Fördergelder im Spitzensport Leistung zeigen und Leistung bekommen

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Vorstandsvorsitzender, Deutscher Olympischer Sportbund

Expertise:

Seit 2006 bekleidet Michael Vesper das Amt des Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Partei Die Grünen und war von 1983-1990 Geschäftsführer der Bundestagsfraktion. Er vertrat die Partei lange im Nordrhein-westfälischen Landtag.

Die Spitzensportreform hat das Ziel, die Bedingungen für Spitzenleistungen zu verbessern. Das neue Förder-System benachteiligt niemanden, sondern schafft faire Chancen für alle Sportarten. 

Warum reformieren wir eigentlich die Leistungssportförderung? Es war doch gar nicht so schlecht in Rio mit 42 Medaillen, davon 17 Goldmedaillen, und einer ganzen Reihe von Finalplätzen sowie hervorragenden Leistungen von jungen Athletinnen und Athleten, die für die Zukunft hoffen lassen. Damit haben wir immerhin den fünften Platz in der inoffiziellen Nationenwertung erreicht, gehören also zur Spitzengruppe weltweit.

Die deutsche Sportförderung braucht eine Reform, um international mithalten zu können. 

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Ein Grund, die Hände in den Schoß zu legen? Nein, ganz und gar nicht. Auf allen Kontinenten wird massiv in die Weiterentwicklung des Leistungssports investiert, in allen Sportarten wird die Konkurrenz schärfer. Darum würde Stillstand zu Rückschritt führen. Die deutsche Förderung des Leistungssports braucht mehr Effizienz, mehr Steuerung, mehr wissenschaftliche Unterstützung. Sie muss stärker als bisher den Athleten in den Fokus stellen. Und vor allem darf sie nicht länger begründet werden als Belohnung für vergangene Meriten, sondern als Ansporn für künftige Leistungsverbesserungen.

Das Streben nach Erfolg gehört zur Natur des Leistungssports.

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Die staatlichen Mittel, mit denen der Spitzensport gefördert wird, müssen darauf konzentriert werden, die Chancen zu entdecken, zu entwickeln und schließlich zu realisieren, die in den einzelnen Sportarten liegen. Darum soll sich die künftige Förderung am Potenzial von Verbänden, Sportarten und Athletinnen und Athleten orientieren, in den nächsten vier bzw. acht Jahren Erfolge zu erzielen.

Dabei haben wir keineswegs nur die Zahl der Medaillen im Blick. Ja, wir bekennen uns zum Ziel des Erfolgs. Wir wollen für die Athleten die Rahmenbedingungen so gestalten, dass sie dieses Ziel anstreben können. Und natürlich haben wir dabei die Weltspitze im Blick. Es geht um die Förderung des Leistungssports. In dessen Natur liegt es, dass man sich erfolgreich messen will, und das gilt zuallererst für die Athletinnen und Athleten selbst.

Richtig, der größte Erfolg misst sich in fair gewonnenen Medaillen. Aber Erfolg bedeutet für uns auch Finalplätze, persönliche Bestleistungen und hoffnungsvolle Ergebnisse im Nachwuchsbereich. So haben wir uns zum Beispiel über die hervorragenden Platzierungen der Slalom-Kanuten in Rio gefreut und sie als positive Disziplin mit hohem Erfolgspotenzial eingestuft, auch wenn die Athletinnen und Athleten jeweils knapp die Medaillen verpasst haben – es waren nur einige Medien, die Kanuslalom in ihren Analysen zu den Verlierern zählten. Wir vergessen auch nicht die Werte wie Fairplay, Respekt und Miteinander, die Vorbildfunktion der Spitzensportler/innen für die Sportentwicklung insgesamt und nicht zuletzt die gute Repräsentation unseres Landes.

Die Reform wird die Vereinbarkeit von Sport und Beruf deutlich erleichtern.

