Bonusprogamme von Versicherungen   Sollten Krankenkassen eine gesunde Lebensweise finanziell belohnen?

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Markenexperte, Prophet Prophet

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Felix Stöckle gehört zu den profiliertesten Markenexperten in Deutschland und hat sich auf kundenorientierte Unternehmensführung und Geschäftsmodellinnovation spezialisiert, um so einzigartige Kundenerlebnisse, nachhaltige Wettbewerbsvorteile und profitables Wachstum zu realisieren. Er ist Partner bei Prophet, einer weltweit tätigen Unternehmensberatung.

Immer mehr Menschen legen Wert auf Gesundheit und Fitness, und sind von daher auch nicht bereit, den ungesunden Lebensstil von Mitversicherten zu tragen. Im Angesicht des eigenen Profits sind auch deutsche Datenmuffel bereit, ihren Versicherungen zahlreiche Gesundheitsdaten zur Verfügung zu stellen.

Gesundheitstarife der Krankenkassen sind hier zu Lande gesellschaftlich zwar noch heftig umstritten, doch immer mehr Menschen finden es richtig, wenn eine gesunde Lebensweise finanziell anerkannt wird. In einer aktuellen Online-Umfrage der weltweit tätigen Markenberatung Prophet bei der im Juli dieses Jahres 1.000 Erwachsene in Deutschland repräsentativ befragt wurden, wünschen sich immerhin 62 Prozent der Befragten, die Krankenkasse möge ihre  gesunde Lebensweise finanziell honorieren. Und 37 Prozent der Umfrage-Teilnehmer, können sich vorstellen, im Gegenzug ihrer Krankenkasse per Smart-Armband oder Fitness-App relevante Daten zu ihrer Gesundheit zu übermitteln, bei den unter 34-Jährigen ist es sogar jeder zweite.

Wer gesünder lebt, kostet die Kasse eben weniger Geld. 

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Das sind erstaunliche Resultate für ein Land der sogenannten Datenmuffel. Die Umfrageergebnisse lassen sich in Teilen mit dem gesellschaftlichen Trend zu gesünderer Ernährung, mehr Sport und einem insgesamt ausgewogeneren Leben erklären. Immer mehr Menschen legen offenbar Wert auf Gesundheit und Fitness, und ändern ihren Lebensstil entsprechend. Ihnen ist bewusst, dass sie so weniger Gesundheitskosten verursachen, und sie erhoffen sich entsprechend von der Krankenkasse eine finanzielle Belohnung. Wer gesünder lebt, kostet die Kassen eben weniger Geld.

Andererseits zeigt die Prophet-Studie auch einen Trend zur Entsolidarisierung innerhalb der Gesellschaft, in diesem Fall der Gemeinschaft der Krankenversicherten. Etliche Versicherte sehen offenbar nicht mehr ein, dass sie mit ihren Beiträgen das ungesunde Verhalten von anderen Menschen subventionieren. Vielmehr fordern sie die Honorierung ihrer eigenen Bemühungen. Während man dabei selber im Morgengrauen eine Runde läuft und sich danach ein Bio-Müsli gönnt, sieht man vor dem inneren Auge andere Versicherte mit Chips und Bier vor dem Fernseher sitzen. So steigt die Erwartung, dass andere dem eigenen Vorbild folgen. Die Haltung dahinter: Wer keine schweren Krankheiten oder genetische Prädispositionen hat, kann sehr wohl eine Menge für seine Gesundheit tun und damit das Gesundheitssystem entlasten.

Wer um seine Gesundheit bemüht ist, ist nicht mehr bereit den ungesunden Lebensstil anderer zu tragen. 

