Ein Jahr nach der Frauenquote  Mit Selbstsicherheit und Selbstironie

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Chefin Berliner Bank

Expertise:

Stefanie Salata ist in Berlin geboren und arbeitet seit 1984 bei der Deutschen Bank.

Frauen müssen umdenken: Sie sollten Stereotypen mit Lockerheit, Schlagfertigkeit und Selbstironie begegnen. Stefanie Salata ist optimistisch, dass die Grundvoraussetzungen für die Gleichberechtigung da sind. 

Lange Zeit stand ich der Frauenquote skeptisch gegenüber. Frauen, so meine Überzeugung, brauchen keine Quote. Sie müssen und können es aus eigener Kraft in Top-Führungspositionen schaffen. Doch die Entwicklung in den vergangenen Jahren hat mich in einem positiven Sinne nachdenklich gemacht. Denn die feste Frauenquote von 30 Prozent für Aufsichtsräte hat in der Wirtschaft ganz offensichtlich etwas in Bewegung gesetzt. Nach meinem Eindruck setzen sich viele Unternehmen im Zuge der Erfüllung der gesetzlichen Vorgabe nun plötzlich auch ambitionierte Ziele für die Besetzung von Managementpositionen in Vorständen und auf den Ebenen unmittelbar darunter. Der jüngste Anstieg von Frauen mit Führungsaufgaben belegt das, und er zeigt: Es ist gut, dass die Politik das Thema aktiv vorangetrieben hat.

Natürlich sind wir immer noch weit entfernt von wirklicher Gleichberechtigung in deutschen Führungsetagen. Kein Dax-Konzern wird bisher von einer  Vorstandsvorsitzenden geführt, und lediglich bei Henkel gibt es eine Frau an der Spitze des Aufsichtsrates. Aber in den 50 börsennotierten Unternehmen, die in Deutschland unter das neue Gesetz fallen, ist der Frauenanteil auf knapp 30 Prozent gestiegen. Der Anfang ist also gemacht.

Die Grundvoraussetzungen für die Gleichberechtigung sind da. 

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In den kommenden Jahren muss es nun darum gehen, den jetzigen Anteil von Frauen in den Vorständen von gerade einmal 5,4 Prozent Schritt für Schritt zu erhöhen. Die Grundvoraussetzungen dafür sind da. Frauen haben laut der Bundeszentrale für politische Bildung im Vergleich zu Männern durchschnittlich gleiche oder sogar höhere Bildungsabschlüsse und Qualifikationen. An den Kompetenzen kann es also nicht liegen. Gefordert sind nun aber nicht nur die Unternehmen, sondern auch wir Frauen selbst.

Meine Erfahrung zeigt, dass sich Frauen oftmals gar nicht erst auf Führungspositionen bewerben. Einige trauen sich eine Management-Aufgabe nicht zu, weil sie nicht wissen, wie sie Beruf und Familie unter einen Hut kriegen sollen. Andere haben möglicherweise Bedenken, ob sie sich in einer immer noch stark von Männern geprägten Führungskultur dauerhaft durchsetzen können und mit ihrer neuen Verantwortung „glücklich“ werden.

Frauen müssen umdenken: Es gilt selbstsicher Beruf und Familie zu vereinen. 

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Hier müssen wir Frauen umdenken und deutlich selbstbewusster sein. Ganz praktisch heißt das: Wenn ein Meeting angesetzt wird, das zeitlich nicht vereinbar ist mit familiären Aufgaben, dann müssen wir sagen: „Geht bei mir nicht. Wir müssen das früher machen oder später telefonisch oder morgen.“ Natürlich spielt bei der Vereinbarkeit von Karriere und Familie die Infrastruktur, die Unternehmenskultur und das Verhalten der unmittelbaren Vorgesetzten eine wichtige Rolle. Entscheidend ist aber auch, dass Mütter mit Führungsaufgaben keinerlei Hemmungen haben im Kollegenkreis klar zu machen, dass sie ab einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr im Unternehmen sind – und wichtige Besprechungen trotzdem nicht ohne sie stattfinden.

