Individueller Wohnraum Flexibler wohnen mit weniger Ansprüchen

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Busfahrer

Expertise:

Matthias Dressel ist Busfahrer und lebt in einer Mietwohnung in Berlin.

Eine Stadt. Ein Land. Viele Meinungen. Unter diesem Motto feiern der Tagesspiegel, die Berliner Zeitung und die Bundeszentrale für politische Bildung die Meinungsfreiheit. Diskutieren Sie mit! Ausgewählte Leser*innenkommentare werden veröffentlicht.

Zehn Debatten in zehn Wochen. Diese Woche: Wie bleibt Wohnen bezahlbar? Matthias Dressel fordert die Gesellschaft auf, ihren hohen Anspruch an Wohnraum zu mindern.

Über 30 Jahre erzählt man uns Ostdeutschen, wie schön doch Reise-, Meinungs- und  Versammlungsfreiheit seien und als elementare Merkmale zu einer Demokratie gehörten! Doch auch das Recht auf Arbeit und auf angemessenen und bezahlbaren Wohnraum sind für mich ein wichtiger Bestandteil von Freiheit. Wo überhaupt kann die Keimzelle jeder Gesellschaft, die Familie, sonst ihren Nachwuchs gesund aufwachsen lassen? Je kranker diese Keimzelle, desto kranker die Gesellschaft – so der Umkehrschluss. Das Ergebnis können wir heute vielschichtig in unserer Gesellschaft durch das wohnungslose Leben auf der Straße erkennen. In 30 Jahren DDR wohnten wir zwar bescheiden, aber mit einem bezahlbaren Dach überm Kopf. Obdachlose habe ich in der Zeit nur aus dem Westfernsehen gekannt.

Das Recht auf bezahlbaren Wohnraum ist ein elementarer Bestandteil von Freiheit.

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Heute jammert jeder, ob Mieter oder Vermieter, auf unterem oder gehobenem Niveau über die Mietpreise in diesem Land. Warum eigentlich? Es gibt viele Möglichkeiten, der Mietenexplosion ein Ende zu bereiten. Jeder kann dazu etwas beisteuern. Der Mieter treibt die Miete oft unbewusst nach oben, indem er in seinem Leben, aus welchen Gründen auch immer, die Wohnung wechselt und dem Vermieter so die Chance gibt, stetig bei Neuvermietung die Mieten legal zu verteuern. 

Durch ständigen Wohnungswechsel gibt der Mieter dem Vermieter die Möglichkeit, die Miete zu verteuern.

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Die Vermieter „modernisieren“ oft, wo es eigentlich nichts zu modernisieren gibt und kassieren ein Leben lang die „Modernisierungsumlage“, deren Sinn spätestens nach zehn Jahren technisch und moralisch bereits verschlissen ist. Warum ein Leben lang für etwas zahlen, was vielleicht schon in weniger als 10 Jahren abgenutzt hat? Hier ist der Gesetzgeber gefragt. Er sollte die Abschreibungsmöglichkeiten bei Modernisierungen beschränken.

Der Staat sollte die Abschreibungsmöglichkeiten bei Modernisierungen beschränken.

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Wie wäre es einmal damit, wenn alle Beteiligten ihre Ansprüche auf ein Niveau bringen, das jedem Anspruch genügt? Weiter wachsende Ansprüche an Ausstattung und Größe von Wohnraum sind auch ein Preistreiber, nämlich höhere Betriebskosten! 
Wir reden alle von Umweltschutz und Kosteneinsparung – warum verkauft oder vermietet man nicht die Wohnungen in einem individuell ausbaufähigen Zustand? Jeder Mieter hat doch seine eigenen Vorstellungen von seiner Wohnung und so kann der Vermieter im gleichen Objekt eigentlich für jedes Einkommen zumutbaren Wohnraum bereitstellen.

Wohnungen sollten in einem individuell ausbaufähigen Zustand vermietet werden. 

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Hier beginnen die Eigenverantwortlichkeiten beider Vertragspartner. Anstatt pauschal die Wohnungen im bezugsfertigen Zustand zu übergeben, sollte man vorher den Wünschen der Mieter Rechnung tragen. Luxus oder Wirtschaftlichkeit mit Nachhaltigkeit – jeder Erstmieter sollte hier sein Konzept vorstellen, einschließlich eines Angebots, welche Kosten er selbst tragen kann. Es ist doch komplett sinnfrei, bereits eingerichtete Wohnungen nochmals neu einzurichten, weil diese nicht dem persönlichen Geschmack entsprechen. 

