HEIMAT HEUTE: Elternhaus oder Planet Erde?

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Leserinnen und Leser des Tagesspiegels nahmen auf Causa, Facebook, Twitter und über E-Mail an unserer Debatte teil.

Eine Stadt. Ein Land. Viele Meinungen. Unter diesem Motto feiern der Tagesspiegel, die Berliner Zeitung und die Bundeszentrale für politische Bildung die Meinungsfreiheit. Auch die Leser*innen des Tagesspiegels diskutieren mit!

Diese Woche debattierten unsere Gastautor*innen über Identität. Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann plädierte für eine neue Heimat für alle mit einer solidarischen Gesellschaft. Peter Sloterdijk schrieb, Heimat sei nicht nur der Herkunftsort, sondern auch die Möglichkeit zum Aufbruch. Adbul Alzuabi sagte, ein Heimatgefühl entstehe durch eigene Projekte und das soziale Umfeld. Friseurmeisterin Birgit M. schrieb, sie fühle sich in Berlin aufgrund steigender Mieten und vieler Zugezogener nicht mehr zuhause. Susan Mudallal erklärte, warum sie den deutschen Heimatbegriff als ausgrenzend empfindet.

Für mich bedeutet Heimat Familie. Besonders wichtig ist mir mein Vater. Er lebt schon lange nicht mehr. Meine Mutter erzählt immer von ihm. Als ich klein war, haben meine Eltern unsere Stimmen gespeichert, wie wir reden. Ich höre die Stimme meines Vaters noch immer. Imad S., Klasse 10 H der Konrad-Adenauer-Schule in Mellendorf

 

Wie so oft wird meiner Meinung nach der Begriff „Heimat“ mit „Zuhause“ verwechselt oder durcheinander gebracht. Jeder Mensch oder der allergrößte Teil hat eine Heimat. Und diese kann man nicht ändern, so sehr man das auch möchte. Ein Zuhause kann man sich aber überall suchen. Nils Handelmann

Heimat kann man nicht ändern, ein Zuhause kann man sich überall suchen.

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Heimat bedeutet für mich meine Familie. Als ich klein war, hat mein Vater uns abends Geschichten vorgelesen. Wenn wir am nächsten Morgen aufgewacht sind, haben wir einander gefragt, wie die Geschichte ausgegangen ist. Mit meiner Mutter haben wir immer Kuchen gebacken. Das war in Schingal im Irak, wo ich geboren bin. Ich mag diese Stadt besonders, denn ich habe meine Kindheit geliebt. Hanea K., Klasse 10 H der Konrad-Adenauer-Schule in Mellendorf

Heimat ist dort, wo man seine Kindheit verbracht hat.

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Manchmal möchte ich Mäuschen spielen und denen zuhören, die wirklich alteingesessen sind. Diese Menschen haben in meinem hippen Kiez keine Stimme. Sie sind die Unsichtbaren und Zurückgelassenen. Der Traum einer sozialen Stadt bleibt für sie nur ein unerfülltes Versprechen. Sie müssen an den Rand gedrängt schauen, wie sie zurechtkommen. Mein Hauptstadtgefühl ist daher eher Ohnmacht gegenüber unsozialem Verhalten, hemmungsloser Investorengier sowie visionsloser Planungs- und Handlungsunfähigkeit derer, die mal auszogen, diese Stadt sozialer zu gestalten. Stefan Zwoll
 
Heimat ist ein sicherer Ort in meinem Kopf. takemetomymothership via Instagram

„Dass wir aufgrund der hohen Mietpreise so auf unseren Wohnraum festgenagelt sind, schränkt unsere Flexibilität ein“, schreibt Birgit M. Das liegt aber auch an uns selbst. Haben doch die meisten von uns z.B. gegen eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes gestimmt. Es muss den Berlinern einfach klar sein: Wer nicht baut und Verhinderungspolitik betreibt, wer Mieten einfriert - der friert sich auch selbst ein. Dann ist die einzige Möglichkeit einfach nie mehr auszuziehen. Alle Maßnahmen, die Wohnraum künstlich vergünstigen, Mieten einfrieren, sorgen nur dafür, das Neubau oder Neu-Einzug noch teurer wird. Philipp Ott

Es darf nicht zugelassen werden, dass das Wort „Heimat“ als allgemeines negatives Gedankengut verstanden wird.

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Es darf nicht zugelassen werden, dass das Wort „Heimat“ als allgemeines negatives Gedankengut verstanden wird. Seit Jahren bin ich über Monate eines Jahres immer in einem europäischen Land und bezeichne es als meine zweite Heimat. Da kann ich mitgehen, das dort, wo es mir gut geht, auch Heimat sein kann. Allerdings setzt das auch voraus, dass ich mich mit der Kultur, den Lebensumständen, Gewohnheiten etc. auseinandersetze und auch, nach Bedarf natürlich, die Sprache zumindest in Grundzügen versuche zu erlernen. Ich hoffe nur, das Wort „Heimat“ wird nicht zum Unwort. Rosemarie Borchert

Für mich bedeutet Heimat ein Gefühl der Zugehörigkeit. Zuhause ist dort, wo sich das Herz wohlfühlt. Das kann der Geburtsort sein, muss aber nicht. Rama M., Klasse 10 H der Konrad-Adenauer-Schule in Mellendorf

Heimat ist Planet Erde. yas_octopus via Instagram

Stell Dir vor, Du hast ein Sozialsystem und willst Armut im Land reduzieren. Oder eine Gesellschaft will ihr Land erhalten, verbessern und ausbauen. Bei einer völlig offenen Gesellschaft führt das dazu, dass Fremde sich ebenso einen Teil vom Kuchen nehmen, ohne vorher dazu beigetragen zu haben. Das führt dazu, dass ein gewisser Wunsch nach Abgrenzung in jedem Land vorhanden ist. Die Frage ist dann nur, wie die Grenze gezogen wird. Max Mustermann

Länder brauchen klare Grenzen, Heimat also auch.

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In unserer Gesellschaft werden gewisse Phänotyp mit „besseren“ oder „schlechteren“ Eigenschaften assoziiert. Als Person ohne helle Haut oder ohne europäischen Namen muss man sich ständig neu beweisen und sich immer wieder aus Schubladen kämpfen; egal aus welchen. Ich wurde während meines Zivildienstes von einer Mitarbeiterin darauf angesprochen, wie gut ich Deutsch spräche und das auf dem breitesten Schwäbisch. Das klingt witzig, ist auf Dauer aber anstrengend. Karis Ma

Wenn ich an Heimat denke, fallen mir meine Familie und Freunde im Kosovo ein. Wenn wir Zuckerfest feiern, fehlen sie mir sehr. Ich muss mich dann immer erinnern, wie viel Spaß wir hatten und wie geborgen ich mich gefühlt habe. Mir fehlen diese Tage in meinem Elternhaus. Schade, dass wir es nicht mehr haben, dort hatte ich alle meine Erinnerungen. Elvire S., Klasse 10 H der Konrad-Adenauer-Schule in Mellendorf

1 Kommentar - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Holger Nauheimer
    Das Konzept der Heimat verändert sich durch die Digitalisierung. Das Netz wird zur Neuen Heimat. Gestern hielt ich hierzu einen Vortrag auf der „Systemix Reloaded“ in Heidelberg. Heimat ist der Ort, wo wir Nähe finde, und das geschieht immer mehr im Netz. https://www.linkedin.com/pulse/zuhause-der-neuen-heimat-betriebliche-zugeh%C3%B6rigkeit-zeiten-nauheimer