Die Glaubwürdigkeitskrise der Medien Die Medien brauchen eine bessere Fehlerkultur

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Professor für Öffentlichkeitsarbeit/PR Uni Leipzig und Vorsitzen Deutscher Rat für Public Relations (DRPR)

Expertise:

Günter Bentele, Dr. phil. habil., ist seit 1994 Inhaber des Lehrstuhls für Öffentlichkeitsarbeit/PR am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig. Er war zudem Vorstandsmitglied und 2004 Präsident der europäischen Organisation für PR-Forschung und -Ausbildung. Seit 2012 ist er Vorsitzender des Deutschen Rats für Public Relations und war Jury-Leiter des Albert Oeckl-Wissenschaftspreises der Deutschen Public Relations Gesellschaft.

Die Glaubwürdigkeitskrise hat nicht erst jetzt begonnen, sondern schon in den sechziger und siebziger Jahren. Auch einige der Gegenmittel sind längst erfunden.

Der Glaubwürdigkeitsverlust hat schon vor längerer Zeit begonnen: in den sechziger und siebziger Jahren.

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Der Glaubwürdigkeitsverlust der Medien hat schon vor längerer Zeit begonnen, nämlich in den sechziger und siebziger Jahren. In den USA und in Deutschland hatte das Fernsehen (Nachrichten, Berichte) immer eine etwas höhere Glaubwürdigkeit als die Printmedien, wobei meine eigenen Forschungsergebnisse  auch zeigen konnten, dass spezifische, „seriöse“  Printmedien (z.B. Tagesspiegel, FAZ, SZ, etc.) fast dieselben Glaubwürdigkeitswerte erreichen  können wie die öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen, während Boulevardmedien prinzipiell deutliche weniger glaubwürdig sind. Neben dem Medientyp gibt es aber einige andere Variablen, die die Glaubwürdigkeitszuschreibung beeinflussen.

Boulevardstil (auch in der Aufmachung, symbolisch: große Überschriften), die Wahrnehmung einseitiger oder parteilicher Berichterstattung und sicher auch Themenfelder bei denen Medien andere Positionen haben, als die Rezipienten, sind „Treiber“ für Unglaubwürdigkeit.

Die Flüchtlingskrise hat sich vermutlich insofern auf die Glaubwürdigkeit der Medien ausgewirkt, als  derjenige Teil der Bevölkerung, der Pegida-Positionen teilt, kaum mehr Medien gefunden hat, in denen er seine Positionen wiedergefunden hat; deshalb haben alle Medien, die sich auch für Flüchtlinge stark gemacht haben bzw. die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und der Kanzlerin bei diesen Leuten an Glaubwürdigkeit verloren.

Der Lügenpresse-Vorwurf ist Ausdruck einer Gesellschaftsströmung, die latent immer schon für rechte Positionen offen war

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Es wäre zu einfach, den „Lügenpresse-Vorwurf“ nur als Propaganda-Schachzug von Rechtsaußen abzutun. Er schein mir durchaus Ausdruck einer gesellschaftlichen Strömung zu sein, die latent aber auch immer schon für rechte Positionen oder speziell auch Verschwörungstheorien offen war. Ein Taxifahrer in Leipzig (IQ vermutlich nicht sehr hoch), hat mir vor kurzem bis in Einzelheiten hinein erklärt, dass die ganze Flüchtlingswanderung vom CIA gesteuert sei. Da kommt man mit Argumenten kaum noch dagegen an, das sind selbst-immunisierende Strukturen, die da arbeiten: Politiker lügen sowieso, die Presse jetzt auch, außerdem stecken sie unter einer Decke und das Ganze ist vom CIA gesteuert, um Deutschland zu schaden

Was können Medien (speziell Zeitungen) tun? Weiterhin objektiv berichten, d.h. klar zwischen Berichterstattung und Meinung trennen; in Kommentaren und Meinungsspalten dennoch klar Position beziehen, Berichterstattungs-Fehler (die natürlich vorkommen) korrigieren. Amerikanische Zeitungen haben mit der Einführung von täglichen Korrekturspalten, in denen Fehler korrigiert wurden, gute Erfahrungen gemacht. Sie können darüber hinaus auch andere, als den eigenen Hauptkanal (z.B. Social Media) bespielen; sich stellen, öffentliche Diskussionen führen; Aufklärung über mediale Mechanismen betreiben (z.B. auf der Medienseite), sich weiterhin um Qualitätsjournalismus bemühen, und vieles andere mehr.

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