Klimaschutz in Deutschland Wenn die Politik nicht handelt, handeln wir

Bild von Gwendolyn Rautenberg und Ronja Enold
Schülerinnen

Expertise:

Gwendolyn Rautenberg ist 18 Jahre alt und wohnt in Brandenburg an der Havel. Sie ist seit Februar 2019 für Fridays for Future aktiv. Ronja Enold ist 16 Jahre alt und wohnt in Thermalbad Wiesenbad in Sachsen. Sie ist seit Dezember 2018 für Fridays for Future aktiv.

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Zehn Debatten in zehn Wochen. Diese Woche: Was ist uns das Klima wert? Fridays for Future-Aktivistinnen Gwendolyn Rautenberg und Ronja Enold schreiben, dass wir alle Teil der Lösung sein können - wenn wir handeln.

Die Friedliche Revolution ebnete für über 16 Millionen Menschen den Weg in eine für sie ganz neue Chancen bietende Zukunft. Hätten sie damals gewusst, dass in 30 Jahren nicht nur Erwachsene in Deutschland, sondern insbesondere Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt auf die Straße gehen, um für ein gemeinsames Ziel zu demonstrieren, wären sie vermutlich begeistert gewesen. Hätten sie jedoch gewusst, dass die Welt in 30 Jahren vor einer der größten existentiellen Krisen der Geschichte stehen würde, hätte sich Fridays for Future wahrscheinlich schon viel früher gegründet. Denn heute wie damals wird eine unglaubliche Tragödie vor den Menschen verschleiert. Diesmal wird den Kindern und Jugendlichen nicht das Anrecht auf eine selbstbestimmte Zukunft genommen, sondern auf eine Gegenwart, in der sie sich nicht ständig fragen müssen, ob sie noch eine lebenswerte Zukunft haben werden.

Kindern und Jugendlichen wird das Anrecht auf eine sorgenfreie Gegenwart und lebenswerte Zukunft genommen.

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Dabei könnte es doch so einfach sein. Die Politik müsste nur endlich umsetzen, was die Wissenschaft schon seit Jahrzehnten fordert: aufhören, sich von der Kohlelobby und anderen der Geschichte angehörenden Industriezweigen sponsern zu lassen und die Augen öffnen für die ,,globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare“ à la Christian Lindner.

Die Politik muss endlich aufhören, sich von Industriezweigen wie der Kohlelobby sponsern zu lassen.

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Stattdessen brüsten wir uns weiterhin mit Scheinmaßnahmen: einem Marktvorteil, den wir einmal hatten und den in der Statistik gut aussehenden äußeren Umständen, die nichts mit realem Klimaschutz zu tun haben. Denn Fakt ist: Wir sind schon lange nicht mehr Marktführer in auch nur irgendeinem energiepolitischem Bereich. Statt die 2012 noch in Deutschland liegende Marktführung in Solarenergie weiter zu fördern, Rahmenbedingungen für neue Industriezweige zu schaffen und den Kohleausstieg sozial verträglich zu gestalten, stecken wir immer mehr Geld in die Subvention von fossilen Energieträgern wie Kohle - einer Energiegewinnung, in welcher wir schon lange nicht mehr marktfähig sind, ja, de facto sogar minus durch die hohen Subventionskosten machen. Und gleichzeitig sind wir so laut, brüsten uns auf eine eigentlich schon beschämende Art und Weise mit unfairen geografischen Vorteilen und vereiteln damit jegliche Chance auf realen Klimaschutz und damit auf eine Zukunft für uns und unsere Kinder. 

Indem Deutschland sich mit Scheinmaßnahmen zur Klimapolitik brüstet, wird jegliche Chance für realen Klimaschutz vertan.

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Deshalb ist es jetzt Zeit für einen Wandel! Die Politik hat uns gezeigt, dass sie nicht von selbst die nötigen Schritte und damit den nötigen Umschwung einläuten wird. Also liegt es an uns: Wir müssen jetzt Veränderung schaffen, wo keine gewollt ist. Und das geht am besten, indem jeder bei sich selbst anfängt. Also ändern wir was, fangen wir an, nachhaltig und weitsichtig zu denken! Wenn die Politik beschließt, uns zu ignorieren, beschließen wir, das Thema Klimaschutz in alle Bevölkerungsgruppen zu tragen!

Wir sind alle Teil der Lösung und können mit unseren Entscheidungen die Welt um uns herum maßgeblich verändern.

