Ist Glaube zum Tabu geworden? Spiritualität wird nur noch im Yoga-Raum geduldet

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Merve Kayikci ist freie Journalistin und Podcasterin.

Eine Stadt. Ein Land. Viele Meinungen. Unter diesem Motto feiern der Tagesspiegel, die Berliner Zeitung und die Bundeszentrale für politische Bildung die Meinungsfreiheit. Diskutieren Sie mit! Ausgewählte Leser*innenkommentare werden veröffentlicht.

Zehn Debatten in zehn Wochen. Diese Woche: Wieviel Religion braucht Deutschland? Glaube ist in Deutschland zu einem Tabuthema geworden, sagt Merve Kayikci. Sie wünscht sich, dass Gläubigen Akzeptanz statt Augenrollen entgegengebracht wird.

Ich bin Muslimin. Das spüre ich. Das sieht man mir an. Ich verstecke es nicht. Ich trage ein Kopftuch. Man sieht es jedoch nicht allen Muslimen an. In Deutschland gibt es rund vier Millionen Muslime. Jeder von ihnen hat eine andere Verbindung zum Islam und eine andere Perspektive auf das Thema Glaube. Für die einen bedeutet es nur, innezuhalten und an Allah zu denken, wenn sie haarscharf einem Autounfall entgehen. Für die anderen bedeutet es, sich fünf Mal am Tag niederzuknien und den Koran zu rezitieren.

Für mich heißt es manchmal auch einfach nur „Inschallah!“ zu sagen, wenn meine Mutter mich fragt, ob ich an Weihnachten Zuhause bin: So Gott will – also vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Ich bin mit diesen Begriffen aufgewachsen: „Elhamdulillah, Inschallah, Subhanallah“ - und meine Eltern haben sie stolz und laut ausgesprochen. Ich denke sie oft nur und flüstere sie leise vor mich hin. Ich traue mich gar nicht mehr richtig, sie vor anderen zu benutzen. Ich möchte niemanden damit verschrecken, der ihre Bedeutung nicht kennt. Doch selbst andere Muslimen grüße ich manchmal nur mit einem „Hallo“, anstatt mit unserem Friedensgruß „As-salamu alleikum!“.

Ich habe Angst davor, abgestempelt zu werden. Ich trage schon ein Kopftuch und muss gerade deshalb immer wieder beweisen, dass ich logisch denken kann. Wissenschaftliche Erkenntnisse nicht leugne. Dass ich gut Deutsch spreche und nicht daran glaube, dass Bittgebete eine Erkältung heilen können. Schaden können sie allerdings auch nicht.

Die Menschen können nicht verstehen, wie jemand intelligent und trotzdem gläubig sein kann.

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Wenn mir dann aber wieder ein „Allah“-Spruch rausrutscht, war die ganze Mühe umsonst. Wenn ich erzähle, dass ich an unserem heiligen Monat Ramadan zwölf Stunden nichts esse und trinke. Die Menschen können nicht verstehen, wie jemand intelligent und trotzdem gläubig sein kann. Glaube erscheint vielen Menschen hier als etwas Irrationales. Deshalb verschwindet Religion auch immer mehr aus dem öffentlichen Raum. Dort ist sie sowieso nicht erwünscht.

Religion ist im öffentlichen Raum nicht erwünscht.

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Das zeigen die ganzen Diskussionen über Kopftuchverbote an Schulen. Die ständig wiederkehrende Frage „Gehört der Islam zu Deutschland?“. Dass es an Universitäten ein Problem ist, wenn Studenten dort beten wollen und die Obsession mit dem sogenannten „neutralen Raum“ – ein scheinbar neues Heiligtum der deutschen Leitkultur. Mein Kopftuch reizt die Grenze der tolerierbaren Glaubensfreiheit aus.

Spiritualität wird nur noch im Yoga-Raum geduldet.