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Ebenso spannend an den Ergebnissen ist das langsame Umdenken, der eigentlich, in Sachen Datenschutz, sehr sensitiven Deutschen. Besonders bei jungen Menschen, den sogenannten Millennials. Hier hätten mehr als die Hälfte kein Problem, den Kassen ihre Gesundheits-Daten zur Verfügung zu stellen. Noch überraschender ist allerdings, dass sogar fast ein Viertel der über 55-Jährigen offen dafür ist. Es gibt bei vielen Bundesbürgern wohl eine sinkende Sensibilität gegenüber der Herausgabe und Verwendung ihrer Daten. Vielleicht auch, weil sie zunehmend verstehen, dass ihr Verhalten durch die Nutzung etwa von Smartphones sowieso immer transparenter wird. Außerdem würden sie in diesem Fall – im Vergleich zu vielen anderen Produkten und Dienstleistungen – ja endlich einmal tatsächlich direkt davon profitieren, wenn sie ihre Daten zur Verfügung stellen.

Ein Umdenken in Sachen Datenschutz: Vor allem beim eigenen Profit gibt man bereitwilliger seine Daten frei. 

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Gerade ältere Menschen haben allerdings ein ungutes Gefühl, ihre Daten Fremden zu überlassen. Dreiviertel der Befragten in der Umfrage meinen daher, dass ein Arzt die gesunde Lebensweise auf Basis des vorliegenden Wissens bzw. vorhandener Daten bestätigen sollte. Anstatt der Krankenkasse die eigenen Gesundheitsdaten direkt zur Verfügung zu stellen. wird der Arzt in diesem Fall als neutrale Vertrauensperson, die auch noch der Schweigepflicht unterliegt, zwischengeschaltet. Auf Basis eines anerkannten Index würde dieser die Information an die Krankenkasse übernehmen. Die Einzeldaten bleiben dabei beim Arzt, aber die Versicherung erhält dennoch valide Informationen, mit denen sie arbeiten und Tarife entsprechend differenzieren kann. Diese Idee hat in unserer Umfrage mit 76 Prozent eine große Zustimmung erhalten.

Wer aber definiert was genau eine gesunde Lebensweise ist? Wer setzt den Maßstab? Es wird wohl ein gesellschaftlicher Konsens zu diesem Thema gefunden werden müssen. Bei jedem Bluttest werden als Vergleich Normparameter ausgewiesen und Abweichungen identifiziert. Bewegung und sportliches Verhalten lassen sich darüber hinaus von einem Smartphone tracken. Trotz der Vielzahl an vorhandenen Datenpunkten braucht es am Ende aber wohl eine gemeinschaftliche Anstrengung aller Beteiligten im Gesundheitssektor – Ärzten, Krankenkassen, Wissenschaftlern, Gesundheitspolitikern und Patientenvertretern – um zu definieren, was genau die Faktoren, Parameter und Grenzwerte einer gesunden Lebensweise sind. 

Die Krankenkassen müssen transparent und verantwortungsbewusst agieren. 

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Ein zentraler Erfolgsfaktor für jegliche Innovation in diesem Bereich wäre sicherlich, sich als Krankenkasse vollkommen transparent gegenüber den Kunden zu verhalten und so Vertrauen dafür zu schaffen, dass man als Anbieter maximal verantwortungsbewusst mit den Daten umgeht. Dazu ist klar zustellen, welche Daten erhoben werden, wie diese verarbeitet werden, wie ein Missbrauch verhindert wird, etc. In unserer Umfrage ist es immerhin für 63 Prozent der Befragten weiterhin eine Horrorvorstellung, ihrer Versicherung Gesundheitsdaten liefern zu müssen. Der Gesetzgeber und die Versicherer haben also eine hohe Verantwortung in Bezug auf den Umgang mit diesen Daten. Bis Gesundheitstarife flächendeckend eingesetzt werden, wird es daher wohl noch einige Jahre dauern – wenn es überhaupt jemals dazu kommt. Doch ich bin mir sicher, dass uns dieses Thema und die Nutzung digitaler Technologien zur schrittweisen Realisierung von Gesundheitstarifen weiter begleiten werden. Die smarte Nutzung von Daten für eine effizientere Steuerung des Risikomanagements und damit auch die zunehmende Individualisierung der Tarife steht in allen Versicherungskonzernen ganz oben auf der Agenda.

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