Jeder Erstmieter sollte ein Konzept vorstellen, einschließlich eines Angebots, welche Kosten er selbst tragen kann.

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Erst kürzlich hat man den Mietendeckel erfunden. Den Mieter wird es freuen – die Vermieter werden kollabieren. Warum eigentlich? 
Kaum ein Vermieter hat sich bisher verweigert, wenn der Staat Mietzuschüsse für Geringverdiener zahlte oder die Mieten ganz übernimmt. Im Gegenteil – solche Mieter sind vielen Vermietern doch eine willkommene und feste Einnahmequelle, auch für höhere Mieten. 
So mancher Erwerbstätige, der dringend eine Wohnung sucht, ob mit oder ohne Kindern, bleibt so auf der Strecke, wenn er gerade einmal so viel verdient, dass er aus dem Leistungsbezug herausfällt. Weg also mit festen Einkommensgrenzen und hin zu mehr Flexibilität in der Wohnraumförderung durch den Staat. Dieser verlangt von seinen Bürger/-innen und deren Kindern schließlich auch, sich dem „Markt“ flexibel entgegenzustellen – inklusive Wohnungswechsel!

Weitere Materialen zum Thema finden Sie auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung.

In der ersten Woche unserer Debattenserie ging es um "Verkehr - Kann das Auto weg?". Alle Beiträge zu dieser Debatte finden Sie hier. Danach stellten wir die Frage: Darf man noch Fleisch essen? Hier sind die Beiträge zum Nachlesen. In der dritten Woche schrieben verschiedene Gastautor*innen Kommentare zu der Frage: "Wie weiter zwischen den Geschlechtern?" Die Beiträge lesen Sie hier. Und in der vierten Woche wurde zu der Frage debattiert: "Wie viel Computer braucht der Mensch?". Lesen Sie die verschiedenen Meinungen hier. Die Meinungen der Autor*innen zur Frage "Was ist Heimat?" lesen Sie hier. Alle Beiträge zur Debatte "Was ist uns das Klima wert?" finden Sie hier. 

 

