Ein Jahr nach der Frauenquote  Frauenförderung als Kultur der Ermutigung 

Bild von Sabine Kunst
Präsidentin Humboldt-Universität zu Berlin

Expertise:

Sabine Kunst ist Hochschullehrerin und Politikerin. Außerdem hat sie als Managerin und Ingenieurin gearbeitet. Sie war von 2011 bis März 2016 Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg. Im Mai 2016 trat sie das Amt der Präsidentin der Humboldt Universität zu Berlin an.

Prof. Dr. Sabine Kunst gibt Einblick in die Frauenförderung an der Humboldt-Universität: Frauen werden darin unterstützt selbstbewusst in neue Berufsfelder einzusteigen, Chancen zu ergreifen, Verantwortung zu übernehmen und sich in Netzwerken auszutauschen. 

Im Laufe meines Berufslebens habe ich verschiedene Berufe ausgeübt. Ich habe als Ingenieurin gearbeitet, als Hochschullehrerin oder auch als Managerin. Ein Förderprogramm oder ein aktives Netzwerk zur Förderung von Frauen in Hochschulen gab es zu Beginn meiner Laufbahn allenfalls auf Kinderschuh-Niveau. Ich stamme sozusagen noch aus der Ära der "von Hand Förderung" durch einzelne Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer und konnte zu meinem großen Bedauern keine Netzwerke für meine Karriere in Anspruch nehmen.

Universitäten schaffen eine Kultur der Ermutigung. 

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Das Verhältnis von Frauen und Männern in der Wissenschaft anzugleichen, wurde mit den ersten Frauenförderprogrammen zum Ziel erklärt und es versteht sich von selbst, dass Universitäten seither allerorts dabei sind, strukturelle Hindernisse durch stärkere Unterstützung, z.B. in Form von Mentoring und eine besondere Berücksichtigung von Frauen bei Berufungen aufzubrechen.

Universitäten schaffen auf diese Weise ihrerseits eine Kultur der Ermutigung, die Frauen dazu auffordern will, aktiv zu werden, sich auf Programme zu bewerben und anschließend ihre Erfahrungen in Netzwerken weiterzugeben. Ich bin davon überzeugt, dass eine Diversität in Teams die Universität aber auch die Wissenschaft als solches besser macht. Und natürlich machen mehr Professorinnen die Universität für weitere qualifizierte Bewerberinnen zusätzlich attraktiv. Nicht zuletzt ist Frauenförderung wichtig, um unbewusste Stereotype auszuhebeln.

Frauen müssen Verantwortung übernehmen wollen. 

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

In beruflichen Kontexten treffe ich immer wieder auf Frauen, die befürchten, sie hätten in einer männerdominierten Umgebung generell keine Chance auf ein Weiterkommen oder auf Anerkennung der Arbeitsleistung. Das allerdings halte ich für überkommen. Auch seitens der Frauen gehört es neben dem berechtigten Anspruch auf Gleichbehandlung dazu, Verantwortung übernehmen zu wollen. Das für jede/n, ob Mann oder Frau, vielleicht Ungewohnte einer "Macht"-Ausübung, oder besser, der Ausgestaltung von Führung, muss angenommen und aktiv gestaltet werden. Nur wenn man sich dem auch aussetzt und sich auf diesem Gebiet weiterbildet, lernt und Erfahrungen sammelt, werden wir Frauen unserer Eigenverantwortung gerecht. Das wiederum ist die Voraussetzung dafür, auch wirklich innovative Entwicklungen in der Gesellschaft befördern zu können. Dies gilt bei weitem nicht nur für Frauen.

An der Humboldt-Universität war der 2012 erworbene Exzellenzstatus ein wichtiger Motor für die Gleichstellung. Für das zugehörige Zukunftskonzept wurde das übergreifende Gleichstellungsprogramm der HU, das Caroline von Humboldt-Programm, entwickelt und finanziell umfassend unterfüttert. Sämtliche gleichstellungspolitische Maßnahmen der Universität werden unter dieser Dachmarke gebündelt, evaluiert und weiterentwickelt. Für die sechs Zielfelder – von der Rekrutierung über die Kommunikation und Organisationsentwicklung hin bis zur Vereinbarkeit von Studium/Beruf und Familie – gibt es für Frauen in allen Statusgruppen an der Universität Angebote und  Empowerment– z. B. Stellen, Stipendien, Preise oder Leadership- sowie Mentoring-Programme.

Das Aufbauen von Netzwerken in der Uni ist wichtig für den selbstbewussten Einstieg ins Berufsleben. 

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Über viele dieser Angebote können die Frauen vor allem Netzwerke mit zukünftigen Kolleginnen und Kollegen aufbauen, die sie dann im Beruf und bei ihrer Entwicklung in diesem stützen. Diese Netzwerkarbeit, aus dem Arbeits- oder Forschungskontext heraus, erleichtert die Integration in ein (neues) Arbeitsumfeld, da in vielen Fächern nach wie vor Männer die Überzahl bilden. Dies führte dazu, dass Netzwerke lange Zeit eher "männlich" organisiert waren. Erst in den letzten Jahrzehnten wurden Frauennetzwerke erfolgreich aufgebaut, wie z.B "AcademiaNet" – gefördert von der Robert Bosch Stiftung – oder "femtec".

Die Frauenförderung ist noch nicht am Ziel. Gut finde ich aber als Mentorin, Förderin und Unterstützerin, dass es heute hervorragend funktionierende Programme gibt. Es gilt, diese zu nutzen und öffentlich zu wertschätzen, sie nicht als ein Almosen anzusehen, sondern als ein notwendiges Mittel zum Nachteilsausgleich und zum Vorteil der Universität, damit Frauen ihren beruflichen Weg finden und gehen – sei es als Ingenieurin, Wissenschaftlerin oder Managerin. Diese Möglichkeiten zu nutzen, dafür kann ich nur energisch werben.

 

Sie können an dieser Stelle derzeit keinen Kommentar schreiben.