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Gesellschaft Werden Migranten häufiger straffällig?

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Moderatorin der Debatte Anna Sauerbrey Ressortleiterin Causa/Meinung

Expertise:

Dr. Anna Sauerbrey leitet das Ressort Causa/Meinung des Tagesspiegels.

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Stand der Debatte

Nach den Ereignissen der Silvesternacht in Köln wird immer wieder ein Zusammenhang zwischen der Herkunft der mutmaßlichen Täter - von den namentlich bekannten 19 Verdächtigen stammen 13 aus Marokko (Stand Mitte Januar) - und einer angeblich allgemein erhöhten Kriminalitätsneigung von Migranten hergestellt. Rechtspopulistische und rechtsextreme Gruppen nutzen den Vorfall für Hetzkampagnen gegen Muslime und Flüchtlinge. Wir fragen deshalb Wissenschaftler, Politiker und Praktiker, ob und wenn ja welche Zusammenhänge tatsächlich bekannt sind - und welche Handlungsempfehlungen sich aus ihrer Sicht aus der Faktenlage ableiten. Und wir fragen auch, wie der Stereotyp des "kriminellen Ausländers" entsteht und sich verbreitet.

  • 7 Autoren
  • 36 Argumente
  • 310 Abstimmungen

Alle Argumente der Debatte im Panorama:

Situationen wie in Köln führen zu Verantwortungsdiffusion und haben einen enthemmenden Charakter

Haci Halil Uslucan, Wissenschaftlicher Leiter Zentrum für Moderne Türkeistudien und Intergration Universität Duisburg-Essen

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1 von 36
Manche Täter unter den Flüchtlingen werden von organisierten Banden nach Deutschland geschickt, etwa um zu stehen.

Ulf Küch, Leiter Kriminalpolizei Braunschweig

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2 von 36
Die Nordafrikaner kennen die Diskrepanz zwischen europäischem Wohlstand und eigener Perspektivlosigkeit. 

Andreas Jacobs, Koordinator Konrad-Adenauer-Stiftung

zustimmen
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3 von 36
Die Darstellung von Migranten als sexuelle Gefahr hat tatsächlich einen Effekt.

Marc Helbling, Politikwissenschaftler Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

zustimmen
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4 von 36
Eine patriarchalisch geprägte Sozialisation, Traumata, Arbeitslosigkeit und Isolation sind denkbare Risikofaktoren.

Christian Walburg, Akademischer Rat Institut für Kriminalwissenschaften Universität Münster

zustimmen
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5 von 36
Die Angst vorm Fremden hängt mit der Angst ums Eigene zusammen.

Marc Helbling, Politikwissenschaftler Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

zustimmen
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6 von 36
Die durch zu lange dauernde Asylverfahren aufgezwungene Passivität fördert die Kriminalität.

Christian Pfeiffer, Kriminologe

zustimmen
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7 von 36
Jungen Männern fehlen die oft Kompetenzen, wie sie in gewaltanfälligen Situationen deeskalativ handeln können

Haci Halil Uslucan, Wissenschaftlicher Leiter Zentrum für Moderne Türkeistudien und Intergration Universität Duisburg-Essen

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8 von 36
Zentrale Aspekte gewaltförmigen Handelns sind Geschlecht, Lebensphase und die konkrete Handlungssituation

Haci Halil Uslucan, Wissenschaftlicher Leiter Zentrum für Moderne Türkeistudien und Intergration Universität Duisburg-Essen

zustimmen
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9 von 36
Junge Nordafrikaner haben keine legale Perspektive. Manchmal ist dann der Schritt in die Kriminalität nicht weit.

Andreas Jacobs, Koordinator Konrad-Adenauer-Stiftung

zustimmen
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10 von 36
Viele entwickeln ihre religiöse Identität erst, nachdem sie den Höhepunkt ihrer Gewalttätigkeit erreichen

Haci Halil Uslucan, Wissenschaftlicher Leiter Zentrum für Moderne Türkeistudien und Intergration Universität Duisburg-Essen

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11 von 36
Wenn die pauschale Abwertung zu plump wirkt, löst sie konträre Reaktionen aus.

Marc Helbling, Politikwissenschaftler Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

zustimmen
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12 von 36
Um das Kriminalitätsrisiko zu senken, sollten lange Phasen der Statusunsericherheit und der Isolation vermieden werden.

Christian Walburg, Akademischer Rat Institut für Kriminalwissenschaften Universität Münster

zustimmen
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13 von 36
Erfahrungen mit Einwanderung zeigen: Wer Perspektiven im Aufnahmeland hat, läuft selten Gefahr, straffällig zu werden

Christian Walburg, Akademischer Rat Institut für Kriminalwissenschaften Universität Münster

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14 von 36
Massenunterkünfte sind problematisch. In Braunschweig stieg die Zahl der Schlägereien mit der massiven Belegung.

