Die TU braucht keine Viertelparität Die Viertelparität würde der Uni nur schaden

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MdB CDU

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Dr. Philipp Lengsfeld, Mitglied des Deutschen Bundestages, CDU-Bundestagsabgeordneter für Berlin-Mitte und Mitglied des Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Philipp Lengsfeld hat von 1991-1997 an der TU Berlin Physik studiert.

An der TU sollen künftig alle Statusgruppen das gleiche Mitbestimmungsrecht haben. Das wäre fatal. Anstatt sich um exzellente Forschung zu kümmern, würde zukünftig nur noch über Gendersternchen und Gemeinschaftsklos diskutiert werden. Die Professoren müssen die Entscheidungshoheit behalten. 

Dies ist kein neutrales Abwägen, sondern ein klares politisches Statement: Ich kann nur dringend an den erweiterten Akademischen Senat der TU Berlin, meiner Alma Mater, appellieren, in der anstehenden Entscheidung über eine Einführung der Viertelparität dieses vorgestrige, linksdogmatische Projekt zu beerdigen.

Die Entscheidung über eine Viertelparität an der Technischen Universität Berlin ist kein neues Thema, dennoch ist es aktueller denn je. Die Viertelparität sieht eine Gleichverteilung der Stimmen aller Statusgruppen einer Universität im erweiterten Akademischen Senat (eAS) vor. Hierzu zählen dann, neben den Professoren, zum einen die Studierenden, vertreten durch Studentenfunktionäre, die wissenschaftlichen Mitarbeiter (‚akademischer Mittelbau’), und die sonstigen Angestellten der Universität, z.B. vor allem in der Verwaltung.

Über die Vorgeschichte an der TU und die rechtlichen Dimensionen will ich gar nicht groß reden, denn es gibt vermutlich eine linke Mehrheit im erweiterten Akademischen Senat, deshalb formuliere ich es als Bitte: Diese Mehrheit darf nicht genutzt werden. Die Entscheidung muss zum Wohle der TU Berlin fallen!

Die Viertelparität würde die eigentlichen Verantwortungsträger entmachten und der Uni schaden. 

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Der Wesenskern einer guten Universität ist exzellente Forschung und ausgezeichnete Lehre. Und vice versa. Und nichts anderes! Und aus dieser Verantwortung kann und darf man die Professorenschaft nicht entlassen. Viertelparität ist dabei nicht nur nicht hilfreich, sondern durch die de facto Entmachtung der eigentlichen Verantwortungsträger eine katastrophale Fehlentwicklung. Statt sich um exzellente Forschung und ausgezeichnete Lehre zu kümmern gravitiert die linke Gremienuni zu einem selbstquälerischen Psychoverein, bei dem sich alles um Gendersternchen, Gemeinschaftsklos, Öffnung und Schließung von Tarngebetsräumen, Überquotierung, Jagd auf Zivilklauselbrecher etc. pp. dreht.

Der Kernauftrag der Universität, nämlich wie organisiere und finanziere ich ausgezeichnete Lehre und exzellente Forschung, wie bekomme ich die besten Köpfe, sowohl im Lehrkörper, als auch im Mittelbau, in der Verwaltung und natürlich auch bei den Studierenden, dieser Kernauftrag gerät dabei völlig in den Hintergrund.

Ich gebe zu, dass ich subjektiv vorbelastet bin: Ich habe meine Zeit als Physikstudent an der TU Berlin nicht in der besten Erinnerung. Volle Hörsäle, unnahbar wirkende Professoren und ein politisches Klima, welches auf allen Ebenen von linken bis linksradikalen, oft hochdogmatischen Langzeitstudenten dominiert wurde.

Die Professorenschaft kann am besten über Organisation und Finanzierung der Lehre und Forschung entscheiden. 

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Ich bin deshalb auch immun gegen den Sirengesang der Viertelparität: Ich habe nie verstanden, warum der akademische Mittelbau, Verwaltung und vor allem die in Gremien aufgestiegenen Berufspolitiker-Studenten mehrheitlich die Geschicke einer Universität lenken sollen und damit die Verantwortung von der Professorenschaft nehmen sollen. Wie soll das gehen? Und vor allem, wem nützt es?

Glaubt jemand ernsthaft, dass ein Bürokratie-Funktionärsmonster TU Berlin attraktiver in Berufungsverfahren wird? Oder sich besser im nationalen und internationalen Wettbewerb, Stichwort Exzellenzinitiative, aufstellen kann?

Welcher Professor, welche Professorin kann ernsthaft und glaubhaft dieses Argument vertreten? Aber darum geht es der linken Mehrheit ja im Grunde auch nicht. Sie sind mehrheitlich Kämpfer gegen Exzellenz, gegen eine finanzielle Beteiligung der Kunden einer Uni (den Studierenden), aber dafür für als gesellschaftlich wichtig erachtete, dabei völlig realitätsferne Zeichen, wie die Aufhebung der Geschlechtertrennung beim Toilettengang und Zwangsbeglückungen und Dogmen aller Art.

Der linken Mehrheit geht es mehr um Geschlechtertrennung beim Toilettengang als um akademische Exzellenz. 

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Als hätten die deutschen Hochschulen nicht auch so bereits genug Schwierigkeiten. Das Missverhältnis aus Studierendenzahlen, Finanzierung, Strukturproblemen, Sanierungsstau und dem eigentlichen Kernauftrag, einer Vereinbarkeit von ausgezeichneter Lehre und exzellenter Forschung, wird immer größer. Die Hochschulen geraten in Deutschland ins Hintertreffen im Vergleich zu den außeruniversitären Forschungsinstituten und international zu den besser und flexibler organisierten Hochschulen anderer Staaten.

Die Entscheidung liegt jetzt in den Händen der Mitglieder des erweiterten Akademischen Senats. Die Signalwirkung wird in jedem Fall beträchtlich sein: Mögen sie klug und zum Wohle ihrer (und meiner) Universität entscheiden. Ich hoffe auf eine Entscheidung für Exzellenz in Forschung und Lehre.

1 Kommentar - Diskutieren Sie mit!
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  1. von V Gruber
    Sehr geehrter Herr Lengsfeld,
    erfreulich, dass Sie die Freiheit der Forschung und wissenschaftsinterne, politikferne Entscheidungsprozesse so wichtig finden. Wie geht das aber zusammen mit dem von CDU/CSU Ende 2016 durch den Bundestag gebrachten 37 Mio € für das Dresdner "Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt", die ohne jede wissenschaftsinterne Evaluation nach dem Gusto der sächsischen CSU an einen konservativen Thinktank um den Pegida-Versteher Patzelt und den CDU-Sachsen-Strippenzieher Kretschmer vergeben werden sollen? Nicht nur wurde jede Art der wissenschaftlichen Prüfung unterlassen, es wurde auch das sächsische Wissenschaftsministerium umgangen, und nun soll die TU Dresden "überredet" werden, dieses Institut anzusiedeln. Ich fordere Sie auf, Ihre hehren Ziele der Wissenschaftsautonomie auch in Ihrem ureigensten Bereich, dem Bundestag, konsequent zu verfolgen.
    Mit freundlichen Grüßen, V. Gruber