Wo beginnt Gewalt gegen Frauen? Hashtag-Aufbauschereien verhöhnen echte Opfer

Bild von Almut Meyer und Dorothee Dienstbühl
Leitende Ärztin / Kriminologie

Expertise:

Prof. Dr. Dorothee Dienstbühl, studierte Sozialwissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen, promovierte am Lehrstuhl für theoretische Politikwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin und ist derzeit an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW tätig. Sie hat zahlreiche Schriften publiziert, ihr Themenschwerpunkte sind Terrorismus, Extremismus, Gewaltkriminalität. Dr. Almut Meyer ist seit Oktober 2017 Fachärztin für Allgemeinmedizin. Die gebürtige Duisburgerin wohnt heute in Berlin. 1994 legte sie ihr medizinisches Staatsexamen ab und qualifizierte sich Anfang 2006 zur Fachärztin für Anästhesiologie. Meyer ist Rettungsmedizinerin und Leitende Notärztin in Potsdam.

Ein sexueller Übergriff ist, wenn die Frau ihrer Handlungsfähigkeit beraubt wird. Vergewaltigung ist Horror, ein blödes Kompliment ist etwas ganz anderes. Die Aufbauschung von Harmlosigkeiten verhöhnt die Opfer echter Gewalt.

Zahlen zu Sexualdelikten stellen lediglich einen Ausschnitt der Realität dar. Gerade diese Delikte besitzen ein hohes Dunkelfeld, da sie häufig aus Scham und Angst oder der Hoffnung, ohne Anzeige schneller verdrängen zu können, nicht angezeigt werden.

Vergewaltigungen führen vor deutschen Gerichten relativ selten zu Verurteilungen. Laut einer 2012 vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) durchgeführten Studie erlebten 8,4 Prozent der Frauen, die ihre Vergewaltigung angezeigt hatten, die Verurteilung des Täters - das Urteil bedeutete aber nicht zwangsläufig eine langjährige Haftstrafe.

Frauen schildern immer wieder, wie Abwehrversuche die Schmerzen erhöhen - darum lassen sie das.

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Die gewalttätige Penetration während einer Vergewaltigung kann zu inneren und äußeren Verletzungen führen, die je nach Beschaffenheit des Täters und des Opfers und der Heftigkeit des vollzogenen Geschlechtsaktes unterschiedlich gravierend ausfallen. Opfer schildern immer wieder, dass die Penetration am schmerzhaftesten war, als sie versucht haben, sich zu wehren. Um den schmerzhaften Vorgang zu verkürzen und in der Intensität zu mildern, haben sie nur noch "alles über sich ergehen lassen". Werden Verletzungen festgestellt, so sind das häufig Hämatome im Vaginalbereich, Blutungen und Fissuren (vaginal und anal). In circa 50 Prozent der Fälle gibt es keine auffälligen Verletzungsbilder bei erwachsenen Frauen. Das Opfer kann direkt unter Gewalteinwirkung oder dem Androhen von Gewalt gefügig gemacht werden.

Die rechtsmedizinische Spurensicherung quält die Frauen ein zweites Mal.

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Der Körper des Opfers eines gewalttätigen sexuellen Übergriffs ist gleichzeitig Merkmalsträger von Spuren zur Beweissicherung. Bei der rechtsmedizinischen Analyse muss sich zunächst die Frau entkleiden, bevor eine womöglich erneut schmerzhafte gynäkologische Untersuchung durchgeführt wird. (So kann zum Beispiel das Spreizen der Beine oder schon einfache Berührungen erhebliche Schmerzen verursachen). Es werden Abstriche aller Körperöffnungen zur Sicherung von Sperma- oder Speichelspuren durchgeführt. Auch werden Spuren unter den Fingernägeln der Opfer genommen.

Eine Frau beschreibt diese Erfahrung so: "Ich kannte das nur aus Fernsehkrimis, wenn Rechtsmediziner im Beisein eines TV-Kommissars unter den Fingernägel einer Leiche Dreck rauskratzten. Den Gedanken daran werde ich nie vergessen."

Sie fühlte sich den Ärzten ausgeliefert und denkt: Zur Polizei zu gehen, war ein Fehler.

