Wachstum in Berlin Niemand bei Verstand kann sich das alte Berlin zurückwünschen

Bild von Ulrike Heringer
Herausgeberin Urbanist Magazin

Expertise:

Ulrike Heringer gründete 2016 die Fahrradtaschenmarke ZIMMER. Sie ist außerdem Herausgeberin des Urbanist Magazins, einem Magazin für Stadt und Mobilität. 2013 wurde sie für ihre Arbeit mit dem Fahrradpreis der Stadt Berlin ausgezeichnet. 2017 war sie Jurymitglied des Deutschen Fahrradpreises.

Berlin wächst und wird zur typischen Großstadt mit allen Vor- und Nachteilen. Das vorherige ausbleibende Wachstum hat die Stadt an den Rande des Zusammenbruchs gebracht. Statt zu romantisieren, gilt es, die konkreten Gelegenheiten in Berlin zu ergreifen.

Berlin wird voller, teurer und lauter. Das nervt viele, auch mich. Wäre es nicht besser, wenn es kein Wachstum gäbe, nicht an Menschen, nicht an Jobs, nicht an Wohlstand? Das sagen viele in Berlin und träumen vom Berlin der Jahrtausendwende.

Ja, in einigen Punkten haben diese Menschen recht. Klar nerven volle Bahnen und Schwimmbäder. Klar ist günstiger Wohnraum großartig. Klar sind Parties in besetzten Häusern aufregend. Aber man darf nicht vergessen: Wäre in den letzten Jahren nicht das Wachstum gerade in wirtschaftlicher Hinsicht nach Berlin zurückgekehrt, dann würde man in Berlin heute ganz andere Klage hören.

Rund um die Jahrtausendwende fiel mangelndes Wachstum mit jahrelanger öffentlicher Misswirtschaft zusammen. “Sparen, bis es quietscht” war die Folge – und es quietschte laut: Landeseigene Wohnungen wurden verkauft, Landesbeschäftigte bekamen nur noch geringe Gehaltserhöhungen und Eltern mussten auf die Lernmittelfreiheit verzichten. Die Freie Universität verlor die Hälfte ihrer Professuren. Überfüllte Hörsäle, ein Mangel an günstigem Wohnraum und überforderte Behörden, also Zustände, die man heute mit einem unerwartet hohen (Bevölkerungs-) Wachstum verbindet, sind zu einem großen Teil auf den (notwendigen) Sparkurs zurückzuführen - der mit mehr Wachstum weitaus weniger katastrophal ausgefallen wäre.

Was man heute als Wachstumsprobleme diskutiert, sind häufig Probleme des mangelnden Wachstums.

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Niemand bei Verstand kann sich ein Berlin wie vor zwanzig Jahren zurückwünschen – zumindest nicht, solange man auf eine funktionierende Feuerwehr, eine intakte Schultoilette oder eine zuverlässige U-Bahn angewiesen ist. Welche Schäden der (notwendige) Sparkurs angerichtet hat, erfährt man zum Teil erst heute. Zum Glück sind dabei bisher nur wenige Menschen direkt zu Schaden gekommen. Für die öffentliche Hand in Berlin, und damit für uns Bürger dieser Stadt, ist Wachstum im Sinne von steigendem Wohlstand dringend notwendig.

Doch Wachstum ist nicht konfliktfrei zu haben. Denn mehr Jobs führen zu Zuzug, mehr Berufsverkehr und mehr Menschen, die in der Stadt wohnen wollen. Nahezu jede beliebte, wachsende Großstadt klagt über ähnliche Probleme. Man schaue sich Paris, Hongkong oder Tel Aviv an. Überall sind die Mieten hoch, der Wohnraum pro Kopf gering, der Verkehr staut sich regelmäßig. Es entstehen also überall Nutzungskonflikte. Das ist auch nicht weiter verwunderlich: Zu wenig Platz zu haben, das ist praktisch die Definition von Stadt.

Zu wenig Platz haben, ist praktisch die Definition von Stadt.

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Das ist auch grundsätzlich nicht schlimm: Auf engem Raum verdichten sich vielfältige kulturelle und wirtschaftliche Tätigkeiten, die Infrastruktur wird besser ausgenutzt. Daher sind die Menschen, die in Großstädten arbeiten, typischerweise wohlhabender als andere Menschen, was wiederum zu weiterem (Bevölkerungs-) Wachstum führt. Berlin ist als verhältnismäßig arme Großstadt eine Ausnahme dieser Regel, was nicht zuletzt an der außergewöhnlichen Geschichte der Stadt liegt. Berlin befindet sich auf dem Weg, eine normale Großstadt mit allen Vor- und Nachteilen zu werden.

