aktives Mitglied der Tagesspiegel Community. Community-Manager schätzen ihn für seinen Diskussionsstil.
    "Die hetzerische Stimmung gegenüber manchen gesellschaftlichen Gruppen nimmt in den letzten Jahren – auch und insbesondere in Europa – weiter zu."

    Gesellschaftliche Gruppen müssen sich erklären:

    Was wissen wir über Judentum, Christentum und Islam?
    Was wissen wir über die Pluralität von Identitäten?
    Was wissen wir über Kulturen?
    Was wissen wir über Sexualität?

    Ohne Dialog zwischen allen gesellschaftlichen Gruppen, ohne ausgeprägte Kenntnisse über sie (die gesellschaftlichen Gruppen), über Religionen, Identitäten, Kulturen, Sexualität und vieles mehr, wird es keinen Frieden geben.

    Welche Rolle spielt der Terrorismus bei der Desorientierung mancher ausgelöster Reaktionen in Amerika und Europa? (Amartya Sen)
  2. von Uwe R.
    Nun, wir brauchen weder einen "Islamophobiebeauftragten" noch sonstwas in der Richtung.

    Wir haben das Grundgesetz sowie Zivil- und Strafrecht und entsprechende staatliche Einrichtungen [Polizeien, Staatsanwaltschaften und Richter].

    Die Bürger müssen von niemandem umerzogen oder überwacht werden.
  3. von Frederic Reuter
    Ich befürchte, dass wir ALLE -und zwar sowohl als Gesellschaft, wie auch jeder Einzelne für sich- von dieser Unart noch mächtig in den Hintern getreten bekommen, nach der wir immer öfter dazu neigen jene perfiden Ausreden und Rechtfertigungsversuche solcher Täter als WAHR und ERNST zu nehmend anzunehmen.

    Es wurden SCHON IMMER die schlimmsten und barbarischsten Handlungen mit IRGENDWAS gerechtfertigt! Da brauchen wir uns gar nicht erst auf Glaubens- oder Kulturkriege zu versteifen, denn jeder Ermittler hat sich schon 1.000'de Erklärungs- und Rechtfertigungsversuche anhören müssen, wie solche vorgeschobene Gründe, weil sich vom kleinsten Dieb bis zum fatalsten Massenmörder ALLE erklären und rechtfertigen wollen. Vielleicht sogar "müssen"?!

    Aber während jedem Polizisten und Ermittler SOFORT klar ist, dass da ein gefährlich defizitärer Charaktere vor ihm sitzt, der nur eine Ausrede für seine Handlungen sucht, titeln unsere Medien und jeder Hobby-Schreiberling über dem wirren Gefassel solcher sadistisch, kranken Rassisten und fördern damit auch noch, dass man diese Ausreden ernst nehmen müsse?!

    Gar keine Frage: Was da gerade in Christ Church vorgefallen ist, ist genau das, was es ist: Rasssimus, Hass und Hetze in Reinkultur!

    Aber deswegen sind jetzt nicht gleich nur noch 2 Sorten Menschen auf der Welt - Hasse und Gehasste. Deshalb ist das Perverse dieser Täter keine Erscheinung einer Glaubensfrage und auch kein kultureller Aspekt. WIR eröffnen damit erst die Bühne für solche Typen, richten das Licht aus und stellen auch noch Mikrofone dazu, wenn dieser Täter mit SEINEN Rechtfertigungsversuchen auch noch den 100 anderen unter Beweis stellen darf, dass einen kurzen Moment des Ruhmes gäbe, den man seiner Sache opfern kann.

    Dennoch sind und bleiben es dysfunktionale Psychopathen, einfach böse Menschen, Unmenschen, die ihren blutig kranken Fantasien in die Tat umgesetzt haben, WEIL sie wissen, was die Medien aus ihnen machen werden.