10 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

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  1. von Tobias Kleindienst
    Warum also sollen Mieter den regelmäßig durchaus vorhandenen Vorteil aus der Modernisierung plötzlich kostenlos weiter nutzen dürfen?
    Ich gehe davon aus, dass Sie für die BVG arbeiten. Ich bin in der Nähe eines Betriebshofes aufgewachsen. Wir waren umgeben von Häusern, die der BVG gehörten und in der ausschließlich BVG Mitarbeiter zu günstigen Mieten wohnten.
    Leider hat Ihr Arbeitgeber die Wohnungen an Unternehmen verkauft deren Zweck es wie bei jedem Unternehmen ist, damit Gewinn zu erwirtschaften. Wo waren Ihre Interessenvertreter, sprich Gewerkschaften, als es um den Verkauf ging? Heute marschieren sie Seit an Seit mit irgendwelchen Spinnern, die für eine Enteignung der Wohnungsgesellschaften eintreten. Wenn die Arbeitnehmer ihre Wohnungen nicht mehr bezahlen können ist es Sache der Gewerkschaft eine entsprechende Erhöhung der Löhne durchzusetzen. Und wenn Arbeitnehmer die Wohnungen nicht mehr bezahlen können, wird die BVG irgendwann auch keine Mitarbeiter mehr finden.
    Das Sie die Wohnverhältnisse in der DDR als bescheiden aber bezahlbar bezeichnen sagt wohl alles. Leider wurde nach 30 Jahren wohl schon vieles vergessen. Die meisten Wohnungen in der DDR konnte man wohl nur als Bruchbuden bezeichnen, mit Außenklo und Kohleheizung. Diese Verhältnisse würden heute nicht einmal Obdachlose akzeptieren. 30 Jahre nach der DDR sollte man auch schon mitbekommen haben, warum die Mieten geringer als die Kosten waren und dass dies der Grund für den Verfall der Wohnungen und der ganzen DDR war. Und ein Wohnungsproblem gab es dort natürlich auch. Aber dort konnte man eben erst eine eigene Wohnung haben, wenn diese einem, wie auch der Trabi, staatlich zugewiesen wurde.
    Asoziale Wohnungslose wurden dort zwangsweise irgendwo interniert. Die wenigsten Obdachlosen wollen überhaupt in eine Wohnung ziehen. Unser Sozialsystem würde dafür aufkommen, duldet aber auch deren Entscheidung. Die meisten Obdachlosen sind heute illegale EU Bürger. Wollen Sie auch noch für die zahlen?
    1. von Matthias Dressel
      Antwort auf den Beitrag von Tobias Kleindienst 10.10.2019, 12:13:56
      Kurze Antwort:
      Ich arbeite nicht bei der BVG.
      Meine 4-Zimmer-VK-Wohnung mit 83qm, Balkon, 2 Toiletten, großem Bad, 3-fach Fenster, Abstellraum in der Wohnung, Müllschlucker und Fahrstuhl kostete 164,- Mark der DDR/Monat an Miete (1985), was 13% des monatlichen Netto-Einkommens (beide Partner berufstätig) entsprach.
      Meine Wohnung wurde mir nicht zugewiesen, sondern ich ging in die Buchhandlung für amtliche Dokumente und mit den Parteitagsbeschlüssen und den Gesetzblättern direkt zum OB von Berlin - innerhalb der Frist von 3 Monaten hatten wir damals als Familie mit 3 Kindern den entsprechenden Wohnraum. Ich war auch nicht in der Partei, aus der ich schon Monate vorher rausgeflogen war.
      Übrigens: Selber wohnte ich mit meinen Eltern über 20 Jahre in einer sehr kleinen Wohnung, mit Plumps-Klo, die wir in Eigeninitiative sogar modernisierten - Miete damals nicht einmal 20 Mark der DDR. Zur Wende tauschten meine Eltern dann diese Wohnung in eine 2-Zimmer-VK-Wohnung, weil eine junge Familie einen Ortswechsel vornehmen wollte.
      Was den "Zuschlag" auf die Grundmiete betrifft - der steht nach über 15 Jahren immer noch so in den Betriebskosten drin, wie einst. (Städt. Wohnungsunternehmen)
      Der Vergleich mit dem Auto ist unpassend, da ich es ja für mich und nicht für andere angeschafft habe.
  2. von Tobias Kleindienst
    Sehr geehrter Herr Dressel,
    auch wenn man es immer wieder wiederholt und sich mit dieser Falschinformationen in guter Gesellschaft mit einer Vielzahl von "Journalisten" oder Lobbyisten befindet, es ist völliger Unsinn, dass die, wie Sie es falsch benennen, "Modernisierungumlage" beim bösen Vermieter ein Leben lang die Kassen klingeln lässt. Das mag in einem Markt der stagnierenden oder fallenden Preise stimmen, nicht aber in der Realität. Der Zuschlag der sich aufgrund einer Mieterhöhung wegen Modernisierung ergibt, (jetzt 8% der Kosten pro Jahr) wird sofort Teil der Grundmiete und ist eben nicht auf alle Zeiten als "Zuschlag" neben der Miete weiter zu zahlen. Demzufolge sind auf Jahre, normale Mieterhöhungen wegen steigender Vergleichsmieten des Mietspiegels, die der Vermieter auch ohne Modernisierung hätte erheben können, ausgeschlossen. Und wenn ein Mieter auszieht, zahlt nicht etwa der nächste Mieter die wegen der Modernisieung erhöhte Miete weiter. Denn dann greift die Mietpreisbremse und die Miete darf max. 10% über der Vergleichsmiete des Mietspiegels liegen.
    Regelmäßig erhöhte Instandhaltungskosten für die Modernisierung hat der Vermieter dagegen auf alle Zeiten selbst zu tragen. Gerade bei anfälligen Fassadenerneuerungen entstehen da nicht selten erhebliche Folgekosten.
    Aufgrund unserer Klimaschutzgesetze ist es dem Vermieter heute übrigens nicht mehr möglich eine Fassade nur noch im Rahmen der Instandhaltung auf eigene Kosten zu reparieren.
    Vielmehr ist statt einer Reparatur eine für alle Mieter teure Dämmung der Fassade vorgeschrieben! Die versprochene merkliche Entlastung bei den Energiekosten, bleibt dagegen meist aus.
    Und wie kommen so viele Mieter wie Sie eigentlich auf die abstruse Idee, dass eine amortisierte Investition keine Erträge mehr erwirtschaften darf? Sollen Mieter vielleicht auch noch mietfrei wohnen, wenn der Vermieter das Haus abbezahlt hat?
    Stellen Sie Ihr Auto jedermann kostenlos zur Verfügung, sobald es abbezahlt ist?
  3. von Max Mustermann1
    Dass der "Mieter dem Vermieter durch Wohnungswechsel die Möglichkeit der Mieterhöhung gibt" finde ich eine absurde Vorstellung. Ich bin Vermieter. In der Regel verzichte ich aus Rücksicht auf Mieterhöhungen während eines Mietverhältnisses und hole dies dann bei einem Mieterwechsel nach. Allein schon zum Ausgleich der Inflation und höherer Kosten ist das notwendig.

