Universität + Partizipation = Exzellenz Je mehr Partizipation, desto besser

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Chemiker Technische Universität Berlin

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Franz-Josef Schmitt ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Chemie der TU Berlin, Vorsitzender des Erweiterten Akademischen Senats der TU und Vorstandsmitglied der Berliner Piraten.

Exzellenz wird nicht gefördert, in dem man sich auf schlanke Strukturen und wenige Experten zurückzieht, sondern Exzellenz wächst mit der breiten Beteiligung, aus der das Beste hervorgeht. Darum ist die Viertelpartität (überlebens)wichtig.

Dogmatisches Denken in vereinfachten Kategorien gilt wissenschaftlich gesehen als der größte Hemmschuh von Fortschritt und resultiert oft aus Unwissen. Dies erleben zur Zeit gerade auch von populistischen Politikern. Wer die Debatten im erweiterten Akademischen Senat (eAS) und im Kuratorium der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) aufmerksam verfolgt hat weiß: Es gibt diese eine „Viertelparität“ gar nicht. Viertelparität bedeutet, dass in einem Gremium Studierende, Wissenschaftliche Beschäftigte, Sonstige Beschäftigte und Professorinnen und Professoren jeweils die gleiche Stimmenzahl haben. 

Vielmehr ist sie inzwischen ein Schlagwort aus politischen Debatten, eine Repräsentation der konservativen und engstirnigen Sicht auf neue Bewegungen, die auch Forschung und Lehre revolutionieren werden. Dazu gehören auch Begriffe wie „Gendersternchen“, „Gemeinschaftsklos“ oder „Tarngebetsräumen“, die es alle so für sich genommen überhaupt nicht gibt, obwohl sie für tiefgreifende Probleme gesellschaftlicher Gruppen stehen.

Die Uni hat den Elfenbeinturm verlassen, ihre Strukturen müssen dem folgen.

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Ein weltweiter Trend des 21. Jahrhunderts ist die Revolution von Kommunikation und Digitalisierung, die an den Universitäten zur Entwicklung neuer Formen des Forschens und Lernens aber auch der Universitätsverwaltung führen wird. Studierende werden immer stärker aktiv beteiligt, und es entwickelt sich eine transdisziplinäre Forschung, die nicht mehr länger im Elfenbeinturm stattfindet sondern in enger Kommunikation mit der Gesellschaft und Wirtschaft steht. So werden viel schneller Erfindungen und Produkte hervorgebracht als über den klassischen Weg von den Köpfen über die Lehrbücher in die Hörsäle.

Weil die Akteure gemeinsam beraten, wurde die TU immer besser.

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Die TU Berlin hat dies längst erkannt und punktet deshalb nicht mehr länger nur durch exzellente Forschung in einzelnen Fachgebieten, sondern hat sich zu einer führenden innovativen Universität entwickelt, die aktuell nicht mehr nur „forscht“ und „lehrt“ sondern Forschung und Lehre selbst weiterentwickelt. Dies gelingt vor allem dann, wenn sich alle Akteure gemeinsam an einen Tisch setzen und sich austauschen. Dabei hat sich nichts grundsätzlich geändert: Man muss miteinander reden, um weiterzukommen, nur ist der Kreis derer größer geworden, die hier miteinander kommunizieren.

In seinem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ hat Prof. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie und ehemaliger Präsident der Universität Oldenburg klar dargelegt, dass die Unis raus müssen aus ihren verstaubten Elfenbeintürmen, und enger mit der Gesellschaft zusammenarbeiten müssen. Dann werden sie selbst einen nachhaltigen Wirtschaftsfaktor darstellen und mithelfen, die echten Probleme zu lösen, die uns in Ökonomie, Ökologie und Sozialem derzeit begegnen und vor allem noch begegnen werden. Die TU Berlin geht mutige Schritte in diese Richtung und hat deshalb im Herbst 2016 den viertelparitätisch besetzten Rat für Nachhaltige Entwicklung gegründet, der sich unter anderem mit Fragen des Transfers von Forschung und Lehre in die Gesellschaft befasst.

Die tradierten Vorstellungen haben ausgedient - auch in der Lehre.

