Vegan - nur ein Trend oder mehr? Essen dreht sich nicht nur um Geschmack - sondern auch um Ethik

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Diplom-Ernährungswissenschaftlerin Peta

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Felicitas Kitali ist Diplom-Ernährungswissenschaftlerin und Fachreferentin Ernährung bei Peta

Wenn es die Möglichkeit gibt, Tiere durch eigenes Verhalten nicht zu schädigen, gibt es auch die Pflicht, darüber zumindest nachzudenken.

Essen hört auf, eine Frage der persönlichen Entscheidung zu sein, wenn diese Konsequenzen für andere hat. Besteht die Möglichkeit, sich für eine gesunde Ernährungsform zu entscheiden, die das Leid von Tieren minimiert, so besteht auch die Pflicht, seine eigene bisherige soziale Konditionierung zu hinterfragen.

Gewohnheiten sind nicht leicht zu ändern. Jeder, der den Vorsatz gefasst hat, sich künftig gesünder zu ernähren, kennt das Dilemma. Und doch kennen wir jene, die es geschafft haben. Die Verknüpfung des Vorhabens mit positiven Gefühlen scheint dabei eminent wichtig für dessen Erfolg zu sein.

Es gibt kein ethisches Argument gegen vegan.

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Vermutlich ist dies eine Antwort darauf, warum sich jeden Tag mehr Menschen dazu entschließen, sich vegan zu ernähren – und sich damit für eine Ernährungsform entscheiden, die vielen aufgrund sozialer Konditionierung fremd erscheint. Für die ethische Begründung einer veganen Ernährung gibt es kein Gegenargument. Es wird Kritikern nicht gelingen, die Grausamkeiten zu rechtfertigen, die in der Landwirtschaft gegen Tiere begangen werden.

Tierquälerei in der Industrie ist systemimmanent.

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Die Tierquälerei in der Agrarindustrie ist systemimmanent, das haben Undercover-Recherchen immer wieder bestätigt, und sie ist unnötig. Tiere, die für den menschlichen Verzehr ausgebeutet werden, werden in jeder Haltungsform entweder verstümmelt, in ihrer Freiheit eingeschränkt oder ihrer sozialen Bedürfnisse beraubt und am Ende in sehr jungen Jahren getötet. Ein kurzer Gaumenkitzel ist keine Rechtfertigung dafür – insbesondere, wenn allen Essensgelüsten und Nährstoffbedürfnissen in veganer Form begegnet werden kann.

Dass einige Nährstoffe beim Veganismus wegfallen, ist kein Argument dagegen, die können ergänzt werden.

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Eine vegane Ernährung ist für mich in erster Linie eine ethische Entscheidung, auch wenn die gesundheitlichen Vorteile nicht von der Hand zu weisen sind. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht müssten wir vielleicht nicht ganz auf tierische Produkte verzichten, um diese Vorteile zu genießen, aus ethischer Sicht gibt es nur diesen einen Weg. Somit ist vertretbar, dass ein Nährstoff bei der veganen Ernährung supplementiert und bei anderen auf eine gute Versorgung geachtet werden muss – Letzteres gilt jedoch auch für jede andere Ernährungsform. Die oberste Maxime für eine empfehlenswerte Ernährung muss nicht sein, dass kein Nahrungsergänzungsmittel notwendig ist, sondern sie kann eine ethische sein. Menschen leben in Breitengraden, in denen die Versorgung mit Vitamin D kritisch werden kann und zu einer Supplementierung während der Wintermonate geraten wird. Niemand würde deswegen ganze Klimazonen als nicht empfehlenswert erklären.

Ein abweichender Lebensstil kann Konflikte mit sich bringen.

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Sobald wir für uns die Entscheidung getroffen haben, stellt sich unweigerlich die Frage, welche Lebensbereiche sie beeinflussen wird. Ein Lebensentwurf, der von den bestehenden gesellschaftlichen Normen abweicht, kann Konflikte mit sich bringen. Doch diese sind lösbar.

Ein viel diskutiertes Thema ist, ob vegane Eltern ihre Kinder vegan aufziehen können. Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist diese Frage leicht beantwortet. Zahlreiche Ernährungsgesellschaften kommen zu demselben Schluss: Es ist möglich und sogar mit Vorteilen verbunden. Viele epidemiologische Studien deuten darauf hin, dass Veganer/-innen ein geringeres Risiko für ernährungsmitbedingte Erkrankungen haben als Mischköstler/-innen. Geschmackspräferenzen von Erwachsenen werden schon in der Kindheit geformt, und Kinder sollten früh an gesunde Ernährungsgewohnheiten herangeführt werden. Eine ausgewogene, vollwertige vegane Ernährung ist eine gesunde Ernährungsform.