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Andere wiederum trauen sich gar nicht an diese Grenzen ran. Es gibt Christen, die sich danach sehnen, ihren Freunden auch nur erzählen zu können, dass sie nicht nur wegen steuerlicher Vorteile heiraten wollen. Sondern weil sie vor Gott einen Bund schließen möchten. Über Glauben zu sprechen, wurde mit der Zeit immer mehr zu einem Tabu. Spiritualität wird im Yoga-Raum geduldet. Wer an einem Krankenbett ein Gebet sprechen möchte, darf das auch gerne tun. Aber im Alltag bekommt man schnell ein Augenrollen, wenn man von Gottvertrauen spricht.

Ich verbringe mehr Zeit damit, meinen Glauben zu erklären und zu rechtfertigen, statt ihn zu leben. Man muss nicht verstehen, wie ein erwachsener Mensch an ein Jenseits glauben kann. Warum kann man es nicht einfach akzeptieren? Glauben macht mich nicht zu einer irrationalen, esoterischen Spinnerin. Glauben bewirkt nicht, dass ich stillschweigend Repression über mich ergehen lasse. Dass ich weniger frei bin oder ich zu einem militanten Staatsfeind werde.

Man sollte seine Religion nicht verstecken müssen.

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Der Islam erinnert mich daran, dass ich nicht das Wichtigste auf dieser Welt bin. Er macht mich demütig, dankbar und barmherzig. Für andere Muslime mag es womöglich etwas anderes bedeuten. Für Leute anderen Glaubens auch.

Ich will meine Religiosität in Deutschland nicht verstecken müssen und meinen Kindern irgendwann stolz und freudevoll islamische Sprüche zurufen.

Weitere Materialen zum Thema finden Sie auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung.

In der ersten Woche unserer Debattenserie ging es um "Verkehr - Kann das Auto weg?". Alle Beiträge zu dieser Debatte finden Sie hier. Danach stellten wir die Frage: Darf man noch Fleisch essen? Hier sind die Beiträge zum Nachlesen. In der dritten Woche schrieben verschiedene Gastautor*innen Kommentare zu der Frage: "Wie weiter zwischen den Geschlechtern?" Die Beiträge lesen Sie hier. Und in der vierten Woche wurde zu der Frage debattiert: "Wie viel Computer braucht der Mensch?". Lesen Sie die verschiedenen Meinungen hier. Die Meinungen der Autor*innen zur Frage "Was ist Heimat?" lesen Sie hier. Alle Beiträge zur Debatte "Was ist uns das Klima wert?" finden Sie hier. Die Artikel zum Thema "Wie bleibt Wohnen bezahlbar?" können Sie hier nachlesen.

21 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Jürgen Link


    Teil I

    Das ist ein eigenartiger Artikel. Man erwartet Aufklärung, wird aber mit einer Reihe von Behauptungen konfrontiert, die zu belegen die Autorin unterlässt.

    Man muss nur in Berlin durch die Strassen gehen, um festzustellen, dass Religion gerade nicht „immer mehr“ aus dem öffentlichen Raum verschwindet. Im Gegenteil haben Trägerinnen des Hijab , mit dem laut Elham Manea

    (https://www.cicero.de/elham-manea-islam-islamismus-koran-kopftuch-nikab-frauenrechte-feministinnen)

    u. a. Islamisten ihr Territorium markieren, zahlenmäßig im öffentlichen Raum in den letzten Jahrzehnten enorm zugenommen. Religion verschwindet also nicht aus dem öffentlichen Raum, sondern das Sichtbarwerden und unaufgeforderte Sichtbarmachen von religiöser Symbolik, allerdings überwiegend von nur einer Religion, hat enorm zugenommen. Ob das von der Bevölkerung erwünscht ist oder nicht, sei dahin gestellt. Es wird toleriert, und das ist in einer Demokratie gut und ausreichend.