    Und überhaupt, der ganze Artikel geht am Kern der Problematik vorbei. Mieten werden automatisch günstiger, wenn das Angebot an Wohnungen im Verhältnis zur Nachfrage groß ist. Neubau und bessere Anbindung des Umlands verbilligt Mieten, Zuwanderung bzw. Zuzug in die Stadt verteuert sie.

    Wenn nicht alle am gleichen Fleck wohnen wollen oder müssen, werden Mieten auch günstiger. Da könnte der Staat lenkend eingreifen, wenn z.B. die Ansiedlung von Unternehmen dort gefördert wird, wo eben mehr Platz ist. Wenn bessere Infrastruktur dorthin führt, wo Wohnungen zur Verfügung stehen. Wenn Universitäten dort entstehen, wo die Studenten auch Wohnraum haben.

    Vergleicht es einfach mal mit Frankreich. Dort ist alles zentralistisch auf Paris ausgerichtet. Seht euch an, was das mit den Mieten und Preisen macht.
  4. von Grit Schneider
    Der Autor wiederspricht sich mit seiner ersten und letzten Behauptung. Einerseits werden Mieter für steigende Mieten aufgrund von häufigem Wohnungswechsel verantwortlich gemacht, auf der anderen Seite wird erkannt, dass der Staat "Flexibilität" zwecks Arbeitsaufnahme fordert - also Wohnungswechsel. Es macht doch keinen Sinn, 80 Jahre in einer Wohnung zu bleiben! Erst ist man Single, jung und braucht wenig Wohnraum, man findet sich noch. Dann kommt die erste gemeinsame Wohnung, zwei Personen. Dann kommen meist ein bis drei (fünft...) Kinder hinzu und es wird mehr Wohnraum benötigt. Danach sind die Kinder aus dem Haus, die Partner trennen sich etc. und es wird wieder weniger Wohnraum benötigt. Und im Alter benötigt man anderen Wohnraum (weniger Treppen, ebenerdige Ausstattung, breitere Durchgänge, weniger Winkel etc.). Man kann natürlich vorsorglich mit 18 in einer 120 qm Wohnung ziehen und bis zum Tod dort leben, wenn man es sich leisten kann...
    1. von Matthias Dressel
      Antwort auf den Beitrag von Grit Schneider 10.10.2019, 09:57:05
      In meinem Wohn- und Arbeitsumfeld gab es in den vielen Jahren nach der Wende Kollegen oder Bekannte, aber auch Verwandte, die nicht nur wegen einer neuen Arbeitsstelle oder wegen des Nachwuchses umgezogen sind, sondern auch nur deshalb, weil man eben "IN" sein wollte und die modernisierte "gute alte Platte" den Ansprüchen nicht mehr genügte.
      Wir leben jetzt schon seit 1991 in einer modernisierten 70qm - Plattenbauwohnung. Hier wuchs unser Kind auf, das seit mehr als 5 Jahren im Westteil von Berlin in einer VK-Wohnung lebt. Ein Umzug in eine 2-Zimmer-Wohnung wäre für uns nicht nur eine finanzielle Belastung über Jahre, wegen einer weitaus höheren Miete, sondern wir würden eine sehr gute Infrastruktur aufgeben, die uns auch ohne Auto bis ins hohe Alter so bescheiden weiter leben lässt, wie wir es auch aus unserer Jugend kannten - die fand ja bekanntlich im Osten (nicht in Berlin) statt.
  5. von Barbara Rühmann
    Verehrter Herr Dressel!

    Natürlich haben Sie in der "DDR" keine Obdachlosen gesehen. Die wurden als "asozial" eingestuft und kamen in den Knast, Jugendwerkhof oder sonstiges Arbeitslager.

    Das Wohnungsproblem ist groß, viele Familien leben in zu wenigen Zimmern, in zu kleinen Wohnungen.

    Ältere Menschen haben Angst, dass sich sie mit ihrer Rente ihre Wohnungen weiter leisten können, oder für 100 Euro weniger ihre Fläche mehr als halbieren müssen.

    Zuzügler mit überdurchschnittlichen Gehältern finden sofort Wohnungen, die haben kein Problem damit, 16 oder mehr Euro pro Quadratmeter zu bezahlen. Das sind häufig Leute aus reichem Elternhaus und/oder einem "durchgereichten" attraktivem Job in Politik, Wirtschaft und Kultur.

    Berliner, ob mit oder ohne (echtem) Universitätsabschluss, mit oder ohne Migrationshintergrund, viele Arbeiter, kleine Angestellte können da nicht mithalten.

