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Gesellschaft Was tun gegen die Glaubwürdigkeitskrise der Medien?

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Moderatorin der Debatte Anna Sauerbrey Ressortleiterin Causa/Meinung

Expertise:

Dr. Anna Sauerbrey leitet das Ressort Causa/Meinung des Tagesspiegels.

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Stand der Debatte

Umfragen zufolge hat eine Mehrheit der Deutschen wenig oder gar kein Vertrauen in die Medien. Die Flüchtlingskrise hat das Gefühl vieler Bürger, nicht richtig oder nicht vollständig informiert zu werden, offenbar verstärkt. Wie kam es zu dieser Glaubwürdigkeitskrise der Medien? Und was können die Medien tun, um verlorenes Vertrauen zurückgewinnen? Die Tagesspiegel-Redaktion diskutiert darüber am 7. Dezember 2015 mit einem kleinen Kreis von Medienmachern, Medienkritikern und Wissenschaftlern beim ersten CAUSA-Redaktionsworkshop in den Räumen des Tagesspiegels diskutiert, diese und weitere Experten tauschen sich auf CAUSA auch schriftlich aus.

  • 8 Autoren
  • 35 Argumente
  • 219 Abstimmungen

Alle Argumente der Debatte im Panorama:

Die Gefallsucht führt auch zu Alarmismus. Doch der Skandal lenkt von den wahren Versäumnissen der Politik ab.

Wolfgang Herles, Fernsehjournalist, Autor von "Die Gefallsüchtigen"

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Der Konformitätsdruck der Medien führt dazu, dass Gemeinden und Szenen sich einigeln.

Wolfgang Herles, Fernsehjournalist, Autor von "Die Gefallsüchtigen"

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2 von 35
Um der Glaubwürdigkeitskrise zu begegnen, müssen Medien ihre Arbeitsweise und die eigenen Grenzen offenlegen.

Fritz Wolf, Medienjournalist, Autor der Studie "Wir sind das Publikum! Autor

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3 von 35
Der "Lügenpresse-Vorwurf" ist beides - Propaganda-Schachzug und Symptom für eine gesellschaftliche Stimmung.

Fritz Wolf, Medienjournalist, Autor der Studie "Wir sind das Publikum! Autor

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4 von 35
Um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen muss auch über Dinge berichtet werden, die so besser gar nicht passiert wären

Hans-Peter Friedrich, Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Bundestag

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5 von 35
Der Rückzug auf isolierte Kommunikationsinseln im Internet ist ein wichtiger Grund für die Vertrauenskrise.

Dieter Rucht, Soziologe Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

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6 von 35
Es gibt kein homogenes Publikum mehr. Mit manchen Kritikern lohnt der Dialog - doch Verschwörungstheoretiker sind immun.

Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft am Institut für Medienwissenschaft der Eberhard Karls-Universität Tübingen

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7 von 35
Die Wahrnehmungs- und Meinungskluft zwischen den Medien und ihrem Publikum wird durch das Web sichtbar und manifest.

Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft am Institut für Medienwissenschaft der Eberhard Karls-Universität Tübingen

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8 von 35
Journalisten wehren sich entschieden gegen den Vorwurf, die Wahrheit zu unterdrücken. Das ist richtig - und polarisiert.

Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft am Institut für Medienwissenschaft der Eberhard Karls-Universität Tübingen

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9 von 35
Skepsis gegenüber Medien bedeutet Skepsis gegenüber Autoritäten und "Experten": Das ist eine demokratische Haltung.

Lorenz Maroldt, Chefredakteur Der Tagesspiegel

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10 von 35
Wir brauchen eine deutlich bessere Fehlerkultur als bisher, dazu gehört auch eine intensivere Kommunikation mit Lesern.

Lorenz Maroldt, Chefredakteur Der Tagesspiegel

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11 von 35
Medien personalisieren, doch frierende Flüchtlinge ersetzen nicht die Debatte um die Komplexität der Integration.

Wolfgang Herles, Fernsehjournalist, Autor von "Die Gefallsüchtigen"

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12 von 35
Um Vertrauen zu gewinnen, müssen Medien abgehängte Milieus zurückgewinnen und vermitteln, dass Demokratie funktioniert.

Prof. Dr. Andrea Römmele und Marie Wachinger, Professorin für Politische Kommunikation und Politische Partizip Hertie School of Governance

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13 von 35
Redaktionen nehmen die Wahrnehmung ihrer Leser, Zuhörer und Zuschauer nicht ernst genug. Das ist gefährlich.

