Ein Jahr nach der Frauenquote Liebe Frauen, seid selbstbewusster, habt einen Plan und traut euch endlich mehr zu!

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Senior Advisor Burson-Marsteller GmbH

Expertise:

Jutta Falke-Ischinger ist Senior Advisor bei der internationalen PR-Agentur Burson-Marsteller und Gründerin der Diskussionsplattform Disput/Berlin!. Sie lebt zusammen mit ihrem Ehemann, dem deutschen Diplomaten Wolfgang Ischinger, in Berlin.

Selbst, wenn das geltende Scheidungsrecht nicht von den Frauen fordern würde, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, so wird es doch Zeit für die nächsten Schritte auf dem Weg nach oben. Nutzt die Chancen und Fähigkeiten, die ihr habt. "Think big!", ruft daher Jutta Falke-Ischinger den Frauen zu.

Im Vergleich zu anderen Ländern dieser Erde, in denen Frauen keinen oder schlechten Zugang zu Bildung haben, gelten deutsche  Mädchen und junge Frauen inzwischen als „Bildungsgewinnerinnen“. Sie schneiden, das befand jüngst auch der Jugendforscher Klaus Hurrelmann, in  fast allen Bildungs- und Ausbildungsbereichen deutlich besser ab als Männer.

Wer die Verantwortung nur auf Arbeitgeber, Unternehmensstrukturen oder schlechte Kinderbetreuung schiebt, denkt zu kurz.

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„Bildung ist die mächtigste Waffe, die du verwenden kannst, um die Welt zu verändern“, sagte einst Nelson Mandela. Doch: Was machen deutsche Frauen mit diesen „Waffen“? Die Antwort ist klar: Nicht genug! Tatsächlich klafft eine große Lücke zwischen weiblichem Bildungserfolg und der Zahl der Frauen in führenden Positionen. Wer da die Verantwortung nur auf Arbeitgeber, Unternehmensstrukturen oder schlechte Kinderbetreuung schiebt, macht es sich zu leicht. Richtig: Corporate Germany ist mitsamt seinen Gremien und Netzwerken immer noch männlich geprägt. Doch dies lässt sich nicht allein durch neue Gesetze ändern. Es kommt zuallererst auf die Frauen selbst an, die nach Examen oder Promotion auch Lust haben müssen, Verantwortung zu übernehmen und sich nicht abfinden mit dem Platz in zweiter oder dritter Reihe.

Doch allzu oft erlahmt in der Phase der Familiengründung der Arbeitseifer der weiblichen "High Potentials". Auf Top-Job folgt Elternzeit folgt Teilzeit. Und sind die Rollen erst einmal so verteilt - das zeigen Untersuchungen - bleibt es meist dabei: Er Vollzeit, sie Haushalt, Kinder und ein bisschen Job an halben Tagen. Aber auch junge Frauen ohne Kids und Partner drängen nicht ungebremst nach oben. Auch hier heißt es oft: „So viele Stunden, so viel arbeiten. So viel Verantwortung und Reisen? Was ist, wenn ich mal Kinder habe? Nein, das tu‘ ich mir nicht an!“

Bei Frauen rangiert die Sicherheit im Leben noch zu weit vorn. Viel zu häufig scheuen sie das Risiko.

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Dann doch lieber der Rückzug ins Private oder in vermeintlich sichere Positionen wie bei Stiftungen oder im Öffentlichen Dienst? Glaubt man den Zahlen einer Studie von Ernst & Young, strebt tatsächlich jeder dritte deutsche Student nach dem Examen in den Staatsdienst, bei den Frauen sind es deutlich mehr. Bei ihnen rangiert die Sicherheit des Arbeitsplatzes ganz vorn, wie auch die Aussicht, dort Familie und Job am ehesten unter einen Hut bringen zu können. Gewiss, der Öffentliche Dienst mag kurzfristig mehr Work-Life-Balance versprechen, doch bietet er genügend neue Herausforderungen? Was ist mit der Chance, unternehmerische Entscheidungen zu treffen? Einen Verlag umzukrempeln, einen Betrieb der Old Economy zu digitalisieren? Gibt es ihn noch, den Anspruch, die Welt zu verbessern, den Ehrgeiz, für Neues zu kämpfen oder - warum nicht - viel Geld zu verdienen?