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Um es klar zu sagen: Die Welt brennt zur Zeit viel zu sehr, als dass man sich auf tradierte Bilder von linken oder rechten Mehrheiten oder einen singulären Wesenskern von exzellenter Forschung und Lehre berufen dürfte. Denn dies macht die Spannungen größer, wie wir es jetzt durch das Erstarken rechtspopulistischer Strömungen erfahren müssen, die mit vermeintlichen Todschlagargumenten vor allem Lügen, Frust und Angst verbreiten und dabei wesentlichen Anteil haben, dass sich die Probleme verschärfen.

An der TU Berlin gibt es zur Zeit keine linke Mehrheit. Trotzdem hat sich der eAS in seiner Sitzung am 6.7.2016 zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren mehrheitlich für eine Viertelparität im eAS ausgesprochen.

Studierende und der Mittelbau engagieren sich stark, das nützt der TU.

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An der TU Berlin gibt es Projektveranstaltungen, die von Studierenden geleitet werden, einen starken und hochmotivierten Mittelbau, der eigenständige Forschung betreibt, und es gibt eine starke Partizipation in den Gremien. Die TU Berlin hat eine großartige Steigerung ihrer Forschungsprojekte und Drittmittelvolumen geleistet und wirbt inzwischen Projekte im Wert von 200 Millionen Euro im Jahr ein. Gleichzeitig sind öffentlichen Zuweisungen aus dem Land Berlin seit 2001 kaum gestiegen. Erst in den jüngsten Jahren steigt die Zahl der Professorinnen und Professoren wieder, nachdem sie sich seit den Neunzigerjahren auf etwa 300 Profs halbiert hatte. Die Zahl der Studierenden Liegt dagegen bei über 34.000 so hoch wie nie. Die verfügbare Fläche der Uni sank in dieser Zeit um 15 Prozent. Dies schaffen wir nur gemeinsam, durch das offene Bekenntnis aller, an der TU Berlin zusammenzuhalten.

Auch in der Lehre glänzt die TU Berlin mit neuen Projekten, die vom Bund finanziert werden, wie Beispiel durch das Orientierungsstudium MINTgrün. Die Mitarbeitenden gewinnen immer häufiger Preise für Exzellenz in der Lehre.

Partizipation und Offenheit - dafür steht die TU, und sie hat damit Erfolg.

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Genau dies gelang uns in einem Umfeld, in dem wir von der Politik mit einem Zwang zum Sparen überzogen wurden  aber im Inneren der Universität die politischen Beteiligungsmöglichkeiten von Studierenden und Mitarbeitenden vergrößert haben, so dass die TU Berlin deutlich partizipativer ist als viele andere Universitäten in Deutschland.

Exzellenz wird also gerade nicht gefördert, wenn man sich auf schlanke Strukturen und wenige Köpfe zurückzieht, sondern Exzellenz wächst mit der breiten Beteiligung aller, aus der kluge Köpfe dann das Beste herauszupicken verstehen. Dafür muss es Strukturen geben. In Richtung der unbekannten Weiten von Forschung und Lehre kann man sich nur bewegen, wenn man einen mutigen Schritt nach vorne geht. Dies hat die TU Berlin erkannt. Deshalb wurde zur Entwicklung der Frage nach einer Viertelparität auch eine aktive Arbeitsgruppe eingerichtet, die selbst viertelparitätisch ist und sich alle 14 Tage öffentlich trifft, um neue Partizipationsmodelle zu entwickeln. Vorschläge können in diesem Zusammenhang an partizipation@guv.tu-berlin.de geschickt werden.

Da ich mich bereits seit meiner Zeit als Physikstudent von 2001 – 2005 an der TU Berlin aktiv und interdisziplinär in der Forschung und Lehre engagiert habe, im Projektlabor Physik, im Fortgeschrittenenpraktikum Physik, im Projektlabor Chemie und in mehreren Studienreformprojekten der Mathematik und der Praktika für Chemikerinnen und Chemiker habe ich diesen Wandel der verstaubten Vorstellung eines monolithischen Elfenbeinturms hin zu einer offenen Universität auf vielen Ebenen erlebt und vorangetrieben. Unser Hörsaal war die gesamte Universität, und wir haben uns in unsere Alma Mater verliebt. Deshalb sind wir auch heute noch hier und arbeiten eng mit den Professorinnen und Professoren zusammen, die unsere Ansicht teilen.

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