Tourismus als Wirtschaftsfaktor Der Tourismus ist die Erfolgsstory von Berlin

Bild von Willy Weiland
Präsident des Berliner Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA Berlin

Expertise:

Seit 2002 Präsident des Berliner Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA Berlin) und Sprecher des Runden Tisch Tourismus beim Regierenden Bürgermeister von Berlin; 2008 verlieh ihm der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit für sein Engagement für den Tourismus den Verdienstorden des Landes Berlin. Er ist Mitglied im Aufsichtsrat der Berlin Tourismus & Kongress sowie Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Seereederei Hotel Holding GmbH. 40 Jahre lang war er für InterContinental Hotels in verschiedenen Führungspositionen und Ländern tätig.

Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor in Berlin. Es kann nicht "Zuviel" geben - solange den Auswüchsen entgegen getreten wird.

Der Tourismus ist ohne Zweifel der bedeutendste Wirtschaftsfaktor Berlins mit rund 12 Milliarden Bruttoumsatz. Er bringt der Stadt jährlich Steuereinnahmen in Höhe von mehr als 2 Milliarden Euro und schafft Arbeitsplätze. In Berlin leben allein rund 275.000 Menschen vom Tourismus. Der Tourismus ist die Erfolgsstory von Berlin!

Tourismus ist der bedeutendste Wirtschaftsfaktor der Stadt

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Berlin hat sich weltweit in den vergangenen Jahren ein überaus positives Image erworben. Berlin ist nachgefragt, das In- und Ausland reflektiert den Zeitgeist, das politische, kulturelle und wissenschaftliche Leben Berlins. Eine wachsende Metropole mit allen Ecken und Kanten.

Die Zahl der Übernachtungen in Hotels und in Pensionen hat sich in den letzten 15 Jahren auf rund 31 Mio. im Jahr 2016 fast verdreifacht. Hier sind Übernachtungen in Ferienwohnungen und private Übernachtungen noch gar nicht mitgezählt. Eine Studie der dwif-Consulting GmbH geht davon aus, dass zusätzlich 33 Millionen Übernachtungen bei Freunden und Verwandten sowie ca. 5 Millionen Übernachtungen bei Privatvermietern generiert werden. Die Anzahl der Hotelbetten sowie die Anzahl und Vielfalt der gastronomischen Betriebe haben sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. Berlin verfügt über ein überaus modernes Hotel-Portfolio und hat sich zu einer gastronomischen Metropole entwickelt.

Wenn man den Gefahren entgegentritt, wird es nie "zu viel" Tourismus geben

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Auch wenn die Umfrageergebnisse in Berlin hinsichtlich der Tourismusakzeptanz der Bürger*innen bei durchschnittlich 90 Prozent liegen, birgt die rasante Tourismus-Entwicklung Gefahren: so zum Beispiel ausufernder Partytourismus oder illegale Vermietung von Ferienwohnungen, die in gefährdeten Kiezen zu Belästigung der Anwohnenden und damit zu deren – in den dort messbar schlechteren Umfragewerten nachgewiesen – wachsender Ablehnung des Tourismus führen. In Friedrichshain-Kreuzberg liegt die Tourismusakzeptanz nur bei rund 66 Prozent. Wenn man diesen Gefahren rechtzeitig und beharrlich begegnet, wird es auch nie ein „Zuviel“ an Tourismus geben. Denn das ist nur dann der Fall, wenn Kieze in ihrem sozialen Gefüge langfristig zerstört werden. Anzeichen einer solchen Entwicklung lassen sich beispielsweise im Simon-Dach-Kiez in Friedrichshain erkennen.

Die Bezirke sind dafür verantwortlich, Auswüchse im Tourismus zu bekämpfen

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Hier sind die Bezirke als exekutives Organ gefordert, konsequent derartige Entwicklungen beizeiten und mit allen Mitteln zu stoppen. Der DEHOGA Berlin würde ein solches Vorgehen jederzeit mit seinen Mitgliedern unterstützen. Sinnvoll eingesetzte Ressourcen wären aus unser Sicht unter anderem auch Mittel aus der eingenommenen City Tax.

5 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

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  1. von Joerg Simon
    Guten Tag Herr Weiland,

    m.E. haben Sie sicher in vielen Dingen recht. Doch was die Berlin an Touristen anzieht, welches Konzept verfolgt wird, da scheiden sich die Geister. Konzepte lösen selten Probleme, Pläne auch nicht. Das Leben ist selten planbar.