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Werden innere Verletzungen befürchtet, führen die Ärzte eine Sonographie durch. Alle Proben werden untersucht, alle Ergebnisse niedergeschrieben und die Verletzungen des Opfers zur Dokumentation fotografiert. Gerade dieses Vorgehen bleibt den Geschädigten im Gedächtnis. Eine Frau, die von ihrem Ex-Freund vergewaltigt wurde, schildert ihr Erleben: "Als die Ärztin meinen Unterleib fotografiert hat, habe ich mich so geschämt, wie noch nie in meinem ganzen Leben. Ich wollte schreien und heulen, aber ich konnte gar nichts mehr. Ich hatte nur den Gedanken, dass fremde Menschen jetzt jede meiner Körperöffnungen kennen. So nackt und bloßgestellt habe ich mich noch nie gefühlt. Niemals. In dem Moment dachte ich mir, dass es ein schrecklicher Fehler war, die Polizei zu rufen."

Es gibt sofortige Schockreaktionen und Langzeitfolgen - beide sind schlimm.

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Jedes Opfer reagiert individuell auf die ihr widerfahrene Gewalt. Es gibt Varianten sofortiger Schockreaktionen und Langzeitfolgen, ebenso läuft der Verarbeitungsprozess nie nach Schema F ab. Um überleben und weiter "funktionieren" zu können, greifen individuelle Schutzmechanismen. In der oder den traumarisierenden Situationen nimmt das Gehirn in sehr kurzer Zeit stark angstbesetzte Eindrücke auf. Da die menschliche Verarbeitungskapazität begrenzt ist, wird vieles nur gespeichert, aber noch nicht verarbeitet beziehungsweise bewertet, sortiert und in die sonstigen Erfahrungsbereiche integriert. Die so gesammelten Eindrücke und Informationen werden im sogenannten Trauma-Gedächtnis abgelegt. Dieser Teil funktioniert unabhängig von "unserem "Alltagsgedächtnis". Kennzeichnend dafür ist, dass Inhalte des Trauma-Gedächtnisses nicht gewollt abgerufen werden können, sondern bestimmte Gerüche, Bilder, Töne und so weiter als Auslöser (Trigger) die Erinnerungen hervorrufen. Diese Art der Speicherung ist zunächst ein psychologischer Schutzmechanismus.

Doch die Auslöser führen oftmals in völlig unerwarteten Momenten zum Wiedererleben des traumatischen Ereignisses. Anhaltende, sehr lebendige Erinnerungen oder das erneute Erleiden der Belastung durch immer wiederkehrende Flashbacks oder sich wiederholende Träume beeinflussen das Leben auf unbestimmte Dauer. Kann dies nicht abgeschlossen werden, führt es zu vielfältigen Beeinträchtigungen, wie zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD).

Die Liste typischer Langzeitfolgen sexueller Gewalt ist lang, es geht bis hin zu Depressionen.

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Die Liste typischer Langzeitfolgen sexueller Gewalt ist lang: Angststörungen, die immer wieder auftreten können oder ein gestörtes Selbstwert- und instabiles Identitätsgefühl. Psychosomatische Beschwerden, ein negatives Verhältnis zum eigenen Körper und selbstverletzendes Verhalten. Sucht, Schwierigkeiten, körperliche und sexuelle Nähe zuzulassen, dauerhafte Beziehungsprobleme (auch mit wechselnden Partnern) und gewalttätige Beziehungen. Soziale Isolation, eine feindliche, misstrauische Haltung der Welt und anderen Menschen gegenüber sowie ein andauerndes Gefühl der Leere und Hoffnungslosigkeit, Konzentrationsstörungen oder dauerhafte Arbeitsunfähigkeit. Quälend sind vor allem chronische Scham- und Schuldgefühle. Das Opfer verfängt sich seelisch immer wieder in Konjunktivsätzen, die das eigene Verhalten für schuldhaft erklären ("wäre ich doch nicht dort lang gelaufen", "hätte ich doch ein Taxi genommen", "hätte ich mich nicht von ihm begleiten lassen"). Wird diese Spirale nicht zurückgedreht, können Depressionen bis hin zur Suizidalität und dissoziative Störungen auftreten. Dazu gehört auch ambivalentes Verhalten: Zum Beispiel, sich mehr oder weniger bewusst in gefährliche Situationen zu begeben, um es das nächste Mal möglicherweise nicht zu überleben. Die Gefahr, erneut Opfer oder auch Täterin von Kriminalität zu werden, steigt damit an.

Werden die Aussagen der Opfer angezweifelt, ist das für die ein immenses Problem.