Berlin wird zur typischen Großstadt und muss sich typischen Großstadtproblemen stellen.

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Ein typisches Großstadtproblem ist die hohe Verkehrsbelastung. Jeder weiß, dass viele Autos einer Stadt nicht gut tun. Menschen müssen sich aber auf die eine oder andere Art durch die Stadt bewegen. Dass in Berlin so viele Menschen ihre Wege bereits unter sehr mittelmäßigen Bedingungen mit dem Rad zurücklegen, ist außergewöhnlich. Auch wenn man es im Alltag nicht immer denken würde: Diese Tatsache entspannt schon heute die Verkehrssituation. Denn Radfahrer nutzen den knappen Straßenraum effizienter und verursachen dabei weder Lärm noch Dreck.

Für die wachsende Großstadt Berlin ist Radverkehr ein Glücksfall.

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Um die Verkehrssituation einer Stadt zu verbessern, gibt man normalerweise sündhafte Summen für Autobahnerweiterungen oder den öffentlich Nahverkehr aus. Berlin investiert etwa jedes Jahr hunderte von Millionen Euro an Subventionen für den öffentlichen Nahverkehr (und das ist sehr gut angelegtes Geld!). Andere Großstädte nehmen teils harte Konflikte in Kauf, um den Verkehr in ihren Innenstädten im Griff zu halten. Man stelle sich die Diskussion vor, wenn Berlin wie London eine Citymaut einführen würde!

In Berlin fahren einfach sehr viele Menschen gerne Fahrrad. Was für Glücksfall! Andere Großstädte würden fast alles tun, allein um den heutigen Stand Berlins in Sachen Radverkehrsanteil zu erreichen.

Andere Städte beneiden Berlin wegen seinem Radverkehrsanteil. 

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Festhalten lässt sich, dass Berlin ohne das Wachstum der letzten Jahre ein trauriges Pflaster wäre. Statt sich um die Probleme einer verarmenden, zerfallenden Stadt zu kümmern, wird man sich in Berlin in Zukunft um “normale” Großstadtprobleme kümmern müssen. Dabei hilft es nicht, die Vergangenheit zu romantisieren. Aber der Blick auf andere Städte zeigt: Berlin hat gar keine schlechten Voraussetzungen! Man muss sie nur ergreifen.

9 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

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  1. von Henry A. Selkirk
    Fr.Heringer,
    nach ihrer Intention habe ich den Verstand verloren. Ich kann Ihnen auch sagen wann: Irgendwann im Frühjahr 2002, als sich abzeichnete das ich meinen Job wegen der Mißwirtschaft des Berliner Senats verlieren würde und ich zeitgleich einsehen mußte das ich dank der nachdrängenden jungen Menschen aus allen Teilen Deutschlands mit Ende Dreißig Alteisen war - nicht mehr zu gebrauchen auf dem Arbeitsmarkt. Das war der Moment wo ich mir das Berlin meiner Kindheit, Jugend, meiner jungen Erwachsenenjahre zurückwünschte. Und mit jedem Jahr das vergeht werde ich weiter an den sozialen Rand gedrängt - und ich merke nichts von einem Wachstum der Stadt, ganz bestimmt nicht wirtschaftlich denn dann würde ich als freier Unternehmer auch etwas davon abbekommen, tatsächlich ist es so das ich jedes Jahr härter um das wirtschaftliche Überleben kämpfen muß. Und mehr Radfahrer auf den Straßen empfinde ich dabei nicht als hilfreich. Und wie kommen Sie auf den seltsamen Gedanken das jeder weiß das viele Autos einer Stadt nicht guttun? Sie projezieren da ihre Ansichten auf eine Vielzahl von Menschen - die teilweise ganz andere Ansichten vertreten. Hieran krankt die Diskussion in dieser Stadt: Die jungen Leute - die teilweise gar nicht hier geboren sind, die Geschichte der Stadt und ihrer Menschen gar nicht kennen, wollen anderen erklären wie man zu leben und zu arbeiten hat - und setzen ihre eigenen Meinungen als unmstößliches Faktum in die Welt, mit einer Arroganz wie man sie als Westberliner in der Form kaum von den Grenzposten des Arbeiter-und Bauernstaates kannte, die natürlich ideologisch völlig in ihrem eigenen System verankert waren.
    Und nein, massenhaft auftretende Radfahrer entspannen die Verkehrssituation eben nicht. Sie sind ein völlig unkalkulierbares Risiko.
    Und als Eingeborener möchte ich festhalten: Ich möchte nicht in einer normalen Großstadt wie London, Paris, Rom, New York oder Tokio wohnen und arbeiten.
    Es gäbe noch viel zu sagen, aber der Platz ...
    1. von Heiko GEBHARDT
      Antwort auf den Beitrag von Henry A. Selkirk 19.05.2017, 19:36:34
      " Irgendwann im Frühjahr 2002, als sich abzeichnete das ich [ Henry A. Selkirk] meinen Job wegen der Mißwirtschaft des Berliner Senats verlieren würde und ich zeitgleich einsehen mußte das ich dank der nachdrängenden jungen Menschen aus allen Teilen Deutschlands mit Ende Dreißig Alteisen war - nicht mehr zu gebrauchen auf dem Arbeitsmarkt."

