Kritik an Gender-Gegnern Gender-Dogmatik widerspricht der Natur des Menschen

Bild von Ulrich Kutschera
Professor am Institut für Biologie, Universität Kassel

Expertise:

Ulrich Kutschera ist Evolutionsbiologe und Physiologe. Er ist Leiter des Lehrstuhls für Pflanzenphysiologie und Evolutionsbiologie am Institut für Biologie der Universität Kassel und ist seit 2007 als Visiting Scientist in Stanford, USA tätig. Kutschera forscht und schreibt zum Thema Geschlechterforschung.

Die Genderforschung ist eine anti-biologische Pseudowissenschaft. Mehr noch: Sie ist politische Propaganda. Es ist wichtig, dass wir uns mit Alternativen zur "Mann-Frau-Kinder"-Familie beschäftigen und diese akzeptieren. Gender-Befürworter erheben sie aber fälschlicherweise zu einem Ideal.

Den naturwissenschaftlich argumentierenden Gender-Kritikern wird zu Unrecht vorgeworfen, sie würden Propaganda für bestimmte politische Lager (z. B. die Alternative für Deutschland) betreiben und „rassistisch-rechtsradikales“ Gedankengut verbreiten. Das ist unzutreffend. Es geht uns hierbei um die in der Humanevolution entstandenen Geschlechter-Verschiedenheiten (Sexual-Dimorphismus) von Mann und Frau, wie sie bei allen getrenntgeschlechtlichen Tieren (Gonochoristen) etabliert sind. Nur in enger Zusammenarbeit konnten Männer (d. h. Spermien-Produzenten) und Frauen (d. h. Eizellen-Bereitstellerinnen mit Gebärfähigkeit) im Verlauf der Jahrmillionen über innere Befruchtungen (d. h. Sex-Akte) bis heute in ihren jeweiligen Nachkommen bestehen. Ein von der sozialkundlich motivierten Geschlechterforschung angenommenes, imaginäres „Gender-Unisexwesen“ bzw. „Mann-Weib mit wechselnder geschlechtlicher Identität“ wäre lange ausgestorben.

Gender Studies sind eine anti-biologische Pseudowissenschaft.

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In meinem umstrittenen Fachbuch Das Gender-Paradoxon habe ich die Gender Studies als universitäre Pseudowissenschaft bezeichnet. In einem Interview 2015 habe ich die biowissenschaftlich fundierten Aussagen zur sozialkonstruktivistischen Gender-Lehre thematisiert. Die Gegenseite hat daraufhin den Vorwurf erhoben, ich hätte meine privaten, frauenverachtenden Ansichten verbreitet. Daher entstand daraufhin das mit Quellenangaben versehene Fachbuch. In dieser Monographie wird begründet, dass „Sex (Befruchtung)“ und „Gender (Entwicklung von Geschlechtstieren)“ Grundbegriffe der Evolutionsbiologie sind, die von sozialkundlich geschulten, radikal-feministischen Dogmatikern (bzw. -innen) umgedeutet werden, im Sinne von „biologischem bzw. sozialem Geschlecht“. Da die „Gender Studies“ biologische Sachverhalte ignorieren bzw. verdrehen, sind sie keine ergebnisoffene Wissenschaft, sondern politische Propaganda. Der unsinnige, nicht übersetzbare Doppelbegriff „Gender Mainstreaming“ dient dazu, diese anti-biologische Geschlechter-Dogmatik in die Allgemeinbevölkerung zu tragen, vom Kindergarten bis in die Universitäten.

Radikal-feministische Dogmatiker deuten mit ihrer Geschlechterforschung Grundbegriffe der Evolutionsbiologie um.

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Im oben genannten Gender-Fachbuch wurde die EKD-Unterwerfung unter die von dem US-Psychologen John Money (1921–2006) formulierte „Geschlechter-Theorie“ thematisiert. Nach Money kommen Menschen geschlechtsneutral zur Welt und werden anschließend in männliche bzw. weibliche Richtung erzogen, wobei die Biologie bzw. das Erbgut keine Rolle spielen soll. Der Urvater dieser Irrlehre hat seine Spekulationen über ein umstrittenes Kleinkind-Kastrationsexperiment bestätigen wollen, mit dem Resultat, dass sich seine Versuchs-Person Bruce (als Mädchen Brenda; später David) Reimer das Leben genommen hat. Am 05.12.2016 hatte die EKD eine Tagung veranstaltet, auf der die „Anti-Gender-Kräfte“ u. a. als „politisch rechtsradikale Bewegung“ gebrandmarkt worden sind – genauso hat auch John Money argumentiert. EKD-Vertreter interpretieren bestimmte Bibel-Texte im Sinne der Moneyistischen „Frau-gleich-Mann-Ideologie“, was unsinnig erscheint. Die EKD-Funktionäre passen sich immer dann dem Zeitgeist an, wenn es politische Vorteile bringt. Ein charakterlos-verwerflicher Opportunismus, der in Deutschland leider weit verbreitet ist.

Gender Studies sind keine ergebnisoffene Wissenschaft, sondern politische Propaganda.

