Impfpflicht gegen Masern in Deutschland Die Verweigerung von Impfungen gefährdet Leben

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MdB CDU

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Rudolf Henke sitzt seit 2009 für die CDU im Bundestag und ist dort stellvertretender Vorsitzender des Gesundheitsausschusses. Seit 2007 ist Henke Vorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund und seit 2011 Präsident der Ärztekammer Nordrhein.

In Deutschland gibt es besonders viele Masernfälle. Umso beunruhigender ist die Impfmüdigkeit in der Bevölkerung. Eine Pflicht zur Impfung ist aber nicht umsetzbar. Stattdessen muss auf Aufklärung gesetzt werden.

Impfungen gehören zu den wirksamsten und wichtigsten präventivmedizinischen Maßnahmen. Dennoch ist eine Besorgnis erregende Impfmüdigkeit in der Bevölkerung zu beobachten. Es muss verstärkt Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit geleistet werden, damit sich die Impfquote in der Bevölkerung deutlich erhöht.

Die Impfmüdigkeit in Deutschland ist besorgniserregend.

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In vielen wissenschaftlichen Studien wird nachgewiesen, dass Schutzimpfungen zu den wirksamsten und wichtigsten präventivmedizinischen Maßnahmen gehören. Beispielsweise belegen infektionsepidemiologische Daten aus den USA, dass 103 Millionen impfpräventable Infektionen seit 1924 verhindert wurden. Dies bedeutet, dass 99 % der Infektionen, die ohne Impfungen aufgetreten wären, verhindert wurden. Damit wird offensichtlich, wie wirksam Schutzimpfungen sind.

Doch trotz des Vorhandenseins von sicheren und effektiven Impfstoffen und des jahrzehntelangen Durchführens von Impfprogrammen kommt es auch in Deutschland weiterhin zum Auftreten von impfpräventablen Infektionen. Was ist die Ursache?

Impfverweigerer gefährden das Leben des eigenen Nachwuchses und Unbeteiligter.

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In einer repräsentativen Forsa-Befragung gab fast jeder Dritte an, in den vergangenen Jahren Impfungen ausgelassen zu haben, obwohl dies laut den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen wurde. Es ist somit eine besorgniserregende Impfmüdigkeit in der Bevölkerung zu beobachten. Zudem gefährden Impfverweigerer nicht nur das Leben des eigenen Nachwuchses, sie können auch für Unbeteiligte eine tödliche Gefahr werden.

Aber eine Vielzahl von Maserninfektionen ist auch in Krankenhäusern und Arztpraxen zu beobachten. Medizinisches Personal hat aufgrund des Kontakts mit Patienten und mit Patientenmaterialien eine erhöhte Infektionsgefährdung. Bei Masern ist die Infektionsgefährdung des medizinischen Personals gegenüber der Normalbevölkerung bis zu 19-fach erhöht. Deswegen ist dringend zu fordern, dass das medizinische Personal mit ausreichendem Impfschutz ausgestattet ist – zum eigenen Schutz und zum Schutze der Patienten. Um dies umzusetzen, wurde durch das Präventionsgesetz der § 23a IfSG geschaffen. Er besagt, dass der Arbeitgeber in Bezug auf Krankheiten, die durch Schutzimpfung verhütet werden können, personenbezogene Daten eines Beschäftigten über dessen Impfstatus und Serostatus erheben darf und er bekommt das Recht, bei nicht ausreichenden Impfschutz, den Arbeitnehmer ggf. nicht einzustellen, zu versetzen oder zu entlassen – zum Schutze der Patienten.

Besonders medizinisches Personal muss sich mit Impfungen schützen.

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Deutschland hat sich wiederholt zu dem Ziel der Eliminierung der Masern der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekannt und bemüht sich, dieses Ziel zu erreichen. Aber die Ausrottung der Masern wurde im Jahr 2015, dem Jahr der vorgesehenen Masernfreiheit in Europa, erneut nicht erreicht. Besorgnis erregend ist, dass Deutschland im Jahr 2015 über 60 % aller gemeldeten Masernfälle in der Europäischen Union aufwies. Es ist offensichtlich: Die Durchimpfungsquote in der Bevölkerung muss deutlich steigen!

Um den beschriebenen Trend umzukehren, muss meines Erachtens vermehrt Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit geleistet werden. Eine Impfpflicht lehne ich ab. Wie will man sie durchsetzen? Sollen Kinder impfverweigernder Eltern von der Polizei abgeholt und zwangsweise in Impfstellen der Gesundheitsämter vorgeführt werden? Ich halte einen solchen Weg nicht für gangbar. Der richtige Weg ist, die Menschen zu überzeugen, dass der Impfschutz sehr erfolgreich ist und Leben rettet.

Eine Impfpflicht ist nicht umsetzbar. Stattdessen müssen Menschen von Impfungen überzeugt werden.

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Weiterhin ist hilfreich, dass der Gesetzgeber beabsichtigt mit Hilfe des Mitte 2015 in Kraft getretenen Präventionsgesetzes die Prävention und Gesundheitsförderung in den Lebenswelten und in der Arbeitswelt zu verankern und das Impfwesen zu fördern. Im Feld der gesetzlichen Krankenversicherung sollen nach § 20i SGB V alle präventivmedizinisch tätigen Ärztinnen und Ärzte, einschließlich der Ärzte im Gesundheitsamt und der Betriebsärzte, je nach Setting bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen den Impfstatus auf Grundlage der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission erheben, in Hinblick auf Schutzimpfungen beraten und falls Impflücken bestehen, diese schließen. Der Gesetzgeber erhofft sich durch die neu geschaffene Einbeziehung von Betriebsärzten eine deutliche Erhöhung der Impfrate, weil sich gerade in den kleineren und mittleren Betrieben Personen finden, die noch nie den Haus- bzw. Facharzt aufgesucht haben.

Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) sieht die Steigerung der Impfquote in der Bevölkerung als eine nationale Aufgabe an. Die GMK hat zur Förderung der Impfaktivitäten in Deutschland den Nationalen Impfplan (NIP) beschlossen. Um die dort beschriebenen Ziele erreichen zu können, ist ein kontinuierlicher Austausch der auf Bundes- und Landesebene am Impfen beteiligten Akteure notwendig. Für diese Aufgabe wurde ein zentrales Koordinierungsgremium, die „Nationale Lenkungsgruppe Impfen“ (NaLI) 2016 gegründet. Neben Vertretern von Bund und Ländern sind auch Vertreter der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Mitglied. Die Umsetzung des NIP umfasst auch den Nationalen Aktionsplan zur Masern- und Rötelnelimination (NAP).

Wir sehen, es gibt gute Ansätze in Deutschland, die Impfquote in der Bevölkerung deutlich zu erhöhen. Wir sind auf dem Weg.

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