      Ohne Benennung der Branche ist Selkirks Kommentar hier wertlos.

      Ist Selkirk selbst allerdings der Schriftsteller gleichen Namens, so verstehe ich das Lamento überhaupt nicht mehr.
  2. Bild von Wilfried Wang
    Autor
    Wilfried Wang, Wilfried Wang, Hoidn Wang Partner, Berlin; O'Neil Ford Centennial Professor in Architecture, The University of Texas at Austin; Kurator der derzeitigen Ausstellung DEMO:POLIS–Das Recht auf Öffentlichen Raum, Akademie der Künste. Vorstandsvorsitzender der Schelling-Architekturstiftung; Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Künste; Ehrendoktor der Königlich Technischen Hochschule, Stockholm; Stellvertretender Direktor der Sektion Baukunst, Akademie der Künste Berlin; Ehrenmitglied des BDA und der Portugiesischen Architektenkammer.
    Sehr geehrte Frau Heringer,

    ein wichtiges Thema – Wachstum der Stadt Berlin – aber warum entwickeln Sie daraus keine konkreten Thesen?

    Ihr Text ist eine Aufzählung bekannter Phänomene ohne Rückschlüsse. Wie wollen Sie den hiesigen Globalisierungskritikern, verzweifelten Wohnungssuchenden, Kulturschaffenden, hoffnungsvollen Geflüchteten, et al mit klaren Aussagen zur Zukunft der Stadtentwicklung begegnen?

    Dass der neoliberale Sparkurs (notwendig) war? War er nicht. Dass ein konzeptloses Weiterwursteln eben nun mal auch in anderen Städten praktiziert wird? Mag sein, aber muss man das kopieren? Dass es keine Vorstellung mehr vom urbanen Leben im 21. Jahrhundert gibt? Dann sollte man sich auf dem Weg machen, derartige Vorstellungen zu entwickeln. Dass die ökologische und soziale Katastrophe hinzunehmen sei? Na dann prost. Letztlich, dass Stadtentwicklung eben nicht mehr planbar ist? Da bin ich anderer Meinung. Stadtplanung ist komplex, dauert lange und braucht viele Beteiligte und Interessierte, aber sie ist nicht nur planbar, sie ist unbedingt notwendig, gerade weil manche eine sozial wie funktional durchmischte Stadt weiterhin haben wollen.

    Aufgrund des Versagens der Politik und der Verwaltung hinsichtlich des BER Flughafens kann man jeder in Berlin lebenden Person bestimmt keinen Vorwurf machen, dass sie der Politik und der Verwaltung nichts Größeres mehr zutraut.

    Die kriegt ja nicht mal die Sanierung von Schulen hin.

    Wegen mangelnden Fachpersonals in der Verwaltung, nicht wegen der angeblich nicht vorhandenen Finanzmittel.

    Aber genauso wie es Druck von Unten bez. Mieterschutz, Radwegen, Tempelhofer Feld, Energietisch, etc. gab, genauso muss die Berliner Politik von der Öffentlichkeit vorangetrieben werden.

