Wirtschaft und Verbraucher müssen handeln Wir müssen in den Spiegel blicken, den Greta uns vorhält 

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Lehrerin

Expertise:

Vivien Meggyes ist Chemielehrerin in Berlin.

Eine Stadt. Ein Land. Viele Meinungen. Unter diesem Motto feiern der Tagesspiegel, die Berliner Zeitung und die Bundeszentrale für politische Bildung die Meinungsfreiheit. Diskutieren Sie mit! Ausgewählte Leser*innenkommentare werden veröffentlicht.

Zehn Debatten in zehn Wochen. Diese Woche: Was ist uns das Klima wert? Die Chemielehrerin Vivien Meggyes ist von Greta Thunberg begeistert und fordert alle Erwachsenen dazu auf, ihren Lebensstil dringend zu ändern. 

Als Chemielehrerin beobachte ich, dass Naturgesetze nicht nur auf Teilchen wirken, sondern sich offenbar auch in gesellschaftlichen Phänomenen wiederfinden. Nehmen wir das Prinzip des kleinsten Zwanges von Henry Le Chatelier und Ferdinand Braun vom Ende des 19. Jahrhunderts: Übt man auf ein System im Gleichgewicht einen Zwang aus, so weicht das System so aus, dass es - mit einem geringeren Zwang - erneut im Gleichgewicht ist. 
Das Kohlendioxid, das sich im Meer findet, entweicht in die Atmosphäre, wenn die Wassertemperatur ansteigt. Dasselbe passiert im Sommer mit der Kohlensäure (gelöstes CO2) in Mineralwasserflaschen, aus denen sie beim Öffnen mit einem Zischen entweicht.

Steigt CO2 in großen Mengen aus dem Meer auf, kommt es zu einem größeren Treibhauseffekt. Dieser verursacht Luftzirkulationen und Unwetter, welche oft existenzielle Probleme für das Ökosystem mit sich bringen. 
In der Politik drücken Politiker - analog - unbequeme Themen oder Probleme weg, damit die Wählerschaft sie wiederwählt, das vorhandene Gleichgewicht also nicht verloren geht. Nur wenn es zu großen Katastrophen kommt, schaffen sie es nicht mehr wegzuschauen. Noch haben wir hier solche Katastrophen kaum miterlebt und so erklärt es sich vermutlich, dass die CO2-Steuer in Deutschland bloß bei 10 Euro pro Tonne liegt, wo sie in Schweden um das Zehnfache höher ist.

Politikerinnen und Politiker verschleiern unangenehme Themen, damit die Wählerschaft sie wiederwählt.

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Greta Thunberg übt auf uns Zwang aus, der sich nicht wegdrücken lässt. Es gibt eine neue Zeitrechnung im Klimawandel: Vor Greta und nach Greta. Sie klagt uns Erwachsene wegen unserer „Zukunftsvergessenheit“ an und spricht aus, was wir eigentlich wissen: Wenn wir unser Überleben auf diesem Planeten sichern wollen, wenn nicht weite Teile überschwemmt und andere vor Hitze und Dürre unbewohnbar werden sollen, muss sich die Wirtschaft transformieren. Im Pariser Klimaschutzabkommen haben wir uns dazu schon verpflichtet. 

Die Wirtschaft muss sich transformieren, um den Klimawandel aufzuhalten.

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Doch was passiert?
Wir schauen tatenlos zu, wie die Regenwälder in Brasilien abbrennen. Das Amazonasgebiet, das eigentlich der global wichtigste CO2-Speicher war, wandelt sich zur Quelle eines großen CO2-Ausstoßes. Wir halten weiter an Fleisch und Sojaprodukten fest. Wir fahren Auto und kaufen mehrfach in Plastik verpackte Produkte. Unser Energiekonsum sinkt kein bisschen.

