Die Glaubwürdigkeitskrise der Medien Die Medien orientieren sich zu stark an der Politik

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Medienjournalist, Autor der Studie "Wir sind das Publikum! Autor

Expertise:

Fritz Wolf ist Medienjournalist. Als freier Journalist arbeitet er für Print und Hörfunk, etwa für epd-Medien, VDI-Nachrichten, WDR 3, WDR 5 und den Deutschlandfunk. Er ist Dozent an der Uni Wien und der Freien Universität Berlin. Zuletzt hat er im Auftrag der Otto Brenner-Stiftung eine Studie zum Autoritätsverlust der Medien erarbeitet ("Wir sind das Publikum! Autoritätsverlust der Medien und Zwang zum Dialog", 2015).

Medien berichten zu stark über Themen, die die Politik vorgibt. Das Misstrauen gegenüber der Politik verbinden sich mit dem Misstrauen gegenüber den Medien.

Mehrere Umfragen zeigen, dass ein überwiegender Teil der Deutschen wenig oder gar kein Vertrauen in die Medien hat - die Befragten sagen außerdem von sich selbst, ihr Vertrauen sinke. Wann hat die Glaubwürdigkeitskrise begonnen - und welche Themen oder welches Verhalten der Medien treibt sie voran?

Misstrauen gegenüber der Politik verbindet sich mit Misstrauen gegenüber den Medien, verstärkt seit der Großen Koalition

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Es lassen sich bestimmt keine Daten benennen. Aber Prozesse. Medienverdrossenheit geht einher mit Politikverdrossenheit, Misstrauen gegenüber der Politik verbindet sich mit Misstrauen gegenüber den Medien, verstärkt seit der Großen Koalition. Glaubwürdigkeit geht verloren, seit Leser / Hörer /Zuschauer mehrere Informationsquellen benutzen können. Seither fällt auch auf, dass Journalisten keineswegs alles besser wissen. Seit sich mit den neuen Netzwerken neue Öffentlichkeiten herausbilden.

Die Medien orientieren sich zu sehr an den Themen, die die Politik vorgibt. 

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Die strittigen Themen treiben die Glaubwürdigkeitskrise voran und das werden nicht weniger: Politik und Gesellschaft werden komplexer, Politik und Bevölkerung sind immer öfter unterschiedlicher Meinung, die Medien orientieren sich zu sehr an den Themen, die die Politik vorgibt. 

Wie hat sich die Flüchtlingskrise auf die Glaubwürdigkeitskrise ausgewirkt? 

Die Flüchtlingskrise wirkt sich nicht stärker als andere Themen auf die Glaubwürdigkeitskrise der Medien aus.

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Nicht mehr als andere Themen. Die Medien haben eher versucht, die „Wir Schaffen das“-Politik zu stützen und zu propagieren und versuchen seither, davon wieder runterzukommen. 

Wie ist der „Lügenpresse-Vorwurf“ der Pegida-Anhänger aus Ihrer Sicht zu bewerten – ist er tatsächlich Symptom einer gesellschaftlichen Stimmung oder ein Propaganda-Schachzug von Rechtsaußen?

Der "Lügenpresse-Vorwurf" ist beides - Propaganda-Schachzug und Symptom für eine gesellschaftliche Stimmung.

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Ich halte den „Lügenpresse“-Vorwurf sowohl für einen Propaganda-Schachzug wie für ein Symptom einer gesellschaftlichen Stimmung – des Misstrauens gegenüber Medien und gegenüber einer umdurchschaubar-komplexen Realität. 

Was können Medien tun, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen?

Um der Glaubwürdigkeitskrise zu begegnen, müssen Medien ihre Arbeitsweise und die eigenen Grenzen offenlegen.

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Um der Krise zu begegnen, müssen Medien zu einer Haltung der Aufklärung zurückfinden, statt Emotionen zu bedienen.

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Auf ihr Publikum zugehen. Dialog anstreben. Formen und Formate finden, die den Dialog befördern. Zugeben, dass sie nicht alles besser wissen. Den blinden Fleck im eigenen Auge austricksen. Die Arbeitsweisen offenlegen, auch die eigenen Grenzen. Zur Haltung der Aufklärung zurückfinden, statt immer nur die Emotionen zu bedienen.  

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