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In unserem Reformprojekt geht es letztlich darum, eine optimale Struktur der Leistungssportförderung zu schaffen, die ganz klar die Athletinnen und Athleten in den Mittelpunkt stellt. Wir orientieren uns dabei an der Realität in unserem Land. Und die heißt, dass kaum ein olympischer oder paralympischer Sportler von seinem Sport leben kann, egal wie erfolgreich er ist. Also liegt ein Schwerpunkt der Reform in der Optimierung der Verbindung von Leistungssport und beruflicher Perspektive.

Das Reformkonzept enthält deshalb auch klare Lösungsvorschläge, die die Situation der Athletinnen und Athleten verbessern: Das reicht von einer langfristigen und individuellen Planung der Dualen Karriere, bundesweit auf gleichem Niveau mit qualifizierter Beratung und Begleitung, über eine verbesserte Kooperation von Eliteschulen mit dem Sport, eine flexiblere Gestaltung des jeweiligen Studiums, nicht nur an einzelnen Hochschulen wie bisher, sondern durchgängig, bis hin zu einer  Hochschulprofilquote mit bevorrechtigter Zulassung für Spitzensportler/innen in allen und nicht nur einigen Bundesländern. Außerdem baut die Stiftung Deutsche Sporthilfe den Bereich der nachaktiven Förderung zur Vorbereitung und Realisierung des Berufseinstiegs kontinuierlich aus.

Diese Umsetzung der Dualen Karriere in Verbänden und an Stützpunkten fließt künftig in die Bewertung für die Förderung mit ein, das war bisher nicht der Fall. Eine aussichtsreiche Zukunftsplanung ist ja auch wichtig, damit nicht Existenzsorgen über die nachsportliche Zeit trotz vorhandenen Erfolgspotenzials zu einer vorzeitigen Beendigung der leistungssportlichen Karriere führen.

Hinzu kommt die dringend notwendige weitere Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Trainerinnen und Trainer, die ein klares Berufsbild und langfristige Perspektiven brauchen, für die gezielte Nachwuchsförderung und Talentsuche. Dass die Athletinnen und Athleten beste Trainingsbedingungen, gute Wettkampfprogramme sowie perfekte Service- und Forschungsleistungen vorfinden müssen, versteht sich bei allen Reformbemühungen, auch bei der Konzentration von Stützpunkten, von selbst.

Die neuen transparente Kriterien schaffen Chancengleichheit bei der Vergabe von Fördergeldern.

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Durch die viel diskutierte Potenzial-Analyse-Systematik (PotAS), in die all diese Punkte einfließen, werden die Prozesse objektiviert und durchschaubarer gemacht. PotAS ist keine Blackbox, sondern ein Glaskasten mit transparenten Kriterien und Gewichtungen. Das System dient als Grundlage, um willkürliche Entscheidungen zu vermeiden. Die breit angelegten Strukturgespräche mit den Verbänden bilden dann die entscheidende Grundlage für die Förderentscheidungen, die die paritätisch besetzte Förderkommission trifft. All dies zusammen gibt den erfolgreichen Verbänden die Chance, erfolgreich zu bleiben, und lässt den weniger erfolgreichen die Möglichkeit, durch überzeugende Konzepte die Förderung zu sichern und sich zu verbessern.

Insgesamt werden durch die Leistungssportreform die Ziele klarer, die Kooperation besser abgestimmt und die Planung stringenter. Damit optimieren wir die Steuerung des Leistungssports sowie das Qualitätsmanagement durch die Spitzenverbände und den DOSB. Wir streben vor allem auch eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen, zwischen DOSB, Verbänden und Landessportbünden sowie zwischen Spitzen- und Landesfachverbänden an. Nur eine Förderung aus einem Guss, ohne regionale Eitelkeiten, streng an den sportfachlichen Notwendigkeiten orientiert, kann helfen, unseren Platz an der Weltspitze des Sports mittel- und langfristig zu sichern.

 

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