    Nicht zum öffentlichen Raum allerdings gehört der öffentliche Dienst. Insofern hat Frau Kayikci eine eigenartige Definition von öffentlichem Raum, wenn sie den öffentlichen Dienst diesem öffentlichen Raum zurechnet. Im öffentlichen Dienst gelten andere Regeln als im öffentlichen Raum, in der Öffentlichkeit, so dass eine Diskussion „über Kopftuchverbote an Schulen“ hier völlig unangebracht ist. Außerdem ist es falsch, von „Kopftuchverboten an Schulen“ zu reden, die gibt es nämlich gar nicht. Die Klassenzimmer z. B. in Neukölln sind voller Hijabträgerinnen. Das Neutralitätsgebot für Lehrer(innen) steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt.
  2. von Jürgen Link
    Teil II

    Bemerkenswert ist m. E. auch die Ansicht der Autorin, dass eine „Obsession“ bezüglich neutraler Räume herrscht. Selbstverständlich muss es in einer multireligiösen Gesellschaft mit einem sehr großen Anteil agnostischer und atheistischer Bürger religions- und ideologiefreie Räume im öffentlichen Dienst, in Justiz und Bildungswesen geben. Und selbstverständlich ist es nicht – und sollte auch nicht sein - Aufgabe von Schulen und Universitäten, Gebetsräume einzurichten. Das unterscheidet eben eine Demokratie von autokratisch-theokratischen islami(sti)schen und undemokratischen Staaten. Beten können die Schüler/Studenten ausgiebig in der Moschee oder zu Haus. Niemand wird sie dort hindern.

    Außerdem ist mir völlig neu, dass es in Deutschland ein Tabu gibt, über Religion zu sprechen. Jeder kann über Religion sprechen, wann und wie er will. Er muss dann allerdings gerade in Berlin, wahrscheinlich aber auch in Potsdam aushalten, dass viele Leute sich abwenden, weil es sie nicht interessiert, über eingebildete nicht nachweisbare Mächte zu reden (was ihr gutes Recht ist und nichts mit Tabu zu tun hat).

    „Ich will meine Religiosität in Deutschland nicht
    verstecken müssen“

    Einen Bodensatz intoleranter Leute gibt es leider nicht nur in Deutschland, sondern auch in jedem anderen Land dieser Welt. Deswegen müssen aber religiöse Leute sich nicht verstecken. Leute allerdings, die ihre religiöse und ideologische Gesinnung unübersehbar und damit aufdringlich Anderen präsentieren, sollten sich nicht wundern, wenn sie auf Ablehnung stoßen und evtl. nicht akzeptiert werden. Das gehört auch zu einer freien Gesellschaft.

    In der Auseinandersetzung um Akzeptanz ist es übrigens wenig hilfreich, immer wieder Sonderrechte zu fordern (Gebetsräume an Schulen und Universitäten, Einschränkung oder gar Abschaffung der Koedukation, Hijab bei Lehrerinnen [was m. E. die Schüler(innen) unzulässig beeinflussen würde], Hijab auf der Richterbank, etc.
  3. von Jürgen Link
    Teil III

    Das Problem des Islam ist, dass er nicht nur Glaubenslehre ist. Die fällt unter den Schutz der im Westen im Gegensatz zu vielen anderen Staaten üblichen Religionsfreiheit. Der Islam beansprucht - leider – auch, Staats-, Rechts- und Gesellschaftslehre zu sein, wobei die Regelungen dieser Rechts- und Gesellschaftslehre tief in den privaten Bereich eingreifen, und zwar mehr, als es die katholische Kirche selbst im Mittelalter je gewagt hätte. Die islamische Staats-, Rechts- und Gesellschaftslehre und die damit verbundenen islamischen Regeln aber fallen nicht unter Religionsfreiheit und können diesen Grundrechtsschutz nicht beanspruchen.

