Religionen in Deutschland Kreuz, Kopftuch oder Schalke-Schal?

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Leserinnen und Leser des Tagesspiegels nahmen auf Causa, Facebook, Twitter und über E-Mail an unserer Debatte teil.

Eine Stadt. Ein Land. Viele Meinungen. Unter diesem Motto feiern der Tagesspiegel, die Berliner Zeitung und die Bundeszentrale für politische Bildung die Meinungsfreiheit. Auch die Leser*innen des Tagesspiegels diskutieren mit!

Diese Woche debattierten unsere Gastautor*innen über die Frage: Wieviel Religion braucht Deutschland? Andrea Voß-Frick forderte Veränderungen in der katholischen Kirche, vor allem die Gleichberechtigung von Frauen. Merve Kayikci warb dafür, Gläubigen mit Akzeptanz statt mit Augenrollen zu begegnen. Anastassia Pletoukhina plädierte dafür, religiöse Vielseitigkeit auch zum strukturellen Teil der gesellschaftlichen Ordnung zu machen. Matthias Krahe schrieb, der Staat solle neutraler Schiri im Spiel der Religionen sein. Maria Beyer erklärte, was die Kirchen aus den Erfahrungen des Jahres 1989 lernen können. Hier lesen Sie nun die Meinungen der Leserinnen und Leser.

So wenig wie möglich. Im Grunde gar keine. Stattdessen weniger Egoismus. Mehr Sozialkompetenz. Viel mehr soziales und solidarisches Verhalten. Menschlichkeit eben. Auch ohne Gott. Oder gerade ohne Gott. Otto S. Mops

So viel wie die Menschen brauchen. Keine Religion sollte die andere dominieren. Deshalb kirchliche Feiertage nur für Kirchenmitglieder. Kein Zwang Ostern, Karfreitag oder Weihnachten zu feiern. Nicole Knaack

Ob bewusst oder unbewusst bestimmen maßgeblich viele ethische und moralische Grundlagen der verschiedenen Religionen unser friedliches Zusammenleben. Und sind somit einer der Garanten unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Deshalb sehe ich es auch nicht problematisch, wenn Beamte oder Angestellte im öffentlichen Dienst religiöse Symbole oder religiöse Kleidung tragen. Sollen Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst nicht auch ein Spiegel unser pluralen Gesellschaft sein? Zu dieser pluralen Gesellschaft gehört eben das Christentum, das Judentum, der Islam, die Sikhs und alle anderen Religionen genauso dazu, wie die Atheisten. Die Neutralität im öffentlichen Dienst sollte das Verhalten untereinander bzw. gegenüber dem Bürger bestimmen und nicht das Aussehen der Menschen. Denn sonst laufen wir Gefahr, Menschen aus der Mitte der Gesellschaft an den extremen Rand der Gesellschaft zu verlieren. Umut Bilial Temel

Die Frage ist nicht, wie viele Religionen wir brauchen, sondern wie damit umgegangen wird. Egal ob Religion, politische Ideologien oder sonstige Glaubensweisen, die Chance zum Fanatismus oder zur Radikalisierung bleibt bestehen. Kevin Vahldiek

Ich trage meine Religion im Herzen und nicht auf der Zunge. Ich bin der Meinung, das jeder glauben sollte was er will, nur soll niemand seine Religion einem anderen aufzwingen. Wenn wir lernen, jedes Lebewesen so zu respektieren wie es nun einmal ist, wird die Welt auch wieder friedlicher. Petra Götte