    Berlin muss mehrstufig weiterentwickelt werden:
    1 angemessene Nachverdichtung in allen Wohnsiedlungen
    2 Baustopp am Stadtrand: keine Erweiterung des Speckgürtels
    3 Hochhäuser außerhalb der gründerzeitlichen Quartiere

    Fortsetzung f.
    1. Bild von Wilfried Wang
      Autor
      Wilfried Wang, Wilfried Wang, Hoidn Wang Partner, Berlin; O'Neil Ford Centennial Professor in Architecture, The University of Texas at Austin; Kurator der derzeitigen Ausstellung DEMO:POLIS–Das Recht auf Öffentlichen Raum, Akademie der Künste. Vorstandsvorsitzender der Schelling-Architekturstiftung; Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Künste; Ehrendoktor der Königlich Technischen Hochschule, Stockholm; Stellvertretender Direktor der Sektion Baukunst, Akademie der Künste Berlin; Ehrenmitglied des BDA und der Portugiesischen Architektenkammer.
      Antwort auf den Beitrag von Wilfried Wang 19.05.2017, 17:10:24
      Fortsetzung

      4 Ausbau der Magistralen wie die Köpenicker Landstraße oder die AVUS zu hochverdichteten urbanen Boulevards (ja die AVUS)
      5 Umbau von einigen Gartenkolonien gemeinsam mit den Pächtern/Besitzern zu Urban Farms und Siedlungshäusern um auch hier eine höhere Dichte zu erreichen, gleichzeitig aber auch den landschaftlichen und gärtnerischen Aspekt zu stärken
      6 Schutz von Quartieren (Milieuschutz), von Altbaubestand, von Grünanlagen/Grünzügen/Parks/Forsten, großen Wasserelementen wie Seen, Flüsse, etc.
  3. von Jürgen Spiegel
    Wie denn ergreifen? Tut Berlin es? - Dieser jungen Autorin will ich als Trümmerkind mal sagen, dass Berlin schon mal sehr viel mehr in seiner heutigen 20er Jahre-Dimension bewältigt hat, mit über einer Million Einwohner mehr. Das unterscheidet Berlin von allen anderen Großstädten, die wachsen, dass es schon mal sehr viel mehr war. Und dann fällt auf, dass es in Notzeiten Anschluss halten wollte, u.a. auf große Verkehrserschließung setzte (U-Bahn-Ausbau, Autobahn-Ausbau, Straßenerweiterung). Heute wirkt es auf mich geradezu in allem, wo es ins Große geht, wie irritiert, ohne Konzept, und wie zunächst defensiv gegen Expansion. Eine erstaunliche Bereitschaft zum Abspecken und Rückbau und „Rechnet sich“ – und so begegnet man Berlin! – München hat mit der Olympiade ein komplett neues Schienen-Nahverkehrssystem bekommen, ebenso Hannover mit der Weltausstellung. Berlin ist wieder Sitz der Bundesregierung geworden – und was folgt daraus hier??? In den 25 Jahren, nachdem Berlin den Sitz der Reichsbank an Frankfurt/M. verschenkt hat, ist dort ein Wald an Hochhäusern entstanden, und ein Nahverkehrs-Großraum, mit Aktivität zum verwaltungsmäßigen Zusammenschluss. Was ist hier, namentlich mit Brandenburg? - Ich fürchte dieses Sich-Einrichten!
  4. von Peter Schulz
    Es ist schon eine gewisse Zumutung diesen Artikel zu Ende zu lesen.
    Als Berliner soll ich mich in Demut üben und nach Paris, Hongkong oder Tel Aviv schauen und die Klappe halten!
    Weil...ach ja...die Fehler im System sind typisch, sprich: typisch, langweilige Großstadtprobleme.
    Zu wenig Platz wird mal kurz & knapp, very fatalistisch, als...klar....typisches Stadtproblem verortet.

    Vielleicht auch mal kurz vor der Wende in West-Berlin nachschauen, wie das Leben da so ging, neben 750 Jahr Feier und damaliger internationalen Bauausstellung....????
    Jut...also nur 20 Jahre zurückgeblickt ins wiedervereinigte überaus spannende Problemberlin.....!!!!

    Ich fahre all meine Wege mit dem Fahrrad, dass aber Berlin dadurch....vermutlich typischer Weise....weniger Probleme bekommt, wäre mir neu.

