Frauen in Führungspositionen  Die Bilanz der Frauenquote ist peinlich für die Unternehmen

Bild von Wiebke Ankersen und Christian Berg
Geschäftsführer AllBright Stiftung

Expertise:

Wiebke Ankersen und Christian Berg sind Geschäftsführer der AllBright Stiftung in Berlin. Die gemeinnützige deutsch-schwedische AllBright Stiftung setzt sich für mehr Frauen und Diversität in wirtschaftlichen Führungspositionen ein.

Nur sechs von 160 Unternehmen an der Börse haben mehrere Frauen im Vorstand. Das zeugt von alten und irrationalen Denkmustern. Dabei sind gemischte Teams innovativer und profitabler.

Es klingt ja erstmal nicht schlecht – die Bundesregierung hat eine erste Auswertung des seit Mai 2015 geltenden Geschlechterquoten-Gesetzes für die deutschen Unternehmen vorgelegt, mit dem Ergebnis: das Gesetz wird befolgt. In den Aufsichtsräten der betroffenen Unternehmen nähert sich der Frauenanteil der 30-Prozent-Marke und fast alle Börsenunternehmen haben sich, wie vom Gesetzgeber gefordert, auch für den Vorstand konkrete Ziele zur Erhöhung des Frauenanteils gesetzt.

Die fehlenden Frauen in Vorständen zeugen von alten Denkmustern und stellen die Innovationskraft in Frage.

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Allerdings: In den allermeisten Fällen (110 von 160 Unternehmen in DAX30, MDAX, SDAX, TecDAX) lautet das konkrete Ziel für den Vorstand – Null. Buchstäblich Null. Mehr als zwei Drittel dieser Börsenunternehmen haben keine Frauen in ihren Vorständen, und sie haben bis zur festgelegten Frist Ende Juni 2017 auch keine eingeplant. Ziemlich peinlich im Jahr 2017: Das zeugt von nicht rationalen alten Denkmustern, die ernsthaft die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft in Frage stellen. Gesellschaft und Märkte wandeln sich, schnell und umfassend – und die Mehrzahl der deutschen Unternehmen hält seit Jahrzehnten unverändert an längst veralteten Managementstrukturen wie in den 1950er Jahren fest.

Führungsteams mit verschiedenen Geschlechtern sind anpassungsfähiger und profitabler.

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Dass Unternehmen mit gut gemischten Führungsteams mehr innovatives Potential haben, dass sie anpassungsfähiger und profitabler sind und außerdem die beliebteren Arbeitgeber, zeigen internationale Studien seit Jahren. In Schweden gibt es heute 32 Börsenunternehmen, deren Frauenanteil im Vorstand bei mehr als 40 Prozent liegt, ihre Performance liegt kontinuierlich deutlich über dem Durchschnitt. In Deutschland gibt es diesbezüglich noch wenig Erfahrung, an der Frankfurter Börse haben derzeit nur die Aareal-Bank und Telefonica Deutschland ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen im Vorstand.

Selbstgesteckte Ziele für eine Frauenquote in Unternehmen erzeugen mehr Enthusiasmus als Gesetze.

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Gesetzliche Vorgaben müssen gezwungenermaßen erfüllt werden, das ist nicht automatisch mit Enthusiasmus und Visionen verbunden. Progressive, selbstgesteckte Ziele aber will man erreichen, sie sind es, die die Unternehmen voranbringen. Eine Handvoll deutscher Börsenunternehmen hat mit dieser Erkenntnis schon einen Vorsprung aufbauen können: die Aareal-Bank, die Allianz, Daimler, die Deutsche Bank, Munich Re und Siemens haben sich für mehrere Frauen im Vorstand entschieden. Das sind echte Pioniere, ganze sechs Firmen von 160 an der Frankfurter Börse.

Jetzt müssen sich die Unternehmen für die Zeit nach Juni 2017 wieder neue Ziele für die Erhöhung des Frauenanteils in den obersten Führungsetagen setzen. Da lohnt es sich, genau hinsehen: Wer steckt sich ehrgeizige Ziele? Wer ist beweglich genug, sich rechtzeitig an die veränderten Bedingungen anzupassen? Wer setzt auf eine vielfältige Führungsmannschaft und eine moderne, partizipative Unternehmenskultur? Wem gelingt es damit, die besten männlichen und weiblichen Talente an sich zu binden? Das ist das Erfolgsmodell der Zukunft.

5 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

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  1. von Focus Turnier
    Eine feministische Pressure-Group mit Wurzeln in Schweden möchte uns also erzählen, wieviele Frauen in Führungspositionen zu arbeiten haben? Gibt es auch irgendwo Quellennachweise für die Behauptungen, die dort aufgestellt werden, zB zu den gemischten Führungsteams? Ansonsten wäre DAS nämlich peinlich, für AllBright.
    Der deutschen Frauenministerin empfehle ich eine Brille:

    https://manndat.de/geschlechterpolitik/eine-brille-fuer-schwesig.html
    1. Bild von Wiebke Ankersen
      Autor
      Wiebke Ankersen, Wiebke Ankersen ist Geschäftsführerin der Stiftung AllBright in Berlin. Die AllBright Stiftung veröffentlicht in Deutschland und Schweden Berichte, die die Situation in Führungsgremien dokumentieren. Einmal im Jahr erscheint ein AllBright-Report, der den Anteil von Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen der börsennotierten Unternehmen misst.
      Antwort auf den Beitrag von Focus Turnier 09.03.2017, 07:43:50
      Natürlich gibt es Untersuchungen, die das belegen. Zur Profitabilität zum Beispiel die bisher größte Studie, vom Peterson Institute in New York (https://piie.com/publications/wp/wp16-3.pdf), zur Innovationskraft ganz frisch von der TU München/Boston Consulting Group (http://www.bcg.de/documents/file218087.pdf).
  2. von Stefan Severit

    Entfernt: Bitte vermeiden Sie Unterstellungen Dritten gegenüber. /die Redaktion
  3. von Michael Vogel
    Die Verfasser haben - wie auch die Urheber - bis heute nicht begriffen, daß es in einer freiheitlichen Gesellschaft keine Quoten geben darf. Oder streben sie den totalitären Staat an? Das wäre mal etwas neues: eine totalitäre Demokratie.
    1. Bild von Wiebke Ankersen
      Autor
      Wiebke Ankersen, Wiebke Ankersen ist Geschäftsführerin der Stiftung AllBright in Berlin. Die AllBright Stiftung veröffentlicht in Deutschland und Schweden Berichte, die die Situation in Führungsgremien dokumentieren. Einmal im Jahr erscheint ein AllBright-Report, der den Anteil von Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen der börsennotierten Unternehmen misst.
      Antwort auf den Beitrag von Michael Vogel 08.03.2017, 13:45:46
      Sehr geehrter Herr Vogel, da haben Sie uns missverstanden. Wir fordern gar keine gesetzliche Quote. Wir möchten dazu beitragen, dass die Wirtschaft den unternehmerischen Mehrwert eines ausgewogenen Geschlechterverhältnisses in den Führungsetagen erkennt und aus eigener Überzeugung nachhaltig an einer Verbesserung der jetzigen Situation arbeitet.