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Wenn die Politik nicht handelt, handeln wir und verschieben an ihrer Stelle mit genug Aufklärung und Willen den Markt und Konsum. Wenn sie nicht bereit sind, wirksame Klimaschutzkonzepte zu entwickeln, setzen wir uns selbst mit der Wissenschaft in Verbindung und finden heraus, dass eine Tonne CO2 eben nicht nur 10 Euro Kosten darf, sondern mindestens 180 Euro, um zu einem Umdenken bei Unternehmen und Konzernen zu führen. Erhöhen wir den Druck auf die Politik stetig, aber vergessen wir dabei nie, dass wir alle Teil der Lösung sind und mit unseren Entscheidungen und unserem Handeln die Welt um uns herum maßgeblich verändern können.

Und am allerwichtigsten: Fordern wir das Recht auf eine lebenswerte Zukunft, denn das haben wir! Eine Zukunft, über welche wir bestimmen und keine weltfremden Politiker.

Weitere Materialen zum Thema finden Sie auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung.

In der ersten Woche unserer Debattenserie ging es um "Verkehr - Kann das Auto weg?". Alle Beiträge zu dieser Debatte finden Sie hier. Danach stellten wir die Frage: Darf man noch Fleisch essen? Die Beiträge zum Nachlesen. In der dritten Woche schrieben verschiedene Gastautor*innen Kommentare zu der Frage: "Wie weiter zwischen den Geschlechtern?" Die Beiträge lesen Sie hier. In der vierten Woche wurde zu der Frage debattiert: "Wie viel Computer braucht der Mensch?". Lesen Sie die verschiedenen Meinungen hier. Alle Gastbeiträge zur Frage "Was ist Heimat?" gibt es hier zum Nachlesen.

4 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Ed Dellian
    Ist es denn nicht wahr, dass gerade die Wissenschaft, von der nun die Lösung des Klimaproblems erwartet wird, den Zustand der Welt herbeigeführt hat, den Sie - mit Recht - beklagen? Wie steht es mit der Glaubwürdigkeit der Experten? Dazu folgendes Zitat des Fernseh-Physikers Harald Lesch: "Ich weiß nicht, ob Sie es wissen, aber von 'Wahrheit' wissen wir in den Naturwissenschaften nichts zu sagen. Das heißt nicht, dass wir Lügner sind. Das heißt nur, dass wir nichts verifizieren können. Also glauben Sie mir kein Wort, schon gar nicht einen ganzen Satz. Wir können nur Hypothesen überprüfen. Wir haben eine Hypothese, und damit kontrollieren wir das Universum. Wir schauen nach, ob diese Hypothesen zutreffen oder nicht, Wunderbar!" - Danke, Harald Lesch! - Heute gibt es zwei wissenschaftliche "Klima-Hypothesen", d. h. Voraussagen, oder Behauptungen, für die jeder Beweis fehlt: Erstens, die beobachtbare Klimaänderung wird "hochrechenbar" anhaltend weitergehen, bis zum globalen Kollaps. Zweitens, diese Entwicklung kann nur - vielleicht - verhindert werden, wenn genau das geschieht, was die Wissenschaftler fordern, insbesondere, mehr öffentliche Mittel, um "zu forschen". In der Zukunft, die uns allen ohne jeden Zweifel ganz gewiss ist, werden hochdotierte Wissenschaftler dann, wie heute schon, auf Kosten der Allgemeinheit die Welt bereisen und "nachschauen, ob ihre Hypothesen zutreffen oder nicht". Das ist in der Tat alles, was "voraussehbar ist": Wunderbar? Gewiss nicht. Also heißt die Maxime der Vernunft nicht "Unite behind the Science" (Greta T.), sondern: "Sapere aude!" Selber denken!
  2. Bild von Wilfried Wang
    Autor
    Wilfried Wang, Wilfried Wang, Hoidn Wang Partner, Berlin; O'Neil Ford Centennial Professor in Architecture, The University of Texas at Austin; Kurator der derzeitigen Ausstellung DEMO:POLIS–Das Recht auf Öffentlichen Raum, Akademie der Künste. Vorstandsvorsitzender der Schelling-Architekturstiftung; Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Künste; Ehrendoktor der Königlich Technischen Hochschule, Stockholm; Stellvertretender Direktor der Sektion Baukunst, Akademie der Künste Berlin; Ehrenmitglied des BDA und der Portugiesischen Architektenkammer.
    Richtig: Wenn die Erwachsenen nicht handeln, müssen es die Jugendlichen machen, sie müssen sowohl ihre eigenen Lebensweisen als auch die politischen Verhältnisse mittels der Wahlurne verändern.