    Vielleicht hat aber die Frau Urbanistik mal in den anderen sooo großen Städten mal deren Probleme studiert....und fragt sich nun immerfort, warum die Stadtplanung, trotz aller Problemforschung, nichts geliefert hat, was uns "typischerweise" helfen könnte??????
  5. von Martin Pawo Tessmer
    Irren ist ein Vorrecht der Jugend. Natürlich kennt die Autorin weder das "alte" Berlin(West), noch "die Hauptstadt", ja nicht einmal das "Wende"-Berlin. Die Berliner waren ein Völkchen für sich, heute gibt es nur noch "Bevölkerung". Berlin war vielleicht kleiner, was die Einwohnerzahl betrifft. aber es war typisch, herzlich, gemütlich und etwas piefig, relativ Sorgenfrei. Ich und die meisten meiner Bekannten, die heute schon "oll" sind, würden viel darum geben, wenn es so wäre wie früher. Berlin heute ist scharf, rücksichtslos, überteuert, unstet, überfremdet...Schnittige und geputzte Fassaden täuschen darüber hinweg, das dahinter meist Seelenlosigkeit herrscht. Die Schnelligkeit täuscht Erfolg vor, gebrochene Konventionen werden als Freiheit vermarktet, Feten und Events verwechselt man mit Kultur und Tradition.
    "Aussen Huii..., Innen Pfuii..", so sagt der Berliner.
    Und ich bin welterfahren und kenne viele Weltstädte ganz gut. Sowas wie Berlin ist einmalig, im negativen Sinne...
    1. von Gabriele Flüchter
      Antwort auf den Beitrag von Martin Pawo Tessmer 19.05.2017, 15:22:09
      "Berlin heute ist scharf, rücksichtslos, überteuert, unstet, überfremdet...Schnittige und geputzte Fassaden täuschen darüber hinweg, das dahinter meist Seelenlosigkeit herrscht."

      So sehe ich Berlin nicht, ich kenne Berlin erst seit dem Jahr 2000, das Vorwende-Berlin hatte ich nie gesehen und ich glaube nicht, dass es mir besser gefallen hätte, als das Nachwende-Berlin. Gerade die Geschichte des geteilten Berlin macht ja heute das nicht mehr geteilte Berlin so besonders und eigentlich auch groß.

      Nein, Berlin ist so, wie es jetzt ist, schon richtig. Berlin ist, anders als Hamburg, München und London noch immer nicht wirklich fertig und noch immer könnte Berlin sein eigenen Weg gehen.

      Überfremdet finde ich Berlin schon gar nicht, die Vielfalt ist der Grund, weshalb ich hier bin.
  6. von Gabriele Flüchter

    Die Gentrifizierung bringt viele Verluste an Vielfalt mit sich und es wäre schöner, die Politik würde darüber diskutieren, wie "normal" die Großstadt Berlin denn sein soll und wie crazy sie sein darf.

    Ich mag Hamburg gerne, wünsche mir aber nicht, dass Berlin wie Hamburg würde, gleiches gilt für München.

    Berlin ist eine eigene große Stadt und muss nicht werden wie andere Großstädte. Warum auch?

    Auf die Wohnkosten sollte ganz genau geachtet werden, denn wenn diese ansteigen, wird eine Stadt reicher, aber langweiliger

    Ich vergleiche das mit einer Zugfahrt. Gehe ich zum Sparpreis in die zweite Klasse, ist es etwas anstrengender, muffig vielleicht, aber sozial viel interessanter als in der ersten Klasse.

    In der ersten Klasse sehen alle gleich aus, alle tippen Arbeit in ihren Laptop und führen wichtige Gespräche. Es ist alles proper, man kann nichts dagegen haben, muss sich aber dringend selbst was zum Lesen mitbringen, denn es ist da einfach nur stinklangweilig.

    Der alte Spruch "Arm aber sexy" droht langfristig durch
    "Reich aber öde" ersetzt zu werden.

    Klar ist Berlin eine schöne Stadt - schön sind sie aber alle, die Großstädte.

    Berlin ist besonders, auch aufgrund seiner besonderen Geschichte und hat es überhaupt nicht nötig zu werden wie alle Städte. Ich sehe dafür weder eine Notwendigkeit und darin auch kein erstrebenswertes Ziel.

    Mir ist deshalb der Beitrag von Ulrike Heringer zu schicksalergeben.