Berlin braucht mehr Sicherheit für Fahrradfahrer Unfälle passieren durch Autofahrer

Bild von Monique van Daalen
Niederländische Botschafterin in Deutschland Botschaft des Königreichs der Niederlande

Expertise:

Seit 2013 ist Monique van Daalen Botschafterin der Niederlande in Deutschland. Zuvor vertrat sie die Niederlande unter anderem bei der UNO in New York und als Generalkonsulin der Niederlande in Miami. Seit 1988 arbeitet sie für das niederländische Ministerium für auswärtige Angelegenheiten.

Berlin entwickelt sich zu Europas führender Fahrradstadt, doch es gibt noch viel Nachholbedarf - gerade bei der Sicherheit der Radfahrer. Die Politik muss begreifen, dass die Verantwortung bei Unfällen oft nicht bei den Radlern liegt. 

Als Niederländer wissen wir wie kein anderer, wie es ist, das Radfahren in der DNA zu haben. In den Niederlanden gibt es sogar mehr Fahrräder (22,5 Millionen) als Menschen (17 Millionen). Das Radfahren ist in den Niederlanden so eingebürgert, dass fast jedes Kind etwa mit vier Jahren sein erstes Fahrrad bekommt – und auch schnell das Radfahren lernt, ebenso die Verkehrsregeln, um sich frei im Verkehr zu bewegen. Es ist  auch dieses Gefühl von Freiheit, für Jung und Alt, welches das Fahrrad zu einem besonderen Verkehrsmittel macht. Mit einem Anteil von 34 Prozent für Fahrten bis siebeneinhalb Kilometer und 27 Prozent aller Verkehrsbewegungen, ist das Fahrrad in den Niederlanden ein vollständig integriertes Fortbewegungsmittel der städtischen Mobilität. Dies ist das Ergebnis einer gezielten politischen Strategie sowie kontinuierlichen Investitionen: In Großstädten wie Amsterdam sind es durchschnittlich 25 Euro pro Einwohner pro Jahr.

Radfahrer sind nicht gefährlich,  Autofahrer hingegen schon

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Die Argumente für das Radfahren sind überwältigend: Es ist nachhaltig, gesund und verursacht keine Emissionen irgendwelcher Schadstoffe. Ferner ist Radfahren ruhig und sauber, preiswert, sowohl in Bezug auf die Anschaffung als auch die Bereitstellung von Infrastruktur, es ist raum- und verkehrseffizient, verbessert den städtischen Verkehrsfluss und erhöht die Lebensqualität in Wohngebieten. Trotz all dieser Anhaltspunkte ist keiner der obengenannten Punkte der Grund, weshalb die Niederländer Fahrrad fahren. Sondern: Ihnen macht es zuallererst Spaß. Es ist entspannend, ermöglicht Flexibilität und ist das bequemste Beförderungsmittel in der Stadt.

Autofahrer sollen Verantwortung im Verhindern von Unfällen tragen

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Wie kommen die Niederländer zu diesem spezifischen Vergnügen? Dass die Raumordnung und morphologischen Merkmale eine Rolle spielen, liegt auf der Hand. In einem kleinen Land wie den Niederlanden sind die meisten Ziele, von der Entfernung her gesehen, mit dem Fahrrad gut erreichbar. Ein wichtiger Punkt, der im Abschnitt Sicherheit nicht unberücksichtigt bleiben sollte, ist die Haftung. In manchen Ländern gilt Radfahren als gefährlich, was manchmal in einer fahrradfeindlichen Politik zum Ausdruck kommt. Die niederländische Philosophie lautet: Radfahrer sind nicht gefährlich, Autos und Autofahrer dahingegen schon. Darum sollten Autofahrer die Verantwortung für die Verhinderung von Zusammenstößen mit Radfahrern übernehmen. Dies impliziert, dass Autofahrer fast immer verantwortlich sind, wenn es zu einem Zusammenprall mit einem Radfahrer kommt, und sie sollten deshalb ihre Geschwindigkeit anpassen, wenn sie sich die Straße mit Radfahrern teilen. Da fast jeder Autofahrer auch Radfahrer ist, das heißt, das Verhalten von Radfahrern kennt, fahren wir mit dieser Regelung ganz gut.