Lorenz Maroldt, Chefredakteur Der Tagesspiegel

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14 von 35
Die Diskussion um die Rolle der klassischen Medien ist Symptom für den grundlegenden Wandel im Informationsverhalten

Hans-Peter Friedrich, Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Bundestag

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15 von 35
Die Öffentlich-Rechtlichen setzen zu stark auf die Quote. Fernsehen ist zu Junkfood für den Kopf geworden.

Wolfgang Herles, Fernsehjournalist, Autor von "Die Gefallsüchtigen"

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16 von 35
Um der Krise zu begegnen, müssen Medien zu einer Haltung der Aufklärung zurückfinden, statt Emotionen zu bedienen.

Fritz Wolf, Medienjournalist, Autor der Studie "Wir sind das Publikum! Autor

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17 von 35
Der Glaubwürdigkeitsverlust hat schon vor längerer Zeit begonnen: in den sechziger und siebziger Jahren.

Günter Bentele, Professor für Öffentlichkeitsarbeit/PR Uni Leipzig und Vorsitzen Deutscher Rat für Public Relations (DRPR)

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18 von 35
Die Zustimmung zum Schlachtruf "Lügenpresse" ist keine Randerscheinung, das allgemeine Misstrauen sogar weit verbreitet.

Dieter Rucht, Soziologe Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

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19 von 35
Misstrauen gegenüber der Politik verbindet sich mit Misstrauen gegenüber den Medien, verstärkt seit der Großen Koalition

Fritz Wolf, Medienjournalist, Autor der Studie "Wir sind das Publikum! Autor

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20 von 35
Die Medien orientieren sich zu sehr an den Themen, die die Politik vorgibt. 

Fritz Wolf, Medienjournalist, Autor der Studie "Wir sind das Publikum! Autor

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21 von 35
Medien scheinen nicht über im eigenen Alltag erfahrene Probleme mit unkontrollierter Migration zu berichten

Hans-Peter Friedrich, Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Bundestag

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22 von 35
Bis heute ist unklar, weshalb ARD und ZDF über Kölner Silvesternacht später berichteten als Kölner Lokalmedien

Hans-Peter Friedrich, Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Bundestag

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Der Lügenpresse-Vorwurf ist Ausdruck einer Gesellschaftsströmung, die latent immer schon für rechte Positionen offen war

Günter Bentele, Professor für Öffentlichkeitsarbeit/PR Uni Leipzig und Vorsitzen Deutscher Rat für Public Relations (DRPR)

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24 von 35
Ein Journalist, der sich einer (guten) Sache gemein macht, wird Aktivist und schadet der Glaubwürdigkeit seines Medium.

Lorenz Maroldt, Chefredakteur Der Tagesspiegel

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Manche notwendige Debatte wird vom Mainstream tabuisiert, etwa der tiefere Zusammenhang zwischen Islamismus und Islam.

Wolfgang Herles, Fernsehjournalist, Autor von "Die Gefallsüchtigen"

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Die gezielte Propaganda gegen die Presse ist ein strategisches Tool der Pegida-Anhänger.

Prof. Dr. Andrea Römmele und Marie Wachinger, Professorin für Politische Kommunikation und Politische Partizip Hertie School of Governance

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Es gibt einen Konformismus der Mitte, der für die Kreislaufschwäche unserer Demokratie verantwortlich ist.

Wolfgang Herles, Fernsehjournalist, Autor von "Die Gefallsüchtigen"

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Die "Lügenpresse" skandieren, sollten nicht pauschal als rechtsradikal abgetan werden, das stärkt ihren Zusammenhalt.

Prof. Dr. Andrea Römmele und Marie Wachinger, Professorin für Politische Kommunikation und Politische Partizip Hertie School of Governance

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Der Mainstream-Vorwurf gegen „die Medien“ ist nicht haltbar - der deutsche Journalismus ist erfreulich vielseitig.

Lorenz Maroldt, Chefredakteur Der Tagesspiegel

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Ein Grund für das Misstrauens ist, dass Qualitätsmedien an den Erwartungen eher bildungsferner Schichten vorbeigehen.

Dieter Rucht, Soziologe Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

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31 von 35
Die Flüchtlingskrise wirkt sich nicht stärker als andere Themen auf die Glaubwürdigkeitskrise der Medien aus.

Fritz Wolf, Medienjournalist, Autor der Studie "Wir sind das Publikum! Autor

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32 von 35
Anspruch an Öffentlich-Rechtliche ist größer, da sie für Aufgaben bezahlt werden, die Private so nicht leisten können

Hans-Peter Friedrich, Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Bundestag

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Nur weil die Mehrheit der Gesellschaft (darunter Journalisten) einer Meinung ist, liegt der "Mainstream" nicht falsch.

