Ein Jahr nach der Frauenquote Aufgrund der Leistung bewertet werden

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Geschäftsführerin, Conwert Immobilienverwaltung GmbH

Expertise:

Kristina Jahn ist seit dem 1. September 2016 Geschäftsführerin von Conwert Immobilienverwaltung GmbH. Bis März 2016 war sie Vorstandsmitglied beim Berliner Wohnungsunternehmen Degewo.

Kristina Jahn hofft, dass man in zehn Jahren die Diskussion um die Frauenquote belächelt. Die Gleichstellung muss als gesamtgesellschaftliche Sache anerkannt und die Notwendigkeit von ausgeglichenen Führungsteams gesehen werden. 

Zu Anfang habe ich eine Quote abgelehnt, fand sie geradezu albern, jedenfalls konnte ich keinen echten Zusammenhang zu meiner beruflichen Situation herstellen. Ich fühlte mich chancengleich und auf Grund meiner Leistungen bewertet. Persönliche berufliche Nachteile hatte ich als Frau nicht erlebt. Und an Frauenförderung, Gender und Quote keinen längeren Gedanken verwandt. Hier musste es sich doch sicher um andere Frauen handeln - aber eben nicht um mich. 

Ich fühlte mich chancengleich und auf Grund meiner Leistungen bewertet. 

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Aber jetzt: Nach einigen Jahren im Top-Management hat sich meine Sicht auf die Dinge verändert. Ich schien exotisch zu sein und wurde immer wieder auf das Thema Frauen-Führung-Kinder und das "Wie geht das?" angesprochen. Ein Problem, das ich bisher so nicht wahrgenommen hatte. Parallel begegnete mir immer häufiger das Phänomen der vermuteten Kompetenz. Will sagen: Wie nur konnten es manche in solch eine Führungsposition geschafft haben? Meist Männer - was alleine daran liegt, dass sich der Anteil von Frauen und Männern im oberen Management völlig verschiebt. Es ist eben nicht das eine Geschlecht schlauer, besser oder erhabener als das andere. Weder Männer noch Frauen.

Auf der anderen Seite sehe ich aber auch viele Frauen in meinem persönlichen Umfeld, die ich für sehr kompetent halte, die nicht in echte Karriere-Rollen kommen. Dabei haben bei Abiturnoten, Studienabschlüssen und Co. Mädchen und Frauen die Nase vorn. Nun macht ja auch bei weitem nicht jeder Mann Karriere, aber doch eben deutlich mehr als Frauen. Häufig sehe ich Frauen (meist Mütter), die in Teilzeitmodellen stagnieren, sich zerreißen zwischen Beruf und Kindern und immer hat der Tag zu wenige Stunden. Ich persönlich halte Führung in Teilzeit für bisher nicht möglich. Nach der "Kleinkindphase" ist es dann meist zu spät, um noch auf den fahrenden Zug aufzuspringen.

Führung in Teilzeit ist bisher nicht möglich. 

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Entscheiden zwischen Kindern und Beruf wollte ich mich nie. Warum auch? Beides geht, ich habe das nie als Problem erkannt, rückblickend aber natürlich als eine Frage der persönlichen Belastbarkeit. Berufliche Entwicklung kann ich mir nicht ohne Kinder vorstellen und ein Familienleben ohne berufliche Herausforderungen ebenso wenig. Ich will beides leben. Das ist allerdings nur mein Weg, Allgemeingültigkeit hat er nicht. Jedes Paar, jede Familie wählt hier ein individuelles Modell. Die wichtigste weibliche Entscheidung - auch für die berufliche Entwicklung - ist vermutlich die Partnerwahl.

Was geschieht also mit diesen gut ausgebildeten jungen Frauen zwischen Studienabschluss und Chefsessel? Hierauf eine befriedigende Antwort zu finden, ist schon aus rein ökonomischer Sicht absolut notwendig. Keine Gesellschaft, kein Unternehmen, kein Konzern kann es sich leisten, auf die Kompetenz der einen Hälfte der Bevölkerung zu verzichten.

Darum ist die mir wichtigste Forderung: Frauenförderung muss als gesamtgesellschaftliches Thema erfasst werden. Stereotype Vorstellungen müssen über Bord geworfen und die ökonomische Notwendigkeit anerkannt werden.

Die ökonomische Notwendigkeit muss anerkannt und Stereotype müssen aufgebrochen werden.

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Mein Deutschland in zehn Jahren hat die Grenzen der acht-Stunden-Logik der Arbeitswelt verloren. Arbeitsergebnisse und messbare Erfolge stehen vor "Fleißkärtchen", Anwesenheit und Geschlecht. Mein Deutschland in zehn Jahren belächelt die damalige Diskussion zum Thema Frauenquote, dies hat dieses Land nun nicht mehr nötig. Die Hürden sind überwunden.

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