Die Außenwelt wird kaum an der spirituellen Dimension des praktizierten Islam Anstoß nehmen. Es geht um die Verwobenheit mit der politischen Dimension: Vor Gott sind Mann und Frau gleich, aber eben nicht vor dem Gesetz (Scharia). Da kann noch so viel feministische Koranexegese betrieben werden, dieser Widerspruch löst sich nicht auf! Die Autorin kann ein freies Leben führen, eben weil wir hier in einer säkularen Gesellschaft leben, in der der Einfluss von Religion begrenzt wurde! Als hier die Religion mehr politischen Einfluss hatte, war das nicht zugunsten von Frauen, siehe katholische Kirche! Das sähe in einem Land mit dem Islam als Staatsreligion ganz anders aus. Die meisten Musliminnen in Deutschland tragen keinen Hijab, die Autorin hat sich dafür entschieden. Ihre Gründe hat sie nicht benannt, ist auch ihre Privatsache. Susanne Schmidt

Ich halte Religionen für die Geiseln der Menschheit und lehne sie persönlich für mich ab. Sie sind rückständig in ihrem Weltbild und wollen uns vermitteln, wir würden etwas Verbotenes tun. Sie entfachten Kriege und Missgunst unter Menschen. Ich plädiere für den Laizismus - Politik und Religion sollten auseinander gehalten werden. Bernd Börner

Mir ist nicht bekannt dass sich diese Gesellschaft die Unterdrückung von Religionen auf die Fahnen geschrieben hat, abgesehen von merkwürdigen Diskussionen, ob irgendwelche Religionen zu Deutschland gehören oder nicht (entweder alle oder keine) oder in welchem Umfang das öffentliche Zeigen von Bekenntnissymbolen in staatlichen Einrichtungen erlaubt sein sollte (auch hier: entweder alle oder keine - wenn Kreuz dann auch Kopftuch oder Schalke-Schal). Aber wenn mir jemand erzählt, er richte sein Leben nach jahrtausendealten Schriften, die nicht nur die nicht-beweisbare Existenz überirdischer Mächte postulieren, sondern auch allerlei negative Dinge auf jene herabwünschen, die den Glauben an diese Fabelwesen nicht teilen, darf ich ein wenig skeptisch sein. Paul Meinkater

Religiosität oder Sinnsuche im Allgemeinen ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, wie materieller oder ideeller Genuss, Konsum, Forschergeist, und was den Menschen noch so vom Tier unterscheidet. Alles, was Deutschland braucht, ist Religionsfreiheit. Das bedeutet: Die individuelle Freiheit, diesem Bedürfnis nachzukommen, dies auch nach außen zu zeigen, sei es durch Kleidung oder Bräuche oder durch das Bilden von Institutionen, insofern die Formen der Ausübung nicht anderen Grundrechten entgegenstehen. Das Verhandeln der Grenzen ist keine religiöse, sondern eine gesellschaftlich-politische, im Einzelfall rechtsstaatliche Aufgabe. Religionsfreiheit ist die staatliche Freiheit von jeder formalen oder informalen religiösen Beeinflussung oder gar Ermächtigung, die über die individuelle Bedürftigkeit der handelnden Personen hinausgeht. Religion ist keinesfalls per se schlecht. Aber genauso wenig gut. Auf den Menschen kommt es an. Georg Sollböhmer

In Deutschland gibt es Kirchen, Moscheen, Synagogen und Tempel jeglicher Art. Was soll daran schlimm sein? Menschen haben einen Raum, wo sie ihren Glauben ausleben können. Das ist gelebte Vielfalt. Mel Ka

In der ersten Woche unserer Debattenserie ging es um "Verkehr - Kann das Auto weg?". Alle Beiträge zu dieser Debatte finden Sie hier. Danach stellten wir die Frage: Darf man noch Fleisch essen? Hier sind die Beiträge zum Nachlesen. In der dritten Woche schrieben verschiedene Gastautor*innen Kommentare zu der Frage: "Wie weiter zwischen den Geschlechtern?" Die Beiträge lesen Sie hier. Und in der vierten Woche wurde zu der Frage debattiert: "Wie viel Computer braucht der Mensch?". Lesen Sie die verschiedenen Meinungen hier. Was ist Heimat? - lesen Sie die Meinungen der Autor*innen hier. "Was ist uns das Klima wert?" - die Antworten der Autor*innen lesen Sie hier.

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