Noten haben keine Aussagekraft Schulnoten sagen nichts über die Intelligenz der Schüler aus

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Mitglied des Bundestages Bündnis 90/Die Grünen

Expertise:

Bundestagsabgeordneter und Sprecher für Bildungspolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und stellvertretender Vorsitzender der deutsch-türkischen Parlamentariergruppe.

Schulnoten haben zu wenig Aussagekraft über Intelligenz oder Sozialkompetenz. Daher sollten sie durch Textzeugnisse ersetzt werden, die eine bessere Reflexion der Leistungen zulassen.

Als Vater von zwei Kindern habe ich mich des Öfteren gefragt, ob Kinder lieber zur Schule gehen würden, wenn sie sich nicht ständig vor schlechten Noten fürchten brauchten. Wenn ihre individuelle Leistungsentwicklung bewertet werden würde und sie sich nicht immer in Konkurrenz zu ihren Klassenkameradinnen sehen müssten. Was bedeuten Noten eigentlich für das Lernklima? Und sind Noten nicht längst aus der Zeit gefallen? Brauchen wir die 5 auf dem Zeugnis, um aufzuwachen? Den Stein der Weisen gibt es nicht, wenn es um die Leistungsbeurteilung in der Schule geht.

Viel wichtiger als Fakten auswendig zu lernen ist es, seriöse Quellen für relevante Informationen zu kennen. 

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Nicht alle Daten und Fakten müssen wir im Gedächtnis abgespeichert haben. Viel wichtiger ist, seriöse Quellen für die relevanten Informationen zu kennen. Und das gilt für die folgenden Generationen immer mehr. Die Welt wird zusehends komplexer und differenzierter und erfordert somit ständigen Wissenstransfer. Das Bildungssystem steht in der Verantwortung, Kinder und Jugendliche zu mündigen Menschen zu erziehen. Unerlässlich dafür ist es, Schüler_innnen zu befähigen, Quellen zu prüfen, zu verifizieren und daraus als pflichtbewusste Menschen Schlüsse zu ziehen. Diese Tatsache wird durch das Leben und Lernen in der digitalen Welt vorangetrieben und gleichzeitig begünstigt.

Lernen muss sich mit der zunehmenden Digitalisierung der Welt verändern.

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Welche Note sagt mir eigentlich, dass meine Kinder wirklich gut auf das Leben in der Gesellschaft vorbereitet sind? Welche Note muss eine Schülerin erhalten, um auf dem prekären Arbeitsmarkt bestmöglich zu bestehen? Und kann man Eigenverantwortlichkeit oder soziale Kompetenz eigentlich benoten?

Noten sagen nichts über Intelligenz und Sozialverhalten aus.

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Allgemeiner Konsens ist mittlerweile, dass Noten nichts über Intelligenz und Sozialverhalten aussagen. Warum halten wir aber immer noch daran fest, wenn klar ist, dass schlechte Noten schlechte Gefühle verursachen. Niemand möchte gerne als Versager_in dastehen. Schon bei Kindern kann man beobachten, dass sie ihren Entdecker_innengeist dadurch verlieren. Da frage ich mich, warum wir etwas, was Kindern von Natur aus eigen ist, wie zum Beispiel Neugierde, mit einem rigiden Notensystem zunichtemachen. Muss Schule nicht die Motivation zum Lernen aufrechterhalten? Und zwar: Immer und immer wieder. Besonders in der heutigen Zeit, wo lebenslanges Lernen, Fort-und Weiterbildung Teil des Lebens sind und wir nicht einfach nach der Schule aufhören können, uns Wissen anzueignen?

Textzeugnisse bieten Schülern die Möglichkeit, ihre schulische Entwicklung zu reflektieren.

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Individuelle Beurteilungen und Textzeugnisse können den Bedürfnissen unserer heterogenen Schülerschaft viel gerechter werden. Ein Vorteil ist die persönliche Betreuung und der für Schüler_innen transparente Umgang mit Stärken und Schwächen. Sie haben so die Möglichkeit, sich reflektiert mit ihren Entwicklungen auseinanderzusetzen. Allerdings bedeutet dies erheblichen Mehraufwand. Natürlich müssten die Lehrerinnen und Lehrer für diese zusätzliche Arbeit anderweitig entlastet werden. Wir dürfen nicht den Fehler begehen und alles auf die Lehrkräfte abwälzen.

Aber ich bin der Meinung, dass sich die Mühe lohnt, gemeinsam mit den Eltern und dem Lehrpersonal. Unser Leitmotiv lautet: Kein Kind darf zurück gelassen werden. Das gilt auch für das Wecken und Erhalten von intrinsischem Lerneifer. Sich auf ein neues Bewertungssystem einzulassen, erfordert, sich von alten Gewohnheiten zu verabschieden. Ob wir dafür schon bereit sind, entscheiden die Eltern und das pädagogische Personal vor Ort. Manchmal muss man allerdings mit Traditionen brechen, um den Anspruch erfüllen zu können, alle unsere Kinder fit für die Zukunft zu machen.

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