Was wir mit Greta erleben, erinnert mich an das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“: Dort hält auch ein unschuldiges Kind dem Kaiser den Spiegel vor und er muss endlich sehen, was er nicht sehen will. Wir wollen auch nicht hinsehen, wie es um unsere Welt steht und Verantwortung übernehmen für unsere Zukunft. Dabei sollten wir endlich erkennen, dass wir alle im selben Boot sitzen und zwar in einem, das mit wehenden Fahnen untergeht! Mögen wir Erwachsene uns von solchen fantastischen jungen Menschen inspirieren lassen.

Jeder ist aufgefordert, einer klimaneutraleren Lebensweise näher zu kommen.

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Wir sollten uns ernsthaft fragen: Wo können wir Emissionen einsparen? Wie können wir als Eltern einer klimaneutralen Lebensweise näherkommen? 
Als Lehrerin möchte ich Schülern helfen zu verstehen, was Klimawandel bedeutet, vor allem aber, was der Einzelne tun kann, um eine Veränderung zu bewirken. Ich nutze jede Gelegenheit, im Unterricht über diese Themen zu sprechen. Am Ende des Schuljahrs haben wir eine Projektwoche, die ich nutzen möchte, um mit meinen Schülern Bäume auf dem Schulgelände zu pflanzen. Das erreicht sie viel mehr als Unterricht im Klassenraum. Wenn sie etwas ertasten, etwas riechen, etwas mit eigenen Händen machen, verstehen sie, worum es geht. Das inspiriert sie und so können sie zu einer Inspiration für andere werden. Erwachsene können dann von Schülern lernen.
 

Weitere Materialen zum Thema finden Sie auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung.

In der ersten Woche unserer Debattenserie ging es um "Verkehr - Kann das Auto weg?". Alle Beiträge zu dieser Debatte finden Sie hier. Danach stellten wir die Frage: Darf man noch Fleisch essen? Die Beiträge zum Nachlesen. In der dritten Woche schrieben verschiedene Gastautor*innen Kommentare zu der Frage: "Wie weiter zwischen den Geschlechtern?" Die Beiträge lesen Sie hier. In der vierten Woche wurde zu der Frage debattiert: "Wie viel Computer braucht der Mensch?". Lesen Sie die verschiedenen Meinungen hier. Alle Gastbeiträge zur Frage "Was ist Heimat?" gibt es hier zum Nachlesen.

2 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Günter Gladis
    Es ist gut eine "Greta" in großer Zahl zu haben !
    Aber für einen Erwachsenen ist es schwer, das eigene Bild zu akzeptieren, wenn ein Kind den Spiegel vorhält.
  2. von Frank Fidorra
    Der zweite Beitrag zu dem Themenkomplex, der auf mehr Eigeninitiative abzielt. Beide haben Recht.

    Die alte Weisheit, man möge bei sich selbst anfangen, sich an die eigene Nase fassen, vor der eigenen Haustür kehren, hat auch hier seine Berechtigung.

    Wenn eine maßgebliche Zahl von Menschen in Deutschland beim nächsten Autokauf die Kriteren Verbrauch und CO2-Emission in den Vordergrund stellen würden, wenn sie vorwiegend plastikfrei verpackte Lebensmittel kaufen würden, wenn sie ihren Fleischkonsum ein bisschen einschränken würden, ihr nächstes Urlaubsziel mal mit der Bahn ansteuern würden, etc., etc., dann würde das sowohl auf die Wirtschaft als auch auf die Politik einen großen Druck in die richtige Richtung ausüben. Dieser Druck würde vermutlich mehr in Bewegung setzen, als die vielen Appelle und Forderungen, die von allen Seiten an Politik und Wirtschaft heran getragen werden.

    Trotzdem ist auch richtig, dass insbesondere die Politik ein hohes Maß an Verantwortung für die Zukunft unseres Landes trägt. Man kann wohl sagen, dass sie der Verantwortung gerecht wird, wenn es um die Wirtschaft geht (was natürlich auch wichtig ist), dass sie aber in erschreckender Weise hinter den Erwartungen der meisten Bürger und Wissenschaftler zurückbleibt, wenn es um Klimaschutz geht.