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Die Stammesentwicklung des Menschen zeigt eindeutig, dass wir immer in Familienverbänden, bestehend aus fertilen Männern und Frauen sowie ausreichendem Nachwuchs (Überproduktion an Kindern), überlebt haben. Obwohl es Alternativen zur klassischen „Mann-Frau-Kinder-Familie“ gibt, die man akzeptieren sollte, war die in der Evolution erfolgreiche Überlebenseinheit immer ein arbeitsteilig organisiertes männlich-weibliches Menschenkollektiv, d. h. eine Kernfamilie mit Verwandtschaftskreis. Die im Namen der Moneyistischen Gender-Irrlehre vorgesehene Zerstörung der „Überlebenseinheit Familie“ muss als destruktiv-pathologische Zeiterscheinung bewertet werden – in einer materiell übersättigten, aussterbenden deutschen Gesellschaft. Stichwort: Geburten-Unterschuss, dieser wird von unseren Gender-sensiblen, biophoben Politikern irrtümlicher Weise als „Überalterung“ missverstanden!

Abweichungen von klassischen "Mann-Frau-Kinder"-Familien müssen akzeptiert, aber nicht zum Ideal erhoben werden.

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Nahezu alle Thesen der Moneyistischen Geschlechter-Dogmatiker, so z. B. die Annahme, homoerotische Neigungen wären vom Menschen frei wählbar, sind widerlegt worden. Bei Männern ist eine homoerotische Veranlagung angeboren; bei Frauen gibt es ebenfalls eine starke genetische Komponente dieser Verhaltensweisen, aber auch gesellschaftlich erworbene Homo-Neigungen sind belegt (u. a. Schutz vor gewalttätigen Männern). Etwa 99 % aller Menschen kommen als männliches bzw. als weibliches Baby zur Welt (weniger als 1 % sind Intersex-Geburten). Etwa 4 von 100 Personen sind, in jeder Population, erotisch auf das eigene Geschlecht fixiert. Homoerotische Männer und Frauen („Schwule“ bzw. „Lesben“) sind Naturgegebenheiten. Sie weichen von der evolutionär verankerten Standard-Erotikversion unserer Spezies (Hetero-Menschen mit leiblichen Nachkommen) ab. Ein „Gender-Regenbogen“ existiert nur in der Phantasie Moneyistisch geschulter Ideologen.

Die Gender-These, es gäbe neben Mann und Frau noch zahlreiche weitere Geschlechter, ist ein Irrglaube.

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Eine „Humanwissenschaft“ ohne biologische Tatsachen-Basis wäre so sinnlos wie der Versuch, ohne einen Führerschein gemacht zu haben, als Fahrlehrer arbeiten zu wollen. In der Biologie untersuchen wir physiologische Vorgänge bzw. Verhaltensweisen von Menschen (u. a. Tieren) nach objektiv-ergebnisoffen Kriterien. So konnte im Buchtext u. a. aus den aktuellsten entwicklungs- und molekularbiologischen Forschungen abgeleitet werden, dass die Differenz zwischen Mann und Frau, genetisch betrachtet, jener entspricht, wie sie zwischen den Arten Schimpanse und Mensch vorliegt. Auf Grundlage derartiger Befunde können wir 2016/17 ein grundlegend neues „Ganzkörper XY-Mann- bzw. XX-Frau-Menschenbild“ ableiten, mit weitreichenden Konsequenzen für das harmonische Zusammenleben der Geschlechter. Die absurde Gender-These, es gäbe neben Mann und Frau „zahlreiche weitere Geschlechter“, ist ein Irrglaube. Da nur zwei Gameten-Typen, Spermien und Eizellen, in der Evolution entstanden sind und von geschlechtsreifen Individuen mit eindeutiger Gender-Identität (Männchen bzw. Weibchen) über Sex-Akte (Befruchtungen) in die nächste Generation gebracht werden können, existierten nur zwei Geschlechter.

Ulrich Kutschera veröffentlichte 2016 das Buch "Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen" (LIT-Verlag, Berlin).

3 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

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  1. von Sven Paßmann
    Leider versteh ich nicht, wie Hr. Kutschera konsequent ignoriert, das die Genderwissenschaften eben NICHT per se die Biologie ablehnen - sondern als Basis sehen. Das die Genderwissenschaften den Blick der Gesellschaft auf Mann und Frau und deren angeblichen Eigenschaften untersuchen.

    Und wenn ein Herbert Grönemeyer fragt "Wann ist ein Mann ein Mann", dann wird in diesem Song, den die halbe Republik mitsingt, wenn er läuft - genau dieser Blick der Gesellschaft auf Mann und Frau thematisiert.

    Und sich dann hinstellen und zu behaupten, Genderwissenschaften wären Pseudowissenschaft, grenzt schon an beachtlicher Ignoranz.
    1. von Sven Paßmann
      Antwort auf den Beitrag von Sven Paßmann 11.06.2017, 16:36:31
      Vor allem sollte Hr. Kutschera eigentlich wissen, das auch in der Biologie und in jeder anderen Wissenschaft oftmals dieselben Begrifflichkeiten mit anderen Konnotationen versehen werden.

      Die Biologie hat Begrifflichkeiten nicht für sich alleine gepachtet.
    2. von Andreas Rabe
      Antwort auf den Beitrag von Sven Paßmann 11.06.2017, 16:36:31
      Genderscience ist nicht falsifizierbar und hat Werkzeuge zum
      Angriff gegen abweichende Auffassungen, und macht übergriffige Vorschläge.