Eine gute Fahrradpolitik ist nötig, um die Leute von den Vorteilen des Fahrrads zu überzeugen

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Um alle Vorteile, die das Radfahren der Gesellschaft bietet, zu nutzen, ist es natürlich wichtig, Leute zum Fahrradfahren zu bewegen. Um Spaß-, Entspannungs- und Sicherheitsfaktoren zu gewährleisten, braucht es eine gute „Fahrradpolitik“. Das Verhältnis zwischen Fahrradnutzung und der Verbesserung der Verkehrssicherheit ist eng mit der Politik verbunden. Die Förderung des Fahrradgebrauchs und die Verbesserung der Verkehrssicherheit ist für die meisten Kommunen die Hauptzielsetzung der Radverkehrspolitik. Es geht darum, die Entscheidung für das Fahrrad möglichst attraktiv zu gestalten. Die Anlage guter Radwegsnetze und Fahrradabstellanlagen sind die wichtigsten Elemente. Neben physischen und Raumplanungsmaßnahmen zur Förderung des Fahrradgebrauchs sind auch Information und Aufklärung erforderlich. Wo in einer Stadt etwas auf dem Gebiet des Fahrradverkehrs geschehen muss und welche Maßnahmen zu ergreifen sind, wird in den meisten Fällen anhand von Unfallzahlen und Verkehrszählungen entschieden. Darüber hinaus ist der Input seitens des niederländischen Radfahrerbunds oft eine wichtige Basis für Maßnahmen.

Radverkehrspolitik kostet natürlich Geld. Das Gute aber ist, dass Radverkehrsinvestitionen für alle Parteien erstens günstig und zweitens vorteilig sind. Unsere Politiker und Abgeordnete fahren selbstverständlich genauso Rad wie ihre Kinder. Ebenso können Radverkehrsprojekte oft im Rahmen größerer Infrastrukturprojekte, Bauprojekte, Verkehrssicherheitsprojekte oder Raumentwicklungsmaßnahmen durchgeführt werden. Fahrradabstellanlagen werden in manchen Kommunen aus Parkgebühren (von Autofahrern) finanziert, zuweilen aber auch von privaten Unternehmen oder im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften. Radverkehrspolitik ist jedoch niemals „fertig“, auch in den Niederlanden gibt es immer wieder neue Herausforderungen, wie durch den Gebrauch von Pedelecs, Radverkehrstaus, und die hohe Anzahl an Fahrraddiebstähle. Deshalb sind wir gerne und allzeit an einem Praxis- und Wissensaustausch in allen Radverkehrsthemen interessiert - vor allem auch mit deutschen Städten. 

Berlin ist eine echte Fahrradstadt

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Glücklicherweise, für Sie und auch für uns, als Niederländer in Berlin, wird Berlin zu einer echten Fahrradstadt mit einem derzeitigen Anteil von 18 Prozent Radfahrern. Ein stärkerer Fahrradgebrauch hat zur Folge, dass alle Verkehrsteilnehmer ihr Verhalten anpassen, da Radfahrer im Straßenbild eine dominantere Rolle spielen und außerdem mehr Verkehrsteilnehmer eine größere Radfahrerfahrung haben. Eine umfangreiche Benutzung des Fahrrads erhöht die Unterstützung für die Fahrradpolitik, das heißt,  dass durch die Praxis letztlich größere Investitionen in eine sichere Fahrradinfrastruktur fließen können.

Radfahrern soll es erlaubt sein, nebeneinander zu fahren

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Unser wichtigster Rat an Berlin: Vermittelt die Botschaft, dass Radfahren sehr gewünscht statt gefährlich ist. Belohnt RadfahrerInnen mit einem Platzangebot auf der Straße und lasst sie auch nebeneinander fahren, weil Radfahren natürlich auch eine soziale Aktivität ist. Damit wird gleichzeitig kommuniziert, dass die Innenstadt den Menschen gehört. Berlin ist, wie viele niederländische Städte, eine fahrradattraktive Stadt und hat das Potenzial, Amsterdam seinen Platz als Fahrradhauptstadt von Europa streitig zu machen. 

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Die ganze Debatte finden Sie hier

Außerdem auf Causa: Wieso der Staat sexistische Werbung verbieten muss. 

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