    In der Nähe meiner Wohnung ist ein Hostel mit 1600 Betten. Als ich dort vorbeigelaufen bin, sah ich einen Mann neben der Treppe liegen. Der Eindruck war, da gibt es ein Problem. Also zur Rezeption. Obdachloser? Das kommt häufiger vor. Niemand interessierte/kümmerte sich, ich fühlte mich ausgelacht. Ich ging dann nochmal zu dem Mann, er bewegte sich. Vermutlich betrunken. Auf RTW verzichtet. Schreiben an Geschäftsleitung: Null Reaktion. Die Seitenstraße beim Hostel häufig Freisitz für die Besucher. Müll ohne Ende. Dazu der Gestank der riesigen Müllcontainer, der einen fast betäubt. Ringsherum Müll. Busse die falsch parken. Marodierende Gäste. Billigtourismus in Reinkultur. Wollen Sie das wirklich? Mal abgesehen davon, dass ein solches Hostel mit den Außmaßen in einem Wohngebiet eine Zumutung ist.

    Wir müssen in Berlin uns darauf besinnen, dass wir auch Stolz haben. Das unsere Stadt voller Kultur ist. Nicht nur Sauf- und Co.-Kultur. Sondern dass wir eine Stadt voller Geschichte (bitte nicht nur die der letzten 100 Jahre) haben, Denkmäler u.v.a.m. Pfunde, mit denen wir wuchern könnten.

    Bierbikes gehören sicher nicht zu den Dingen, die wir anbieten sollten. Auch keinen Sauf-, Sex- und Drogentourismus.

    Abschließend: Ich empfehle jedem, der meint, man solle alles Tolerieren, sich direkt mit den Folgen dieser Gäste (und auch Teilen der Bevölkerung) direkt zu konfrontieren. Mal dort zu leben, sich morgens die Sauerei anzusehen.

    Schauen Sie nach Mallorca und den anderen spanischen Inseln wie Ibiza. Dort haben Sie direkt das Beispiel, wie man sich wehrt und vor allem, was die Folgen dieser ekelhaften Form des Tourismus sind.

    MfG J. S.

    Facebookgruppe Die Berliner Luisenstadt, ein Stadtteil von Mitte und Kreuzberg.
    1. von Joerg Simon
      Antwort auf den Beitrag von Joerg Simon 27.08.2017, 08:22:48
      Die Bezirke sollen also den Dreck und die Probleme wegmachen, den Ihre Gäste produzieren? Sie schaffen die Grundlagen, die Touristen vollziehen und alle anderen müssen saubermachen? Kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen.
  2. von Gabriele Flüchter
    Dass der Tourismus die Wirtschaftslokomotive Berlins ist, da stimme ich Herrn Weiland zu.
    Wie aber dieser Wirtschaftsfaktor in akzeptabler Form in die gesellschaftspolitischen Wünsche Anforderungen der Berliner eingebettet werden kann, das wäre für mich die eigentlich interessante Frage, die nicht primär von der Exekutive gelöst werden kann, wie Herr Weiland es vorschlägt.

    Vielleicht möchte Herr Weiland dazu noch etwas ergänzen?
    Herr Weiland, welche Form des Tourismus würden Sie in dieser Stadt aktiv fördern und unterstützen wollen - eher Masse, eher Luxus - alles gemischt? Wie sehen sie das gastronomische Angebot? Was täte Berlin gut? Mehr Ketten, mehr individuelle Kleinbetriebe? Wie kann man die Akzeptanz geplanter Hotelprojekte bei den Anwohnern erhöhen? Wie kann man die Wirtschaftslokomotive Berlins auch als Arbeitsmarktlokomotive in Fahrt bringen?

    Welche Ideen haben Sie dazu?
  3. von Torsten Steiner
    Erfolgsstory aus der Sicht der Tourismusindustrie, sonst eher eine Horrorstory.
  4. von Günter Gladis
    Zunächst sollte man den Begriff "Tourist" vermeiden.
    Touristen sind Gäste und ein Kompliment an den Ort, den sie besuchen, der ihre Sehnsüchte bedient.
    Auch ich bin Gast in manchen Länder, was mein Verhalten bestimmt, aber auch meine Erwartungen an den Gastgeber.
    Es wäre gut, wenn Politik und Tourismusverbände das in ihren Strategien berücksichtigen würden !
    Aber gibt es in Berlin eine solche Strategie ?
    Überhaupt Strategien, die das Wohlbefinden der Gäste berücksichtigen ?