Lorenz Maroldt, Chefredakteur Der Tagesspiegel

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8 Beiträge in dieser Debatte
  1. Bild von Hans-Peter Friedrich}

    Medien und Glaubwürdigkeit Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist an seiner Misere selbst Schuld

    von Hans-Peter Friedrich - Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Bundestag

    ARD und ZDF werden für Aufgaben finanziert, die private Medien so nicht leisten können, schreibt der frühere Bundesinnenminister. Deshalb ist die Kritik umso schärfer, wenn sie dem Anspruch nicht gerecht werden. mehr lesen

  2. Bild von Günter Bentele}
    Kai-Uwe Heinrich

    Die Glaubwürdigkeitskrise der Medien Die Medien brauchen eine bessere Fehlerkultur

    von Günter Bentele - Professor für Öffentlichkeitsarbeit/PR Uni Leipzig und Vorsitzen Deutscher Rat für Public Relations (DRPR)

    Die Glaubwürdigkeitskrise hat nicht erst jetzt begonnen, sondern schon in den sechziger und siebziger Jahren. Auch einige der Gegenmittel sind längst erfunden. mehr lesen

  3. Bild von Lorenz Maroldt}

    Die Glaubwürdigkeitskrise der Medien Die Leser sind skeptisch? Gut so!

    von Lorenz Maroldt - Chefredakteur Der Tagesspiegel

    Medienskepsis bedeutet zuerst Skepsis gegenüber Autoritäten - und das ist Ausdruck einer demokratischen Grundhaltung. Erst, wenn auch die Leser immun gegen eine Vielfalt von Meinungen werden, wird es gefährlich. mehr lesen

  4. Bild von Bernhard Pörksen}

    Die Glaubwürdigkeitskrise der Medien Die Antwort auf Medienverdrossenheit kann nicht Publikumsverdrossenheit sein

    von Bernhard Pörksen - Professor für Medienwissenschaft am Institut für Medienwissenschaft der Eberhard Karls-Universität Tübingen

    Vertrauen zurückzugewinnen ist schwierig. Medienmacher müssen den Dialog suchen, wo es sich lohnt - und dagegenhalten, wo rechtsradikale Verschwörungstheoretiker manipulieren. mehr lesen

  5. Bild von Fritz Wolf}

    Die Glaubwürdigkeitskrise der Medien Die Medien orientieren sich zu stark an der Politik

    von Fritz Wolf - Medienjournalist, Autor der Studie "Wir sind das Publikum! Autor

    Medien berichten zu stark über Themen, die die Politik vorgibt. Das Misstrauen gegenüber der Politik verbinden sich mit dem Misstrauen gegenüber den Medien. mehr lesen

  6. Bild von Dieter Rucht}

    Die Glaubwürdigkeitskrise Das Archipel der Einverstandenen

    von Dieter Rucht - Soziologe Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

    Die Gründe für das Misstrauen in die Medien sind vielfältig, doch der Rückzug auf isolierte Kommunikationsinseln im Internet und das Meiden von Qualitätsmedien sind eine gewichtige Ursache. mehr lesen

  7. Bild von Prof. Dr. Andrea Römmele und Marie Wachinger}

    Die Glaubwürdigkeitskrise der Medien Es ist richtig, dass Medien in Bezug auf die Einwanderung Optimismus verbreiten

    von Prof. Dr. Andrea Römmele und Marie Wachinger - Professorin für Politische Kommunikation und Politische Partizip Hertie School of Governance

    Der Lügenpresse-Vorwurf ist ein strategisches Tool der Pegida-Anhänger, denen das Flüchtlingsthema sehr entgegenkommt. mehr lesen

  8. Bild von Wolfgang Herles}

    Die Glaubwürdigkeitskrise der Medien Hauptursache für die Glaubwürdigkeitskrise der Medien ist ihre Gefallsucht

    von Wolfgang Herles - Fernsehjournalist, Autor von "Die Gefallsüchtigen"

    Die Glaubwürdigkeit der Medien schwindet. Hauptursache ist Gefallsucht. Die Kultur des „Gefällt mir“ kommt aus der Angst vor dem Markt. Mit dem Netz sind vor allem die Printmedien in die ökonomische Krise geraten. Konformismus und Anpassung an den Mainstream sind jedoch die falschen Antworten. Mit der Glaubwürdigkeit der Medien schwindet die Fähigkeit der Gesellschaft, Herausforderungen zu meistern. Darunter leidet auch das Vertrauen in die Demokratie. mehr lesen