    Solange Salafisten Muslimbrüder und andere fundamentalistische Muslime auch in Europa das Ziel der totalen Transformation der Gesellschaft in eine undemokratische islamistische Diktatur mit Abschaffung der Freiheitsrechte des Individuums verfolgen und das westliche Konzept von Demokratie und Menschenrechten als unislamisch ablehnen, fällt es mir schwer, den konservativ bis islamistisch ausgerichteten Muslimorganisationen in Deutschland zu vertrauen.

    (http://www.bpb.de/system/files/pdf_pdflib/pdflib-36337.pdf).

    Und solange Vordenker des fundamentalistischen Islam mit grosser Reichweite wie Al Qaradawi und der Eurpäische Fatwarat ECFR z. B. befürworten, dass Menschen, die den Islam ablegen, hingerichtet werden sollen

    (https://www.verfassungsschutz.de/de/oeffentlichkeitsarbeit/publikationen/pb-diplomarbeiten/diplomarbeit-2015-06-al-qaradawi),

    solange muss ich leider konservativ-fundamentalistischen Muslimen mit Skepsis begegnen.
  4. von Sarkis B
    Die Widersprüche innerhalb der Argumentation lassen die Autorin unglaubwürdig und die eingebrachten Argumente als nicht glaubhaft erscheinen. Einerseits spricht sie von Stolz als etwas positivem, dann wenn man Gott anruft. Sie versteht aus dieser Perspektive nicht, dass die von ihr beklagte Zurückdrängung der Religionsausübung in Yoga-Räume eine Herabwürdigung der Yoga-Spiritualität darstellt. Das ist typisch für Intolerante Weltbilder. Alle Intoleranz fordert sich selbst gegenüber die allergrößte Toleranz. Die Autorin erklärt weiter sie würde als Muslimin Wissenschaft nicht leugnen. [entfernt] Sie behauptet weiter Kopftücher würden an Schulen verboten. Auch das entspricht nicht den Tatsachen. Lehrerinnen sollen während des Unterrichts keine Kopftücher tragen. Diese Unterscheidung ist der Autorin keine Erwähnung wert. Dies ist ebenfalls Ausdruck einer intoleranten und undifferenzierten Betrachtung. Ihre Angst abgestempelt zu werden ist vielmehr eine Angst sich rechtfertigen zu müssen. Aber jeder ist für sein Handeln verantwortlich und muss letztlich die Richtigkeit erklären können, wenn Andersdenkende ihre Ansichten begründen. Am Anfang schreibt sie wie sie durch das Aufsetzen des Kopftuchs allein schon ihren Glauben auslebt. Später im Text beklagt sie, sie müsse sich immerzu erklären und könne die Religion nicht ausleben. Auch das zeigt deutlich wie ablehnend sie gegenüber einem Diskurs ist, der weiter geht, als bloß die eigene Meinung auszurufen und alle Gegenstimmen für unzulässig zu erklären. Debatte ist anstrengend. Hier trifft Religion auf Wirklichkeit. Schließlich spricht sie von Christen, die ebenfalls sich mit dem Tabu konfrontiert sähen von ihrer Religion zu sprechen. Das ist zynisch, und verleugnet die Unterdrückung der Christen in islamischen Ländern. Sie fordert: "Warum kann man die Religionsausübung nicht einfach akzeptieren?" Tun wir. Es reicht ihr nur nicht. Und das gibt Anlass zur Sorge.
    Bitte unterlassen Sie pauschale Unterstellungen. Mit freundlichen Grüßen, die Community-Redaktion
    1. von Sarkis B
      Antwort auf den Beitrag von Sarkis B 16.10.2019, 15:12:18
      Bitte benennen Sie die pauschale Unterstellung. Ansonsten bleiben Sie hinter ihrer eigenen Forderung zurück. Ich habe mich auf den Text bezogen und daraus meine Argumente angeleitet. Worin genau sehen Sie eine Pauschalierung?
      Sehr geehrte Nutzerin, Ihre Unterstellung lag darin, der Autorin die Leugnung des Völkermords an den Armeniern zu unterstellen. Im Sinne eines sachlichen Austauschs vermeiden Sie bitte derartige Unterstellungen, welche Sie nicht belegen können. MfG, die Redaktion
    2. von Raihana Bo
      Antwort auf den Beitrag von Sarkis B 16.10.2019, 15:12:18
      Ich finde nicht das sich die Autorin widerspricht, sondern lediglich ihre widersprüchlichen Gefühle schildert, die wohl jede Muslima in DE hat. Einerseits Muslima zu sein und es auch jederzeit leben zu dürfen, andererseits auch niemand vor den Kopf stoßen zu wollen. Auch würdigt sie Yoga keinesfalls herab , sondern gibt lediglich ein wahres Beispiel wo Spiritualität noch erlaubt ist, nämlich in geschlossenen Räumen und Gruppen. Auch was Lehrerinnen betrifft ist es keinesfalls ein "SOLLEN sie nicht" sondern definitiv ein sie "DÜRFEN" nicht und bekommen mit Kopftuch erst gar keine Stelle. Auch die Diskussion, dass Mädchen unter 14 Jahren kein Kopftuch an Schulen mehr tragen dürfen gehört dazu. Nur mit dem Kopftuch lebt man ja nicht seine Religion aus, auch dieses hat die Autorin versucht zu erklären, jedoch sind sie mit ihrer ablehnenden Haltung Sarkis B nicht in der Lage objektiv und mitfühlend dies zu erkennen. Ihr ganzer Versuch Frau Merve Kayikci zu diskreditieren scheitert an der unbegründenden Argumentation ihrerseits und an der sehr offensichtlichen Abneigung gegenüber dem Islam. Auch das immer gern genommene Beispiel der Christen in islamischen Ländern zeigt ihre Unfähigkeit von Mitgefühl und Barmherzigkeit. Frau Merve Kayikci lebt in Deutschland und ist keinesfalls verantwortlich dafür was in anderen Ländern vor sich geht. Niemand kommt zu ihnen und verlangt das sie Verantwortung für pädophile deutsche Pastoren, für die Vergewaltigungen von deutschen Soldaten in anderen Ländern oder für Nazis, die sehr wohl äußerlich ihre Einstellung ausleben, übernehmen müssen. Muslime sollen jedoch jeder Einzelne alles auf ihren Schultern tragen was sie in den Islam hinein interpretieren ohne tatsächliches Wissen zu besitzen.
    3. von Eckhardt Kiwitt, Freising
      Antwort auf den Beitrag von Raihana Bo 17.10.2019, 08:24:04
      Liebe Raihana Bo,

