Vegan - hipper Food-Trend oder Weltrettungsprogramm? Vegan ist ein Lösungstool für zahlreiche globale Herausforderungen

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Vorsitzender Vegane Gesellschaft

Expertise:

Christian Vagedes ist Gründer und Vorsitzender der Veganen Gesellschaft Deutschland e.V., Herausgeber des veganmagazins, Initiator der veganfach und Autor des Buches »Veg Up. Die Veganisierung der Welt«.

Wer glaubt, die ganze Welt könnte so viel Eier, Wurst und Milch konsumieren, wie bisher nur der Westen, irrt gewaltig. Das würde den Globus zerstören. Veganer sind keine wunderlichen Irren, sondern die Ersten, die das erkannt haben.

Ein »Weltrettungsprogramm« ist dann überfällig, wenn die Welt tatsächlich bedroht ist. Schauen wir uns das etwas genauer an:

Durch eine vegane Ernährung können laut verschiedener wissenschaftlicher Untersuchungen mindestens vier Milliarden Menschen mehr ernährt werden. Für das Jahr 2050 prognostizieren die Vereinten Nationen einen Bevölkerungsanstieg auf zehn Milliarden.

Aus zehn pflanzlichen Kalorien macht die Agrarindustrie eine tierische. Das ist der Wahnsinn.

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Heute schon wird nahezu die Hälfte der weltenweiten Getreideernte nicht von Menschen gegessen, sondern an "Nutztiere" verfüttert. Der Verschwendungsfaktor beträgt dabei etwa zehn zu eins. Wir bringen das "Kunststück" fertig, aus zehn pflanzlichen veganen Kalorien eine tierische nichtvegane Nahrungskalorie zu machen. Das ist nicht nur unwirtschaftlich, sondern auch menschenverachtend. Jeder, der glaubt, dass wir den im Westen üblichen Konsum von Fleisch, Wurst, Fisch, Eiern und Milchprodukten auf die ganze Welt übertragen können, irrt sich gewaltig. Und jeder, der den westlichen Ernährungsstil auf den gesamten Planeten übertragen will und daran mitarbeitet, beteiligt sich an einer massiven Zerstörung der Ernährungssicherheit für alle Menschen.

Überfischung zerstört die Meere, Aquakulturen benötigen Antibiotika, wie wäre es, auf Fisch zu verzichten?

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Von der Expansion nichtveganer Nahrung auf unserem Planeten gehen sehr konkrete Gefahren aus. Die Weltmeere sind gnadenlos überfischt. Die ungebremste Überfischung kann dazu führen, dass ganze Fischarten aussterben. Für die Ökologie der Meere wäre das eine Katastrophe. Der nichtvegane Konsum hängt mit dem Sterben der Meere eng zusammen. Doch wir "träumen" immer noch von "nachhaltiger" Fischproduktion. Überall dort, wohin wir die Fischzucht auslagern, schaffen wir neue Brutstätten der Umweltzerstörung: Antibiotika muss in so hohen Mengen in die "Aquakulturen" gepumpt werden, dass wir ein derartig gefährlicher Missbrauch sofort unterbleiben müsste. Absurderweise gibt man in vielen dieser nur als Wassertierhöllen zu bezeichnenden "Aquakulturen" den dicht an dicht gedrängten Tieren Fische aus dem Meer zur Nahrung.

Massen an Futtermitteln für Tiere führen zum Einsatz von Gentechnik und Chemie.

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Um derartige Massen an Futtermitteln für die "Nutztiere" an Land überhaupt produzieren zu können, setzt man massiv auf Gentechnik und Chemie. Seit Einführung der Gentechnik auf den Feldern hat sich alleine die Menge des auf die Felder ausgebrachten Glyphosats verfünfzehnfacht. Wir diskutieren über die Zulassung des Glyphosats in Europa, sind aber unfähig, die benötigten Futtermittel in Europa auch nur ansatzweise selbst anzubauen. Ohne Glyphosat und Gentechnik wäre aber ein derartiger Futtermittel-Import in die EU überhaupt nicht mehr möglich. Genau diese Zusammenhänge kommen aber in den Debatten, so denn überhaupt welche stattfinden, bis jetzt nicht vor.

Die nichtvegane Ernährung – und zwar insbesondere unsere westliche – vernichtet kostbare letzte Regenwaldflächen, Experten sprechen davon, dass in Lateinamerika etwa minütlich ein Fußballfeld vernichtet wird, um dort Gensoja als Futtermittel für die Tiermast anzubauen. 90 Prozent davon gehen in die Tiermast.

Vegan produziert kein klimaschädliches CO2 und kein tierisches Leiden.