Vegane Eltern beschäftigen sich mehr mit der Ernährung ihrer Kinder als omnivore.

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Veganer/-innen sind mit vielen Nährstoffen wie Folsäure, Ballaststoffen und Vitamin C besser versorgt als Mischköstler/-innen – und demnach mit jenen, die in der Allgemeinbevölkerung als kritisch betrachtet werden. Veganer/-innen setzen sich zudem oft viel mehr mit den ökologischen und gesundheitlichen Auswirkungen ihrer Ernährung auseinander. Eltern, die ihre Kinder omnivor ernähren, stellen ihre Entscheidungen viel seltener infrage und bieten ihren Kindern an, was Gewohnheit oder Werbung der Lebensmittelindustrie ihnen vorgeben. Die Folgen zeigen sich in steigenden Zahlen fehlernährter Kinder.

Eltern, die ihre Kinder vegan ernähren möchten, sollte aber der Zugang zu passender Beratung und Informationen erleichtert werden. Sie erhalten oft noch unbegründet viel „Gegenwind“ von Ärztinnen und Ärzten bis hin zu Ministerien.

Kindern wird viel beigebracht - warum nicht auch, dass  Tiere ein Recht auf ein unversehrtes Leben haben?

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Doch was ist mit der Wahlfreiheit eines Kindes? Die meisten Eltern unterscheiden sich nicht im Hinblick darauf, dass sie ihrem Kind Werte mit auf den Weg geben und es zu Empathie erziehen möchten. Kindern wird beigebracht, dass es nicht in Ordnung ist, zu stehlen, andere zu schlagen oder auszunutzen. Die meisten würden diese Werte nicht infrage stellen und manche Eltern geben ihren Kindern mit auf den Weg, dass es auch nicht in Ordnung ist, Tieren so zu behandeln. Alle Tiere haben ein Recht auf ein unversehrtes Leben – nicht nur die, mit denen wir unser Heim teilen. Wieso sollte Kindern der Konflikt mit auf den Weg gegeben werden, dass auf der einen Seite Tiere geliebt werden und Tierquälerei verachtet und auf der anderen Seite Tiere getötet werden, um sie zu essen, ohne dass eine Notwendigkeit besteht?

Konsequent vegan leben heißt, sich nicht in Bequemlichkeit flüchten. Das zahlt sich auch fürs Gewissen aus.

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Sich öffentlich zu einer veganen Ernährung zu bekennen, ist gewiss nicht immer einfach. Es mag zunächst als Erleichterung erscheinen, Ausnahmen zu machen, sei es aufgrund sozialer Erwartungen oder aufgrund eines mangelnden Angebots. Die Folge ist jedoch, dass wir die Entscheidung damit nur aufschieben. Wir müssen uns so immer wieder die Frage nach dem Für und Wider stellen, uns immer wieder rechtfertigen und vielleicht Ausnahmen machen, wenn wir sie gar nicht machen wollen. Letztendlich gibt es für jede Grausamkeit eine positive Alternative. Sie bedarf vielleicht Vorbereitung und Einsatzbereitschaft, doch am Ende zahlt sie sich aus – auch für unser Gewissen. Es ist auf lange Sicht einfacher, einmal seinen Standpunkt zu vertreten, als ihn zu Beginn aus Bequemlichkeit zu verschweigen oder zu verbiegen.

Vegane Orte werden immer zahlreicher, Restaurants, Mensen stellen um.

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Zahlreiche Beispiele zeigen, dass das Angebot veganer Speisen in Restaurants und öffentlichen Einrichtungen steigt. Oft geht diesem ein konstruktiver Dialog voran. Ein gutes Beispiel sind Universitätsmensen. Dort, wo das Thema durch studentische Initiativen, Tierrechtsorganisationen oder Studentenwerke mit Kampagnen wie Kostproben und Werbung in den Fokus gestellt wird, erhöht und verbessert sich das Angebot.

Wenn wir ehrlich zu uns selbst sein möchten, müssen wir uns am Ende die Frage stellen: Warum verhindern wir Leid nicht jeden Tag dort, wo wir es können? Die Antwort „weil Menschen es schon immer so getan haben“ war und wird nie eine gute Antwort auf Fragen zur Unterdrückung und Ausbeutung sein.

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- Außerdem auf Causa: Sexistische Werbung - verbieten oder nicht?: Machen Bürgerreferenden die EU kaputt?

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