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Auf Internetforen suchen Betroffene und Angehörige häufig im Schutz der Anonymität Rat in einer virtuellen Community. Nicht selten wird ihnen geraten, nicht die Polizei einzuschalten. Man würde ihnen dort nicht glauben. Doch auch die zuvor dargestellte Prozedur der rechtsmedizinischen Untersuchung schreckt ab. Die Beweisaufnahme, das wiederholte Entblößen vor fremden Menschen, der Einblick in die eigene Intimität und die ständigen Fragen, bringen die Tortur in eine Endlosschleife und fördern Schuldempfindungen. In der Kriminologie wird dies als sekundäre Viktimisierung bezeichnet. Im Laufe eines sogenannten Opferwerdungsprozesses erlebt ein Opfer die erste Viktimisierung durch die Tat selbst. Alles, was darauf folgt, und das Opfer stets wieder zum Opfer macht, es aber auch stigmatisiert und seine Glaubwürdigkeit anzweifelt, führt zu einer zweiten Viktimisierung. Der Zweifel an der eigenen Glaubwürdigkeit ist regelmäßig ein immenses Problem für die Opfer.

Falsche Anschuldigungen schaden allen Opfern von Vergewaltigungen.

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Vergewaltigungsopfern schaden besonders unwahre Anschuldigungen durch sogenannte falsche Opfer, also Personen, die vortäuschen, vergewaltigt worden zu sein. Aus Gründen von verschmähter Liebe, Rache oder um einen Mann zu erpressen täuschen vor allem Frauen sexuelle Übergriffe vor, manchmal auch aus einem psychischen Krankheitsbild heraus.

Mutwillige Falschaussagen gegen Männer müssen konsequent geahndet werden.

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Exemplarisch ist in diesem Zusammenhang die Verurteilung des Lehrers Horst Arnold, der in Darmstadt 2002 unschuldig zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren wegen Vergewaltigung an seiner Kollegin Heidi K. verurteilt wurde. 2011 war die Unschuld des Mannes gerichtlich festgestellt worden. Solche Frauen begehen nicht nur eine Straftat und zerstören mutwillig das Leben ihres Opfers, sie schaden der Glaubwürdigkeit einer jeden Frau, die die grauenhafte Erfahrung einer Vergewaltigung durchleben musste. Solche Fälle muss die Justiz konsequent ahnden. In dem Maße, wie eine Vergewaltigung das Leben eines Menschen zerstört, so sehr zerstört auch die Lüge über eine solche Tat den zu Unrecht Beschuldigten. In Horst Arnolds Fall versagten darüber hinaus die Institutionen des Landes Hessen, die ihm trotz erwiesener Unschuld sämtliche Rehabilitationsleistungen verweigerten. Auch in seinen Beruf konnte er nicht mehr zurückkehren, wurde gar dazu aufgefordert, sich wie jeder Stellenanwärter zu bewerben. Er starb 2012 an einem Herzinfarkt, auf offener Straße.

Solch dramatische Beispiele schüren Zweifel und Ungläubigkeit. Und der Zweifel, ob eine geschilderte Vergewaltigung tatsächlich auch eine erlebte ist, führt nicht selten zum Freispruch von Tätern und zu Misstrauen und Exklusion im eigenen sozialen Umfeld.

Kein Mensch sucht sich das Martyrium aus, Opfer einer Vergewaltigung zu werden.

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Kein Mensch sucht sich das Martyrium aus, Opfer eine Vergewaltigung zu werden. Er oder sie werden dazu gemacht. Ein erstes Mal durch die Tat, häufig noch viele weitere Male durch ihr Umfeld, Polizei und Justiz. Einige Male davon sind nicht zu vermeiden, wie bei der rechtsmedizinischen Untersuchung, bei der polizeilichen Zeugenvernehmung und vor Gericht. Doch jeder der Beteiligten kann verständnisvoll auftreten, Untersuchungsschritte und Verfahren erklären, dem Opfer in kleinen Dingen Wahlmöglichkeiten einräumen, um das Gefühl der Kontrolle wieder aufzubauen. Vorwürfe, die Suche nach der eigenen Mitschuld und eine nicht nachvollziehbare Milde gegenüber festgestellten Tätern, verfestigen allerdings ein Weltbild, in dem Opfer zu Tätern gemacht werden. Und in der die persönliche Freiheit und niedergeschriebene Rechte diesem Weltbild weichen müssen..

