Bezahlbare Mieten in Berlin Die neue Grenze verläuft auf dem Wohnungsmarkt

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Vorstandsvorsitzender Deutsche Wohnen SE

Expertise:

Michael Zahn ist seit Dezember 2008 Vorsitzender des Vorstands der Deutsche Wohnen SE. Insgesamt verfügt er über 20 Jahre Management-Erfahrung im Immobilienbereich in unterschiedlichen Shareholder-Strukturen, inklusive Private-, Equity-, Banken- und börsennotiertem Umfeld.

Eine Stadt. Ein Land. Viele Meinungen. Unter diesem Motto feiern der Tagesspiegel, die Berliner Zeitung und die Bundeszentrale für politische Bildung die Meinungsfreiheit. Diskutieren Sie mit! Ausgewählte Leser*innenkommentare werden veröffentlicht.

Zehn Debatten in zehn Wochen. Diese Woche: Wie bleibt Wohnen bezahlbar? Michael Zahn plädiert für bezahlbaren statt billigen Wohnraum.

Schaut auf diese Stadt. Vom Ende des Zweiten Weltkriegs über den Mauerbau bis hin zur Wende gab es viele Phasen der Stadtentwicklung Berlins. Alle hat die Deutsche Wohnen bzw. ihre Vorläuferunternehmen miterlebt. Berlin ist heute für Menschen aus aller Welt wieder ein attraktiver Ort zu leben. Mehr als 40.000 Menschen mehr beheimatet die Stadt pro Jahr. Und das ist auch gut so, das sollten wir nicht abwürgen!

Mit der Stadtentwicklung Berlins hat die Wohnungspolitik nicht Schritt gehalten.

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Eine neue Teilung. Mit dieser Entwicklung hat die Wohnungspolitik jedoch nicht Schritt gehalten. 30 Jahre nach dem Mauerfall erlebt die Stadt erneut eine Teilung in zwei Lager. Die Grenze verläuft nun zwischen jenen, die angesichts stark gestiegener Preise für neu vermietete und gebaute Wohnungen an ihre finanziellen Grenzen stoßen und denen, die von historisch-bedingt niedrigen Bestandsmieten profitieren, die weit unter ihrem finanziell Leistbaren liegen.

Politik und Initiativen schlagen immer neue und radikalere Maßnahmen vor, die diese Teilung manifestieren; die individuelle Leistungsfähigkeit der Mieter und deren Wohnsituation wird dabei nicht genügend berücksichtigt.

Lange Zeit haben Mieter mit geringerem Einkommen in einem Haus weniger bezahlt und dies wurde ausgeglichen durch Mieter mit höherer Leistungsfähigkeit. Schärfere Mietpreisbremse und absoluter Mietendeckel scheren jedoch alle über einen Kamm, auch innerhalb der Quartiere. In einer solidarisch geprägten Stadtgesellschaft sollten die Bessergestellten die Schwächeren stützen. Sonst müssen die Kosten für hochwertigen und ökologisch-nachhaltigen Wohnraum vor allem jene tragen, deren Wohnsituation sich gerade ändert, wie junge Familien, die mehr Platz benötigen.

Der Mietmarkt wird fairer, wenn die individuelle Leistungsfähigkeit der Mieter berücksichtigt wird.

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Bezahlbares statt billiges Wohnen. Analysiert wurde zuletzt viel, aber leider zu wenig getan. Die Berücksichtigung der individuellen Leistungsfähigkeit der Mieter ist der Weg, mehr Fairness in den Mietmarkt zu bringen. Es geht nicht darum, besonders billig zu wohnen – aber es muss für den Einzelnen bezahlbar sein. Daher haben wir unseren Mietern ein Versprechen gegeben, sie finanziell nicht zu überfordern. So muss kein Mieter seine Wohnung wegen einer Modernisierungsmaßnahme oder Mieterhöhung aufgeben.

Doch wo immer mehr Menschen leben wollen, müssen wir auch neuen Wohnraum schaffen. Viele fordern heute vor allem billigen neuen Wohnraum, doch damit tun wir uns keinen Gefallen. Das zeigen uns etwa die teils wenig lebenswerten Bausünden der siebziger Jahre, die wir heute aufwändig sanieren müssen.

