Staatliche Förderung Die Reform dient dem sauberen und fairen Sport

Bild von Frank Steffel
CDU

Expertise:

Dr. Frank Steffel, Bundestagsabgeordneter für Reinickendorf, ist Obmann im Sport- und Ehrenamtsausschuss für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Er ist zudem Mitglied im Finanzausschuss. Ehrenamtlicher Präsident der Füchse Berlin Reinickendorf e.V.

Das Reformvorhaben im Spitzensport sorgt dafür, staatliche Gelder zielgerichteter und sinnvoller einzusetzen. Die Randsportarten brauchen vor allem eine stärkere Medienpräsenz für mehr Unterstützung durch die Wirtschaft.

Der deutsche Spitzensport ist nicht mehr dort, wo er mal war. Nur halb so viele Medaillen in Rio 2016 wie bei Olympia 1992 in Barcelona. Sichere Medaillen im Schwimmen, Fechten und in der Leichtathletik gehören der Vergangenheit an. Natürlich haben andere Nationen aufgeholt. Aber auch der deutsche Spitzensport hat Veränderungen gescheut - bei Strukturen, bei Personen, bei den Trainern und in der Wissenschaft. Es ist bequem, Begründungen für fehlende Erfolge zu finden. Aber wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen. Im Sport und in der Politik. Oder anders gesagt: Die meisten Fehler macht man im Erfolg. Deshalb ist eine Reform bei der Spitzensportförderung lange überfällig.

Mit rund 160 Millionen Euro fördert der Bund den Leistungssport jährlich. Steuergelder, über deren Verwendung Rechenschaft abgelegt werden muss. Die Änderungen, über die wir an diesem Mittwoch im Bundestag sprechen, sind keine Revolution, sondern eine Reform. Es geht darum, ein im internationalen Vergleich immer noch gutes Fördersystem noch besser zu machen. Im Kern stehen Trainer und Athlet. Grundlage ist der saubere und faire Sport. Erfolg ja, aber eben nicht um jeden Preis. Ein klares Nein zu Doping.
Manch einer, so auch ich, hätten sich noch mehr Mut gewünscht. Noch weniger Einfluss von Sportfunktionären im DOSB, in den Verbänden und aus der Politik. Noch mehr Unabhängigkeit und Zielorientierung ohne falsche Rücksichtnahme. Aber solange die Richtung stimmt, ist jeder Schritt nach vorn ein Fortschritt.

Das neue Förder-System hilft, die Arbeit in den Verbänden stetig zu optimieren.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Alle wollen weg vom Gießkannenprinzip und der Orientierung an internationalen Erfolgen der Vergangenheit. Die neue PotAS-Kommission soll anhand klar festgelegter 79 Attribute die geförderten Sportdisziplinen durchleuchten: Wo gibt es Erfolg, wo Perspektiven? Wo gute Strukturen und Verantwortliche? Aufgrund dessen entscheiden Bundesinnenministerium und DOSB dann über die künftige Förderhöhe für den jeweiligen Verband und Sportler. Das neue System ist ein Anreizsystem: Erfolgreiche Disziplinen mit guten Strukturen werden belohnt und angehalten, ihr Niveau weiter zu steigern. Verbände mit mittelmäßigen Strukturen motiviert, sich konsequent zu verbessern. Die Zusammenarbeit zwischen allen Verantwortlichen muss optimiert werden. Gekürzte Förderung bedeutet ausdrücklich nicht, dass man nicht wieder in die Spitzengruppe aufsteigen kann. Sorgen, wonach weniger geförderte, erfolglose Disziplinen, aussterben, sind unbegründet. Bei der Förderung durch den Bund geht es nicht um ein Konzept für den Breitensport, sondern ausschließlich um Spitzensport. Für alles andere sind in Deutschland Länder und Kommunen zuständig.

Sportförderung ist kein staatliches Versorgungswerk. 

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Die Reform ist von der Frage geleitet, wie die bestehenden Mittel zielgerichteter eingesetzt werden können. Umschichtung, Verlagerung, Zusammenlegung, Zentralisierung. Nicht Streichung mit dem Rotstift und wer nicht liefert, fällt aus dem Raster. Natürlich wird es auch Verlierer geben: bei der Reduzierung von 19 auf 13 Olympiastützpunkte, bei der Reduzierung der über 200 Bundesstützpunkte auf rund 170. Auch die Auflösung der Kaderstruktur von A, B, C und D wird nicht jedem gefallen. Doch die Spitzensportförderung ist kein Versorgungswerk. Athleten, die nach mehreren Jahren nicht in die Weltspitze kommen, können wir nach dieser Maßgabe nicht weiter staatlich fördern. Das ist im besten Sinne fair und ehrlich. Gegenüber allen Beteiligten.