Was den Umgang mit männlicher Führungskultur betrifft, haben wir es häufig mit etablierten Denk- und Sprachmustern zu tun. Streiten sich Männer auf fachlicher Ebene, nennt man das Auseinandersetzung. Streiten sich Frauen, wird schnell vom „Zickenkrieg“ gesprochen. Oder auch: Frauen, die selbstsicher auftreten, gelten als dominant. Im Zusammenhang mit Frauen werden Begriffe wie „Dominanz“ und „Selbstsicherheit“ allerdings eher negativ gesehen. Bei Männern gelten diese Eigenschaften als „natürlich“ beziehungsweise als Ausweis von Kompetenz.

Frauen sollten den geschlechterspezifischen Klischees mit Lockerheit begegnen. 

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Ich denke, der erste Schritt in die richtige Richtung wäre, zunächst einmal zu akzeptieren, dass es „ist wie es ist“. Lamentieren bringt gar nichts. Es gibt diese Denk- und Sprachmuster, und wir werden sie nicht von heute auf morgen abschaffen können. Im zweiten Schritt hilft es, wenn wir Frauen diesen Klischees mit einer gewissen Lockerheit begegnen. Da hilft einerseits Schlagfertigkeit in Richtung von Männern, andererseits auch die Fähigkeit zur Selbstkritik und Selbstironie.

Was meine ich damit? Ich halte von Thesen wie „Frauen sind bessere Manager als Männer“ überhaupt nichts. Wir sollten uns vielmehr bewusst machen: Die Führungskultur von Frauen ist nicht besser oder schlechter als die von Männern. Sie ist nur anders, und Unternehmen profitieren von einer guten Mischung aus weiblichen und männlichen Managern. Einen Wandel bekommen wir hier aber nicht hin, indem wir Frauen männliche Verhaltensweisen kopieren, sondern indem wir unsere eigene weibliche Art des Führens und Zusammenarbeitens leben. Je konsequenter wir das tun, desto selbstverständlicher wird das auch auf Seiten von männlichen Mitarbeitern und Kollegen akzeptiert werden.

Nicht zuletzt glaube ich, dass wir Frauen uns auf unserem Karriereweg ohne falsche Scheu, Rat und Hilfe holen sollten. Hunderttausende männliche Manager besuchen seit Jahrzehnten Seminare oder engagieren Coaches zu Themen wie „Richtig führen“ oder „Umgang mit Konflikten im Berufsleben“ – nicht selten bezahlt von Unternehmen, die ja selbst ein Interesse daran haben, dass ihr Führungspersonal entsprechende Kompetenzen erlernt. „Leadership“ liegt nur den wenigsten in Fleisch und Blut, und selbst Menschen mit entsprechenden Talenten sollten ihre Fähigkeiten immer wieder kritisch hinterfragen. Weibliche Führungskräfte und solche, die es werden wollen, sind deshalb gut beraten, diese Möglichkeiten ebenfalls zu nutzen und sich dabei ganz bewusst mit der Tatsache auseinandersetzen, sich als Managerin in einem weitgehend (noch) von Männern geprägten Umfeld zu bewegen.

Ich bin nach der positiven Entwicklung der vergangenen Jahre optimistisch, dass es uns Frauen gelingen wird, unseren Anspruch auf die Besetzung von Spitzenpositionen in privaten wie in öffentlichen Institutionen immer stärker geltend zu machen. Deutschland wird seit elf Jahren von einer Frau regiert, seit kurzem auch Großbritannien und bald vielleicht die Vereinigten Staaten. Das alles sind sichtbare und ermutigende Zeichen, dass Frauen es nicht nur schaffen können, sondern dass sie dabei mit ihrem eigenen weiblichen Stil von ihren männlichen Kollegen ganz selbstverständlich akzeptiert und respektiert werden.

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