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Schon bei Plato finden wir ein Gespräch zwischen Sokrates und Glaukon, indem die Haltung von "Nutztieren" zu Krieg und Streit führt, weil für "Nutztiere" mehr Land benötigt wird, als für die Ernährung nötig. Wenn der Zusammenhang schon damals bekannt war, was bedeutet das erst für eine Welt mit zehn Milliarden Menschen?

Würden wir auf vegan umsteigen, könnten wir uns die teilweise grotesken deutschen "Klimaschutzmaßnahmen", die Häuser in Schwitzhütten verwandeln, sparen. Mindestens ein Drittel der klimaäquivalenten CO2-Emissionen gehen allein auf das Konto der nichtveganen Nahrungsproduktion.

Die vegane Idee entstand aus der konsequent-ethischen Überzeugung, dass andere Lebewesen für unser eigenes Leben nicht ihr eigenes aufgeben sollen. Kein "Nutztier" wird zu Tode gestreichelt. Milliarden von ihnen erleiden einen grausamen Gewalttod. Wer dabei zynisch darauf hinweist, dass auch Pflanzen Lebewesen seien, sollte am selben Tag ein Gewächshaus und ein Schlachthaus besuchen, um sich dann noch einmal die Unterschiede zu verdeutlichen.

Wären die Opfer keine Tiere, sondern Menschen, die Empörung wäre groß.

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Das von den meisten Noch-Nicht-Veganern im Grunde noch verdrängte Leid der Tiere ist nur schwer in Worte zu fassen. Und wenn man dieses Leiden verdrängt oder es gar schönredet, verhöhnt man das Leiden damit nicht noch mehr? Wären die Opfer keine Tiere, sondern Menschen, dann wäre die Empörung groß! Mitleid nicht für Tiere aufbringen, nur weil wir sie seit den abergläubischen Tieropferungen im alten Rom aus-"nutzen"?

Wir sollten bei dem Tierleid wissen, dass die Schmerzen, die Tiere empfinden, nicht geringer sind als unsere eigenen. Tiere leiden auch ähnlich unter dem Verlust ihrer Angehörigen. Jedes Glas Kuhmilch, auch das wird verdrängt, hat zur Folge, dass einer Kuhmutter ihr Kalbskind genommen wird. Männliche Kälber werden beinahe immer der Mutter entrissen und der Tötung zugefügt. Damit eine Kuh überhaupt kalben kann, wird sie von Menschen immer wieder künstlich geschwängert. Am Ende ihrer "Laufbahn" als "Milchkuh", selbst noch in jungen Jahren, wird das traurige Geschöpf dann auch noch selbst ins Schlachthaus gefahren. Dasselbe machen wir mit eierlegenden Hühnern.

Würden wir Menschen so behandeln, der Aufschrei wäre mit Recht groß und er wäre vermutlich auch enorm, wenn wir mit Hunden und Katzen ähnlich umgingen wie mit Rinder, Schweinen, Hühnern, Schafen, Ziegen, Kaninchen, Fischen, "Meeresfrüchten" und weiteren bemitleidenswerten Geschöpfen, die endlich unser wahres Mitgefühl brauchen.

Hühner vergasen nennt sich "sanftes Töten". Glauben wir das wirklich?

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Wir vergasen in Deutschland jedes Jahr zig Millionen Küken allein in der sogenannten "Legehennenproduktion". Jedes Hühnerei ist quasi mit dieser Grausamkeit verbunden. Schweine werden in den großen Schlachthäusern ebenfalls mit Gas getötet. Uns wird das alles als "sanftes Töten" mit den entsprechenden Endprodukten auf Nachfrage "verkauft". Glauben wir das wirklich?

Die fast eine Millionen Veganerinnen und Veganer, ihre Zahl steigt jeden Tag, sind keinem "trendigen Wahnsinn" verfallen, sondern die ersten derer, die an eine Welt glauben, die sich nicht selbst vernichtet und die nicht mehr achselzuckend dem Leid anderer Menschen und dem Leid von Tieren zuschaut.

Deshalb ist die Veganisierung der Welt auf den ersten Blick vielleicht eine kühne Utopie, je länger man sich die wahren Hintergründe aber anschaut, um so deutlicher wird etwas anderes: Vegan ist ein Lösungstool für ein ganzes Bündel globaler Herausforderungen. Mögen manche aus Unwissenheit darüber lachen, dass es veganisierte Schnitzel, Milch, Joghurt und dergleichen gibt: Diese Produkte sind erste wichtige Maßnahmen auf dem Weg zur Heilung der Welt, die niemandem wehtun.

- Lesen Sie hier die Debatte.

- Außerdem auf Causa: Warum ist Sachsen so rechts?

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