Die staatliche Förderung ermöglicht, dass sportlicher und beruflicher Erfolg einander nicht ausschließen.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Auch an anderen Stellen gibt es Nachbesserungsbedarf. Durch noch mehr Begleitung, Beratung und Unterstützung bei Ausbildung und Beruf wollen wir Athleten ermöglichen, sich noch besser auf ihren Sport zu konzentrieren. Ihnen die Sorgen über die "Karriere nach der Karriere“ nehmen und junge Talente erst gar nicht vor die Frage stellen, ob „Sport oder Ausbildung?“ Sport und Ausbildung, Medaille und berufliche Karriere dürfen keine Gegensätze im Leben junger Athleten sein.

Ein weiteres Ziel ist eine bessere Talentsichtung und -förderung. Talentsichtung darf kein Zufall sein. Wie erfolgreiche Arbeit aussehen kann, hat die DFB-Nachwuchsarbeit gezeigt. Nach den Misserfolgen in Frankreich 1998 und Holland 2000 wurde umgedacht, ein dichtes, flächendeckendes System geschaffen – geleitet von der Frage, wie man schon bei der WM im eigenen Land 2006 wieder erfolgreich sein kann. Auch wir erhoffen uns die ersten messbaren Ergebnisse der Spitzensportreform in rund acht Jahren. Leider nicht in Hamburg, sondern in Los Angeles oder Paris. Der Medaillenspiegel ist hierfür eines der Kontrollinstrumente, aber auch Endläufe und Platzierungen sind unbestechliche Gradmesser bei EM, WM und Olympia.

Weniger populären Disziplinen würden von mehr medialer Aufmerksamkeit profitieren. 

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Schon jetzt fördert der Staat, insbesondere der Bund, den Leistungssport weit mehr, als dies die Wirtschaft tut. Neben Geld, Strukturen, und Personen, übrigens auch durch Sportler beim Zoll, der Bundespolizei und der Bundeswehr. Für mehr Unterstützung durch die Wirtschaft ist Medienpräsenz entscheidend. Deshalb sei auch die Frage gestellt, warum eigentlich das gebührenfinanzierte, öffentlich-rechtliche Fernsehen weniger populäre, aber nicht weniger spannende Disziplinen wie Tischtennis oder Volleyball außerhalb des internationalen Wettbewerbskalenders nicht öfter ins Programm hebt. Öffentliche Wahrnehmung begeistert mehr Menschen, gerade auch Jugendliche, für die jeweilige Sportart. Sie ist die Grundlage für Sponsorenverträge und Unabhängigkeit von staatlichen Zuschüssen. Auch das gehört zur besseren Förderung des Spitzensports. Entlassen wir das öffentlich-rechtliche Fernsehen endlich aus dem Quotendruck und übertragen Hockey statt Fußball und Kanu statt Boxen. Fußball und Boxen können auch die privaten Sender refinanzieren, dafür brauchen wir keine GEZ-Gebühren.

Jeder Athlet stellt sich die Frage, ob er seinem Sport professionell nachgeht, wenn er nichts einbringt und die berufliche Karriere leidet. Nicht nur als Präsident der Füchse Berlin würde ich mir wünschen, deutschen Handball öfter im Fernsehen zu sehen. Gerade jetzt, wo wir als stärkste Liga der Welt nach dem EM-Sieg und Olympia-Bronze auch mit der Nationalmannschaft wieder erfolgreich sind.

An den Popularitätswerten einzelner Sportarten kann die staatliche Förderung kaum etwas ändern. Wobei internationale Erfolge natürlich die wichtigste Voraussetzung für Medienpräsenz sind. Wir können aber durch eine Reform der Spitzensportförderung die Grundlagen für notwendige sportliche Erfolge verbessern. Diese Reform werden wir bis Jahresende parlamentarisch abschließen. Die Umsetzung liegt dann im Wesentlichen in den Händen des DOSB und der Verbände. Und am Ende funktionieren Politik und Sport ähnlich: Erfolg ersetzt alle Argumente!

0 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

Diese Community ist nur während der Arbeitszeiten der Tagesspiegel-Community-Redaktion geöffnet. Sie können täglich von sechs bis 21 Uhr Kommentare schreiben.