Bonusprogramme nutzen uns allen  Bonusprogramme steigern unser Verantwortungs- und Solidaritätsgefühl

Bild von Florian  Schumacher
Consultant und Autor

Expertise:

Florian Schumacher erforscht und entwickelt smarte Gesundheitstechnologien. Er ist Digital Health Consultant bei iic-solutions, Redner, Autor sowie Gründer von Quantified Self Deutschland - einer Self-Tracking-Community. Über Apps und Geräte für eine bessere Gesundheit berichtet Schumacher auf dem Blog igrowdigital.com.

Gesundheitsvorsorge wird immer mehr zu einem Luxusgut. Digitale Bonusprogramme können hier Abhilfe schaffen und die Solidarität unter den Versicherten steigern. 

Deutschlands Gesundheitssystem ist weltweit für seine Qualität bekannt und glänzt im internationalen Vergleich mit guter Verfügbarkeit und großer Auswahl an medizinischer Versorgung. Finanziert wird dieses System durch Krankenversicherungen, die in Deutschland eine lange Tradition haben. Schon zu Beginn der Industrialisierung sicherten sich verschiedene Berufsstände wie Industrie- oder Bergarbeiter untereinander ab. Denkt man an die Gefahren, denen ein Minenarbeiter ausgesetzt war, ist verständlich, dass der Arbeitgeber mit in die finanzielle Verantwortung für den Schutz seiner Angestellten genommen wurde und die Beiträge gleichmäßig auf alle Mitglieder innerhalb einer Berufsgruppe verteilt wurden. Ob und wann eine Kohlengrube einstürzt, kann der einzelne Arbeiter schließlich nicht beeinflussen. Das Risiko am Arbeitsplatz gesundheitlichen Schaden zu nehmen, war daher zufällig verteilt.

Anstelle der zufälligen Verteilung von Gesundheitsrisiken, dominieren heute immer mehr individuell beeinflussbare Risiken

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Heute haben sich die Risiken am Arbeitsplatz geändert. Nur noch selten wird die körperliche Gesundheit von Grubenunfällen oder explodierenden Dampfkesseln beeinträchtigt. Dafür schadet das viele Sitzen unserem Rücken und begünstigen Übergewicht und dessen Folgen wie Diabetes und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Auch Stress und ungesundes Kantinenessen können sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Die Wahrscheinlichkeit dadurch krank zu werden ist jedoch nicht wie früher zufällig verteilt sondern zunehmend systematisch, und kann mit gesundem Verhalten deutlich verringert werden. Aus diesem Grund gehen immer mehr Menschen Laufen, ins Fitnessstudio oder in den Yogakurs, Meditieren und setzen sich mit bewusster Ernährung auseinander. Die Wahrscheinlichkeit für die häufigsten Volkskrankheiten, lässt sich damit um weit über fünfzig Prozent reduzieren.

Prävention und der Erhalt der Gesundheit erzeugen zusätzliche Kosten und sind dadurch Besserverdienenden vorbehalten.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Wer es sich leisten kann, investiert in den Erhalt der eigenen Gesundheit. Gesundes Essen, Sportgeräte und Kursgebühren sind teuer und müssen aus eigener Tasche bezahlt werden, denn die aktuelle Aufgabe der Kassen liegt nicht in der Vermeidung sondern in der Behandlung von Krankheiten. Deshalb werden maximal vier Prozent der Mitgliedsbeiträge in Prävention investiert und wer gesund bleiben möchte, muss sich diesen Wunsch meist selber finanzieren. Dies macht Prävention zu einem Luxusgut für Besserverdienende zu dem Menschen mit niedrigem Einkommen nur sehr eingeschränkten Zugang erhalten.

Bonusprogramme verbessern die Verfügbarkeit präventiver Maßnahmen und die Chancengleichheit auf Erhalt der Gesundheit

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Um die eigenen Mitglieder beim Erhalt der eigenen Gesundheit zu unterstützen haben die Krankenkassen Präventions- und Bonusprogramme entwickelt, bei denen Leistungen wie Fitnesskurse und Wellness-Wochenenden bezuschusst werden. Meist stehen diese Leistungen allen Versicherten offen oder sind als Belohnung und Verstärkung von gesundheitsförderlichem Verhalten vorgesehen. Dadurch werden präventive Maßnahmen für alle Versicherten zugänglicher, wobei die Mittel im Moment stark beschränkt sind und den Bedarf an Prävention nicht decken können.

Aus Kundensicht sind digitale Bonus- und Rabattprogramme die logische Weiterentwicklung heute etablierter Anreizsysteme

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Um eine Teilerstattung der eigenen Gesundheitskosten zu erhalten, muss häufig eine Quittung über die Kursgebühr oder ein anderer Nachweis per Post eingereicht werden. Dies ist umständlich und unfair, weil im Gegensatz zum Fitnessstudio die Kosten für Laufschuhe und -Kleidung meist nicht bezuschusst werden, obwohl der Laufsport genauso zum Erhalt der Gesundheit beitragen kann. Digitale Programme erlauben es Quittungen einfach mit dem Smartphone abzufotografieren oder den Nachweis direkt in Form von Daten zu liefern, die den gesunden Lebensstil belegen. Wer mit einem Fitness-Tracker die Anzahl seiner Schritte im Alltag oder den Puls beim Sport erfasst, kann dem Versicherer automatisch aufzeigen, dass er etwas für seine Gesundheit tut. Dies sorgt dafür dass Hürden für die Teilnahme an Anreizprogrammen abgebaut werden und die Vorraussetzungen für alle Versicherten fairer werden.

Digitale Bonus- und Rabattprogramme sind menschenfreundlich und bedeuten eine Zunahme an Solidarität unter den Versicherten

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Das aktuelle System ist nur teilweise solidarisch und sollte zur Steigerung der Fairness weiter verbessert werden. Gleiche Beitragshöhe bei unterschiedlichem persönlichem Risiko bedeuten, dass Versicherte mit hohen selbstgewählten Gesundheitsrisiken von denjenigen mit niedrigen Risiken mitfinanziert werden. Eine zunehmende Berücksichtigung des eigenen Gesundheitsbeitrags und die damit einhergehende Anpassung der Beiträge ermöglicht es Menschen stattdessen selbst zu entscheiden, zu welchen Anteilen sie in die Erhaltung ihrer Gesundheit oder die Behandlung von Krankheit investieren wollen. Die aktuell von Versicherungen wie der AOK Nordost oder der Generali angebotenen Programme basieren dabei auf einem positiven Menschenbild und erhöhen die Fairness für alle Versicherten. Aussschlaggebend für die Qualifizierung für einen Bonus sind lediglich Faktoren, die vom Versicherten direkt beeinflusst werden können. Gesundheitliche Probleme aufgrund von Vererbung, Unfällen oder einem ungesunden Lebensstil in der Vergangenheit führen bei den Scoring-Ansätzen zu keiner Benachteiligung des Versicherten. Stattdessen richten die Modelle den Blick nach vorn, und berücksichtigen lediglich das zukünftige Verhalten bei der Berechnung der Boni, sodass Menschen unabhängig von ihrer gesundheitlichen Ausgangssituation profitieren können.

Damit erlauben personalisierte Boni und Rabatte es den Menschen ihre persönlichen Präferenzen im Umgang mit der eigenen Gesundheit umzusetzen. Basierend auf einem positiven Menschenbild, fördern sie das Verantwortungsbewusstsein für uns selbst und für andere und führen so zu einer Zunahme an Solidarität.

 

Sie können an dieser Stelle derzeit keinen Kommentar schreiben.