Ein #Aufschrei nach einem Dirndl-Spruch, aber keiner zur Präsentation der Kriminalitätsstatisik. Das passt nicht.

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Vor ein paar Jahren vernahm Deutschland einen "#Aufschrei", weil ein Politiker zu einer Journalistin sagte, sie würde vermutlich ein Dirndl gut ausfüllen. Doch echte Solidarität mit den Opfern handfester sexueller Gewalt sucht man im öffentlichen Raum häufig vergebens. Wo sind diese "#Aufschreie" bei den täglichen Meldungen von Vergewaltigungen und gewalttätigen Übergriffen? Und warum wird die Angst von Frauen im öffentlichen Raum aufgrund echter Gewaltvorfälle nicht ernst genommen, sondern im schlimmsten Fall noch als ein Auswuchs rassistischen Denkens gegeißelt?

Es gibt keinen Aufschrei, statt dessen Verharmlosung, Relativierung und Verunglimpfung von Angstgefühlen. Aber bei teils lächerlichen "Vorfällen" entdecken gerade Politikerinnen, Journalistinnen und Aktivistinnen irgendwo Sexismus, der ihnen zufolge geahndet werden muss.

Ein Kompliment ist kein sexueller Übergriff, denn die Frau bleibt handlungsfähig.

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Aber Halt! Es ist kein sexueller Übergriff, wenn ein einzelner Mann einer Frau ein einfaches Kompliment macht. Es ist kein Akt eines übergriffigen Sexismus, wenn ein Mann einer Politikerin coram publico das Kompliment macht, sie sei hübsch - auch wenn sie danach noch so aufgebracht darüber twittern mag. In solchen Situationen ist jede Frau handlungsfähig, nichts geschieht gegen ihren Willen und häufig noch nicht mal in böser Absicht. Es ergeben sich daraus keine Situationen, die angsteinflößend sind.

Das Aufbauschen harmloser Sachverhalte verhöhnt die Opfer richtiger Gewalt.

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Die Übertreibung und das Aufbauschen solcher Sachverhalte ist eine Verhöhnung des Schicksals einer jeden Frau, deren Willen gebrochen, die tatsächlich gedemütigt, erniedrigt und gezwungen wurde, Haut, Hände, Zunge und Geschlechtsteil überall an und in ihrem Körper zu spüren. Und es ist eine Ohrfeige für jede Frau, die echte Angst für sich oder ihre Kinder empfindet, weil sie um solche Verbrechen in ihrer Gegend weiß. Die ihr Leben einschränkt und noch größere Angst hat, offen über ihre Angst zu sprechen, weil sie sonst in eine politische Ecke gestellt wird, in der sie nichts zu suchen hat. Und es darf auf keinen Fall um die generelle Stigmatisierung des Mannes an sich gehen. Die würde jeden Mann, jeden Vater, Bruder, Sohn, Freund und Partner auf dieselbe Stufe mit brutalen Verbrechern stellen. Dieser Unsinn spaltet eine Gesellschaft, die sich doch eigentlich darüber einig sein muss, dass die Unantastbarkeit der menschlichen Würde allen nur erdenklichen Schutz verdient und jeder, der dieses grundgesetzlich verbürgte Menschenrecht bricht, empfindlicher und nachhaltiger Strafen bedarf.

(Dies ist eine gekürzte Version. Die Langform des Textes erschien in der Zeitschrift "Deutsche Polizei", Ausgabe Dezember 2017 - klicken Sie hier)

4 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Bettina Kirschke
    Vielen Dank für diesen Artikel!
    Dieser Standpunkt hat mir in der Diskussion bisher sehr gefehlt.