Berlin braucht modernen nachhaltigen Wohnraum, der Qualitätsansprüchen genügt und bezahlbar ist. Das heißt, jene zu entlasten, die sich gestiegene Mieten kaum noch leisten können und gleichzeitig notwendige Investitionen in nachhaltigen Wohnraum tätigen zu können. Auch das versprechen wir: Die Deutsche Wohnen will im Großraum Berlin bis zum Jahr 2023 850 Millionen Euro in neuen Wohnraum investieren. Sofern es passende Grundstücke gibt, können und wollen wir noch mehr bauen, denn wir verfügen über die notwendigen Mittel und Expertise.

Die Miete der Höhe sollte sich am Einkommen der Mieter orientieren.

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Gemeinsam Antworten finden. Wenn die Höhe der Miete sich beispielsweise stärker am Einkommen orientiert, sorgen wir für ein solidarisches Miteinander in unserer Stadt und vermeiden zwei Klassen von Mietern. Zudem sind wir überzeugt, dass nur ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz der Komplexität der aktuellen Fragestellungen gerecht wird und wir nur gemeinsam die richtigen Antworten finden. Darum werden wir in den kommenden Monaten einen Berlin-Dialog initiieren und alle Interessierten einladen, sich gemeinsam für ein faires Wohnen und eine lebenswerte Stadt zu engagieren. Gemeinsam werden wir auch diese und zukünftige Herausforderungen meistern und dafür sorgen, dass die Stadt für neue und alte Berliner attraktiv bleibt.

In der ersten Woche unserer Debattenserie ging es um "Verkehr - Kann das Auto weg?". Alle Beiträge zu dieser Debatte finden Sie hier. Danach stellten wir die Frage: Darf man noch Fleisch essen? Hier sind die Beiträge zum Nachlesen. In der dritten Woche schrieben verschiedene Gastautor*innen Kommentare zu der Frage: "Wie weiter zwischen den Geschlechtern?" Die Beiträge lesen Sie hier. Und in der vierten Woche wurde zu der Frage debattiert: "Wie viel Computer braucht der Mensch?". Lesen Sie die verschiedenen Meinungen hier. Die Meinungen der Autor*innen zur Frage "Was ist Heimat?" lesen Sie hier. Alle Beiträge zur Debatte "Was ist uns das Klima wert?" finden Sie hier. 

 

1 Kommentar - Diskutieren Sie mit!

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  1. von Franziska Eichstädt-Bohlig
    Herr Zahn reduziert 'faires Wohnen' auf die Mietzahlungsbereitschaft von finanziell besser gestellten Mietern und klammert die Verantwortung des Eigentums, „zugleich dem Wohle der Allgemeinheit zu dienen“ geflissentlich aus. Seine Aktiengesellschaft ist ja auch per Gesetz primär der Rendite ihrer Aktionäre verpflichtet. So steht das Aktienrecht im Widerspruch zum Grundgesetz, weil der Gesetzgeber dem Grundeigentum nur wenig Mitverantwortung für das Allgemeinwohl abverlangt und Spekulation nicht wirksam unterbindet.

    Ich halte klare und wirksame Regelungen zur Durchsetzung der grundgesetzlichen Allgemeinwohlverpflichtung für die entscheidende Aufgabe der Stunde und meine, dass Allgemeinwohl sowohl Sozialpflichtigkeit als auch Mitverantwortung für Klima- und Umweltschutz umfasst. Das macht den Abbau von Privilegien bei der Verwertung von Immobilieneigentum im Mietrecht, Steuerrecht und Bodenrecht notwendig, wobei der Schutz des selbstgenutzten (Wohn- und Betriebs-)Eigentums gesichert bleiben muss.

    Ein prinzipielles Umdenken im Grundeigentumsrecht ist überfällig. Die mietrechtlich zulässigen Mieterhöhungen dürfen nicht über die allgemeine Lohnentwicklung hinaus gehen. Notwendig sind endlich auch Mietbindungen und Schutzrechte für Gewerbemieter. Angesagt ist auch eine Bodenpolitik, die leistungslose Bodenwertsteigerungen zumindest teilweise den Kommunen zugute kommen läßt, damit sie in gute Schulen, Gesundheitsversorgung, Klimaschutz und bezahlbares Wohnen investieren können. Die Besteuerung der oftmals riesigen Veräusserungsgewinne gehört auf die Tagesordnung ebenso wie die Befreiung von Wohnungsunternehmen wie der Deutschen Wohnen SE von der Gewerbesteuer. Anonyme Briefkastenfirmen müssen generell verboten werden. Und last not least gilt es, die Wohnungsgemeinwirtschaft wieder neu zu beleben für dauerhaft gebundene Sozialwohnungen.