    Das ermutigende an der FfF Bewegung ist, so lang sie selbst nachhaltig ist, wird sie das Alte, das Unflexible, frühzeitig auf das Altenteil schicken.

    Zur Umsetzung effektiver Klimaschutzmaßnahmen fängt man am besten bei sich selbst an. Bottom-up ist die Devise. Jeder beginnt für sich und dann alle gemeinsam. Jeder kann für sich entscheiden, welcher Beitrag geleistet werden kann.

    Wenn die politischen Verhältnisse sich dann verändert haben, die alten Skeptiker, Bedenkenträger, Zauderer, Relativierer, et al sich in der Minderheit befinden, können die großen, gemeinsamen Top-down Projekte angegangen werden.

    Das ist das schöne an der Jugend: ihnen gehört die Zukunft. Den Alten blüht nur eine Gewissheit: eines Tages, eher früher als später, sind sie weg.

    Und mit ihnen die Skepsis, die Bedenken, das Zaudern und Relativieren.

    Die Jugend und die Wissenschaft: eine unschlagbare Einheit.
  3. von Max Mustermann1
    Zur These "Kindern werde eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft genommen":

    Kinder leben heute so sorgenfrei wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Es gibt kaum Kindersterblichkeit, kaum Krankheiten, beste Bildung, kaum Konflikte und eine Lebenserwartung die so hoch ist wie noch nie davor. Der Autor verkürzt dagegen alles auf nur EIN Thema.

    Und zweitens: Wenn Deutschland nur 2,4% des weltweiten CO2-Ausstoßs verursacht, dann wird Verzicht das nicht groß verändern. Stattdessen braucht es Lösungen, die auch die restlichen 97,6% angehen, z.B. sauberereTechnologien oder die Förderung von Geburtenkontrolle in Entwicklungsländern.
    1. Bild von Wilfried Wang
      Autor
      Wilfried Wang, Wilfried Wang, Hoidn Wang Partner, Berlin; O'Neil Ford Centennial Professor in Architecture, The University of Texas at Austin; Kurator der derzeitigen Ausstellung DEMO:POLIS–Das Recht auf Öffentlichen Raum, Akademie der Künste. Vorstandsvorsitzender der Schelling-Architekturstiftung; Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Künste; Ehrendoktor der Königlich Technischen Hochschule, Stockholm; Stellvertretender Direktor der Sektion Baukunst, Akademie der Künste Berlin; Ehrenmitglied des BDA und der Portugiesischen Architektenkammer.
      Antwort auf den Beitrag von Max Mustermann1 01.10.2019, 12:28:57
      Sie sprechen von den meisten Kindern in Industrienationen, obwohl dort auch Kinderarmut und Missbrauch existieren.

      Ihre Sicht ist nicht verkürzt? Sie glauben nach wie vor, dass es reicht wenn z.B. SAUBERE Technologien und Geburtenkontrollen in den Entwicklungsländern eingeführt würden?

      Also, dass in Deutschland weiterhin der Flächenverbrauch auf 58 ha pro Tag fortschreiten kann? Dass der Pro-Kopf-Ausstoß von CO2 nicht verringert werden sollte? Dass deutsche Autos nach wie vor die Welt beglücken mögen?

      Geht die deutsche Automobilindustrie zugrunde, ist es für die Weltwirtschaft kein Problem, ist ja nur ein kleiner Prozentsatz des globalen Bruttosozialprodukts, und ein paar hunderttausend Arbeitskräfte, auch nur im globalen Vergleich eine winzige Zahl.

      Sie nutzen das Argument des geringen deutschen Anteils am globalen CO2 Ausstoßes als hier in Deutschland weit verbreiteten Vorwand, dass sich in Deutschland nicht allzuviel ändern muss, weil es ja keinen großen Unterschied bringt.

      Aber sicherlich würden Sie, wie viele andere Deutsche jammern, wenn die deutsche Automobilindustrie zusammenschrumpft. Das wird nämlich in den nächsten Jahren stattfinden.

      Und so unvorbereitet die deutsche Automobilindustrie ist auf die zukünftigen Herausforderungen, so unvorbereitet ist Deutschland – mit Ausnahme der hiesigen FfF-Bewegung – um sich auf die notwendigen Veränderungen in den Lebensstilen zum Schutzes des Klimas einzustellen.

      Aber das macht ja nichts: Deutschland ist ja nur ein kleines Land.

      "Lean back, relax, and enjoy the rest of the ride!"