    Was mir noch fehlt sind, nicht geschönte, reale Statistiken. Mich würde sehr interessieren ob sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen in den letzten Jahren zugenommen haben. Mein Eindruck ist dies! Auch frage ich mich warum es noch immer keinen #Aufschrei und öffentliche Debatte zu diesem Thema gibt. Meine Erfahrung ist das Frauen zunehmend Übergriffen in der Öffentlichkeit ausgesetzt sind und sich nicht mehr sicher bewegen können.
    Ich habe durch leidvolle Erfahrungen mein Leben umgestellt, nun fahre ich nicht mehr mit dem ÖPNV, daher habe ich mir Arbeit am Stadtrand gesucht, dorthin kann ich mit dem Auto fahren. Auf Einkaufsbummel verzichte ich ganz, nun kaufe ich lieber online ein. Ausgehen möchte ich nur noch in Begleitung…
    Ach, in den 80zigern gab es mal Feministinnen die eine Initiative ins Leben gerufen haben „Frauen erobern sich die Straße zurück“! Wirklich schade, dass es keine Frauenbewegung mehr gibt, die für die Rechte der Frauen auf die Straße geht, oder Diskussionen anschiebt.
    Die Gender Debatten bewegen sich immer nur innerhalb ihrer Blasen und gehen an den realen Problemen im wahren Leben vorbei.
  2. von Bang Ji
    Wer sich einmal direkt und persönlich dem Universum der Missbräuche, der psychischen, physischen und sexuellen Missbräuche von Menschen, also von Kindern, Frauen und auch Männern genähert hat, wird ein Lied davon singen können, wie infam, bösartig, intrigant, hinterhältig, verlogen und gewalttätig Sadisten, Perverse, Päderasten, Pädophile und Misantropen sein können und mit welchen geradezu fantastischen Mitteln und Möglichkeiten der Umgebungsmanipulation diese Kreaturen ausgestattet sind. Das Kalaidoskop menschlicher Intelligenz reicht vom altruistischen Amicus bis zum Geisteskranken satanistischen Kannibalen, dessen Leibspeise warmes Menschenhirn ist, dem er "bewusstseinserweiternde" Wirkung zuschreibt.

    Es wäre an der Zeit, die Frage der lethalen Notwehr als legitimes Mittel der Abwehr sexueller An- und Übergriffe für Frauen und Mädchen auch gerichtsfest zu machen. Jedem Agressor obliegt es, sich der tödlichen Konsequenz für sich selbst zu berücksichtigen, so er glaubt, als Herrenmenschen seine Allmacht gegenüber Frau oder Kind ausüben zu können. Das Stilett in der Blase eines Vergewaltigers sollte als opportunes und legales Abwehrmittel allgemein akzeptiert werden und die systematische Thematisierung des sexuellen Kindesmissbrauchs muss zum Bestandteil der Grundschulausbildung gemacht werden. Das schützt zwar keine Neugeborenen und Kleinkinder, aber für diesen Bereich müssen einfach eine breite öffentliche Diskussion und massive Aufklärungskampagnen durch staatliche und Nichtregierungsorganisationen initiiert werden.

    Es ist längst Zeit für unbedingte Thematisierung und Konfrontation mit einem der übelsten Phänomene, die menschliche Existenz auch prägt.
    1. von Bettina Kirschke
      Antwort auf den Beitrag von Bang Ji 02.02.2018, 19:41:14
      In der Antike und im Mittelalter haben Frauen Damendolche getragen. Da wir uns scheinbar dorthin zurückentwickeln, wäre es eine Option zu lernen damit umzugehen.
      Auch würde ich es begrüßen, wenn jedes Mädchen und jede Frau staatlich finanzierte Selbstverteidigungskurse besuchen könnte. Zum Beispiel Krav Maga.
  3. von Karin Große Banholt
    Es war sehr interessant, den Text zu lesen und schockierend, dass Opfer von Vergewaltigungen sich offensichtlich rechtfertigen müssen, wenn sie aus Selbstschutz keine Gegenwehr leisten. Ich bin allerdings der Meinung, dass die metoo-Debatte sehr wichtig ist und auch "kleine Belästigungen" benannt werden dürfen. Gerade weil sexualisierte Gewalt mit einer so hohen Dunkelziffer verbunden ist, mit soviel Schweigen und Verheimlichen und Wegsehen ist es für Frauen, die diese Form der Gewalt aus Vergewaltigungen durch Fremde, Täter im Umfeld oder aus der eigenen Familie kennen, ermutigend, wenn andere Frauen über ihre Erlebnisse sprechen. Natürlich ist dabei ein übergriffiges Kompliment nicht mit körperlichen Grenzverletzungen zu vergleichen. Aber es gibt ja den Begriff der "Rape-Culture" und ich persönlich finde es wichtig und gut, wenn Belästigungen angesprochen werden. Und es ist ungleich schwerer und hoffentlich irgendwann eher möglich, über weitergehende Formen von sexualisierter Gewalt auch so offen und anklagend zu sprechen.