Werden Migranten häufiger straffällig? "Passivität fördert Kriminalität"

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Kriminologe

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Christian Pfeiffer war Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen und niedersächsischer Justizminister 2000 bis 2003.

Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik 2016 ist die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer um über 50 Prozent gestiegen. Warum es trotzdem falsch wäre den Gegensatz zwischen dem braven Deutschen und dem kriminellen Zuwanderer aufzubauschen, erklärt der Kriminologe Christian Pfeiffer.

Die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer ist in der Polizeilichen Kriminalstatistik 2016 um 52,7 Prozent gestiegen. Warum wird die Gruppe der Zuwanderer so häufig kriminell?
Unter den Zuwanderern ist der Anteil der männlichen 14- bis 30-Jährigen sehr hoch. Die sind unabhängig von ihrer Nationalität besonders gefährdet, kriminell zu werden. 2014, vor dem Beginn der Flüchtlingswelle, gehörten in Deutschland 9 Prozent der Bevölkerung in diese Gruppe. Die waren wiederum für 60 Prozent der aufgeklärten Gewaltdelikte hierzulande verantwortlich. Da bei den Zuwanderern 37 Prozent in diese Gruppe gehören, ist es keine Überraschung, dass sie in der Statistik überrepräsentiert sind.

Was kann man dagegen tun?
Unter den Zuwanderern gibt es nochmal eine Zweiklassengesellschaft. Bei den Nordafrikanern, von denen die meisten keine Chance auf einen Aufenthaltstitel haben, ist die Quote der Raubdelikte um das Zehnfache erhöht, gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung. Die haben nichts zu verlieren: Im besten Fall werden sie Schwarzarbeiter, wenn es schlecht läuft, werden sie Mehrfachtäter von Gewalt- und Eigentumsdelikten. Hier muss die Politik ein Milliardenprogramm für deren freiwillige Rückkehr auflegen. Ausweisungen dauern zu lange, überlasten die Gerichte und sind noch teurer.

Ein Milliardenprogramm für die freiwillige Rückkehr der Nordafrikaner ist billiger und schneller als deren Ausweisung.

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Wenn man den Nordafrikanern Geld bietet, damit sie freiwillig in ihre Heimatländer zurückgehen, kommen sie dann nicht sofort wieder, um zweimal zu kassieren?
Nein, weil die erneute Flucht sehr teuer ist. Außerdem ist es inzwischen auch viel schwieriger, nach Deutschland zu gelangen als im Herbst 2015.

Die durch zu lange dauernde Asylverfahren aufgezwungene Passivität fördert die Kriminalität.

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Was kann im Umgang mit den Kriegsflüchtlingen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak verbessert werden, damit sie nicht in die Kriminalität abrutschen?
Man muss die Asylverfahren beschleunigen. Die aufgezwungene Passivität fördert die Kriminalität. Außerdem müssen wir den Zuwanderern durch bessere Integrationsprogramme klar machen, dass die in ihren Heimatländern verbreitete Machokultur hier nicht akzeptiert wird.

Die Deutschen kommen in der Kriminalstatistik zu gut weg, weil Fremde viel schneller angezeigt werden als Einheimische.

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Welche Erkenntnisse ziehen Sie noch aus der Statistik?
Wichtig ist, dass man jetzt nicht den Gegensatz vom braven Deutschen und dem kriminellen Flüchtling aufbauscht. Wir wissen aus repräsentativen Befragungen, dass Fremde viel schneller angezeigt werden als Einheimische. Wenn Max Moritz verprügelt, gibt es nur in 13 Prozent der Fälle eine Anzeige. Bei Mehmet gegen Moritz dagegen in 27 Prozent der Fälle. Die Deutschen kommen daher in der Kriminalitätsstatistik zu gut weg.

Das Gespräch führte Til Knipper.

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