      Sie erwähnen, dass man / frau als Lehrerin mit (islamischem) Kopftuch an Schulen in Deutschland nicht unterrichten dürfe bzw. erst gar keine Stelle bekommen würde.

      Dazu zwei Dinge:

      1.: In Deutschland -- wie in vielen anderen Ländern -- gibt es für bestimmte Berufe eine Anzugsordnung, bzw. sind Lehrer und Lehrerinnen während des Unterrichts zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet.

      2.: Die gleichen Argumente, die man / frau zur Verteidigung des (islamischen) Kopftuchs für Lehrerinnen anbringt, könnte man auch vortragen, wenn ein Lehrer oder eine Lehrerin während des Unterrichts z.B. hochglanzpolierte schwarze Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln (Sie kennen den Symbolgehalt vermutlich) tragen wollte.
      Würden Sie, Raihana Bo, das verteidigen ?
      Mir würde das großes Unbehagen bereiten.

      Eckhardt Kiwitt, Freising
    4. von Jürgen Link
      Antwort auf den Beitrag von Raihana Bo 17.10.2019, 08:24:04
      Dies ist schon eine bemerkenswerter Post mit bemerkenswerten, ehrenrührigen Unterstellungen

      "Ihr ganzer Versuch Frau Merve Kayikci zu
      diskreditieren scheitert an der unbegründenden
      Argumentation ihrerseits und an der sehr
      offensichtlichen Abneigung gegenüber dem Islam."

