Vegan - hipper Trend oder Weltrettungsprogamm? Die Tierart Mensch … ist definitiv nicht vegan

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Zacharias Korsalka ist Betreiber von antivegan.at

Veganismus ist die Reaktion einer überforderten naturentfremdeten Generation auf globale Elendsphänomene, die sie nicht vollständig durchschaut. Sie hält sich für revolutionär und ist doch in erster Linie emotional.

Nutztiere brauchen für ihre Lebenstätigkeit Energie. Würde nun statt Tierfutter ausschließlich für den menschlichen Verzehr angebaut, gäbe es keinen Hunger auf der Welt. Oder?

Eins einmal vorweg: Dass eine Ernährung mit Fleisch, Inneren, Eiern und sogar Milch in irgendeiner Weise unnatürlich wäre, ist ausgeschlossen. Seit vielleicht 150 000 Jahren gibt es „uns“ als Tierart, während Speere seit wohl 300 000, Feuer (!) seit eineinhalb Millionen und Klingen seit weit über zwei Millionen Jahren von den Tierarten, von denen Homo sapiens abstammt, verwendet worden sind.

Der Mensch ist zum Verzehr von Fleisch und Milch gut gerüstet, Gras verdaut er dagegen nicht.

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Wir Menschen sind also eine biologisch an den Gebrauch von Werkzeugen, Waffen und Feuer angepasste Tierart. Und seit etwa 8000 Jahren gibt es auch eine Mutation, bei deren Trägern das Enzym Laktase selbst im Erwachsenenalter aktiv bleibt und es ihnen erlaubt, problemlos sich nicht nur vom Fleisch sondern auch von der Milch seiner Nutztiere zu ernähren – eine sehr wertvolle zusätzliche Kalorienquelle, und damit ein massiver Vorteil im Kampf ums tägliche Überleben, der erst seit recht kurzer Zeit nicht mehr ausschlaggebender Teil des Alltags (in den reichen Ländern) ist.

Aber die bis jetzt erwähnten Eigenheiten unserer Biologie sind nicht der Grund dafür, warum wir im Laufe der Äonen so manches Huftier und sogar Gefieder domestiziert haben, denn – im Gegensatz zu Gorillas übrigens und auch Orang Utans – können wir Menschen Zellulose nicht verdauen. Dieser Hauptbestandteil am Trockengewicht von Pflanzen ist für uns bekanntlich ein Ballaststoff, energetisch nicht verwertbar, aber für erwähnte Huftiere eben schon, an die wir das für uns ernährungstechnisch wertlose Fasermaterial verfüttern können. Damit machen wir uns Nährstoffquellen nutzbar, die uns von unserer Biologie allein her verschlossen bleiben würden.

Heutiges Weideland ist nicht unbedingt als Ackerfläche geeignet.

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Und jetzt, nach Biologie und Nahrungspyramide, endlich zum wirtschaftlichen Faktor. Denn auch die Behauptung, dass der Anbau von Futtermitteln eine Verschwendung darstellt und somit die betreffenden Ackerflächen besser für „Menschennahrung“ genutzt werden sollten, widerspricht insofern den Tatsachen, dass viele Bodenflächen gar nicht für solche Ackerfrüchte verwendet werden können. Denn abgesehen davon, dass der Großteil der Böden unseres Planeten nur extensiv als Weiden nutzbar ist und sich der Möglichkeit etwa des Getreideanbaus entzieht, müssen selbst die Flächen, auf denen sehr wohl „Brot wachsen kann“, hin und wieder brachliegen.

Und dann wächst dort Gras. Das für uns Menschen nicht direkt nutzbar ist. Aber über den Umweg der Tiermägen.

Es gibt Verschwendung, keine Frage, aber die Nutztierhaltung ist nicht die Ursache.

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Wird jetzt trotzdem auf Böden, die man für Weizen verwenden könnte, Futtergetreide angebaut? Ja. Gibt es eine beispiellose Verschwendung von Ressourcen in unserer Welt, deren Folgen wir unter Anderem als Hunger und Klimawandel spüren? Auch auf diese und ähnliche Fragen lautet die Antwort Ja. Doch es wäre naïv, zu glauben, dass Nutztierhaltung die Ursache dafür ist, diese ist ökonomisch effizient und ökologisch sinnvoll, nützt sie doch im Grunde die gesamte Nahrungspyramide – inklusive Würmern und Insekten übrigens, mit Grüßen an das gackernde Getier, ja, selbst Essensabfälle landen im sprichwörtlichen Saumagen.

Veganismus ist ein Phänomen einer naturentfremdeten Welt.

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Behauptungen, wie dass eine Ernährung, die tierische Nahrungsquellen miteinschließt, irgendwie unnatürlich wären oder Nutztierhaltung Verschwendung … kann ich daher nicht nachvollziehen. Sachlich nicht. Gesellschaftspsychologisch schon. Denn in einer Zeit, in der die Menschen so weit weg von den Notwendigkeiten und Gesetzmäßigen der biologischen und wirtschaftlichen Grundlagen ihrer eigenen Existenz entfernt sind, wie nie zuvor, darf einen ein Phänomen wie Veganismus auch nicht wundern.

Auf die Frage nach dem Elend der Welt eine einzige Antwort zu geben, ist: denkfaul. Die ist nämlich komplexer.

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Wer mit einer neuen, revolutionären, gefälligen Idee konfrontiert wird, sollte sie zuerst hinterfragen und auf Herz und Nieren prüfen. Nur geht meiner Erfahrung nach mit materieller oft auch eine gewisse mentale Bequemlichkeit einher: Die Menschen wollen nicht hinterfragen, sie wollen keine komplexen, schwierigen Antworten, die vielleicht noch mehr Fragen aufwerfen, sie wollen ein bequemes Leben haben und sich in ihren Ansichten bestätigen lassen, und die Kommerzialisierung der Medien tut sicher ihr Übriges dazu – wer liest schon gern, dass er nicht Recht hat?

Und daher kann es schon sein, dass es an den Leuten vorbeigeht, dass die Ursachen für viele unserer aktuellen Probleme wohl eher in einem Wirtschaftssystem zu suchen wären, das auf hohe Produktionszahlen und Gewinnspannen ausgelegt ist und nicht auf Nachhaltigkeit, und sich – zu Recht! – angesprochene Probleme nicht auf einen Teil oder einzelnen Faktor zurückführen lassen.

Achtung, Veganer, schockierende Nachricht: Auch bei der Brotherstellung sterben Lebewesen.

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Wer Veganer allerdings wirklich schockieren will, sollte sie über etwas ganz Anderes aufklären, nämlich darüber, dass Brot nicht vegan ist. Kein Scherz! Beim Pflügen stirbt ein großer Teil der Nager im Boden, wird erdrückt, zermalmt und erstickt. Was die Bauern freut, weil es dann dann weniger Schädlinge gibt, die die Körner und Pflanzenwurzeln fressen, und wer am Stadtrand wohnt, weiß, dass nach dem Pflügen oft die Hunde und Katzen aus der Umgebung in den Feldern buddeln, um die ersticken Mäuse auszugraben und zu fressen.

Das emotionalisiert nämlich. Denn mit rationaler Argumention, so fürchte ich, wird man heutzutage kaum gewinnen.

- Lesen Sie hier die Debatte

- Außerdem auf Causa: Warum ist Sachsen so rechts?

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