Vor allem: Wie sollen denn Führungsstrukturen von Unternehmen weiblicher werden, wenn die  Frauen das sichere Leben auf dem Amt ersehnen? Ist es fehlender Ehrgeiz, mangelndes Vertrauen in die eigenen Stärken? Angst vor dem sozialen Absturz mag in einem Land wie den USA, in dem es soziale Sicherheit nur für die Vermögenden gibt, noch begründet sein, aber bei uns? In einem Land  mit einem der besten sozialen Netze der Welt dürfte eigentlich nicht die Angst vorm Abstieg die größte Triebkraft sein.

Was können wir ändern?

Frauen sollten mehr Selbstbewusstsein in allen Lebenslagen entwickeln: ob beim Partner oder im Job.

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In den USA erregte vor zwei Jahren ein Zeitschriften-Dossier Aufsehen. In „The confidence gap“ kamen die Autorinnen zu dem Ergebnis, dass es der Unterschied im Selbstbewusstsein sei, der über mehr oder weniger Erfolg im Beruf entscheide. Die Männer lagen da natürlich vorn!

Lähmt Euch also nicht mit Selbstzweifeln oder dem Zwang zum Perfektionismus. Entschuldigt Euch auch nicht für den Wunsch nach mehr Zeit für die Familie. Denn Kindererziehung  ist mehr als nur eine Frage des „guilt managements“, wie es Sheryl Sandberg einst formulierte. Mütter (aber auch Väter) sollten dazu stehen, wenn sie im Lauf ihres Lebens Prioritäten auch mal in der Familie setzen. Tretet für Euch ein, auch in der Partnerschaft! Fordert vom Partner, selbst wenn er temporär Vollverdiener ist, mehr Verantwortung für das Familienleben. Das Thema Vereinbarkeit ist nicht nur Frauensache!

Und im Job: Lasst Euch nicht entwerten. Fragt trotz Kindern und flexibleren Arbeitszeiten nach höherem Lohn für gute Arbeit! Da gibt es Nachholbedarf: Laut einer Accenture-Umfrage planen Frauen ihre Karriere passiver als Männer. Sie fragen wesentlich seltener nach einer Beförderung (26 vs. 74 Prozent) oder Gehaltserhöhung (48 vs. 72 Prozent) und werden deshalb auch weniger oft befördert.

Auch wer beruflich aus familiären Gründen mal kürzer tritt (das gilt für Männer wie für Frauen), sollte nicht planlos vor sich hin leben, nach dem Motto: Mal schauen was kommt. Lieber Pläne wieder umwerfen, als erst gar keine zu machen. Dazu gehört, den beruflichen Lebenslauf und das Portfolio an Kompetenzen und Erfahrungen attraktiv zu halten. Denn Teilzeit darf nicht für ewig einschränken, unsere Lebenszeit ist länger denn je. Und es ist objektiv – ähnlich formuliert es auch Jutta Almendinger –, nicht nötig, Kindererziehung und beruflichen Aufstieg in dieselbe kurze Zeit zu pressen. Warum nicht im Alter von 45 Jahren nochmal durchstarten? In Deutschland gibt es übrigens viel mehr Altersdiskriminierung als in den USA. Lohnt es sich nicht, auch bei uns für verändertes Denken zu kämpfen?

Frauen sollten verstärkt digitale Zukunftsberufe anstreben, anstatt Jobs in der öffentlichen Verwaltung.

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„Choose a job where you make a difference in the next decade!”, sagte einmal eine amerikanische Professorin ihren Studentinnen. Tatsächlich waren es bei der letzten Industriellen Revolution die Männer, die auf Jahrzehnte Weichen stellten, Normen setzten, Arbeitsprozesse festlegten. Wollen wir, dass das bei Industrie 4.0 genauso wird? Der digitalen Revolution werden Millionen Jobs zum Opfer fallen, wohl auch in den öffentlichen Verwaltungen.

Entscheidet Euch für anspruchsvolle Zukunftsberufe, in denen ihr aktiv mitgestaltet, wie die Welt in den nächsten Jahrzehnten aussehen soll.

Selbst, wenn das geltende Scheidungsrecht nicht von den Frauen fordern würde, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, so wird es doch Zeit für die nächsten Schritte auf dem Weg nach oben. Nutzt die Chancen und Fähigkeiten, die ihr habt. Think big!

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