Ulf Küch, Leiter Kriminalpolizei Braunschweig

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15 von 36
Unbegleitete Jugendliche müssen besonders betreut werden. Sie werden vergleichsweise häufig aggressiv oder kriminell.

Ulf Küch, Leiter Kriminalpolizei Braunschweig

zustimmen
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16 von 36
Durch die Debatte nach Köln wurden bestehende Einstellungen gegenüber Fremden erhärtet, Stereotype verstärkt.

Jan Ilhan Kizilhan, Professor Duale Hochschule Villingen-Schwenningen

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17 von 36
Menschen, die massiver Gewalt ausgesetzt waren, reagieren eher feindselig und aggressiv, unabhängig von ihrer Herkunft

Haci Halil Uslucan, Wissenschaftlicher Leiter Zentrum für Moderne Türkeistudien und Intergration Universität Duisburg-Essen

zustimmen
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18 von 36
Perspektivlosigkeit und Desintegration gehören zu den Ursachen, warum junge Migranten ohne Bleiberecht kriminell werden.

Christian Walburg, Akademischer Rat Institut für Kriminalwissenschaften Universität Münster

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19 von 36
Die Kriminalität liegt bei Flüchtlingen unter einem Prozent.

Jan Ilhan Kizilhan, Professor Duale Hochschule Villingen-Schwenningen

zustimmen
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20 von 36
Bei den Kriminellen unter den Flüchtlingen handelt es sich um eine verschwindend kleine Minderheit.

Ulf Küch, Leiter Kriminalpolizei Braunschweig

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22 von 36
In Taten wie jenen in Köln kommt auch eine mangelnde Akzeptanz konventioneller Wert- und Normorientierung zum Ausdruck.

Christian Walburg, Akademischer Rat Institut für Kriminalwissenschaften Universität Münster

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23 von 36
Abschreckungseffekte durch härtere Sanktionen sind bei vielen Täterphänomenen nur sehr begrenzt zu erwarten.

Christian Walburg, Akademischer Rat Institut für Kriminalwissenschaften Universität Münster

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24 von 36
Es gibt keine pauschale Gewaltneigung „der Nordafrikaner“.

Andreas Jacobs, Koordinator Konrad-Adenauer-Stiftung

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25 von 36
Ein beträchtlicher Teil junger Migranten aus Nordafrika rutscht im Asylverfahren oder als Geduldete in kriminelle Szenen

Christian Walburg, Akademischer Rat Institut für Kriminalwissenschaften Universität Münster

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26 von 36
Die Stereotypisierung ist gefährlich, wenn sie Empathie und Humanität überlagert.

Jan Ilhan Kizilhan, Professor Duale Hochschule Villingen-Schwenningen

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27 von 36
 Der Anteil der Straftäter unter den Flüchtlingen ist nicht größer, als es etwa bei Einheimischen der Fall ist.

Ulf Küch, Leiter Kriminalpolizei Braunschweig

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28 von 36
Auch junge Migranten ohne Bleibeperspektive sollten sich qualifizieren oder sich einbringen dürfen.

Christian Walburg, Akademischer Rat Institut für Kriminalwissenschaften Universität Münster

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29 von 36
Sexualstraftaten schrecken vor allem Frauen, aber migrantenfeindlich sind eher Männer.

Marc Helbling, Politikwissenschaftler Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

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30 von 36
Die Faktenresistenz in der Debatte um Flüchtlingskriminalität sind ein Zeichen der Abwehr gesellschaftlichen Wandels.

Jan Ilhan Kizilhan, Professor Duale Hochschule Villingen-Schwenningen

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31 von 36
Es ist ein kognitiver Selbstbetrug, wenn wir vorschnell das Handeln Einzelner auf deren kulturelle Herkunft zurückführen

Haci Halil Uslucan, Wissenschaftlicher Leiter Zentrum für Moderne Türkeistudien und Intergration Universität Duisburg-Essen

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32 von 36
Heutige Stereotype speisen sich auch aus historischen Ängsten vor dem Islam und verursachen ambivalente Gefühle.

Jan Ilhan Kizilhan, Professor Duale Hochschule Villingen-Schwenningen

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33 von 36
Der Anteil straftätig gewordener Migranten ist relativ gering.

Marc Helbling, Politikwissenschaftler Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

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34 von 36
Sexualstraftäter verstärken das allgemeine Unsicherheitsgefühl nicht.

