Vegan - hipper Trend oder Weltrettungsprogramm? Vegan ist eine Frage der Vernunft

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geschäftsführender Vorstand Albert Schweitzer Stiftung

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Mahi Klosterhalfen ist geschäftsführender Vorstand der Albert Schweitzer Stiftung. Er setzt sich seit dem Jahr 2005 gegen die Massentierhaltung und für die Verbreitung der veganen Lebensweise ein.

Wenn die Nahrungsmittelindustrie mit ihrer Massentierhaltung die Umwelt und das Klima negativ beeinflusst und darüber hinaus noch zu millionenfachem Leid in den Ställen führt, dann dreht sich die Frage "Vegan oder nicht?" längst nicht mehr um persönliche Befindlichkeiten. Es geht um globale Probleme.

In der Autobiographie von Mahatma Gandhi gibt es eine Stelle, die mein Leben verändert hat: Der schwer kranke Gandhi erhält den ärztlichen Rat, Hühnersuppe zu trinken, da er sonst angeblich sterben würde. Gandhi entgegnet, er würde lieber sterben, als für den Tod eines Tieres verantwortlich zu sein. Diese ethische Grundhaltung hat mich nachhaltig beeindruckt, sodass ich auf der Stelle zum Vegetarier wurde. Nur wenig später ging ich noch einen Schritt weiter und entschied mich für die vegane Ernährung – den grausamen Umgang unserer Gesellschaft mit den Tieren wollte ich nicht länger unterstützen.

 

Die sogenannte ‘Nutztierhaltung’ ist ein Bereich, in dem der Mensch besonders viel Leid und Tod verursacht. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2015 über 778 Millionen Tiere (Fische nicht mit eingerechnet) für die Nahrungsmittelproduktion geschlachtet. Weltweit werden jährlich rund 70 Milliarden Landtiere gezüchtet, qualvoll gehalten und schließlich getötet. Dazu kommen noch einmal mehr als eine Billion (!) Meerestiere.

Ausgenutzte Milchkühe kommen zum Schlachter, männliche Küken werden geschreddert, Grausamkeiten!

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Wie vielen anderen Menschen war mir lange nicht bewusst, dass man auch mit dem Konsum von Milchprodukten und Eiern zur Ausbeutung der Tiere beiträgt – und zu deren Tod. Milchkühe werden immer wieder künstlich geschwängert, damit sie Milch geben. Lässt ihre Milchleistung nach, landen sie beim Schlachter. Ihre männlichen Kälber werden in aller Regel sehr früh für ihr ‘Kalbsfleisch’ getötet. Bei der Züchtung von Legehennen entstehen zu 50 Prozent männliche Küken, die direkt nach dem Schlüpfen vergast oder zerschreddert werden, weil sie keine Eier legen können.

Veganismus ist das beste Mittel gegen qualvolle Tierhaltung.

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Um das qualvolle System der Tierhaltung zu beenden, ist die vegane Ernährung die beste Lösung. Doch auch die Auswirkungen der Tierhaltung auf die Umwelt, die Welternährungssituation und die Gesundheit sind entscheidende Argumente für eine Ernährungsumstellung.

Die Agrarindustrie ist für viele Umweltprobleme verantwortlich.

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Die industrielle Tierhaltung ist für eine Vielzahl der heutigen Umweltprobleme in hohem Maße mitverantwortlich. Ein Beispiel ist der Klimawandel, dessen Auswirkungen bereits in einigen Teilen der Welt deutlich sicht- und spürbar sind. 14,5 Prozent aller durch den Menschen verursachten Treibhausgasemissionen sind auf die Tierhaltung zurückzuführen – das sind genauso viele, wie durch den weltweiten Verkehrssektor verursacht werden. Wissenschaftler sprechen davon, dass die ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen bis 2050 um 63 % reduziert werden könnten, wenn sich alle Menschen vegetarisch ernährten. Bei einer veganen Ernährung liegt der Wert bei 70 %.

Ein Drittel der Ackerflächen werden für Futtermittelanbau genutzt.

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Die Tierhaltung verschwendet zudem wichtige Ressourcen, die im Hinblick auf eine immer weiter wachsende Weltbevölkerung nicht verschwendet werden dürften. Rund ein Drittel aller weltweit nutzbaren Ackerflächen werden für den Anbau von Futtermitteln genutzt. Nimmt ein Tier sieben Kalorien in Form von Futtermitteln auf, bleibt davon nach diversen Stoffwechselprozessen durchschnittlich nur eine einzige Kalorie in Form von tierlichen Produkten übrig. Würden auf den Ackerflächen keine Futtermittel für die Tiere, sondern Pflanzen für die direkte menschliche Ernährung angebaut, könnten laut einer Studie der Universität Minnesota drei Milliarden Menschen mehr ernährt werden.

Pflanzliche Ernährung senkt den Cholesterinspiegel und das Diabetes-Risiko.

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Viele Menschen entscheiden sich auch aus gesundheitlichen Gründen für die vegane Ernährung. Wer sich pflanzlich ernährt, hat gegenüber Personen, die viele Tierprodukte konsumieren, günstigere Cholesterinwerte und ein geringeres Risiko, an Zivilisationkrankheiten wie Herzleiden und Übergewicht zu erkranken. Die Wahrscheinlichkeit für einen Diabetes Typ 2 ist ebenfalls kleiner.

Eine ausgewogene, gut geplante Ernährung eignet sich für alle Lebensphasen inklusive Schwangerschaft und Kleinkindalter. Dies betonen auch internationale Institutionen wie die US-amerikanische Academy of Nutrition and Dietetics und das australische National Health and Medical Research Council.

Ernährung ist eine persönliche Entscheidung? Nicht, wenn am Ende ein totes Tier auf dem Teller liegt.

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Von Gegnern der veganen Ernährung höre ich häufig, dass Essen nun einmal eine persönliche Entscheidung sei. Doch bei der Entscheidung für das Stück Tier auf dem Teller trifft man diese ‘persönliche’ Entscheidung für ein anderes, fühlendes Lebewesen mit. Zum Essen gehören in diesem Fall zwei: Derjenige, der isst, und derjenige, der gegessen wird. Betrachtet man die Auswirkungen der Ernährungsweise auf komplexe Bereiche wie die Umwelt und die Welternährung, wird zudem klar, dass es hier nicht um persönliche Befindlichkeiten, sondern um globale Fragestellungen geht.

- Lesen Sie hier die Debatte.

- Außerdem auf Causa: Machen Bürgerreferenden die EU kaputt?

 

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