      Wenn Sie schon behaupten müssen, dass Frau Kayikci diskreditiert wird, sollten Sie das wenigstens ansatzweise begründen. Ich erkenne nur nachvollziehbare Argumentation. Auch die "offensichtliche Abneigung" gegenüber dem Islam unterstellen Sie ohne Begründung.

      "Auch das immer gern genommene Beispiel der
      Christen in islamischen Ländern zeigt ihre Unfähigkeit
      von Mitgefühl und Barmherzigkeit."

      Wieso die Anführung des Beispiels der unbestreitbaren und unbestrittenen Christenverfolgung in islamischen Ländern die Unfähigkeit zu Mitgefühl und Barmherzigkeit zeigt, sollten Sie auch näher ausführen. So wie Sie es hier schreiben, ist es nichts weiter als eine die Ehre verletzende Herabsetzung.

      "verlangt das sie Verantwortung für ...... die
      Vergewaltigungen von deutschen Soldaten in
      anderen Ländern........"

      Wieder so eine Behauptung. Wo in den letzten Jahrzehnten, in welchen Ländern, haben deutsche Soldaten vergewaltigt? Klären Sie mich auf. Mir ist derartiges nicht bekannt.

      "....Muslime sollen...... auf ihren Schultern tragen
      was sie in den Islam hinein interpretieren ohne
      tatsächliches Wissen zu besitzen."

      Woher wissen Sie, dass kein "tatsächliches Wissen" vorhanden ist? Oder ist das wieder nur so eine herabsetzende Behauptung ohne weitere Begründung?
  5. von Heinz Hertlein
    Der Pluralismus gehört zu Deutschland und damit keine konkrete Religion und Weltanschauung oder alle möglichen. Ja, in Deutschland darf man alles Mögliche glauben, wobei selbstverständlich nicht jeder, der eine Meinung hat, auch richtig liegt. Und dass so mancher Glaube ab und an auch ein Augenrollen hervorruft, gerechtfertigt oder nicht, ist auch von der Meinungsfreiheit gedeckt.
  6. von Heinz Hertlein
    Religionen und Weltanschauungen polarisieren nun einmal.

    Es dient nach meiner Überzeugung nicht dem friedlichen miteinander, wenn Monotheisten beginnen, zu behaupten, dass sie den Atheismus nicht nur tolerieren, sondern auch akzeptieren (mit einem positiven Werturteil belegen) würden und umgekehrt. Nein, das wäre lediglich unehrlich.

    Möchte Frau Kayikci tatsächlich, dass Menschen, die den Glauben von ihr nicht teilen, ihr eine unehrliche "Akzeptanz" anstatt einer ehrlichen "Toleranz" entgegenbringen?
  7. von Eckhardt Kiwitt, Freising
    Die Autorin Merve Kayikci beginnt ihren Text mit der Erklärung «Ich bin Muslimin. Das spüre ich. Das sieht man mir an. Ich verstecke es nicht. Ich trage ein Kopftuch.»

    Nun denn, versuch ich’s auch mal und imitiere sie demonstrativ:
    Ich bin Atheist, und ich stehe zu unserer Verfassung, dem Grundgesetz, sowie zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Das weiß ich. Ob man mir das aber auch ansieht? Ich stelle es nicht ständig und überall symbolisch zur Schau. Wozu auch ?
    Ich muss es mir nicht ständig und überall selbst beweisen.

    Andererseits:
    Wie würde die Autorin argumentieren, wenn z.B. ein Neo-Nazi seine Überzeugung ständig symbolisch zur Schau stellen würde?
    Würde sie ihn mit den gleichen Argumenten verteidigen, die sie hier zur Selbstverteidigung anführt?