Marc Helbling, Politikwissenschaftler Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

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36 von 36
7 Beiträge in dieser Debatte
  1. Bild von Christian Pfeiffer}

    Werden Migranten häufiger straffällig? "Passivität fördert Kriminalität"

    von Christian Pfeiffer - Kriminologe

    Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik 2016 ist die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer um über 50 Prozent gestiegen. Warum es trotzdem falsch wäre den Gegensatz zwischen dem braven Deutschen und dem kriminellen Zuwanderer aufzubauschen, erklärt der Kriminologe Christian Pfeiffer. mehr lesen

  2. Bild von Andreas Jacobs }

    Werden Nordafrikaner häufiger straffällig?  Es gibt keine pauschale Gewaltneigung bei Nordafrikanern

    von Andreas Jacobs - Koordinator Konrad-Adenauer-Stiftung

    Junge Nordafrikaner stehen immer wieder wegen Gewaltdelikten in den Schlagzeilen. Reicht das, um von einer statistischen Gewaltauffälligkeit junger Marokkaner, Algerier und Tunesier zu sprechen? mehr lesen

  3. Bild von Marc Helbling}
    David Ausserhofer/WZB

    Werden Migranten häufiger straffällig? Ivan, der Vergewaltiger. Wie das Bild vom Migranten als sexuelle Bedrohung entsteht

    von Marc Helbling - Politikwissenschaftler Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

    Seit der Silvesternacht von Köln werden männliche Migranten verstärkt als sexuelle Bedrohung wahrgenommen. Rechtspopulisten in Deutschland und in der Schweiz nutzen diesen Stereotyp zur Mobilisierung. Der Politikwissenschaftler Marc Helbling zeigt, unter welchen Bedingungen das Bild von "Ivan S., dem Vergewaltiger" verfängt - und wann nicht. mehr lesen

  4. Bild von Jan Ilhan Kizilhan}

    Werden Migranten häufiger straffällig? Stereotype werden zu Handgranaten

    von Jan Ilhan Kizilhan - Professor Duale Hochschule Villingen-Schwenningen

    Historische deutsche Ängste prägen die Debatte um das Kriminalitätsrisiko von Flüchtlingen, schreibt der Psychologe und Traumatherapeut Jan Ilhan Kizilhan. Diese tiefe kulturelle Verwurzelung könnte erklären, warum die Debatte in radikalen Kreisen so stark von Faktenresistenz geprägt ist. Besonders gefährlich sind diese Stereotype dann, schreibt Kizilhan, wenn sie Empathie und Humanität überlagern. mehr lesen

  5. Bild von Ulf Küch}

    Werden Flüchtlinge häufiger straffällig? Unter Flüchtlingen gibt es nicht mehr Straftäter als unter Einheimischen

    von Ulf Küch - Leiter Kriminalpolizei Braunschweig

    Ulf Küch, Kriminalkommissar aus Braunschweig berichtet von seinen Erfahrungen mit der dortigen "Soko Asyl". Er sagt: Unter Flüchtlingen sind nicht mehr Straftäter als unter Einheimischen. Aber es gibt spezifische Formen von Kriminalität unter den Flüchtlingen. mehr lesen

  6. Bild von Haci Halil Uslucan}

    Werden Migranten häufiger straffällig? Sexistische Gewalt und Herkunft - ein gewaltiger Irrtum?

    von Haci Halil Uslucan - Wissenschaftlicher Leiter Zentrum für Moderne Türkeistudien und Intergration Universität Duisburg-Essen

    Die Vorfälle in Köln haben ein hohes Maß an Spekulationen über die Ursachen sexistischen Handelns junger nordafrikanischer Männer hervorgerufen. Dabei haben Herkunft und Religion wenig Einfluss auf die Entwicklung aggressiven Verhaltens. Eine viel größere Rolle spielen massive Gewalterfahrungen in der Kindheit und die konkrete Handlungssituation. mehr lesen

  7. Bild von Christian Walburg}

    Nach der Silvsternacht von Köln Perspektiven schaffen, Isolation vermeiden

    von Christian Walburg - Akademischer Rat Institut für Kriminalwissenschaften Universität Münster

    Ein beträchtlicher Teil junger nordafrikanischer Migranten rutscht in kriminelle Szenen ab, schreibt der Kriminalwissenschaftler Christian Walburg. Zu den Ursachen der Ereignisse von Köln gehören Desintegration, Perspektivlosigkeit, Isolation und die Ablehnung mancher Werte wie der Gleichwertigkeit von Männern und Frauen. Gesetzesverschärfungen aber führen nicht weiter. mehr lesen