    In Westberlin hatten wir bis 1987 vom Senat festgesetzte Mieten, also die Deckelung nach oben. Die galt nicht für sogenannte "freifinanzierte Neubauten". Auch damals musste man nach den anderen, normalen Wohnungen suchen und es gab das, was "Abstand" genannt wurde - aber entspannter war der Wohnungs"markt" trotzdem.

    Nochmals: die Wohnungsknappheit hat mit Obdachlosen nicht viel zu tun. Ein Skandal ist beides allemal.
    1. von Matthias Dressel
      Antwort auf den Beitrag von Barbara Rühmann 10.10.2019, 09:29:15
      Sie sollten mal ihr voreingenommenes DDR-Bild überdenken. Ja, wer in der DDR nicht arbeiten wollte, der galt als asozial, weil er der Gesellschaft auf der Tasche gelegen hat.
      Übrigens:
      Auch ich habe Angst, später meine Miete nicht mehr bezahlen zu können - nach mehr als 45 Jahren auf den Arbeitsmärkten Ost UND West.
    2. von Barbara Rühmann
      Antwort auf den Beitrag von Matthias Dressel 10.10.2019, 16:33:37
      Mein Bild von der "DDR" ist nicht voreingenommen.

      Ihr Bild von denen, die "nicht arbeiten wollten" ist sehr einseitig.

      Es gab genügend unbequeme Menschen, die keine Arbeit ausüben durften, die ihrer Ausbildung und ihren (erworbenen) Fähigkeiten entsprach. Nicht jeder eignete sich für als "erzieherische Maßnahme" vorgeschriebene Schichtarbeit am Band ...

      Sie kennen den Begriff "Bewährung in der Produktion"? "Berlinverbot" - betraf dann auch den Beruf? Wissen Sie etwas über den "PM 12"*? Und so geht es immer weiter ... Ausgrenzung und dadurch "asozialmachen" von DDR-Bürgern gab es häufiger, als Sie denken.

      *https://www.jugendopposition.de/lexikon/sachbegriffe/148600/pm-12
    3. von Matthias Dressel
      Antwort auf den Beitrag von Barbara Rühmann 12.10.2019, 14:35:11
      Meine Vita in DDR war auch voller Widersprüche. Meine Eltern waren keine Kommunisten, sondern nur einfache Leute. Trotz Westfernsehen, das ich immer sah, studierte ich an einer OHS. Nach weniger als 3 Jahren als Offizier reichte ich meinen Rücktritt ein. Ein paar Monate später flog ich aus der SED (Wahlverweigerer), weil ich das sah, was nach weiteren 6 Jahren kommen musste. Als "Staatsfeind" durfte ich meinen Job nicht mehr machen. Kollegen (alle parteilos), die nicht danach gingen, was ich einmal war, sondern was ich bin und kann, die halfen mir wieder Fuß zu fassen und ich machte das, was mich meine Eltern lehrten: Einen guten Job. Ja, ich habe auch Leute kennengelernt, die "asozial" waren, weil sie einfach aus Protest nicht mehr zur Arbeit erschienen, da ihnen ihre "Ausreiseanträge" nicht genehmigt wurden. Damit sie nicht verhungerten, zahlte der Staat deren Gehälter weiter. Irgendwann sind sie doch irgendwie aus der DDR herausgekommen - das war alles nach 1985 und spielte sich in einem Stadtbezirk Ost-Berlins ab, der heute zu Pankow gehört. Meine Mutter hätte übrigens auch fast diesen "PM12" erhalten, weil ich als Kind ihren Ausweis irgendwo (fast) unauffindbar versteckt hatte.
      Übrigens: Einer jener Menschen, die mir nach meinem "Berufsverbot" wieder auf die Beine halfen, der wurde durch die Ereignisse beim "Arbeiteraufstand" von der Humboldt-Uni geschmissen, musste sich in der Produktion bewähren und hatte am Ende auch eine Leitungsfunktion inne, obwohl er keiner Partei angehörte.
      Die DDR brauchte nämlich auch Fachkräfte, die anpacken konnten. Meinen ersten Job nach der Wende bekam ich, trotz meiner Vita, bei einer Westfirma, weil die qualifitzierte AN suchten, die nicht aus Eigennutz einfach ihren Arbeitsplatz verlassen. Die Frage des damaligen Prokuristen und Personalers, wann ich denn mein Begrüßungsgeld geholt hatte, beantwortete ich wahrheitsgemäß so: Nicht am Tag der Maueröffnung, sondern später an einem Samstag, da mir die Arbeit wichtiger erschien.