    Zum Glauben an einen Gott (oder ist es eine Göttin ?):
    Welche Wechselwirkungen kann man bei diesem Gott beobachten oder sonstwie feststellen, die sich nachweislich auf dieses "Gott" zurückführen lassen -- und wie kann man "Gott", falls es keine nachweislichen Wechselwirkungen gibt, von etwas unterscheiden, das es nicht gibt ?

    Eckhardt Kiwitt, Freising
  8. von Jan Engelstädter
    Nach meiner Erinnerung hat der Tsp über die Vorgänge berichtet, die zum Schließen des Gebetsraumes durch die Universitätsleitung, das die Autorin anspricht, führten:
    Es waren studierende Muslime (und nicht etwa Christen, Hindus oder Buddhisten), die ohne Absprache mit irgendwem und ohne Rücksicht auf andere Nutzer diesen Raum ganz allein nach ihren Vorstellungen umgestaltet haben.
    Diese Rücksichtslosigkeit und diese Herrschaftsallüren waren das Problem - und nicht etwa die Spiritualität.
  9. von Thomas Schmidt
    Ich kann der Autorin nur zustimmen, dass man es schwer hat, sich in der Öffentlichkeit zu eigener Religiosität zu äußern. Schön, dass das Thema Religion vor Allem durch den in Deutschland noch relativ neuen islamischen Glauben wieder Thema geworden ist. Trotzdem ist die Toleranz verschiedenartiger Glaubens- und Nichtglaubensrichtungen die Grundlage unseres Zusammenlebens.
  10. von Paul Meinkater
    Was außer "dulden" wird denn erwartet?

    Religiöse Menschen, gleich welcher Geschmacksrichtung, finden sich in Deutschland als Minderheiten in einer areligiösen Gesellschaft.

    Mir ist nicht bekannt dass sich diese Gesellschaft die Unterdrückung von Religionen auf die Fahnen geschrieben hat, von merkwürdigen Diskussionen ob irgendwelche Religionen zu Deutschland gehören oder nicht (entweder alle oder keine) oder in welchem Umfang das öffentliche Zeigen von Bekenntnissymbolen in staatlichen Einrichtungen erlaubt sein sollte (auch hier: entweder alle oder keine - wenn Kreuz dann auch Kopftuch oder Schalke-Schal).

    Mir ist nicht so ganz klar warum die Autorin ständig ihren Glauben erklären muss. Ich habe hier noch nie ein Gespräch dieser Art geführt oder beobachtet.

    Das ihrer Religiosität mit einer gewissen Skepsis begegnet wird schon eher. Allerdings: die Skepsis, vielleicht ein eher ungläubiges Staunen, ist weder kodifiziert noch vergleichbar mit den Zumutungen die monotheistische religiöse Schriften für die Nicht-Anhänger bereithalten.

    Wenn mir jemand erzählt er richte sein Leben nach jahrtausendealten Schriften aus die nicht nur die nicht-beweisbare Existenz überirdischer Mächte postulieren sondern auch allerlei negative Dinge auf jene herabwünschen die den Glauben an diese Fabelwesen nicht teilen (Mord, Vertreibung, Unterdrückung, Höllenfeuer, ewige Verdammnis) habe ich jedes Recht ein wenig Skeptisch zu reagieren.
    Egal ob da nun ein Kreuz oder ein Halbmond für die Corporate Identity gewählt wurde.

    Warum man diesem Verhalten (Glauben) nun mit öffentlichen Mitteln eigene Räume zur Verfügung stellen soll ist mir bei allen Religionen vollkommen unklar. Wir fördern auch staatlicherseits keine Fanclubs oder Hobbyräume für andere exklusive Gemeinschaften in Universitäten. Zumal in diesen Hobbyräumen gar nicht so selten Figuren das Zepter an sich nahmen für die "Skepsis" nun eine arg milde Reaktion wäre.