Die Meinungen der Leser*innen „Es kommt auf den Charakter an“

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Expertise:

Leserinnen und Leser des Tagesspiegels nahmen auf Causa, Facebook, Twitter und über E-Mail an unserer Debatte teil.

Eine Stadt. Ein Land. Viele Meinungen. Unter diesem Motto feiern der Tagesspiegel, die Berliner Zeitung und die Bundeszentrale für politische Bildung die Meinungsfreiheit. Auch die Leserinnen und Leser des Tagesspiegels diskutieren mit!

Diese Woche ging es um die Frage: Wie weiter zwischen den Geschlechtern? Teresa Bücker schrieb, Gleichberechtigung passe nicht in eine 40-Stunden-Woche, Harald Martenstein bezeichnete die Geschlechterpolitik als Elitenprojekt. Dragperformer*in Xenia von Uexküll meinte, dass die Kategorie „Geschlecht“ einenge, Journalist Jan Feddersen bilanzierte die Errungenschaften der LGTBI*-Bewegung seit dem Mauerfall und Monisha Moreau plädierte für ein vielfältigeres Familienbild, das gleichgeschlechtliche Paare berücksichtigt. Auch die Leserinnen und Leser haben mitdiskutiert. Hier eine Auswahl der Meinungen.

„Divers“ drückt doch schon aus, dass es vielfältig/unterschiedlich ist. Irgendwann muss es doch auch mal gut sein. Ich bin gerne eine Frau und bin der Meinung, dass man Kinder nicht zu sehr zuschütten sollte mit irgendwelchen Vorstellungen. Sie entwickeln schon selbst ein Gefühl für ihren Körper und ihren Platz in der Welt, wenn man sie lässt. Christine Kuba

Kinder müssen selbst ein Gefühl für ihren Körper entwickeln und sollten nicht mit Debatten überladen werden.

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Nicht die Gleichheit ist das Ziel, sondern die individuelle Menschlichkeit. Denn ob sich die Männer in „dem“ Männerbild wiederfinden, sollte man auch mal diskutieren. Zwischen Donald und Barack ist das eine ganz schöne Bandbreite. pesi.waidmannslust (via Twitter)

Ich bin eine transsexuelle Frau, die durch ihr Leben geht - was in einer rückwärts gewandten Welt und Stadt nicht einfach ist. Diskriminiert und beschimpft auf dem Weg zum täglichen Job. Auch im Betrieb abgelehnt bis hin zu unerträglichen Mobbingversuchen. Es ist mir angeboren, sozusagen in die Wiege gelegt worden. Das ist wohl kaum ein Elitenprojekt, das ich persönlich führe. Ja, die Namensänderung ist beschwerlich, aber auch notwendig. Lorinda Tran (via Causa)

Mir gefallen die Sternchen nicht besonders, aber sie sind ein Ausweg aus einer männlich dominierten Sprache.

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Dass es im 21.Jahrhundert endlich anerkannt ist, dass es eine Vielfalt an Geschlecht und Gender gibt, scheint bei einigen älteren Herren immer noch nicht angekommen zu sein. Mir gefallen die Sternchen auch nicht besonders, aber es ist ein Ausweg aus einer männlich dominierten Sprache, und vor allem macht es bewusst, in welcher Form Sprache soziale Konstruktionen transportiert. Peter C. Seel

Echt verwerflich, wie einfach biologisch fundierte Erkenntnisse wie der Fakt, dass es nur zwei Geschlechter gibt, in der heutigen Zeit von unseren Newcomern angezweifelt werden. ahmetbks (via Instagram)

Ich gehöre zu den Frauen, die dem derzeitig üblichen Gendern sehr kritisch gegenüberstehen. Der Begriff meinte übrigens früher etwas ganz anderes. Nämlich: Solche Lebensumstände zu schaffen, dass alle sich unabhängig von ihrem Geschlecht, Besonderheiten, usw. gleichberechtigt entwickeln können und gleichberechtigt am sozialen Leben teilhaben können. Brigitte Eltzel

Das zeitgeistige Problem der Millennials ist es, dass sie Unverbindlichkeit mit Freiheit verwechseln. Meinetwegen kann sich jeder so geben, wie es ihm/ihr/es wichtig ist. Letztendlich kommt es auf den Charakter an. Und Charakterstärke kann sich nicht aus Unverbindlichkeiten entwickeln. In der westlichen Welt zeigt sich leider immer öfter ein theatralisches „ich weiß nicht“ – ein letztendliches „ich habe Angst vor Entscheidungen“. Ich liebe mich so, wie die Natur mich geschaffen hat? „Wie mich die Natur geschaffen hat, entscheide ich selbst.“ Oder doch nicht? Das Geschlecht wechseln wie die Adresse? Aber zum Glück gibt es noch viele andere – vor allem junge – Menschen, die wissen, wer sie sind und was sie wollen. Heike König

Das zeitgeistige Problem ist Unverbindlichkeit. Das gilt auch für Geschlechter.

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Das Argument der Kompliziertheit von gendergerechter Sprache ist nicht neu. Die Forschung konnte jedoch schon mit zahlreichen Pro-Argumenten für gendergerechten Sprachgebrauch aufwarten (das vermeintlich generische Maskulinum wird kognitiv nicht ohne Weiteres als solches erfasst) und es gibt Erfolgsgeschichten bspw. aus Schweden, wo sich ein neues Pronomen durchsetzte. Michelle Meta Ebene (via Facebook)

Akzeptanz für Diversität ist angebracht und nötig, nicht aber das zwanghafte Leugnen, dass die Unterscheidung in Mann und Frau in den meisten Fällen, in über 90 Prozent, sinnvoll ist. Thomas Scholz

Gendergerechte Sprache ist notwendig, um mehr Gleichstellungen in der Gesellschaft zu bezwecken.

Die gleichgeschlechtliche Ehe ist keine Frage mehr, sondern selbstverständlich. Homosexualität genießt immer noch nicht die Normalität, die sie verdient. Keinem Mensch sollte der Wunsch auf ein Kind verweigert werden. Transsexuelle sollten nicht mehr diskriminiert werden. Alle Menschen sollten gleich behandelt werden. Gleiches Geld für gleiche Arbeit. Geschlechterneutrale Sprache ist unnötig. Klasse 10a der Boje-C.-Steffens-Gemeinschaftschule, Elmshorn

Wichtig ist die innere Einstellung eines Menschen und nicht die Einhaltung nerviger Sprachkodexe der selbsternannten Sprach- und Sittenwächter. Peter Mahr

Geschlechterneutrale Sprache ist unnötig.

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Ich bin intersexuell. Ich wurde als Kind mehrfach operiert, damit aus mir ein „richtiger Mann“ werden könne. Das erste Mal nur wenige Tage nach meiner Geburt. Gefragt hat man mich nicht. Seit Jahren bin ich damit beschäftigt die damals getroffene Entscheidung zu revidieren, ich nehme es in Kauf, da ich nie in die aufgezwungene Rolle gepasst habe. Ich lebe jeden Tag mit Diskriminierung, werde auf der Straße angepöbelt, in Vorstellungsgesprächen wird mir gesagt, dass man „so was“ den Kunden nicht zumuten könne. Das alles macht mich traurig. Miriam Katharina Praschl

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