Weihnachten ohne Christkindmärchen Das Kind macht sich sein eigenes Bild 

Bild von Albert Biesinger und  Julia Biesinger
Religionspädagoge und Diplom-Psychologin

Expertise:

Albert Biesinger ist emeritierter Professor für Religionspädagogik an der Universität Tübingen, seine Schwiegertochter Julia Biesinger ist Diplom-Psychologin und Mutter von drei Kindern.

Eltern sollten nicht fürchten, dass ihr Kind ohne Christkindmärchen seiner Phantasie beraubt wird. Wir erzählen heute den Kindern auch nicht mehr, dass der „Storch“ die Babies bringt.

Wir stimmen Herrn Rogge in vielem zu was er in seinem Beitrag auf Causa schreibt, möchten einige Dinge dabei nochmal näher beleuchten und Eltern darin unterstützen, sich ihr eigenes Bild zu machen.

Das Spiel hilft Kindern, ihre Welt zu verarbeiten. 

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Ob man Kindern an Weihnachten erzählt, das Christkind bringt die Geschenke oder sie mit der zusätzlichen Hintergrundinformation aufwachsen lässt, wieso wir sagen, dass das Christkind uns die Geschenke bringt, bleibt die individuelle Entscheidung von Eltern. Wir persönlich finden es keinen Widerspruch, Kindern den Hintergrund zu erklären. Den Kindern wird dadurch bewusst, wieso wir überhaupt Weihnachten feiern. Weihnachten gewinnt an Tiefe, wenn den Kindern klar ist, dass wir an die Geburt von Jesus denken. Der Weihnachtsmann hat in diesem Sinn nichts mit Weihnachten zu tun. Wir erzählen heute den Kindern auch nicht mehr, dass der „Storch“ die Babies bringt. Der Phantasie von Kindern bleibt genügend „Platz“.

Uns bleibt in Erinnerung, wie unsere Tochter bzw. Enkeltochter als kleines Kind, imaginär den kleinen Jesus in der kalten Kirche in ihre Hosentasche gesteckt hat und ihn anschließend zu Hause in ihr warmes Bett gelegt hat. - Wenn Kinder z.B. von sich aus erzählen: „Ich habe heute Nacht das Christkind durchs Fenster gesehen!“, dann sind es ihre ganz eigenen Geschichten. Klar, sollten wir auf jeden Fall die Phantasie und Kreativität unserer Kinder unterstützen. Märchen und Geschichten sind voll davon. Wir sollten ihnen in ihrem Spiel ihre erfundenen Freunde, Ereignisse und Gegenstände bestimmt nicht ausreden. Die Sonne muss nicht gelb gemalt werden, wenn unser Kind sie lieber blau oder grün malen will. Unser Kind will selbst gestalten, sich Dinge ausdenken. Es will sich kompetent und eigenständig fühlen. Das Spiel hilft Kindern auch, ihre Welt zu verarbeiten.

Wir sollten unsere Kinder darin bestärken, selbstständig herauszufinden, ob etwas realistisch ist oder nicht. 

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Als Eltern sollten wir unseren Kindern aber keine Ängste machen, sondern sie unterstützen und ihnen Problemlösungen anbieten. Wenn unser Kind nicht „brav und artig“ ist, dann sollten wir nicht einen bösen Knecht Ruprecht erfinden oder mit einem Christkind drohen, das dann keine Geschenke bringt, sondern wir sollten uns mit unserem Kind zusammensetzen, herausfinden was mit ihm los ist und alternative Verhaltensweisen mit ihm einüben, mit denen es seine Gefühle ausdrücken kann.

Und natürlich sollten wir unsere Kinder darin bestärken, selbständig herausfinden zu können, ob etwas als realistisch einzuschätzen ist oder nicht. Daher sollten wir sie, wenn sie Zweifel an Dingen haben, darin unterstützen, möglichst selbständig der Wahrheit auf die Spur zu kommen - Dinge kritisch zu hinterfragen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, ist eine Kompetenz, die wir für unser Leben brauchen.

Unser Kind macht sich, während es sich entwickelt, sein eigenes Bild von der Welt. Es lernt immer mehr hinzu. Wir können unser Kind darin unterstützen, ohne dass es dabei auf seine Phantasie und Kreativität verzichten muss. Unserem Kind Werte vorzuleben und erlebbar zu machen, halten wir für die Entwicklung von Kindern extrem wichtig. Und dies ist etwas, was Eltern egal welcher Religion oder auch, wenn sie nicht gläubig sind, ihren Kindern schenken können.

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