Gleichberechtigung in der Bildung Mehr Bildung für Frauen nutzt der ganzen Gesellschaft

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Vorstandsvorsitzende Global Partnership for Education

Expertise:

Julia Gillard war von 2010 bis 2013 Premierministerin in Australien. Sie ist heute die Vorstandsvorsitzende der Global Partnership for Education (GPE).

Insbesondere in Entwicklungsländern erhalten Frauen weniger Bildung als Männer. Das wäre aber ein wichtiger Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben. Investitionen in die Bildung von Mädchen zahlen sich auch für die gesamte Volkswirtschaft aus.

Der Weltfrauentag ist ein guter Anlass, sich darauf zu besinnen, wie wichtig unser Beitrag als Frauen für unser Vorankommen als Gesellschaft ist. Wir sind Arbeitnehmerinnen, Chefinnen, Kolleginnen, Nachbarinnen, Partnerinnen, Mütter. Wir arbeiten, leiten, erziehen, helfen, organisieren, engagieren uns. Wir können unser Leben nach unseren Vorstellungen gestalten. Das ist uns möglich, weil in Deutschland wie auch in anderen Industrienationen Mädchen und Jungen die gleichen Startbedingungen haben. Sie gehen gemeinsam zur Schule, studieren oder machen eine Ausbildung. In vielen Entwicklungsländern hingegen ist das leider nicht der Fall.  

Weltweit gehen 130 Millionen Mädchen nicht zur Schule. Doppelt so viele Mädchen wie Jungen, werden niemals eingeschult. Fast zwei Drittel der Analphabeten weltweit sind Frauen.

Bildung ist insbesondere in Entwicklungsländern der Schlüssel für ein besseres Leben.

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Die 26-jährige Rumana aus Sudan beispielsweise ist als Kind nie zur Schule gegangen. Inzwischen ist sie selber Mutter und möchte ihrer Tochter eine bessere Zukunft ermöglichen. Um ihr bei den Hausaufgaben helfen zu können, hat sich Rumana entschlossen, selbst doch noch in die Schule zu gehen. Sie besucht jetzt die 7. Klasse. Ihr Schicksal zeigt uns deutlich, welchen Stellenwert Bildung für die Menschen in Entwicklungsländern hat: Für sie Bildung ist der Schlüssel für ein besseres Leben.

Doch diverse Hindernisse erschweren insbesondere Mädchen den Zugang zu Bildung. Armut, soziale und kulturelle Faktoren und frühe Verheiratung von Mädchen spielen ebenso eine Rolle wie der Mangel an weiblichen Lehrkräften. Weitere Faktoren sind die geringe Wertschätzung für Mädchenbildung und Kosten für den Schulbesuch, aber auch sexualisierte Gewalt an Schulen und lange Schulwege. Diese Situation ist absolut inakzeptabel und des 21. Jahrhunderts nicht würdig.

Während der G7 Präsidentschaft vor zwei Jahren und nun im Rahmen des G20-Vorsitzes hat sich Deutschland sehr für die Bildung von Mädchen und Weiterbildung von Frauen eingesetzt und damit eine Führungsrolle eingenommen.

Erst kürzlich sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble: „Die Geschichte lehrt uns, dass es für Gesellschaften, die sich erfolgreich und nachhaltig an neue Lebens- und Arbeitsbedingungen anpassen wollen, nur ein Zauberwort gibt – und das heißt Bildung.“ Treffender hätte man es nicht formulieren können. Er trifft den Nagel auf den Kopf.

Das erklärte Ziel der G20-Länder ist es, die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu verbessern und den hier noch bestehenden Unterschied zwischen Männern und Frauen bis 2025 um 25 Prozent zu verringern. Auch Barrieren beim Zugang von Frauen zu Informations- und Kommunikationstechnologien in Entwicklungsländern möchte man beseitigen und für bessere Bildungs- und Beschäftigungsperspektiven diesem Bereich eintreten. Das sind richtige und wichtige Ansätze, um möglichst schnell die volle Gleichstellung von Männern und Frauen im Arbeitsmarkt zu erreichen.

Bereits im Kindergarten müssen Mädchen und Jungen gleichermaßen gefördert werden.

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Umso wichtiger ist es, dass wir vorher ansetzen, lange bevor Mädchen und junge Frauen überhaupt erst an den Punkt gelangen, e-Skills zu lernen oder in den Arbeitsmarkt einzutreten.  Bereits im Kindergarten- und Vorschulalter müssen wir Mädchen und Jungen gleichermaßen fördern.

Die grundlegende Bedingung, um auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein – egal wo auf der Welt – sind drei Fertigkeiten, die die Macht haben, alles zu verändern: Lesen. Schreiben. Rechnen. Mädchen – und Jungen – die diese Fertigkeiten nicht beherrschen, haben keine Chance, sich persönlich zu entwickeln, später einer Arbeit nachzugehen, die sie und ihre Familie ernährt, ein zufriedenes Leben zu führen. Sie haben weniger Chancen sich an demokratischen Prozessen in ihren Ländern beteiligen oder am ökonomischen Aufschwung mitzuarbeiten, den Entwicklungsländer oft so dringend benötigen, um sich dauerhaft aus der Armut zu befreien.

Die Bildungsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai brachte es in ihrer Rede vor den Vereinten Nation auf den Punkt: „Ein Kind, ein Lehrer, ein Stift und ein Buch können die Welt verändern.“ Grundbildung ist hier Antwort. Vor allem Mädchenbildung. Ein zusätzliches Schuljahr für Mädchen kann ihr späteres Einkommen um bis zu 20 Prozent steigern und für ein Mädchen, das eine Sekundarschule besucht sinkt die Wahrscheinlichkeit als Kind verheiratet zu werden um ein Dreifaches.

Investitionen in die Bildung von Mädchen sind auch eine Investition in die Volkswirtschaft.

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Investitionen in die Bildung von Mädchen sind aber auch Investitionen in die kommenden Generationen und in die Entwicklung der Volkswirtschaften, in denen diese Mädchen und Frauen leben und arbeiten. Für ein Kind, dessen Mutter lesen kann, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es geimpft und älter als fünf Jahre alt wird, um jeweils 50 Prozent. Die Chance, dass es zur Schule geht, verdoppelt sich. Mädchenbildung wirkt sich zudem nachweislich positiv auf das Wirtschaftswachstum der Länder und die landwirtschaftliche Produktivität aus.

Wir wissen was zu tun ist und welche Ansätze funktionieren. Was wir brauchen, ist der politische Wille, sowohl hier als auch in den Entwicklungsländern.

Menschen und Organisationen auf allen Ebenen, von der Dorfgemeinschaft über Bildungsministerien bis hin zu global arbeitenden Organisationen wie der Globalen Bildungspartnerschaft, deren Vorstandsvorsitzende ich bin, haben gemeinsam geeignete und umsetzbare Ideen entwickelt, wie wir diese Hindernisse abbauen und Mädchen dabei unterstützen können, ihr volles Potenzial zu entwickeln.

Hier müssen wir dran bleiben, starken politischen Willen zeigen und bereit sein, in eine gerechte Zukunft für jedes Mädchen und jeden Jungen  zu investieren – nicht nur heute am Weltfrauentag, sondern jeden Tag.

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